wilde perspektiven

wilde perspektiven

Freitag, 28. März 2014

In the absence of almost everything - naturkundliche Feststellungen in Florida im März 2014

Reisezeit: 08.03. - 22.03.2014

Google-translation may help foreign visitors one more time. I can't express myself in English nearly as well as in German.

Achtung, es folgt ein erlkönigmäßiges Intro:

Liebe Kinder (und Erwachsene), gebt fein Acht -
ich hab' euch etwas mitgebracht.
Es ist kein Gold, kein Dromedar -
es sind ganz viele Bilder aus Florida!


Hmmmh, ja, eigentlich wollte ich wie im vergangenen Jahr einen langatmigen Flug umgehen, aber eben nicht auf Wärme und Sonne verzichten. Zunächst fasste ich also Griechenland ins Auge, erst den südlichen Teil der Peloponnes, dann Milos, doch die Griechen öffnen ihre Tore erst viel später im Jahr, wie ich im Reisebüro erfahren musste. 

Auf Zypern leben zwar auch Griechen, aber die Insel, zumindest eben der griechische Teil, ist autonom, sodass dort andere Gesetze herrschen sollten. Ist auch so, aber ein zweiwöchiger Urlaub dort wäre teurer gewesen als einer in Florida, was für mich dann auch ausschlaggebend war.

Um vier Uhr morgens stieg ich also in meinen Corsa, schaltete noch im Halbschlaf das Radio ein und vernahm die erste Nachricht des noch jungen Tages: Ein Flugzeug der Malaysia Airlines war demnach relativ kurze Zeit nach seinem Start vom Radar verschwunden und galt nun als vermisst! Das könnt ihr nicht mit mir machen, dachte ich, jedenfalls nicht heute. Ich habe auch einen langen Flug vor mir. Wie soll ich jetzt noch ruhigen Gewissens nach Düsseldorf fahren und dort dann in einen Airbus steigen?

Ich musste an die Menschen denken, die sich in diesem Flugzeug befanden. Wenn so ein Flieger nicht ganz plötzlich und für alle überraschend durch eine Bombe auf der Stelle komplett zerstört wird, wenn man also eventuell schon einige Minuten vorher weiß, dass es keinen Ausweg geben wird, dann muss das schrecklich sein. Schrecklich wie die Attentate vom 11. September 2001!

Doch auch ohne Terrorismus ist bei mir eine latente Flugangst vorhanden. Denn auch so ein Hochleistungsgerät kann trotz ausgezeichneter Wartung schließlich mal einen Aussetzer haben. Mit meinem PKW kann ich rechts ranfahren, selbst auf der Autobahn, wenn der Motor streikt, über dem noch bitterkalten Atlantik sieht das aber schon ganz anders aus, und selbst wenn man sich über Land befindet, ist ein Inferno allemal wahrscheinlicher als ein glückliches Davonkommen.

Ich erinnerte mich an einen Flieger, der seinerzeit auf dem Hudson River notgewassert war, hatte mir ein entsprechendes Video sogar erst vor kurzer Zeit, im Grunde als Vorbereitung auf meinen eigenen Flug, auf Youtube angesehen. Der Pilot dieser Maschine hatte eiskalt und mit großer Umsicht das Leben vieler Menschen gerettet. Ein wahrer Held, wie es sie wohl nur ganz selten gibt.





vultures love to drive Volkswagen: my rental car, occupied by Black Vultures and covered by dust as the result of excessive dirt road cruising

Egal, in meinem Fall sollte alles gut ausgehen. Nach einem etwa zehnstündigen Direktflug (hatte ich noch nie) kam ich etwas platt und mit angeschwollenen Füßen (hatte ich auch noch nie) in Fort Myers an, wo es weder zu heiß noch zu kalt war. Ich nahm meinen Mietwagen entgegen und machte mich sofort auf nach Immokalee, das sich etwa zwanzig Meilen östlich des Flughafens befindet. Dort bezog ich mein erstes Domizil dieser zweiwöchigen Reise, ein Motel, das ich bereits aus dem Dezember 2012 kannte.

Statistiken: Fünf Speicherkarten à vier Gigabyte konnte ich füllen, was für einen zweiwöchigen Aufenthalt in einem an naturkundlich Interessantem reichhaltigen Land eher Durchschnitt ist.

Mit meinem Jetta, der weder ein Thermometer noch einen Heckscheibenwischer besaß (gibt es sowas bei VW nur gegen Aufpreis?), legte ich wieder einmal eine beachtliche Strecke zurück. 2373 Meilen (3819 Kilometer) sollten es am Ende wieder werden. Zu Beginn handelte es sich noch um ein mehr oder weniger neues oder wenigstens neuwertiges Auto (Tachostand: 1777 Meilen), am Ende um eines, das zumindest vom äußeren Erscheinungsbild her bereits viele Jahre auf dem Buckel zu haben schien. Die vielen gefahrenen Kilometer kamen übrigens auch diesmal auschließlich wegen meiner abendlichen Ausfahrten zustande. Ausfahrten, die letztendlich dazu beitrugen, dass ich auch tatsächlich etwas fand.

Trotz großen Einsatzes meinerseits fand ich wieder nur zehn Schlangenarten (von etwa 28 im Gebiet), bis auf zwei Ausnahmen leider auch noch genau jene, die ich dort schon gesehen hatte. Hinzu kommen zwei weitere, die ich lediglich als Straßenverkehrsopfer feststellen konnte. Die Suche nach Schlangen in ihrem natürlichen Lebensraum ist und bleibt eine schwierige Angelegenheit, vor allem deshalb, weil es mir auch diesmal nicht gelingen wollte, wilde Deponien oder andere geeignete Ecken, wo man Bretter oder sonstwas wenden kann, ausfindig zu machen. Mensch, man kann doch nicht von mir erwarten, dass ich eigene Bleche aus Deutschland mitbringe, um die dann in Florida im Gelände auszulegen.

Zum Schluss noch ein paar Zeilen zur Witterung: In der ersten Woche war es durchgehend sonnig. Bereits eine Sekunde nach Sonnenaufgang war das Licht so grell, dass man seine Fotoaktivitäten auf den Zeitraum unmittelbar davor verschieben musste, wenn man auf gute Resultate nicht verzichten wollte. In der zweiten Woche wurde es dann besser. Morgens gab es auch mal Nebel, zunächst am Boden, dann weiter oben am Himmel. Spätestens bis gegen zehn Uhr klarte es aber auch an diesen Tagen auf. Die Temperaturen lagen so zwischen 16 (nachts) und 28 Grad (tagsüber).

Die meisten der hier gezeigten Schlangen fand ich während meiner abendlichen Kontrollfahrten. Ich sammelte sie ein, spendierte ihnen einen Leinenbeutel (jede bekam einen eigenen) und knipste sie am nächsten Morgen, um sie dann an wunderschönen und vor allem straßenfernen Orten in die Freiheit zu entlassen. Ich halte diesen wenige Stunden andauernden Freiheitsentzug für legitim. Die Tiere lagen am frühen Morgen brav zusammengerollt in ihrem Beutel, wie sie es sonst wohl auch in einem natürlichen Versteck getan hätten. Und man darf auch nicht das Schicksal jener Schlangen außer Acht lassen, die den Versuch, eine Straße zu überqueren, mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Jetzt holt euch mal ein leckeres Alster und Fluppen (für Nichtraucher: Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen anzufangen), dann kann es endlich losgehen. Ich wünsche ganz viel Spaß beim Lesen und Schauen!

