wilde perspektiven

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Freitag, 20. Juli 2018

Die große Dürre

Ach Kinners, viel tut sich hier zurzeit nicht.

Und deshalb gibt es heute einen Pausenclown-Beitrag mit meteorologischem Hintergrund.

Doch bevor ich konkreter werde, möchte ich einer ganz bestimmten Randgruppe danken.

Diese Randgruppe besteht aus jenen Menschen, die regelmäßig meinen Blog besuchen und sich an dem, was ich so treibe, erfreuen.

Einige dieser Randgruppen-Mitglieder lassen mich das sogar wissen! Wenige tun das öffentlich und loben und preisen meinen Blog in meinem Gästebuch, andere sind weniger mutig und schreiben mir hinter den Kulissen eine freundliche Mail. 

Ich will ehrlich sein, beide Varianten gefallen mir außerordentlich gut. Und wenn ich nicht ich selbst wäre, dann würde ich diesen Blog wohl auch als herausragend bezeichnen. Aber es ist nun einmal so, dass ich derjenige bin, der hier alle Fäden in der Hand hält. Ich bin Fotograf, Außenreporter, Redakteur, Chefredakteur und Herausgeber in einer Person, ihr kleinen Nichtsnutze da draußen. Und deshalb muss ich mich mit Eigenlob zurückhalten.

In diesem Sinne schicke ich mal freundliche Grüße nach Melle, Lotte, Oldenburg, Berlin und ins schöne Frankenland, aber auch in den Rest der Welt, wo auch immer ihr euch gerade aufhalten mögt.

Zum heutigen Thema:










this image I have not taken in Africa! Currently it is much too dry in Ostfriesland. Since several weeks it hasn't rained a single drop, while the temperature is rising higher and higher. As a result many shallow water bodies have dried out within few days. Bad times for waders and other animals, who depend on water

Das Bild da oben zeigt den derzeitigen Zustand der Kleipütte in Manslagt.

Okay, es zeigt den Zustand einer der Hälften dieser Kleientnahmestelle. Denn tatsächlich wehrt sich die andere noch tapfer gegen die drohende komplette Austrocknung. 

Ich habe nicht jeden Tag auf die Wetterkarte geschaut, weiß aber auch so, dass es in den vergangenen Wochen kaum geregnet hat. Seit nun wohl zweieinhalb Monaten ist es hier warm bis heiß, von einer kurzen Unterbrechung mal abgesehen.   

Entsprechend kritisch ist der Zustand vieler einstiger flacher Wasserstellen. Und auf dem Rysumer Nacken, wo ich heute Morgen war, konnte ich beeindruckende Bilder von austrocknenden Pflanzen machen.

Hier ist es der Schwarze Holunder, der zunächst die Blätter opfert, um vielleicht die heranreifenden Früchte noch zu schonen:


Black Elder is suffering under these unusual conditions with his leaves already turning brown

Hier auch, umzingelt von Beständen der ebenfalls schwächelnden Kartoffelrose:

Black Elder with Japanese Rose

Dabei handelt es sich um den allerletzten Busch vor den Niederlanden, denn der Ostfriesland-Amazonas im Hintergrund bildet die Staatsgrenze:

in the foreground Japanese Rose with yellow leaves

Im Vordergrund erkennt man ausgedehnte Bestände bereits gelbblättriger Kartoffelrosen. 

Und auch das hübsche Reitgras hat seine besten Zeiten bereits hinter sich: 


fruiting Reed Grass

Okay, aus Sicht des Allergikers waren es eher die schlimmsten Zeiten.

Sehr, sehr durstige Bestände der Kartoffelrose, direkt neben der Straße:

thirsty Japanese Rose

Ihr seht, es sieht nicht wirklich rosig aus in Ostfriesland. 

Für die kommende Woche ist kaum bis gar kein Regen vorhergesagt. Und zu allem Überrfluss sollen die Temperaturen auch noch die 30-Grad-Marke deutlich übersteigen! 

Wenn das so weitergeht, bekommen wir hier tatsächlich noch afrikanische Verhältnisse. Der entscheidende Unterschied: Im Gegensatz zu den erzwungenermaßen genügsamen Menschen in Afrika kennen wir so einen Wassermangel nicht. 

Wie sollen wir also mit dieser Situation umgehen?

Die Antwort ist einfach: so wie immer!

Überall sehe ich Menschen ihre bescheuerten Rasenflächen fluten. Die Bedeutung von sauberem Trinkwasser scheint diesen Zeitgenossen nicht annähernd bewusst zu sein. Es kommt ja auch aus dem Hahn, so wie der Strom aus der Steckdose kommt.

Doch die Lage ist wirklich ernst! Die Bauern beklagen Ernteausfälle. Und vor allem der Mais will unter diesen widrigen Bedingungen nicht so recht in die Höhe schießen. Meine Meinung: Mais ist eh eine bescheuerte Pflanze. Ginge es nach mir, könnten alle Maisfelder komplett verdorren. Und überhaupt, was interessieren mich die jammernden Landwirte. Die weinen doch schon seit Jahrzehnten herum. Ernteausfälle gehen mir am Arsch vorbei. Schließlich kaufe ich mein Brot beim Bäcker und nicht beim Bauern.

Die hier gezeigten Bilder illustrieren übrigens nicht die ganze Wahrheit. Ich musste schon ein bisschen suchen, um geeignete Orte zu finden, an denen ich die passenden "Beweisfotos" schießen konnte. Mein Ziel war die Manipulation des Lesers. Die meisten Bäume hier in Ostfriesland sind nämlich noch grün, die Landschaft sieht eigentlich (noch) ganz normal aus. Dass flache Gewässer im Sommer vorübergehend austrocknen, ist jetzt auch nicht so furchtbar ungewöhnlich. Und heiße Sommer hat es in meiner lange zurückliegenden Kindheit wohl auch schon gegegeben. 

Ich will die Lage jetzt nicht herabspielen, Kinners, aber eben auch nicht dramatisieren. 

Trotzdem meine ich mich zu erinnern, dass es in einem sehr trockenen Sommer vor vielen, vielen Jahren mal Trinkwasser-Rationierungen gegeben hat. Wenigstens regional. Und das (ohnehin sinnfreie) Sprengen von (ohnehin sinnfreien) Rasenflächen wurde seinerzeit vorübergehend verboten. Wann das war und wo genau in der Republik, weiß ich allerdings nicht mehr.

Große Bestände des Jakobsgreiskrautes trotzen der hochsommerlichen Hitze:

Common Ragwort

Diese Heringsmöwe am Restaurant Strandlust dachte heute Morgen wohl kaum über die im Moment vorherrschende Trockenheit nach:







Lesser Black-backed Gull 

Wie auch, wo sie doch von Wasser umgeben war. 

Ein Regenbrachvogel ruhte sich vor bedrohlicher Kulisse aus:

resting Whimbrel (with power station of NL-Eemshaven in da background)

Ja, Kinners, das sieht nicht wirklich schön aus. 

Irgendwann werden wir die ganze Erde zugebaut haben, um zum Abschluss dieses Beitrages noch einmal traurig bis bösartig zu werden.  

Auch heute wieder sind mir die vielen Neubaugebiete hier in der Krummhörn aufgefallen. Es wird gebaut und gebaut. Alles wächst zusammen. Stillstand sei ja auch Rückschritt, so die landläufige Meinung. Weil die meisten Menschen keinen Bezug zur Natur haben – ich stelle das leider immer wieder fest –, wird am Ende wohl fast alles auf der Strecke bleiben, was mir lieb und teuer ist. 

Das ist keine schöne Perspektive!