wilde perspektiven

wilde perspektiven

Freitag, 12. August 2022

Gefiederte Silhouetten in den Hauener Pütten

Kinners, ich darf mich nicht selbst loben, aber ich weiß, ich bin ein echter Tausendsassa!

Ich bin Herausgeber, Redakteur, Autor, Fotograf, aber auch Gellschaftskritiker und Entertainer in einer Person. 

Dieser großartige Blog ist nämlich ein Einmannbetrieb.

Und jetzt werde ich mich auch noch als Quizmaster versuchen.

Viele der heute hier präsentierten Bilder zeigen Vögel als Schattenriss. Wenn ihr gleich das erste der über 80 Fotos anklickt, verschwindet der Text und ihr könnt eure Bestimmungsfertigkeiten testen, bis der Arzt kommt. Schreibt alles auf, dann habt ihr am Ende die Möglichkeit, eure Resultate mit der Wirklichkeit zu vergleichen, ihr kleinen Spacken.

 

Jeder enthusiastische Vogelgucker in diesem Land kennt sie. 

Oder hat zumindest schon einmal von ihnen gehört.

Gemeint sind die Hauener Pütten am Ortsrand von Greetsiel, also jenes Feuchtgebiet, das einst durch Kleiabbau entstanden ist. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie die schweren LKW ins Gebiet gedonnert sind und an einem trockenen und heißen Tag im August mächtig Staub aufgewirbelt haben, um Klei abzuholen und zum neuen Deich zu transportieren. Damals hatte ich aber noch nicht in Ostfriesland gelebt.

Wenn der Wasserstand in den Pütten stimmt, also wenn er weder zu hoch noch zu niedrig ist, dann kann man dort als Vogelbeobachter auf seine Kosten kommen.

Am schönsten ist es in den Pütten am ganz frühen Morgen. Die Stimmung ist zu keiner anderen Tageszeit auch nur annähernd vergleichbar. Eigentlich gibt es dann nur einen Nachteil: Es herrscht, wenn es keine Wolken gibt, schlimmstes Gegenlicht!

Man kann diesen vermeintlichen Nachteil aber geschickt in einen Vorteil umwandeln und sehr schöne, vor allem aber sehr stimmungsvolle Aufnahmen schießen, wie man sie am Abend niemals hinbekommen könnte. 

An klaren Tagen sollte man also mindestens eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang im Gebiet sein.

Später mehr dazu.







a flock of Spotted Redshank

Die Hauener Pütten sind ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung, wie es so schön heißt.

Doch das sind sie nur deshalb, weil sie sich unmittelbar in Deich- und Wattnähe befinden und die Küste als Leitlinie für viele ziehende Vögel fungiert. Lägen die Pütten tief im Binnenland, vielleicht am Stadtrand von Osnabrück oder so oder in der Nähe des geilsten Stadions der Welt, der legendären Bremer Brücke, dann wäre die Artenvielfalt schon eine ganz andere, eben eine viel ärmere. 

Im Winter sind es vor allem Entenvögel, die sich auf den Wasserflächen aufhalten, doch wenn ab dem Frühjahr der Pegel sinkt, tauchen auch immer mehr Limikolen auf, die auf seichtes Wasser oder frei gefallene Schlammbänke angewiesen sind, je nach Art. Und diese Limikolen sind meine Favoriten! Es gibt nämlich innerhalb der Vogelwelt – aus meiner subjektiven Sicht neben den Singvögeln vielleicht – kaum eine spannendere und interessantere Gruppe.

In den letzten Jahren ist es leider so gewesen, dass der Pegel in den Hauener Pütten wegen ausbleibender Regenfälle und hoher Temperaturen schneller sank, als es den Limikolen und mir lieb sein konnte. Auch aktuell hat das Wasser in der Fläche an der Straße wieder einmal Siebenmeilenstiefel an und entfernt sich in rasantem Tempo von der Beobachtungshütte. Da in den kommenden Tagen und vielleicht auch Wochen mit noch deutlich höheren Temperatueren zu rechnen ist, droht diese interessanteste Fläche innerhalb des Feuchtgebietes wieder einmal komplett auszutrocknen.

Zum dritten Mal innerhalb von nur fünf Jahren!

Die Folge: null Vögel.

Aber so weit es ist ja noch nicht, Kinners. 

Die geile Graugans ist häufiger Gast- und nicht ganz so häufiger Brutvogel im Gebiet:



Greylag Goose and allies

Im Morgengrauen gibt sie dort zurzeit den Ton an.

Es ist ein einziges lautes Geschnatter, das man entweder mag oder hasst. 

Und ich mag es:


same 

Die bunten Bonbonfarben auf all den hier und heute gezeigten Bildern sind übrigens absolut echt!

Die Sonne hatte den Pinsel in der Hand, und ich habe nicht etwa am Regler gedreht. Was man also sehr schön anhand der vielen Fotos erkennen kann, ist, dass kein Morgen so ist wie der andere. Die Farben variieren täglich, aber auch innerhalb weniger Minuten. 

Hier war es fast schon ein VfL Osnabrück-Lila:


same


same


same

Graugänse schlafen in den Pütten.

Um Sonnenaufgang herum verlassen sie sie aber nach und nach in kleinen Gruppen, um sich auf den umliegenden Feldern und Weiden den Bauch vollzuschlagen:


leaving

Auch die gängigen Schwimmenten sind regelmäßig in den Hauener Pütten anzutreffen.

Hier sind es possierliche Krickenten, die gerade in der Gemeinschaft den Tagesbeginn feiern:


Green-winged Teal and a single Mallard in da background

Aber auch Schnatter-, Löffel- und natürlich auch Stockenten kann man in diesen Tagen im Gebiet beobachten.

Ein einzelner Kiebitz suchte in typischer Stop-and-go-Manier am Rande einer Schlammbank nach kleinen Wirbellosen: 



Northern Lapwing

Ab Mitte Juli hielten sich morgens oft sehr viele Dunkle Wasserläufer vor der Beobachtungshütte an der Straße auf.

Ihre Zahl schwankte allerdings von Tag zu Tag beträchtlich, und das liegt grundsätzlich vor allem daran, dass sich die blöde Tide permanent nach hinten verschiebt, also der Zeitpunkt, wann die Hochwassermarke erreicht wird. Eine einfache Regel: Je höher das Wasser im Watt aufläuft, desto mehr Vögel lassen sich in den Pütten blicken.

Manche Arten tauchen sogar fast nur unter diesen Umständen auf den Schlammflächen auf, wie z. B. der Sandregenpfeifer



Spotted Redshank with one Greylag Goose and tons of Black-headed Gulls in da background

Weitere Bilder vom Dunklen Wasserläufer (hier u. a. mit Krickente):


Spotted Redshank and Green-winged Teal

Unscharf im Vordergrund sieht man auch noch mindestens einen Kampfläufer




same

Und noch einmal mit Lachmöwen im Hintergrund:


same

Man sieht das auf den Bildern nicht, aber auf der Wasseroberfläche wimmelte es in diesen Tagen von irgendwelchen Fliegen, die emsig von den Vögeln erbeutet wurden. Um welche Art genau es sich hier handelte, vermag ich allerdings nicht zu schreiben.

Ein einzelner Dunkler Wasserläufer machte nach einem morgendlichen Bad Freudensprünge:



Spotted Redshank (with Avocet)

Das folgende Bild belegt etwas Erstaunliches:



pooping into the water is prohibited by law in this country (Avocet, with Ruff)

Vögel betreiben doch tatsächlich Stoffwechsel!

Das ist wie bei uns, sie stopfen oben was rein, und dann kommt unten eine kleine Überraschung raus. 

Schimpfen musste ich trotzdem, und so rief ich dem unverschämten Säbelschnäbler zu:  "Ins Wasser kacken ist verboten in diesem Land! Die ganzen Kollegen hier stehen doch mindestens auch mit ihren Füßen im selben Wasser, manche baden sogar darin, ich meine, wir durften doch früher auch nicht ins Becken machen, wenn wir im Freibad waren!"

Und haben es doch getan, so dachte ich mit einem Schmunzeln. 

Wir, meine Schwester, meine Mama und ich und manchmal auch noch ein bis zwei Nachbarskinder, waren sehr oft im Westerkappelner Freibad, als ich klein war. Ich erinnere mich jetzt an die hellblaue und immer etwas unangenehm nach Kunststoff riechende Kühltasche und die darin befindlichen Butterbrote (manchmal auch Käsebrötchen!), aber auch an die Butterkekse, die Mommi wirklich jedesmal eingepackt hatte, und die Bananen sowie an die stinkende Buttermilch, mit der sie uns nach dem Sonnenbad immer den Rücken eingeschmiert hat, ohne dass es dafür eine wissenschaftlich fundierte Begründung gegeben hätte. 

Damals hatte ich ernsthaft in Erwägung gezogen, meine Mutter wegen dieses Verhaltens anzuschwärzen, auf dem örtlichen Polizeirevier oder gleich bei Amnesty International, doch dann unterließ ich es doch. Ich meine, sie hat es wirklich immer nur gut mit uns gemeint. 

Mama, falls du das hier liest, ich verzeihe dir!

Und, hat man euch auch in Kindertagen mit fieser Buttermilch gequält?

Weil ich damals noch nicht schwimmen konnte, ich war bei unserem ersten Besuch im Freibad vielleicht fünf oder oder sechs Jahre alt, verbrachten wir Kinder einen Großteil der Zeit im Nichtschwimmer. Und natürlich haben wir alle ins Wasser gepullert – aber auch aufgepasst, dass es niemand bemerkt. Das Wasser war trüb und besaß wahrscheinlich – nicht von ungefähr – Körpertemperatur. Ich weiß noch, im Anschluss an so einen Aufenthalt im Freibad brannten mir immer die Augen. Bis heute kann ich nicht sagen, ob dafür das Chlor im Wasser verantwortlich war oder die Harnsäure aus ganz vielen Kinderblasen.

Natürlich gab es auch gleich mehrere Gründe, warum man ins Wasser machte. Es war so schön warm, und man wollte einfach nicht aufstehen und frieren. Ich glaube, das Wasser war bei all unseren Ausflügen ins Freibad wärmer als die Luft gewesen. Und die Toiletten sahen schon damals nicht mehr modern aus, und zu allem Überfluss rochen sie auch so, wie sie aussahen. Da war in mir eine Barriere, sie barfuß zu betreten. Man könnte auch von Ekel sprechen. Ein Köpper von der zehn Meter hohen Maschbrücke in Hollage hinein ins Wasser des Osnabrücker Stichkanals jagte mir damals jedenfalls weniger Angst ein. 

Okay, das war ein wenig später.

Jedenfalls animierten mich die Zustände in diesem Freibad dazu, sehr schnell und früh schwimmen zu lernen, um möglichst rasch hinüberwechseln zu können ins benachbarte tiefe und kristallklare Becken, wo die Erwachsenen ihre Bahnen zogen, von denen wiederum vor allem die aus meiner damaligen kindlichen Sicht besonders alten Frauen in so einer stabilen Schräglage diagonal zur Wasseroberfläche wie in Zeitlupe durchs Nass ruderten, behaubt mit einer Gummibadekappe mit bunten Blüten drauf.  

Kindheitserinnerungen. 

Wenn wir im Freibad waren, dann bezogen wir immer unseren Stammplatz auf einem bestimmten Rasenabschnitt unweit der Duschen. Auf der anderen Seite des Schwimmers befand sich ein Kiosk, der alles feilbot, was Kinder so zum Überleben benötigten. Es gab Eis, Schokoriegel, Weingummi, Cola und vieles mehr. Und wenn sich die frechen Frittenfettmoleküle bei günstiger Windrichtung zu uns auf den Weg machten und schließlich unsere ausgehungerten Nasenschleimhäute liebkosten, dann gab es wirklich kein Halten mehr. Freibadpommes, was könnnte es Schöneres geben? Und ohne eine Portion mit einem Riesenklecks Mayonnaise oben drauf, serviert in einer Spitztüte aus vor Fett triefendem, schon reichlich glasigem Papier, sind wir eigentlich nie nach Hause gefahren. 

Planschen macht eben hungrig!

Und dann war da noch der Fischteich! Riesige Goldfische und Karpfen zeigten sich an der Oberfläche des dunklen Wassers. Tatsächlich hat es sich hier nicht um einen "echten" Teich gehandelt, sondern um ein längst still gelegtes weiteres Schwimmbecken. Es mussten aber erst einige Jahre vergehen, bis ich das bemerkte. Zwar waren die Wände längst nicht mehr blau, doch man konnte noch die Treppen, die ins Wasser führten, erkennen. Aber nur dann, wenn man genau hinsah.

Jetzt bin ich alt und schon lange nicht mehr in einem Freibad gewesen. 

Ich liege nicht gerne auf Rasenflächen, wo sich die bescheuerten und sinnlosen Ameisen ein Vergnügen daraus machen, einem auf den Sack zu gehen, und gechlortes Wasser kann ich überhaupt nicht mehr ertragen. Hier in Ostfriesland gibt es unzählige Möglichkeiten, sich im Sommer zu erfrischen. Die vielen Sandgruben um Aurich herum zum Beispiel sind ein echter Traum!

Anderes Thema:



Fatty, the fatest wasp I have ever seen

Am 18. Juli 2022 sah ich diese fetteste Wespe meines Lebens, die einer vorbeikrabbelnden Assel eine fröhliches Moin zurief.

Nur wegen dieses leichtfertigen Fehlverhaltens war mir das Biest überhaupt erst aufgefallen. Ich schoss meine Fotos und ging einfach weiter.

Und zwar zurück zu den Pütten:


from left to right: Dunlin, Curlew Sandpiper, Dunlin, Little Stint, and Ruff

Vier Strandläufer-Arten auf einem Bild!

Von links nach rechts: Alpenstrandläufer, Sichelstrandläufer, Alpenstrandläufer, Zwergstrandläufer und Kampfläufer

Es folgen vier Kampfläufer:



Ruff

Ein einsamer Waldwasserläufer verlor sich ein wenig auf der weiten Fläche: 



Green Sandpiper

Bekassinen:


Common Snipe

Einen Augenblick später oder früher:


same

Es folgt ein Bild mit drei Vögeln, aufgenommen an einem bedeckten Tag ohne verficktes Gegenlicht:



three different waders, but which species?

Auflösung folgt später.

Der ist einfach:


Cormorant

Am 20. Juli 2022 hörte ich plötzlich die unverwechselbaren Rufe der Weißbart-Seeschwalbe über der Fläche neben der Straße:


five Whiskered Terns showed up on 20th of July

Und wenig später entdeckte ich die noch im vollständigen Prachtkleid befindlichen Vögel auch schon.

Sie jagten entlang des hinteren Schilfrandes nach Insekten, nur um nach einem Kurzauftritt rasch wieder zu verschwinden!

Wäre ich fünf Minuten früher gefahren oder vier Minuten später gekommen, ich hätte diese seltenen Gäste verpasst. 

So ist das oft in den Pütten. 

Eine junge Trauerseeschwalbe war da etwas kooperativer, blieb sie doch gleich zwei Tage im Gebiet:


young Black Tern

"Aaachtung, ich laaande!"


same

Machte da voll den Aufstand und flog dann doch einfach weiter.

Hier war es wieder einmal bedeckt wie Hulle:


adult Marsh Sandpiper

Schon allein an der Körperhaltung kann man den selten in Ostfriesland auftauchenden Teichwasserläufer bisweilen erkennen. 

Dieser zum Zeitpunkt der Aufnahme noch prächtige Vogel stattete den Hauener Pütten am 12. Juli 2022 einen Besuch ab. Ihr seht, er kippte bei der Nahrungssuche beinahe vornüber. Und das macht ihn unter allen Tringa-Arten nahezu einzigartig. Im Grunde erinnert der Teichwasserläufer in seiner Körperhaltung bei der Nahrungssuche an einen winzigen Stelzenläufer.

Und damit ihr Vollpfosten diese beiden Arten auch miteinander vergleichen könnt, gibt es jetzt ein Bild vom Original:



Black-winged Stilt, only a visitor at Hauener Pütten

Am 24. Juli saß ich morgens in der Beobachtungshütte und schoss einige Bilder von Dunklen Wasserläufern.

Eine Bremerin, die vor einer der anderen Luken saß, fragte plötzlich in die Stille hinein: "Der Vogel dahinten, ist das ein Stelzenläufer?" Nachdem ich ihn gefunden hatte, bejahte ich und ließ Glückwünsche folgen, hatte ich den Stelzenläufer zuvor doch tatsächlich übersehen. 

So geht das nicht, Frank, meldete sich auf der Stelle mein Ego, du kannst dich doch nicht in deinem eigenen Wohnzimmer so vorführen lassen. Und schon gar nicht, wenn du anwesend bist. So kenne ich dich gar nicht. Bist du krank?

Zwei Minuten später wieder die Frau: "Da ist noch ein zweiter!" Tatsächlich, so stellte ich ganz nüchtern fest, da war ein zweites Individuum, das sich zuvor vielleicht in einer der uneinsehbaren Buchten aufgehalten hatte. Dann stand die Frau auf, um sich die Schautafeln an der Wand der Hütte anzusehen. 

Diese Chance ließ sich mein Ego nicht entgehen: Wieso sitzt du so ruhig da? Tu was! Du musst wirklich krank sein, zischte es mir ins rechte Ohr. Stört es dich etwa gar nicht, dass Fremde hier in deinem Revier wildern? Es kann doch nicht sein, dass du dich so gehen lässt!

Doch, natürlich stört es mich, gab ich in Gedanken klein bei, aber ich kann doch schließlich nicht überall gleichzeitig sein. Für mich ist es schon ein Desaster, wenn hier überhaupt jemand einen seltenen Gast entdeckt, und es stört mich sogar dann, wenn ich nicht einmal hier bin.  

Die Frau bestaunte nach wie vor die Bilder an der Wand, und dann kam für mich doch noch die Erlösung, denn ich entdeckte einen dritten Stelzenläufer: "Ein dritter Vogel, ein junger!"

Es war also eine Familie. 

Eine zugereiste Familie, die schon am nächsten Tag nicht mehr in den Pütten beobachtet werden konnte. Der Stelzenläufer ist oft ein unruhiger und unsteter Gast hier in Norddeutschland, den es rasch weiterzieht. Bis zu diesem Tag hatte ich jedenfalls noch nie länger als 24 Stunden an einem Ort verweilende Individuen gesehen. Doch das sollte sich ändern, nur wusste ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 

Weitere Bilder von diesen Stelzenläufern folgen:



in this case a family with one child had a one-day rest

Im Hintergrund sieht man die für die Hauener Pütten so obligatorischen Löffler herumstehen.

Und einen zweiten Stelzenläufer.


same

Kinners, wer fliegt denn da so kopflos durchs Bild?


mystery bird

Auflösung folgt später.

Dieser prächtige Zwergstrandläufer war so winzig, dass ihn außer mir niemand bemerkte:


Little Stint in breeding plumage

Und dann waren es plötzlich zwei:


two 

Irgendwann im Juli tauchten gleich drei Seidenreiher in den Hauener Pütten auf:


up to three Little Egrets showed up on 10th of July

Oft standen sie auf einem auch bei den Löfflern und diversen Reihern furchtbar beliebten Holunder herum:


same or another

Die Vögel zeigten sich immer mal wieder im Gebiet, vor allem am frühen Morgen, doch erst gute zwei Wochen später gelang es mir, alle drei Seidenreiher auf ein Bild zu bekommen:


same

Abermals Kampfläufer:


Ruff

Ausnahmsweise mal ein Bild vom Abend mit der Sonne im Rücken:


also

Der Kampfläufer ist ein Unikum unter den Watvögeln.

Es handelt sich hier um die einzige bei uns regelmäßig auftauchende Limikole, die nie etwas sagt! Man kann den Kampfläufer eigentlich mit keiner anderen Art verwechseln, weil er in vielerlei Hinsicht so einzigartig ist – und trotzdem sorgt er immer wieder für Verwirrung!

Ich selbst habe mich da in der früheren Vergangenheit auch nicht immer mit Ruhm bekleckert, vor allem dann, wenn es sich um schlechte Fotos gehandelt hat. Der Kampfläufer ist ein Strandläufer mit proportional sehr langen Beinen, weshalb er durchaus auch mit Wasserläufern verwechselt werden kann. Die vielen Farb- und Zeichnungsvarianten vor allem der Männchen sowie der bedeutende Größenunterschied der Geschlechter machen die Sache noch komplizierter.

Vor allem für Anfänger. 

Morgendliche Gegenlichtaufnahmen wieder von Kampfläufern: 


Ruff and at least four Black-tailed Godwit 

Ein paar Uferschnepfen sind auch zu sehen.



same

Ich schrieb es bereits: Nur am ganz frühen Morgen ist es wirklich schön in den Hauener Pütten.

Mit etwas Glück ist man sogar der einzige Mensch weit und breit. Wenigstens für ein bis zwei Stunden. Bald aber tauchen die Leuchtturm-Terroristen auf, die die Stimmung unsensibel zerstören. Man steht mit dem Rücken zur Straße, während man die Vögel durchmustert, und im Minuten-,  zu den Stoßzeiten sogar im Sekundentakt rauschen die Autos an einem vorbei. Zum Teil in geringstem Abstand! E-Radfahrer ohne Ende und schließlich auch noch Passanten, mit und ohne Hund, lassen das Fass des Erträglichen schnell überlaufen, vor allem im Sommer und ganz besonders zur Ferienzeit.

"Sind die weißen Vögel dahinten die Löffler?

Das ist übrigens die mir am häufigsten gestellte Frage in den Pütten. 

Es ist auch deshalb nur am Morgen schön, weil das Licht einzigartig ist. Manchmal reicht es sogar für Bodennebel und hübsch wabernde Schwaden über der weiten Wasserfläche. 

Und dann ist da die Hütte. 

Eigentlich sind es zwei, doch nur die an der Straße ist wirklich nutzbar. Dort ist es ab elf Uhr ein ewiges Kommen und Gehen. Viele der Terroristen kommen rein, machen viel Lärm und gehen dann wieder, weil sie wohl etwas Anderes erwartet hatten. Andere setzen sich zwar vor eine der Luken, um mit dem Handy ein paar Bilder zu schießen, doch dann stehen sie schnell wieder auf, weil ja noch der blöde Leuchtturm wartet. Oder ein Eis oder Fisch in Greetsiel. Nicht selten vergessen sie dann in der Eile, die Luken wieder zu schließen. Doch sie müssen geschlossen werden, weil sonst die Rauchschwalben eindringen und nicht wieder ins Freie finden.

Ja, das passiert tatsächlich, vor allem die Jungvögel finden nicht wieder heraus.

Früher brüteten die Rauchschwalben auch im Innern der Hütte, doch der NABU, der diese Hütte unterhält, möchte das offenbar nicht mehr. Dabei brauchte man nur eines der schmalen Fenster unterhalb der Decke herauszunehmen, und alles wäre gut. Die Vögel könnten unabhängig von den Luken rein- und rausfliegen. Ich kann nur mutmaßen, warum man sie nicht mehr in der Hütte brüten lässt. Wahrscheinlich sind es ihre Hinterlassenschaften, die ja eventuell den einen oder anderen Terroristen fernhalten könnten. Mich hat die Kacke nie gestört, und ich bin der Meinung, dass jedes weitere Nest zählt, und im Innern der Hütte wäre Platz für mindestens fünf weitere Paare!

An und in der zweiten Hütte brüten gar keine Schwalben. Und rausgucken kann man auch schon lange nicht mehr, weil die Luken längst zugewachsen sind. Niemand kümmert sich darum, es wäre so einfach, die Büsche, die einem die Sicht nehmen, in wenigen Stunden zurechtzustutzen. Aber anscheinend stört das außer mir keine Seele. Allerdings bin ich lange nicht mehr dort gewesen; für den Fall, dass sich etwas geändert haben sollte, nehme ich das Geschriebene auf der Stelle zurück!

Damit ich nicht missverstanden werde: Es gibt sie auch, die Menschen, die sich vorbildlich verhalten. Und es sind keineswegs nur die "echten" Vogelgucker, die sich Gedanken machen. Auch viele Menschen, die sich jetzt nicht so furchtbar gut auskennen mit all den verschiedenen Arten, die man an manchen Tagen vor der Hütte sehen kann, nehmen sich manchmal viel Zeit, um einfach nur zu schauen oder sogar das eine oder andere Bestimmungsrätsel zu lösen. Da man nur wenige Zentimeter auseinandersitzt und die Leute nicht immer leise flüstern, hört man auch, was sie so mutmaßen. 

Und das ist dann wirklich lustig. 

Die Bestimmungstafeln an der Wand helfen auch nur selten weiter, weil sie die Arten in jeweils nur einem Kleid zeigen. Ende August sieht ein Dunkler Wasserläufer aber eben ganz anders aus als im Mai. Und so treffen diese durchaus interessierten Menschen nicht immer ins Schwarze. Schlimm finde ich das aber nicht, denn mich freut es schon, wenn die Leute überhaupt ein wenig Interesse an der Natur und all den verschiedenen wunderbaren Erdenbürgen zeigen. 

Und dass das nicht selbstverständlich ist, ist nicht neu. 

Weitere Säbelschnäbler (mit Uferschnepfen und einem jungen Stelzenläufer):



Avocet and friends

Noch einmal, nur ohne Stelzenläufer:


same

Eine Uferschnepfe inmitten anderer Watvögel:




Black-tailed Godwit (center) and friends 

Viele Uferschnepfen:



Black-tailed Godwit

Wenig später sah alles schon viel bunter aus:


same 

Und kurz vor Sonnenaufgang wurde es dann richtig schrill:

 

same

Immer mal wieder fliegen alle Limikolen, hier die Uferschnepfen, auf:


same

Fast immer ist der Grund dafür ein sich annähernder Greifvogel, entweder eine eher lahmarschige und deshalb harmlose Rohrweihe, manchmal aber auch ein Sperber.

Und dann war da diese Heringsmöwe, die sich zum Frühstück einen etwas zu groß geratenen Fisch gönnte:


Lesser Black-backed Gull with lecker fish

Zu groß?

Natürlich nicht!

Möwen darf man grundsätzlich nicht unterschätzen, wenn es um die Weite des geöffneten Rachens geht. Und natürlich war es für diese Heringsmöwe kein Problem, den Fisch in einem Stück zu verschlingen.

 

Für mich sind die Hauener Pütten vor allem ein Beobachtungsgebiet. 

Zwar fotografiere ich dort auch viel, doch meistens handelt es sich hier nur um Belegaufnahmen von selteneren Gästen. Für richtig anspruchsvolle Bilder reicht es meistens nicht, denn man kommt nie nah genug an die Vögel heran, wenn man nur eine kurze Kinderlinse besitzt. 

Mit einer längeren Brennweite geht da natürlich mehr:



Eurasian Spoonbill – photograph taken by Thomas Müller (Worms)

Thomas Müller (Worms) z. B. fotografiert mit einem 600er!

Im Juli hat er so einige Stunden in der Hütte an der Straße verbracht und ganz viele Bilder geschossen, von denen ich hier vier zeigen möchte. Einen Link zu Thomas' in Hauen gemachten Fotos gibt es hier: klick!

Besten Dank, Thomas, fürs Leihen!

Neben dem Löffler da oben gibt es jetzt eine abfliegende Uferschnepfe:



Bar-tailed Godwit – photograph taken by Thomas Müller (Worms)

Einen Säbelschnäbler:


Avocet – photograph taken by Thomas Müller (Worms)

Und zu guter Letzt eine sehr hübsche junge Bartmeise:


juvenile Bearded Reedling – photograph taken by Thomas Müller (Worms)

Doch so schön diese Fotos auch sind, es fehlt einem die Möglichkeit, sich mit stehenden Vögeln auf Augenhöhe zu begeben.

Wenn man sich auf den Boden legt, sieht man nämlich nur noch Schilf, und zu allem Überfluss muss man damit rechnen, dass einem von einem unachtsamen Autofahrer die Waden geplättet werden. Für mich, der ich nur mit einer kurzen Brennweite ausgestattet bin, bleiben also nur Belegfotos und eben Stimmungsaufnahmen, auf denen meist mehr als nur ein einzelner Vogel zu sehen ist.

Wie etwa jene zwei von einem prächtigen Kuhreiher, der sich am 4. August 2022 in den Pütten zeigte:


Cattle Egret had a brief rest (note Black-winged Stilt walking in shallow water)

Kaum hatte ich ihn fotografiert, da flog er auch schon davon. 

Und er flog richtig weit davon, sodass ich ihn sogar nicht einmal mehr mit dem Fernglas verfolgen konnte, doch als ich wenige Minuten später weiterfuhr und noch vor der Hütte einen weiteren Stopp einlegte, da stand da wieder ein Kuhreiher auf einem Busch herum:


either the same specimen or another one

Möglicherweise hat es sich an diesem Morgen also um zwei verschiedene Individuen gehandelt!

Gemeldet habe ich aber sicherheitshalber nur eines. 

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht, dass nur fünf Tage später in De Wieden (Overijssel/NL) ein gewaltiger Kuhreiher-Trupp mit sage und schreibe 46 Individuen entdeckt und auch fotografiert worden ist! Solche Zahlen kennt man innerhalb Europas sonst nur aus dem Mittelmeerraum. Bei uns in Norddeutschland hat sich jedenfalls bislang kein weiterer Kuhreiher blicken lassen. Wenige weitere Feststellungen von einzelnen Vögeln liegen aber aus Bayern vor.

Neben dem Geschnatter der vielen Graugänse gibt es noch ein zweites klassisches Geräusch in den Hauener Pütten zu hören und das auch nur ab Ende Juni. Es ist so ein plärrendes Schnarren oder ein schnarrendes Plärren, ganz wie man will, das sehr weit trägt und frei übersetzt nichts Anderes als "Hunger! Hunger! Hunger! Hunger!" bedeutet. 

Und der linke Vogel auf dem folgenden Foto machte dieses Geräusch:


young Spoonbill begging for food

Es handelt sich hier um einen jungen Löffler, der seiner Mutter oder seinem Vater hinterherlief.

Junge Löffler sind echte Nervensägen, die ihren in diesem Alter längst unangemessenen Forderungen nach einer Versorgung mit Nahrung durch die Eltern sogar mit Schlägen der Flügel und ständigem Heben und Senken des Kopfes Nachdruck verleihen. Die Altvögel wiederum haben dann immer so einen verzweifelten und gehetzten Ausdruck in ihren Augen, doch selbst wenn sie abfliegen, um endlich Ruhe vor dem eigenen Kind zu haben, reicht das nur selten aus.

"Hunger! Hunger! Hunger!":





same

Flucht:

different specimen

Der Nachwuchs kann nämlich längst fliegen – und weiter hartnäckig die Mama oder den Papa verfolgen und um Fisch anbetteln. 

Mama Löffler rief mir völlig erschöpft zu: "Was waren das noch für traumhafte Zeiten, als die Brut noch ans Nest gebunden war!"

Weitere Löffler vor Sonnenaufgang am Schilfrand herumlungernd:



same

Es folgt eine Aufnahme, die gleich mehrere Löffler beim allmorgendlichen Kampf um den so begehrten Platz auf dem Holunderbusch zeigt (mit Löffelenten unscharf im Vordergrund):


Spoonbill

Ein einziges Hauen und Stechen ist das immer, das kann ich euch verklickern!

Und jetzt gibt es noch einmal eine ganze Schar dieser hübschen Vögel, wie man sie alltäglich an ihrem Stammplatz herumstehen sehen kann:


same

Fast könnte man meinen, sie wären dort festgepflockt.

So wie auf diesem Bild werden die Löffler in der Regel auch von all den Terroristen gesehen.

Nämlich als eine kopfstarke Gruppe weißer, großer und langbeiniger Vögel, die den Tag nichtstuend an sich vorbeiziehen lässt. 

Scheinbar!

Denn tatsächlich haben sie zu diesem Zeitpunkt längst einen vollen Magen. Wer Löffler bei der Jagd beobachten möchte, auch der muss früh aufstehen. Zwar kann man Einzelvögel auch zu anderen Tageszeiten beim Fischen und Froschen beobachten, doch vor allem um Sonnenaufgang herum geht in den Hauener Pütten so richtig die Post ab! Und es ist immer wieder ein Genuss, sich dieses Naturspektakel anzusehen. 

Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht, dass Löffler schon mit mittelgroßen Fischen so ihre Probleme haben. Löffler sind eben keine Reiher und haben auch nicht deren weiten Schlund. Das Hinunterschlingen der Beute ist für sie jedes Mal eine echte Herausforderung. Und oft habe ich beobachten können, dass ein Vogel nach etlichen Versuchen einfach aufgibt und sich den Fisch von einem Artgenossen stibitzen lässt. Wie ein Staffelstab wechselt die glitschige Beute nicht selten von einem Vogel zum nächsten, und am Ende taucht ein Silber- oder Graureiher auf, um als Letzter laut zu lachen. Beide Arten profitieren von den Beutezügen der Löffler, so wie sie sich auch die Beutezüge des Kormorans zunutze machen können. Wenn die nämlich die Fische in Gruppen ins seichte Wasser oder in eine Bucht treiben, sind die Reiher meist schon da, um kräftig zuzulangen. 

Ohne großen Aufwand. 

Wie schlau ist das denn?

Am 2. August 2022 kam ich dann doch noch in den Genuss, gleich eine ganze Stelzenläufer-Familie zu entdecken. 

Zuerst hörte ich ihre einzigartig nasal quäkenden Rufe, und dann sah ich die Vögel auch schon in großer Entfernung und Höhe am weißen Himmel auf mich zukommen. Sie schlugen nicht einmal mehr mit ihren spitzen Flügeln, gleiteten einfach sanft hinab, nur um dann fast vor meiner schiefen Nase im seichten Wasser nahe der Insel zu landen.

Mama, Papa, drei Kinder.

Und sie alle zeigten gar keine Scheu!

Es war bedeckt an diesem Tag und das Licht so richtig scheiße; es hat also wieder einmal nur für Belegaufnahmen gereicht. Doch wider ihre Stelzenläufer-Natur zogen die Vögel nicht gleich wieder ab, nicht einmal am selben Tag, nein, die langbeinigen Biester waren diesmal gekommen, um mindestens eine Woche zu bleiben. 

Und so konnte ich ganz viele Fotos von ihnen schießen:







another Stilt family with three children had a rest at Hauener Pütten, but in this case the birds kept staying for at least one week


same

Weitere Bilder:








always the same

Leider wird man niemals erfahren, wo diese Stelzenläufer gebrütet haben.

Laut Ornitho hat es allein in Norddeutschland gleich an mindestens sechs Orten Bruten gegeben, über deren Verlauf ich aber nichts weiß. Möglicherweise stammten die beiden Familien aber auch aus dem Ausland.

Zwei der drei Stelzenläufer-Kinder ganz nah:



juveniles

Und alle drei Blagen zusammen an einem bedeckten Morgen:


three kids

Man könnte sie aus der Ferne für Grünschenkel halten.  

Immer wieder sind in der Vergangenheit auf Ornitho Stelzenläufer aus dem ostfriesischen Watt gemeldet worden, doch wenn es Fotos gab, dann zeigten diese ausschließlich junge Grünschenkel! Der Stelzenläufer meidet keineswegs Salzwasser – in Südeuropa, wo er sehr häufig ist, besiedelt er ja auch salzige Lagunen –, doch im Watt zeigt er sich nie. Wer mich eines Besseren belehren möchte, kann das gerne tun und mir aussagekräftige Belegaufnahmen zusenden. Dann nehme ich das, was ich hier geschrieben habe, auf der Stelle zurück und spendiere vielleicht sogar eine Palette Karlsquell (ALDIs Rache).

Auf dem folgenden beiden Bildern nahm Frau Stelzenläufer die reichlich ungeordnete Parade der entfernten Verwandtschaft ab: 


mom


same

Bereits auf dem Heimzug zieht der Stelzenläufer gerne schon verpaart.

Familien bleiben auf dem Wegzug immer zusammen, sodass es am Ende so ist, dass der Nachwuchs von den Altvögeln ins Winterquartier "geführt" wird. Als echte Langstreckenzieher steuern europäische Stelzenläufer vor allem südlich der Sahara gelegene Gebiete in Afrika an, doch es soll auch Vögel geben, die die kalte Jahreszeit im europäischen Mittelmeerraum verbringen.

Heute ist der 12. August 2022, und die Stelzenläufer-Famile ist immer noch anwesend.

Das bedeutet, sie hat die zehn Tage vollgemacht!

Und jetzt wieder Säbelschnäbler ohne Stelzenläufer, dafür aber wieder mit Uferschnepfen:


Avocet with Black-tailed Godwit

Oh, ein Säbelschnäbler mit Farbringen:



with colour rings – ringed on Dutch island Stern within the Ems estuary (close to Hauener Pütten) 

Dieser Jungvogel war zuvor auf Stern markiert worden.

Stern ist eine kleine Insel in der Emsmündung und befindet sich wenige Kilometer südlich von Eemshaven (NL).

Drei weitere Säbelschnäbler, einer ganz entspannt stehend:


Avocet and BTG

Jetzt löse ich die drei Rätsel auf:


not a fat wasp, but of course my very first Hornet Moth (lifer!)

Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Wespe, sondern um einen Schmetterling.

Es ist ein Hornissenglasflügler, der erste meines Lebens! 

Entdeckt habe ich ihn am 18. Juli 2022 im "Sperberwald" in Neuwesteel. Das grell gefärbte Tierchen leuchtete mir regelrecht entgegen auf der dunklen Borke. Fast 55 Jahre alt musste ich also werden, um diese heimliche, wenigstens aber unauffällig lebende Art endlich mal zu sehen. Die Raupen dieses Falters leben im Holz diverser Pappeln, und im Gebiet kommen gleich drei Arten infrage: Silberpappel, Espe und Schwarzpappel. Daneben wachsen dort auch noch viele Weiden, vor allem Silberweiden, doch ob die von der Raupe des Hornissenglasflüglers auch als Nahrungspflanze genutzt werden, ist mehr als fraglich.

Die Zwillingsart, der Große Weidenglasflügler, dürfte auch in Ostfriesland fliegen. Sehr gut vorstellen könnte ich ihn mir auf dem Rysumer Nacken. Dort hatte ich vor vielen Jahren immerhin meinen ersten und bislang auch einzigen Glasflügler überhaupt entdeckt und fotografiert.

Es war ein hübscher "normaler" Weidenglasflügler:


this Red-tipped Clearwing (taken from the archives) had been my only clearwing moth for a very long time

Rätsel 2:



I proudly present Ruff, Common Sandpiperand Temminck's Stint

Spätestens stehend erkennt man Kampfläufer, Flussuferläufer und Temminckstrandläufer:


same

Gar nicht mal so schwer, oder?

Rätsel 3:


juvenile Mediterranean Gull

Es ist eine juvenile Schwarzkopfmöwe, die den Hauener Pütten am 30. Juli 2022 einen Kurzbesuch abstattete, um dort ein erfrischendes Bad zu nehmen.  

Das folgende Bild zeigt kein Deichschaf:


Red Fox was watching me

Aus der Nähe sah er so aus::



pretty young Red Fox

Irgendwo in Ostfriesland treiben sich drei Füchse auf dem Deich herum.

Man kann sie zurzeit jeden Morgen sehen, meist nicht weit voneinander entfernt. Aus dem Auto heraus und aus größerer Distanz hat man die Möglichkeit, ihnen sehr schön beim Mausen auf dem gemähten Deich über die Schulter zu blicken. Es handelt sich hier sehr wahrscheinlich um Geschwister und vor allem um Halbstarke, wie sie einst im gleichnamigen Kinofilm vor fast siebzig Jahren u. a. von Horst Buchholz und Karin Baal dargestellt wurden, nicht wirklich dumm, aber doch ganz schön leichtsinnig und draufgängerisch. 

Der hier gezeigte Fuchs ist besonders keck!

Während seine mutmaßlichen Geschwister sofort die Flucht ergreifen, wenn man eine bestimmte Distanz unterschreitet, duckt sich dieser schräge Vogel einfach ins kurze Gras, gerade so, als könnte man ihn dann nicht mehr sehen. Und wäre da kein blöder Zaun im Weg, könnte ich ihm vielleicht sogar noch näher auf den roten Pelz rücken. Aber da ist ein blöder Zaun, und eigentlich reicht mir das Foto auch als Erinnerung an diese lustige Begegnung.

Ich wünschte diesem Rotfuchs und seinen Geschwistern ein langes Leben, denn ich weiß, die meisten Individuen schaffen es nicht, auch nur das erste Lebensjahr zu vollenden. Der Hauptgrund dafür ist die sinnfreie Bejagung des Fuchses, wie sie besonders hier in Ostfriesland in schlimmster Ausprägung und wirklich auf jedem Quadratmeter grassiert. Kein anderes Tier ist bei hiesigen Jägern so begehrt wie Reineke Fuchs. Würde man auf die Jagd verzichten, könnten Füchse so alt wie Hunde werden, nämlich bis zu 14 Jahre! 

Haben sie etwa kein Recht darauf?

Vielleicht sollten wir uns mal ein Beispiel an Luxemburg nehmen, wo man die Fuchsjagd schon 2015 verboten hat. Nichts hat sich dort aus ökologischer Sicht verschlechtert, keine der von den dortigen Jägerschaften prognostizierten düsteren Szenarien hat sich bewahrheitet, was natürlich auch abzusehen war, weil man ja weiß, was das für Menschen sind und welche Ziele sie – neben dem Fuchs – im wahrsten Wortsinn verfolgen. Der Fuchs ist ein wichtiger Bestandteil der Natur. Und entsprechend sollten wir ihn nicht nur respektieren, sondern ruhig auch mal bewundern für sein aufgewecktes Wesen, das es ihm gestattet, nahezu überall dauerhaft zu bestehen.

Selbst in unserer unmittelbaren Nähe.

Und das will wirklich was heißen!

Zu guter Letzt gibt es den hier:


Raccoon Dog

Es war für mich zu diesem Zeitpunkt erst der dritte Marderhund meines Lebens! 

Ein vierter folgte nur eine Woche später, ebenfalls auf der trocken gefallenen Schlammfläche direkt vor der Hütte an der Straße. Dass es sich um zwei verschiedene Individuen gehandelt hat, konnte man am Fell erkennen. Während der gezeigte Kollege hier eher kurzhaarig daherkam und wohl auch noch recht jung war, trug der zweite einen wirklich sehr schön gezeichneten und gefärbten Langhaarmantel. 

Leider entdeckte ich diesen zweiten Marderhund erst, als er fast schon wieder verschwunden war. Ich hatte die ganze Zeit einen Seeregenpfeifer mit dem Fernglas beobachtet und dabei gar nicht mitbekommen, was sich direkt vor meiner Nase abspielte. Erst die Warnrufe eines Blaukehlchens ließen mich aufmerken, doch da war es bereits zu spät für Bilder.

Pech gehabt.

Aber auch Glück.

Das Glück, ihn überhaupt gesehen zu haben!