Die erste Schlange dieser Reise war eine Gebänderte Wassernatter, die letztendlich auch zur häufigsten Art in diesem Zeitraum werden sollte:

Banded Watersnake - first and in the end most common snake species of this trip, Hendry County

Im Portrait sah sie so aus:

Ebenfalls an diesem ersten Abend begegnete ich einer Strumpfbandnatter, die nur wenige hundert Meter weiter die Straße überqueren wollte und auf dem noch warmen Aspahlt etwas ins Stocken geraten war:

Common Garter Snake, Hendry County

Und leider fand ich an diesem Abend auch die erste überfahrene Schlange. Dass es sich dabei um eine von nur zwei Erdnattern dieser Reise handelte, machte das Ganze noch deutlich schlimmer.

Ich beschloss, sie am nächsten Morgen trotzdem noch ein letztes Mal herzurichten und in Bildern festzuhalten, weil sie einfach eine echte Schönheit war:

Rat Snake (roadkill), Hendry County

Es handelte sich also eher um einen durchwachsenen Auftakt, über den ich mich wegen der toten Schlange nicht so recht freuen konnte. Ich fuhr zurück zum Motel und schlief erst einmal richtig aus.

Am nächsten Morgen dann besuchte ich ein sandig-trockenes Gebiet bei Lehigh Acres, das mir bereits von meiner letzten Reise nach Florida bekannt war.

So sah es dort aus:


xeric habitat (with canals) near Lehigh Acres, Lee County - I didn't find anything

Ohne die für Florida so typischen Kanäle geht es auch dort nicht, aber grundsätzlich handelt es sich um ein sehr trockenes Gebiet, in dem ich aber leider nichts Besonderes finden konnte.

Schön ist es dort aber schon, wenngleich mir die vielen Quadfahrer am Wochenende ganz gehörig auf den Sack gingen:

Nach zwei Tagen verließ ich enttäuscht das Gebiet in Richtung Norden.

Hier ein letztes Bild:

Bereits zu Hause hatte ich auf meiner detaillierten Florida-Karte einige interessante Gebiete mit dem Rotstift markiert.

Im Highlands County zum Beispiel sollte eventuell noch die weltweit ausschließlich im zentralen Florida vorkommende Kurzschwanznatter zu finden sein, doch scheiterte ich auch hier komplett. Die Art ist auschließlich nachtaktiv, doch weder die abendlichen Ausfahrten noch das Wenden zahlloser alter Bahnschwellen wollte Zählbares einbringen.

Immerhin aber stieß ich auf eine für mich komplett neue Art, die ich noch im Feld für einen schnöden Zaunleguan hielt. Am Ende und nach ausgiebiger Literaturrecherche aber stellte sich das Tier als Florida-Buschleguan heraus (Name frei übersetzt):

Florida Scrub Lizard (lifer), Highlands County 

Ich ging aufs Ganze und näher heran, um ein echtes Portrait zu schießen:




I had not even heard of this endemic species until I found it accidentally while flipping ground cover for snakes - obviously I was not well prepared

Lebensraum dieser ebenfalls nur in Florida vorkommenden und somit endemischen Echse war ein Bahndamm im Highlands County. Man hatte dort die alten Schwellen durch neue ersetzt, die alten dann einfach am Rande der Gleise abgelegt. Nachdem ich etwa fünftausend dieser nach Teer stinkenden Teile gewendet hatte, stieß ich schließlich wenigstens auf diesen Leguan. Eine Belohnung, die ich mehr als verdient hatte.

So sah es dort jedenfalls aus (links und rechts der Gleise kann man die alten Schwellen liegen sehen):


habitat of Florida Scrub Lizard, Gopher Tortoise, Indigo Snake, and Eastern Diamondback, Highlands County

Warum ich überhaupt weiß, dass die Indigonatter in diesem Gebiet vorkommt? Es gab dort eine Biologische Station, deren Mitarbeiter sich mit all diesen Tieren, vor allem aber eben mit dem Buschhäher, beschäftigten. Und der englische Untertitel des letzten Bildes nimmt es vorweg, die Georgia-Gopherschildkröte kommt dort ebenfalls vor.

Zunächst sollte ich aber nur ihre Baue entdecken:

Gopher Tortoise burrow, Highlands County

Okay, den querovalen Eingang kann man jetzt nicht sehen, aber der weiße Sandhaufen davor ist ein markantes Merkmal, das man schon auf große Distanz erkennen kann. Die Georgia-Gopherschildkröte ist staatlich geschützt, man darf sie also nicht berühren. Ein Bekannter erzählte mir, man dürfe sie nicht einmal von einer viel befahrenen Straße auflesen, um in guter Absicht Schlimmes vom Tier abzuwenden.

Die Baue dieser Art bieten darüber hinaus vielen anderen Tieren Schutz, darunter so bedrohten wie Diamantklapperschlange und Indigonatter. Letztere konnte ich dort leider nicht finden, die Diamantklapperschlange schon, doch hätte ich auf eine solche Begegnung lieber verzichtet:


large Eastern Diamondback (roadkill), Highlands County

Zurück zu den Bauen der Gopherschildkröte: Weil sie eben auch von der von vielen Idioten so gefürchteten Diamantklapperschlange als Unterschlupf genutzt werden, werden die Baue auch heute noch illegal begast, um darin schlummernden Klapperschlangen ein qualvolles Ende zu bereiten. Viele andere Kreaturen wie Gopherschildkröte und Indigonatter ließen und lassen bei solchen Aktionen ebenfalls ihr Leben. In Deutschland hat man diese Methode früher übrigens auch eingesetzt, um Fuchs und Dachs kurzzuhalten.

Merksatz: Kranke Menschen machen eben kranke Sachen!


Hier eine Georgia-Gopherschildkröte, die ich unweit eines anderen Baues antraf. Insgesamt ist sie etwas flacher als die europäischen Landschildkröten:


Gopher Tortoise, Highlands County

Unter einem Stein fand ich ein Gelege, das von einer Schlange stammen sollte. Einige der Eier waren bereits verfault, doch weitere schienen unversehrt. Zwecks Größenvergleich legte ich eine Dollarnote daneben:

as flipped: clutch of a snake? What species?  Highlands County

Vögel spielten auch auf dieser Reise eher eine kleine Nebenrolle. Wollte man wirklich schöne Aufnahmen zum Beispiel der vielen Schreitvogelarten machen, müsste man andere Gebiete aufsuchen und dort mehr Zeit investieren. Man kann bei gutem Licht am frühen Morgen aber nicht an mehreren Orten gleichzeitig sein. Entsprechend sollte man sich auf eine Sache konzentrieren und die andere nur dann in die Arbeit einbauen, wenn sich einem plötzlich die Gelegenheit dazu bietet:

Florida Scrub Jay, Highlands County

So hing ich da im Gleisbett herum, um nach Schlangen zu suchen, und entdeckte dann einen Florida-Buschhäher, der da exponiert auf einer Truthahneiche stand und mir bei meiner Suche über die Schulter sah.

Hmmmh, dachte ich, wenn ich mich richtig erinnere, dann geht da jetzt aber was. Noch nie in meinem Leben hatte ich diese ebenfalls auschließlich in Florida vorkommende Häherart gesehen, doch ein naher Verwandter des Vogels, der Westliche Buschhäher, war mir aus Kalifornien bekannt. Ich lief also zum Auto und nahm ein kleines Stück Brot in die Hand, um es dann auf den Boden zu legen.

Ich sollte Recht behalten, denn nicht nur hinsichtlich ihres Aussehens ähneln die beiden Arten einander sehr, auch im Verhalten gibt es kaum Unterschiede. Sofort kam der Buschhäher angeflogen und landete nur zwei Meter von mir entfernt auf dem Boden, um das Brot aufzunehmen und anschließend im Sand zu verstecken.

Weil die Art schon allein aufgrund ihres kleinen und darüber hinaus auch noch disjunkten Verbreitungsgebietes gefährdet ist, wollte ich die Vögel natürlich nicht weiter mit Brot ködern. Ich fuhr also ins nahe Lake Placid und enterte dort einen Supermarkt. Mit einer großen Tüte roher Erdnüsse kehrte ich zurück. Bereits am nächsten Tag akzeptierten mich die Vögel als ihren guten Freund, kamen bereits neugierig angeflogen, sobald ich mit meinem Wagen am Straßenrand hielt:



without any exception all birds were banded with a combination of different colour rings

Ausnahmslos sind die Vögel farbberingt.

Weil der Florida-Buschhäher eben nur in Florida vorkommt, beschäftigen sich Wissenschaftler ausgiebig mit dieser Art, mit ihrem interessanten Sozialverhalten innerhalb der Familienverbände, um alles Erdenkliche zum Schutz dieses bedrohten Vogels unternehmen zu können. Und so bekommt halt jeder Buschhäher seine ganz eigene Ringkombination verpasst, die es den mit diesem Projekt befassten Mitarbeitern ermöglicht, jedes Individuum eben auch individuell anzusprechen.

these curious and tame birds have been a great pleasure for me

Anhand dieser Ringe konnte ich spätestens am Rechner feststellen, dass ich drei verschiedene Vögel fotografiert hatte:

Im Gegensatz zu unserem Eichelhäher sind Buschhäher sehr zutraulich und auffällig, weil sie meist ganz frei sichtbar auf einer Buschspitze stehen und Deckung eher meiden. Eine große Kunst ist es jedenfalls nicht, sie zu fotografieren:

Die Landschaft, in der die Vögel leben, ist eine sehr trockene und karge. Kiefern und eben die Truthahneiche prägen dort das Bild. Und dieser Habitattyp ist bedroht und mit ihm alle in ihm lebenden Tier- und Pflanzenarten, von der Diamantklapperschlange über Kurzschwanznatter und Indigonatter bis eben zum Florida-Buschhäher. Weite Flächen dieser "unwirtlichen" Landschaft hat man in der Vergangenheit in Orangenplantagen umgewandelt und somit der Natur entzogen. Vergleichbar ist das zum Beispiel mit den deutschen Mooren, die man kurzerhand zu Maisacker und Grünland werden ließ:

habitat of Florida Scrub Jay, Highlands County

Entlang dieser Straße reiht sich ein Buschhäher-Revier an das andere an:

Das südliche Florida ist platt wie Ostfriesland, dieser hingegen leicht welligen Landschaft hier verdankt das County wohl seinen Namen, wenngleich der etwas zu hochgegriffen erscheinen mag.

Wieder ein Buschhäher:

Und noch zwei Bilder, weil es sie gibt:






Einige Meilen von diesem drögen Ort entfernt gab es eine Brücke über einen zugewucherten Fluss, über dem immer so schön die Schwalbenweihe segelten und Beutetiere aus den Baumkronen pflückten. Auf dem Weg dorthin fand ich meine erste Schwarznatter dieser Reise, leider eine tote, wie man unschwer erkennen kann:

Black Racer (roadkill), Highlands County

Ein Zypressensumpf, der sich neben dem Fluss befand, war leider eingezäunt, sodass ich ihn nur von außen fotografieren, nicht aber genauer unter die Lupe nehmen konnte:

Cypress swamp, Highlands County

Normalerweise sind diese Zypressensümpfe richtig finster, doch noch waren die Nadeln (Blätter) der Bäume am Austreiben, das Kronendach noch nicht geschlossen, sodass viel Licht die Wasseroberfläche erreichen konnte:

Ohne den Zaun übersteigen zu müssen, konnte ich einen Amerikanischen Grünfrosch dingfest machen, der sich zu meinen Füßen durch die nasse Bodenvegetation kämpfte:

Green Frog, Highlands County

Zu allem Überfluss gab es dann noch eine von insgesamt nur zwei Halsringnattern, die ebenfalls am frühen Morgen meinen Weg kreuzte. Ansatzweise ist die grell-orange Unterseite zu sehen, die die Schlange bei Bedrohung plötzlich zur Abschreckung präsentieren kann.

Aber natürlich ist sie völlig harmlos:

Ringneck Snake, Highlands County

Bei der nächtlichen Suche auf der Straße, die das Buschhäher-Gebiet mit dem Fluss verbindet, fand ich den überraschenderweise einzigen Kubalaubfrosch dieser Reise:

Cuban Treefrog, Highlands County

Ein zweites Bild vom selben Tier, nachdem es seine Ruhe- und Tarnstellung eingenommen hatte:

Und ich begegnete der ersten von am Ende sage und schreibe vierzehn Grünen Wassernattern:

Eastern Green Watersnake, Highlands County

Am nächsten Morgen machte ich weitere Bilder von dieser begehrten Art:

Ja, so sexy sah sie aus:

Und so meine rechte Hand, nachdem mich das Tier mehrere Male gebissen hatte (Belegfoto):

Eastern Green Watersnake kissed me more than once ;-)

Bei giftigen Arten passe ich natürlich auf, aber bei ungiftigen ist es mir eigentlich egal, ob sie mich beißen oder nicht. Grüne Wassernattern sind mit das Aggressivste, was ich in meinem Leben als Schlangenfreund bislang kennen gelernt habe. Kraftvoll beißen sie zu, halten den Biss aber nicht einfach, sondern ruckeln mit Urgewalt hin und her bei gleichzeitigem Ziehen, als wollten sie ein Stück Fleisch aus meiner zarten Hand herausreißen. Irgendwann lassen sie los, doch nur, um ein weiteres Mal an anderer Stelle zuzulangen. Nach ein paar Stunden im Beutel aber werden sie ganz ruhig. Man braucht sich dann keine Sorgen mehr zu machen, wenn man sie am nächsten Morgen herausnimmt..

Wieder am Flussufer fand ich einen Rotkehlanolis, der sich vor Sonnenaufgang taunass im Gras zu tarnen versuchte:

Green Anole covered by morning dew, Highlands County 

Über weite Flächen werden vor allem im Innern der Florida-Halbinsel Zitrusfrüchte angebaut, was zwar angenehm ist für die Nase, vor allem in windstillen Nächten, aber eben auch schlecht für wilde Tiere. Für sie und auch für botanische Kostbarkeiten stellen sie nichts anderes als totes Land dar:


Orange plantations are widespread in the interior of Southern Florida. For the majority of wildlife these places constitute nothing but dead land 

Irgendwann war ich der Meinung, dass ich meine Grenzen im Highlands County erreicht hatte und nichts Neues mehr finden würde. Ich fuhr also nach Osten zum Lake Okeechobee, wo ich bis zu diesem Tag noch nie gewesen war.

Der beinahe kreisrunde See hat einem Durchmesser von etwa 50 Kilometern und ist die Quelle des Grasflusses, wie die Everglades auch genannt werden. Der Mensch hat sich wirklich an diesem See versündigt, hat ihn eingedeicht und mit ringförmigen Kanälen umgeben, wie man es auch in viel kleinerem Ausmaße am Dümmersee bei Osnabrück getan hat.

Die unmittelbare Umgebung des Sees in jenem Bereich, den ich aufgesucht hatte, ließ mich erschaudern. Weit und breit nichts Anderes als Anbauflächen und Kanäle. Eine echte Agrarsteppe, wie man sie heute leider in vielen Ländern dieser Welt zu sehen bekommt.

Auf dem Deich (mit dem inneren Ringkanal links im Bild):




dike of Lake Okeechobee, Hendry County

Den See selbst habe ich eigentlich gar nicht gesehen, weil der Schilfgürtel so breit ist, dass er dem interessierten Betrachter selbst einen flüchtigen Blick auf den riesigen Okeechobee verwehrt. Ist aber nicht so schlimm.

Ein Unwetter näherte sich, endlich der erste Regen dieser Reise (äußerer Ringkanal):

Das folgende Bild habe ich aus einer entgegengesetzten Perspektive fotografiert (äußerer Ringkanal jetzt rechts im Bild). Warum man in den Deich an mehreren Stellen diese Geröllhalden eingebaut hat, ist mir ein Rätsel, doch auf eine mögliche Schlangenpopulation sollten sich diese tatsächlich positiv auswirken, wenngleich ich nicht eine einzige Wassernatter finden konnte:

Das Unwetter zog rasch vorüber; es sollte zumindest dort, wo ich mich aufhielt, bei ein paar kümmerlichen Tropfen bleiben, die am Ende allesamt auf diese mir unbekannte Blume gefallen waren:

unknown flower after  rain shower

Die Sonne kehrte dann noch einmal für kurze Zeit zurück, war es doch inzwischen kurz vor Tagesende (wieder mit dem inneren Ringkanal im Bild):





Agrarsteppe während des Regenschauers:

fields like this dominate areas at southern shore of Lake Okeechobee

Trotz allem ging ich nicht ganz leer aus, denn ich sah nicht nur die erste Bändernatter dieser Reise, nein, ich fand dort auch den einzigen Südöstlichen Fünfstreifenskink unter einer Plastiktüte:

Southeastern Five-lined Skink, Hendry County

Darüber hinaus auch noch den einzigen Carolina-Engmaulfrosch, der sich unter einem kleinen Stein vor mir verbarg. Ich konnte ihn noch im allerletzten Licht des Tages fotografieren und anschließend wieder in die Freiheit entlassen:

Eastern Narrowmouth Toad, Hendry County

Danach verließ ich den See fluchtartig, weil die Zahl der Mücken rasch zugenommen hatte und die Blutsauger schließlich einfach nicht mehr zu ertragen waren. Ich muss dazu schreiben, dass Mücken und Bremsen mein Blut einfach lieben und es jenem anderer Menschen bei gleichzeitiger Anwesenheit deutlich vorziehen. Einmal sagte ein Einheimischer in South Carolina zu mir: "Thanks for feeding our mosquitoes!"

Er hatte zuvor meine von Mücken bedeckten Unterarme gesehen...


Für mich ging es abermals in ein neues Gebiet, das ich im Dezember 2012 nur für einen Tag besucht hatte, damals ohne jeglichen Erfolg. Diesmal sollte es aber anders werden, denn gleich am ersten Tag fand ich dort eine Wassermokassinotter, die sich abends auf einer Schotterpiste sonnte:






Cottonmouth, Collier County

Auf dieser Reise sollte diese Art die einzige Giftschlange bleiben, die mir begegnete. Immerhin aber sah ich gleich ein knappes Dutzend in den vier Tagen, die ich mich im Gebiet aufhielt.

Doch zunächst einmal fand ich endlich auch mal die ersten Alligatoren. Hier waren sie allgegenwärtig und wurden von vielen Touristen, vor allem aus dem Norden der USA, ausgiebig bestaunt:

American Alligator, Collier County

Das Füttern der Tiere ist streng untersagt. Schilder, die man entlang der Kanäle aufgestellt hatte, wiesen unmissverständlich darauf hin. Ob der folgende Alligator wohl wusste, was da über ihm und über ihn geschrieben stand:

In diesem Gebiet waren Alligatoren, die die Wege querten, keine Seltenheit. Leider taten sie das aber ausnahmslos, wenn die Sonne hoch am Firmament stand und das Licht absolut scheiße (Verzeihung!) war, weshalb ich die folgenden Bilder einfach in Graustufen umgewandelt und somit zu Kunst gemacht habe. Zack, da kenne ich nichts.

Mal ging es ganz gemütlich von rechts nach links:





























Mal von links nach rechts, je nachdem, wo die Tiere mehr Aufregendes erwarteten. Bezüglich der Geschwindigkeit ist der Alligator so eine Art Rudolf Scharping unter den Reptilien, so für den Fall, dass sich noch jemand an den erinnern kann:

Und manchmal sah ich die Tiere nur aus größerer Entfernung:

Nachts kam das auch vor, aber dann erschrak ich oft regelrecht, weil ich das irgendwie nicht erwartete. Wenn da plötzlich so ein riesiges Teil auf dem Weg liegt, dessen Augen im Licht der Scheinwerfer auch noch werwolfmäßig aufleuchten, da kann selbst einem hartgesottenen Menschen wie mir das altersschwache Herz bis hoch in den Hals steigen (Belegfoto durch die versiffte Windschutzscheibe meines geilen Autos):

Ich fand auch einige Floridakröten:


Southern Toad, Collier County - there is a hole above the upper lip and the nostrils are enlarged, what I first saw at home when checking the pictures. Are there any toad parasitizing fly species in the US? It reminds me of European Common Toads parasitized by the toad fly

Ich hab's erst am Rechner gesehen, aber die Kröte hat erweiterte Nasenlöcher sowie ein fettes Loch knapp oberhalb der Oberlippe. Ob's eine Krötengoldfliege war? Ich konnte keinen Hinweis darauf finden, dass die Art auch in Nordamerika vorkommt.

Ein weiteres Bild, auf dem es etwas besser zu erkennen ist:


note enlarged nostrils and hole above upper lip

Inzwischen war die Luft wieder knochentrocken geworden, doch von einer auf die andere Nacht war auf der Schotterpiste, die durch das Gebiet führte, plötzlich ein Vielfaches dessen los, was man an den Tagen zuvor entdecken konnte. Nach Sonnenuntergang, wohlgemerkt. Ich selbst konnte den Grund noch nicht spüren, erst am kommenden Morgen, aber die Tiere mit ihren viel feineren Sinnen wussten sehr früh, dass es einen Wetterumschwung geben sollte. Tatsächlich nahm die Luftfeuchtigkeit im Laufe der Nacht rasant zu und gipfelte schließlich am frühen Morgen in ein kräftiges Gewitter.

Wer zeigte sich in dieser Nacht?

Gebänderte Wassernattern zum Beispiel:

Banded Watersnake, Collier County - within few hours humidity was increasing and culminated in a powerful thunderstorm on early morning. While I didn't realize this change in the beginning, frogs, toads, and snakes appeared on the road in much higher numbers than the days before. These creatures's senses are obviously much more developed than ours 

Eine weitere Gebänderte Wassernatter: 

Diese Art ähnelt tatsächlich von der ganzen Erscheinung her unseren europäischen Wassernattern, während die größeren Arten wie Braune und Grüne Wassernatter von ihrer Physiognomie her komplett anders daherkommen und nicht so recht zu dieser Art passen wollen. Aufgrund dieser Unterschiede plädiere ich so aus dem Bauch heraus und völlig unwissenschaftlich dafür, sie in getrennten Gattungen unterzubringen.

Südliche Leopardfrösche:

Southern Leopard Frog, Collier County

Die Rufe dieser Art ähneln übrigens am meisten jenen unserer Grünfrösche, wie die Art selbst ja auch.

Auch hier würde ich die Gattungen gerne neu einteilen wollen. Man hat jetzt wohl alle amerikanischen Echten Frösche (früher Rana) in die Gattung Lithobates gestellt, doch will ich nicht glauben, dass der Waldfrosch näher mit dem Ochsenfrosch verwandt sein soll als mit den europäischen Braunfröschen. Da wird sich noch eine Menge tun in den kommenden Jahren, mein Bauchgefühl trügt schließlich grundsätzlich nicht :-)

Ein Schweinsfrosch:

Pig Frog, Collier County

Und auch Bändernattern gab es plötzlich in größerer Zahl:

Eastern Ribbon Snake, Collier County

Ein weiteres Individuum:

Diese Schlange mit den ausdrucksstarken Augen, die dem Anschein nach keine Gewichtsprobleme kennt und sich vielleicht ausschließlich von Yogurette ernährt, sollte nach der Gebänderten Wassernatter zur zweithäufigsten Schlange dieser Reise avancieren. Das freute mich, denn ich mag sie wirklich sehr!

Dagegen trat die Strumpfbandnatter für mich völlig überraschend nur sporadisch auf:

Garter Snake, Collier County

Und wieder zwei Landschaftsaufnahmen.

Eine vom frühen Morgen:

Und eine weitere vom frühen Morgen:

Ich hatte es oben bereits erwähnt, die Wassermokassinotter, die ich bei meiner ersten Floridareise vergeblich gesucht hatte, kroch mir diesmal häufiger vor die Augen:

Cottonmouth, Collier County

Ich fand sowohl alte Tiere, die kaum noch Zeichnung hatten und einfach dunkelbraun gefärbt waren, als auch junge wie dieses, das noch die ganze Pracht des Jugendkleides präsentieren konnte:

Noch ein Bild desselben Tieres:

Und hier ein zweites Tier, das noch etwas kleiner als das obige war:

another specimen

Im Portrait:


Hier die Schlange nach ihrer Freilassung an einem Teich, der sich sehr weit entfernt von der nächsten Straße befand:




Obwohl es sich bei diesem Gebiet um ein Wildschutz- und/oder Naturschutzgebiet handelt und das Füttern der Alligatoren streng verboten ist, halten sich nicht alle Menschen daran. Ich bin ja der Meinung, dass bestimmte Leute ihre Wohnung nur dann verlassen sollten, wenn sie zum Shoppen oder zur Arbeit fahren wollen. In der Natur jedenfalls haben sie rein gar nichts verloren:


people feeding an Alligator with Doritos (he really liked that!). In the end the Alligator is going to be the one who has to pay the bill for this irresponsible behaviour 

Was wie ein echter Spaß ausschaut, ist einfach nur verantwortungslos, denn ab einem gewissen Zeitpunkt verbindet der Alligator Menschen automatisch mit Futter. Gibt es aber mal keine Chips, könnte es sein, dass das Tier zuschnappt oder sich vielleicht gleich ein ganzes Kleinkind zu Gemüte führen möchte. Die Panik ist dann groß, der Hass auf Alligatoren auch. Solche Zwischenfälle, die ausnahmslos durch Hirnlose verursacht werden, führten dazu, dass der Alligator u. a. Sanibel Island (zeitweilig) verlassen musste.

Am selben Teich, der deshalb von so vielen Menschen aufgesucht wird, weil er direkt am Highway liegt und es dort einen Boardwalk gibt, konnte ich am Morgen eine Gebänderte Wassernatter beobachten, die sich wohl gerade in diesem Augenblick auf die Pirsch begab:

Banded Watersnake, Collier County

Und einen weiblichen Grünreiher (früher Mangrovereiher) gab es auch noch:

Green Heron, Collier County

Eine Dosenschildkröte machte laut raschelnd im Unterholz auf sich aufmerksam:

Box Turtle (lifer), Collier County

Ich nahm sie in die Hand, um mal den legendären Klappmechanismus der Unterseite des Panzers unter die Lupe zu nehmen. Es ist wirklich unglaublich, was sich Mutter Natur so alles hat einfallen lassen. Der Panzer lässt  sich zum Schutze des Tieres wirklich wasserdicht schließen. Da kommt dann niemand an die Schildkröte ran.

Dosenschildkröten gehören eigentlich zu den Wasserschildkröten, haben sich irgendwann aber dazu entschlossen, ein Leben an Land zu führen. Man findet sie vor allem in Gebüschen und Wäldern, wo sie sich vor der sengenden Sonne verstecken können. Für mich sollte dieses Tier leider auch gleich das einzige bleiben.

Sah aus wie ein riesiger Froschlöffel:

looks like a member of the genus Alisma...

Keine Ahnung, wer die folgende Pflanze sein könnte. Sie ist jedenfalls sehr häufig und wächst ebenfalls im Wasser:

species?

Ich verließ den Boardwalk wegen des massiven Menschenaufkommens und fuhr zurück in die Einöde. Dort fand ich an einem Nachmittag meine erste Braune Wassernatter überhaupt.

Sie sonnte sich auf überhängenden Zweigen und machte Anstalten, sich ins Wasser fallen zu lassen und abzutauchen, doch war ich einen kleinen Tick schneller:


my very first Brown Watersnake, Collier County

this species probably does not cross any roads, neither at night nor at daytime. Otherwise I would have seen this large watersnake already earlier in South Carolina or Florida

Man beachte den im Vergleich mit der Gebänderten Wassernatter völlig anderen Gesichtsausdruck, der am ehesten jenem der Grünen Wassernatter ähnelt:

Ein Kanadareiher stand da in der Ferne auf einem Baum und beobachtete mich bei meinem fragwürdigen Tun:

Great Blue Heron, Collier County

Es gab da einen Ort im Gebiet, bei dem es sich um einen Schlafplatz von ganz vielen Schreitvögeln und Rabengeiern handelte. Doch nicht die Vögel waren dort so interessant für mich, nein, es war ein Wanderweg, der mal wegführte von diesen bescheuerten und vielbefahrenen Schotterpisten. Nicht ein einziges Mal bin ich dort einer Seele begegnet, dort konnte ich immer richtig gut abschalten.

Abschnittsweise war die Vegetation auf diesem Weg allerdings schon wieder recht dicht und hoch, eben weil dort niemand herumlief. Und es konnte passieren, dass man plötzlich über einen Alligator stolperte:

Alligator, Collier County

Der offizielle Florida State Butterfly war dort, wie eigentlich an allen Waldwegen, sehr häufig:

Zabra Longwing refreshing itself at the butterfly bar, Collier County 

Am Rande einer vielbefahrenen Straße sonnte sich eine riesige Florida-Weichschildkröte.

Ich wollte aussteigen und näher rangehen, doch verschwand sie blitzschnell im Kanal.

Geiler Riechkolben, oder?

Florida Softshell, Collier County

Mit die coolsten Biester, die ich auf dieser Reise fangen und fotografieren konnte, waren die Glasschleichen, die etwas an den europäischen Scheltopusik erinnern, aber insgesamt noch schlanker sind und darüber hinaus ansprechend gezeichnet.

Die erste begegnete mir an einem späten Nachmittag:

female Glass Lizard (maybe Island GL), Collier County

Sie lag mitten auf der Schotterstraße. Bei diesem Tier handelte es sich aufgrund des eher zeichnungsarmen Körpers vielleicht um ein Weibchen. Die Artdiagnose muss noch ausbleiben, denn ich finde einfach keine Lösung, kenne mich mit diesen Tieren gar nicht aus.

Das folgende Tier fand ich an einem anderen Tag nur wenige hundert Meter weiter auf der Schotterstraße, allerdings nach Sonnenuntergang. Die intensive Zeichnung spricht für ein männliches Individuum, die Physiognomie dafür, dass es mit dem ersten gezeigten Tier artgleich ist. Beachte in diesem Zusammenhang auch die markanten Überaugenschilde, die exakt wie beim ersten Tier ausgebildet sind und der Schleiche einen grimmingen Blick verleihen:

next specimen of probably same species, because of pattern likely a male, I would vote for Island Glass Lizard, Collier County

Ein weiteres Bild vom selben Tier:


Die folgende Schleiche sieht komplett anders aus, ist etwas kräftiger, hat eine andere Kopfform (stumpfere Mundpartie, auch Überaugenschilde weniger kräftig und für einen freundlicheren Gesichtsausdruck sorgend), eine andere Körperzeichnung sowie rötlich gefärbte Iriden:

different looking individual, probably a male of another species (note pattern, red eyes, completely different  and rather friendly looking facial expression), maybe an Eastern Glass Lizard, Collier County

Auch sie begegnete mir an diesem Ort, allerdings wieder an einem anderen Tag und abermals nach Sonnenuntergang:

the lack of longitudinal stripes below lateral groove actually excludes Slender Glass Lizard in all specimens, although head and body shape in first two individuals reminded me instantly of this species. Note and compare different body pattern, head shape and eye colouration in latter  individual, which is supposed to be a different species.  

Who knows more?

30. 11. 2016: In the meantime Pierson Hill confirmed my determination. First image shows a female Island Glass Lizard. Next two images a male of the same species. And last but not least the final two images present a female Eastern Glass Lizard!

Eigentlich wäre alles ganz einfach: Die ersten vier Bilder zeigen zwei Individuen der Schlanken Glasschleiche (Slender G.), bei den letzten beiden könnte es sich um die Östliche handeln. Doch ein entscheidendes Merkmal, nämlich die fehlenden Streifen unterhalb der Seitenfurche, schließen die Schlanke Glasschleiche meiner Meinung nach eigentlich aus. Ich bin dieser Art noch nie begegnet, aber in allen Büchern, die ich zum Thema besitze, steht, dass diese Art sich eben u. a. aufgrund dieses Merkmales von den anderen unterscheidet.

Dass die Tiere sich so stark unterscheiden, ist mir leider erst am Rechner aufgefallen, denn nie hatte ich gleichzeitig mehr als eine Glasschleiche in der Hand; allen begegnete ich an unterschiedlichen Tagen. In diesem Zusammenhang ist es schade, dass ich zwei weitere Tiere, die mir dort begegneten, nicht auch noch gefangen und fotografiert habe.

Fazit: Ich gehe also davon aus, dass ich zwei Arten fotografiert habe, weiß aber noch nicht so recht, welche...

Nachtrag vom 30. 11. 2016: Inzwischen hat Pieson Hill meine nicht ganz sicheren Bestimmungen bestätigt. Die ersten beiden Tiere sind Küstenglasschleichen, ein Weibchen und ein Männchen. Das letzte Individuum ist eine weibliche Östliche Glasschleiche. 

Erwähnenswert ist im Zusammenhang mit diesen interessanten Tieren vielleicht noch, dass sie unglaublich schnell sind, wenn es der Untergrund erlaubt. Schneller als jede Schlange, so mein Eindruck, auch wenn sich Glasschleichen eher steif anfühlen. Ein Tier lag mal Mittags auf der Schotterpiste. Ich hatte es nur einmal ganz leicht berührt, da ging die Glasschleiche ab wie Schmitz' so berühmte Katze. Sie hob wirklich mehrere Male vom Boden ab und verschwand rasch in der dichten Vegetation am Wegesrand!

Der nun folgenden Schwarznatter kann man nur am Tage begegnen. Ich fuhr an einem Nachmittag wieder einmal so ziellos durch die Gegend und entdeckte schließlich ein Indiviuum, das bereits mit den ersten beiden Dritteln seines schlanken Körpers auf der Straße lag. Wäre ich unmittelbar dort angehalten, hätte ich gegen das schnelle Tier keine Chance gehabt. Zu dicht war das schützende Gestrüpp. Ich fuhr also ohne abzubremsen etwa 15 Meter weiter und hielt erst dann am Straßenrand. Gebannt blickte ich durch die arg verschmutzte Heckscheibe.

Die Schwarznatter hatte inzwischen den Kopf angehoben und verschaffte sich einen Überblick. Da war doch gerade noch was? Der Idiot da hinten im Auto führt doch nicht etwa Böses im Schilde? Will der was von mir? Meint der mich? Immerhin guckt der hier so blöd herüber...

Eine ganze Weile regte sie sich nicht und lotete wohl ihre Chancen aus, den Weg rasch und unbeschadet zu überqueren. Dann plötzlich senkte sie das Haupt und kroch ganz langsam los. Als sie endlich die Mitte der Straße erreicht hatte, stieg ich aus und spurtete los. Barfuß, für Schuhe blieb keine Zeit. Die kleinen Steinchen spürte ich überhaupt nicht. Rasant wie einst Ben Johnson, im Gegensatz du diesem aber ungedopt, legte ich die Strecke in etwa einer Sekunde zurück, so schnell, dass die Schlange nicht einmal versuchte, vor mir zu flüchten. Ich hatte sie total überrumpelt und hielt sie nun glücklich in meiner Rechten.

 Und sie sagte: "Mensch Frank, da haste mich jetzt aber wirklich überrumpelt!":

sexy Black Racer, Collier County

Zuvor hatte ich bereits einige Schwarznattern gesehen, doch waren sie mir alle entkommen.

Eigentlich finde ich schwarze Schlangen eher langweilig, doch diese Art mag ich sehr, weil sie so klug wirkt und vielleicht auch ist. Sie ist sehr schnell und fast immer auch sehr aufmerksam. Wenn sie sich an einem Ort sonnt, der für mich unzugänglich ist, unter dichtem Dornengestrüpp zum Beispiel, dann lässt sie sich auch nicht stören, bleibt nicht selten einfach liegen, obwohl sie weiß, dass ich sie längst entdeckt habe. Und damit ist sie wohl schon intelligenter als die meisten Menschen im Kosmos ;-)

Purpurgrackel:

Common Grackle, Collier County

Die Art tritt in Florida hinter die größere Bootschwanzgrackel zurück. Beide zusammen oder auch allein sind die klassischen Vögel an Seen, auf Supermarktparkplätzen und eben auch an Flughäfen. Ihre schrecklichen Rufe sind noch nervtötender als die Stimme des sprechenden oder "singenden" Dieter Bohlen. Nur die Weibchen sind klasse, weil sie den ganzen Tag den Schnabel halten und sich somit deutlich vom Menschen unterscheiden ;-)

Eine Bromelie blühte da im Baum:


Bromeliad spec., Collier County

Sie wachsen überall, sogar auf Telefonleitungen. In diesem Zypressensumpf aber waren sie besonders häufig, kein Baum ging leer aus, alle Stämme waren schmückend mit dieser Bromelie ausgestattet, deren Artzugehörigkeit mir unbekannt bleiben sollte.

Spottdrossel:


Mockingbird, Collier County

Auch dieser Vogel ist überall, in den finstersten Wäldern ebenso wie an Tankstellen und auf Sportplätzen. Der Gesang ist tatsächlich wunderschön und erinnert mich immer an jenen der geilen Singdrossel.

Ein Klo mitten im Outback:

men's room in the wilderness ;-)

Auch dort bin ich nie einem Menschen begegnet. Ich weiß also nicht, wieso man sich die Mühe gemacht hat, dieses Teil dort aufzustellen. Immerhin brachte die Toilette etwas Farbe ins Spiel.

Ein Haufen der so gefürchteten Roten Feuerameise:


my sweet revenge

Die Außenhaut dieser Haufen ist verharscht wie vorübergehend angetauter Schnee, das Innere weich. Man kann diese Teile also köpfen wie ein gekochtes Ei. Zur Erinnerung: Die Rote Feuerameise stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde in den 30er Jahren in die USA eingschleppt, wo sie weniger aggressive einheimische Arten rasch verdrängen konnte. Es gibt sogar Hypothesen, die diesen Eroberer für den Rückgang einzelner Schlangenarten verantwortlich machen!

Abendsonne:




Vielleicht sollte ich mir doch noch ein Weitwinkelobjektiv zulegen. Diese krisseligen Bilder, die meine Knipse bei schlechtem Licht und vor allem bei Einsatz eines Blitzes macht, tun meinen empfindlichen Augen weh.

Der einzige Karolina-Laubfrosch dieser Reise hüpfte mir tagsüber vor die geschundenen Füße:

Green Treefrog, Collier County

Von vorn sah er so aus:

Eine weitere Floridakröte hingegen ließ sich erst nach Einbruch der Dunkelheit blicken:

Southern Toad, Collier County

Eine letzte soll hier noch folgen:

another specimen

Ein Südlicher Leopardfrosch:

Southern Leopard Frog, Collier County

Zwei Rabengeier behielten mich sichernd im Auge:

Black Vulture, Collier County

Diese Art hat es in sich. An oben erwähntem Schlafplatz war immer was los, natürlich auch tagsüber. Wenn ich dort mein Auto parkte und für ein bis zwei Stunden in irgendeinem Sumpf verschwand, dann konnte ich sichergehen, dass die Vögel den Wagen während meiner Abwesenheit genau unter die Lupe nehmen würden (erstes Bild des Beitrages).

Beim ersten Mal konnte ich das noch nicht ahnen. Ich kehrte also durstig von einem längeren Spaziergang zurück und musste wirklich lachen, als ich die Vögel auf der Karre stehen sah. Leider konnte ich das nicht fotografieren, weil sich die Kamera im Wagen befand. Also musste ich die Tiere vorübergehend verscheuchen, meine Kamera herausnehmen und mich dann in sicherem Abstand auf die Lauer setzen.

Lang dauerte es nicht, bis sich die ersten Geier laufend und hüpfend dem Wagen näherten. Der eine begann damit, den Luftdruck der Reifen zu untersuchen, der andere lugte gewagt in den Außenspiegel. Und auch sonst herrschte unter diesen Vögeln nie Ruhe, obwohl sie ja fast stumm sind. Immer wieder wird mindestens einem Vogel langweilig, und er beginnt mal eben so, einem anderen auf den Sack zu gehen. Das geht die ganze Zeit so, von morgens bis abends. Truthahngeier sind dagegen die personifizierte Langeweile.

Oh, eine Fliege:




Fly spec., Collier County

Und so sah das aus, wenn nach Tagen ohne Regen jemand über die Schotterstraße fuhr:

no rain, much dust

Diese Straße ist übrigens 20 Meilen lang! An ihrem Ende liegt ein Campingplatz (Bear Island Campground), den man nur über diese Straße erreichen kann. Das bedeutet, dass dort eben sehr viel los war und ist und entsprechend viele Tiere getötet wurden und werden. Da der Campingplatz am Nordrand des Big Cypress Preserve liegt, jetzt ist der Name gefallen, wäre es sinnvoller gewesen, auch von dort aus einen Zufahrtsweg zu schaffen, der dann wahrscheinlich nur eine Meile lang gewesen wäre und gleichzeitig die andere Straße zum Wohle aller Tiere und Naturbeobachter total entlasten würde. Aber vielleicht ist das zuviel verlangt oder einfach zu einfach.

Ein letztes Bild aus diesem Gebiet zeigt Waldstörche (Amerikanischer Nimmersatt) an ihrem Schlafplatz:

Woodstork at roost, Collier County 

Ich fuhr nach Everglades City, wo ich in diesem Motel nächtigte:

In den Salzmarschen und Mangrovensümpfen dort suchte ich nach der Salzmarsch-Wassernatter. Vergeblich, doch so sah es dort aus:

mangroves at Everglades City, Collier County. Unfortunately I failed to find the pretty Saltmarsh Snake, but instead a mussel cut my right foot into two pieces while I was wading in shallow water. The reason for this accident is shown in next photograph

Barfuß watete ich durchs trübe und flache Wasser. Plötzlich geriet ich ins Stolpern, weil da wohl ein Stein im Wasser lag, und verletzte mich beim Versuch, einen Sturz abzuwenden, schwer, denn eine verfickte Muschel oder ein verficktes rostiges Autowrack zerteilte meinen rechten Fuß kurzerhand in zwei Stücke. Blut quoll literweise hervor und verfärbte zunächst die Lagune, wenig später schon den ganzen Golf von Mexiko in ein tiefes Rot. Über den Golfstrom gelangte mein Blut rasch auch nach Europa...

Mooooment, ich übertreibe. Tatsächlich blutete ich stark. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Blut in so kurzer Zeit aus meinem Körper fließen sehen. Ich verließ das Wasser sofort, weil ich plötzlich Angst vorm Weißen Hai bekam. Ich stieg ins Auto, wickelte mir behelfsmäßig einen Beutel um den Fuß und fuhr zum nächsten Walmart (es gibt noch andere Supermärkte dort), wo ich mir große Plaster kaufte, die am Ende aber auch nicht viel brachten, weil das Blut einfach durch sie hindurchdrang. Ehrlich, das ist jetzt eine ganze Woche her, aber der Fuß schmerzt immer noch wie Sau.

Ich hoffe, ich bekomme kein Tetanus. Mein Vollschutz ist längst abgelaufen, die letzte Impfung liegt tausend Jahre zurück. Auf der anderen Seite komme ich ja beinahe täglich mit dem Tetanus-Erreger in Kontakt, wir sind quasi auf du und du, wenn man so will. Sollte es hier aber nach diesem Beitrag keinen weiteren mehr geben, dann habe ich mich bezüglich unserer Freundschaft verkalkuliert.

Zurück zur Salzmarsch-Wassernatter, die ich ja nicht finden konnte. Also entschied ich mich dazu, die letzten Tage dieser Reise in meinem alten Gebiet, östlich von Fort Myers, zu verbringen.

Ein Schild an der Tankstelle in Felda offenbarte mir schonungslos, warum ausgerechnet ich diese schwere Fußverletzung verdient hatte:

and mother earth is a disc...

Da kennen diese Gläubigen in den USA nichts; die stellen überall am Straßenrand ihre fragwürdigen Behauptungen auf. Und man ist ihnen wirklich ausgeliefert, kann einfach nicht vorbeischauen, weil die Inhalte stets ziemlich abgedreht sind und  man immer wissen will, was es denn diesmal ist. Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich ein schlechter und vor allem ungläubiger Mensch bin. Wenigstens töte ich keine Schlangen.

Ich tankte einmal voll und düste weiter, weil ich auch ein bisschen Sehnsucht nach meiner mir so vertrauten Umgebung hatte.

Als erstes besuchte ich den Panther Pond, den ich schon im letzten Bericht vorgestellt hatte:







Panther Pond, Hendry County


Dort schwamm ein Alligator herum:

Alligator, Hendry County

In einem kleinen Wasserloch, gleich nebenan, hielten sich mindestens zehn junge Alligatoren auf, die mich durch ihre qäkenden Kontaktrufe auf sich aufmerksam gemacht hatten.

Keine Mutter anwesend? Spontan, wie ich bin, stieg ich zu ihnen ins Wasser, um auf Augenhöhe zu sein:

eye in eye with young Alligator

Wenn man erst einmal nicht mehr so übermächtig ausschaut, verlieren die Tiere ihre Scheu. Einer dieser jungen Alligatoren kam sogar langsam auf mich zugeschwommen. Ich fing ihn wie in meiner Kindheit die Grünfrösche, indem ich meine Hand von unten zugreifen ließ. So süüüüüüüüüß, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Sie fühlen sich ganz toll an und haben auch schon so einen Alligatorbauch. Und der Kleine quäkte die ganze Zeit, sodass ich ihn nach wenigen Minuten wieder ins Wasser entließ. Auch, weil ich nicht wollte, dass die Mutter plötzlich ums Eck kommt.

Am Nachmittag wollte ich ein anderes Gebiet an dieser Straße besuchen. Jemand fuhr in seinem Pickup in gemächlichem Tempo vor mir. In einer langgezogenen Linkskurve entdeckte ich dann eine große Diamantklapperschlange auf dem Asphalt, die sich langsam zur Straßenmitte vorkämpfte und ganz gewiss noch unverletzt war. Nein, dachte ich, du da vorne musst sie ja auch sehen, sie ist so groß und auffällig. Ob er sie sah oder nicht, er erwischte die Klapperschlange soeben am Kopf. Wahrscheinlich glaubte er, weit genug von dem Tier entfernt zu sein, unterschätzte dabei aber die ausladenden Maße seines Pickups. Hätte er das Tier absichtlich töten wollen, dann wäre es wohl sicherer und einfacher gewesen, es mittig zu treffen. So aber kann ich dem Fahrer keine Absicht unterstellen, eher Leichtfertigkeit oder Gleichgültigkeit.

Ich machte eine Vollbremsung, doch die Schlange war leider dem baldigen Tod geweiht.

Verstehen kann ich es trotzdem nicht, denn so ein auffälliges Tier kann man wirklich aus großer Distanz auf dem kahlen Asphalt ausmachen und dann entweder abbremsen, im Falle von Gegenverkehr, oder aber weit ausholen und die Schlange umfahren. Traurig war das. Und schade um das alte und wirklich große Tier:

Eastern Diamondback hit fatally by a car driving in front of me, Hendry County

Die arme Diamantklapperschlange war 1,2 Meter lang (4 ft.) und starb bereits nach wenigen Minuten am Unfallort. Wäre ich doch nur eine Minute früher losgefahren, dachte ich, dann hätte ich sie finden und retten können. Aber man kann eben einfach nicht überall gleichzeitig sein. So ist das eben. Übrigens geschah das genau dort, wo ich 2012 mehrere lebende Diamantklapperschlangen finden konnte. In diesem Jahr sollte ich leider leer ausgehen.

Abends fand ich dann noch eine Gebänderte Wassernatter, die ich sogleich im allerletzten Licht des Tages an Ort und Stelle fotografierte:

Banded Watersnake, Hendry County

Auch in diesem Gebiet versuchte ich es natürlich wieder mit Roadcruising. Im Vergleich zur ersten Woche hatten die Temperaturen noch eine Schippe draufgelegt, sodass ich einiges an Lebewesen auf dem Asphalt erwartete.

Ich sah die einzige Zwergklapperschlange des Zeitraumes - leider tot:

the only Pigmy Rattler of my trip (roadkill), Hendry County

Ich fand eine Schlammnatter, die aber sehr unruhig war und die ich entsprechend nach nur einem Bild wieder freiließ:


Mud Snake, Hendry County

Von dieser Art werde ich wohl nie ein hübsches Bild hinbekommen, weil sie sofort ihre Show abzieht und auch grundsätzlich kein Ende findet. Sie hebt den Schwanz, verdreht ihn und senkt, versteckt das Haupt unter schützenden Körperschlingen. Und wirklich, sie hört erst dann damit auf, wenn man sie zurück ins Wasser setzt, wo sie dann sofort abtaucht.

Ich fand eine Strumpfbandnatter:

Garter Snake, Hendry County

Im Süden Floridas sind diese Tiere sehr blaustichig; die neutraler gefärbten Strumpfbandnattern aus dem Norden des Verbreitungsgebietes gefallen mir irgendwie besser.

Ein Portrait:

same specimen

Green or Pig Frog, Hendry County

Im Feld war es ganz klar ein Grünfrosch, wegen der runden Mundpartie, doch jetzt, beim Betrachten des Bildes bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher.

Eine Grüne Wassernatter lungerte auf dem noch warmen Asphalt herum, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, die ihr dort drohte:


Green Watersnake, Hendry County

Und noch ein Bild:

Nach diesem frühmorgendlichen Fotoshooting fuhr ich noch schnell nach Immokalee zum Lake Trafford, wo ich einen Dreifarbenreiher erwischte:

Tricolored Heron, Collier County

Ganz nah:

Zwei Amerikanische Blässrallen knipste ich dort an einem anderen Tag:

American Coot, Collier County

Die Blume, deren Namen ich schon weiter oben nicht wusste, gab es hier natürlich auch:

unknown flower one more time

Ein junger Nachtreiher im letzten Abendlicht:

Black-crowned Night Heron, Collier County

Und ein Zwergsultanshuhn balancierte geschickt auf einem Teppich aus Teichrosenblättern:

American Purple Gallinule, Collier County

Ein Airboat mit Touristen an Bord sorgte für einen Höllenlärm:

airboat with tourists on Lake Trafford, Collier County

Diese verfickten Teile sind tierisch laut, und nicht umsonst bekommen die Passagiere einen Gehörschutz verpasst. Menschen, die sich am Ufer des Sees, der ein wichtiges Naherholungsgebiet darstellt, aufhalten, finden eben alles andere als die gewünschte Erholung, weil der Lärm, verursacht durch mehrere Boote, von morgens bis abends andauert. Es ist auch deshalb so schlimm, weil sich der "Hafen", in dem sie im Halbstundentakt starten, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Picknickbänken befindet. 

Ich fuhr in die Stadt und aß eine leckere Pizza:

Piiiiiiiiiiiizza, Collier County

Das kam gar nicht so oft vor, weil man beim Essen ja auch Zeit vergeudet. Im Grunde habe ich mich nahezu ausschließlich von Crackern, Keksen, Weingummi, Bananen und Wasser ernährt. letzteres auch noch ohne Kohlensäure. Auch wegen dieser Diät freute ich mich nach meiner Rückkehr so richtig auf das erste geile Käsebrötchen!

Landschaften:


Und an diesem Ort sollte es mir erstmalig gelingen, eine Schlange in einem der zahlreichen abgestorbenen Baumstümpfe zu finden:

at this location I managed to find my very first snake in a rotten trunk

Millionen dieser morschen Dinger habe ich mit meinem Schlangenhaken und mit bloßen Händen auseinandergenommen, doch nur dieses eine Mal fiel dabei eine Schlange zu Boden, was mich dann natürlich sehr überraschte.

Moin, sagte ich, vor dem Sudendey ist man halt nirgends sicher:

young Rat snake with beautiful grapefruit eyes, Hendry County

Die Schlange schüttelte nur genervt den Kopf. