wilde perspektiven

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Freitag, 15. Juni 2018

Es ist Sommer, wenn...

...das Übersehene Knabenkraut auf dem Rysumer Nacken zu blühen beginnt.

Und so weiter.

Bereits seit einigen Wochen haben wir hier in Ostfriesland und wohl auch in anderen Regionen unserer geilen Republik, zumindest vom Wetter her, Sommer.  

Dass das nicht selbstverständlich ist, haben wir alle noch sehr gut in Erinnerung. In 2018 hat die Sonne wahrscheinlich schon jetzt mehr malocht als im gesamten Vorjahr. 2017 war das Jahr der Unbeständigkeit: zwei Tage Regen, zwei Tage Wind, zwei Tage Scheißwetter – ach, ist doch jetzt auch egal. 

Jedenfalls ist dann der Sommer bei uns angekommen, wenn die ersten verfickten Regenbremsen wie aus dem Nichts auftauchen und nach meinem Blut dürsten. 

Es ist Sommer, wenn das Große Ochsenauge über grasige Landschaften flattert und der düster gefärbte Schorntsteinfeger an Brombeerblüten saugt.

Und es ist Sommer, wenn die erste schlimme Pollenphase des Jahres bereits wieder abgeklungen ist, weil der Scheißroggen seine Farbe gewechselt und endlich sein Leben ausgehaucht hat. 

Das Übersehene Knabenkraut, fotografiert am heutigen frühen Morgen:

when Southern Marsh Orchid is blooming summer has arrived

Eine Streckerspinne ganz in der Nähe wollte auch unbedíngt von mir fotografiert werden: 


Tetragnatha (extensa)

Weitere Kandidaten fand ich leider nicht!

Es war wie verhext an diesem Morgen. Viel Tau, schönstes Licht, doch leider absolut kein Leben zwischen den Halmen. 

Keine Fotomodelle. 

Das hatte ich in diesem Gebiet so noch nie erlebt. Trotzdem würde ich es jetzt nicht überbewerten und auf den allgemeinen und oft zitierten Insektenschwund schieben wollen. Vielleicht war es einfach nur ein blöder Tag. 

Später schien die Sonne und gab alles:


the Ems estuary, which constitutes the border between Germany and The Netherlands

Ein männliches Schwarzkehlchen genoss wie auch ich die wunderbare Aussicht auf die Flussmündung:

male Stonechat

Einige Mauersegler düsten geschwind an mir vorüber:  


Common Swift

Ich finde diese Art bisweilen etwas gespenstisch. 

Nur ein bisschen. 

Und zwar deshalb, weil Mauersegler abseits ihrer Brutgebiete grundsätzlich keinen Mucks von sich geben. Sie fliegen auf der Jagd nach Insekten nicht selten ganz dicht an einem vorbei, wie das auch heute Morgen der Fall war. Einige Male sogar so dicht, dass ich deutlich ihren Flügelschlag vernehmen konnte. Die schrillen Rufe des Mauerseglers aber hört man nur über Dörfern und Städten, eben dort, wo die Art auch brütet. 

Dass sich diese Vögel einem Menschen oder einen Schaf, einem Rind oder Reh nähern, braucht einen aber nicht zu ängstigen. Sie tun das nur deshalb, weil sie die von uns oder den Vierbeinern aufgescheuchten Insekten erbeuten wollen, wie es ja auch Schwalben machen, mit denen der Mauersegler aber nicht einmal entfernt verwandt ist. 

Wer ruht sich da auf dem nächsten Bild wo aus?




this European Hare shows up everyday in a garden in the center of Greetsiel. I would not claim he is tame, but at least bit more confiding than a "true" Hare out in the fields

Okay, ihr habt ihn gefunden:

same

Dieser süße Feldhase taucht nahezu jeden Nachmittag in einem Garten im Zentrum von Greetsiel auf.

Er ist kerngesund und quicklebendig, aber trotzdem nicht so furchtbar scheu wie all seine Vettern da draußen im ostfriesichen Outback, denen man sich erst gar nicht mit einer Kamera in der Hand zu nähern braucht, weil sie dann Gas geben und durchstarten und einen auslachen.

Ein Feldhase auf einem frisch gemähten Rasen macht aber jetzt auch nicht so furchtbar viel her.

Und das liegt nicht am Langohr!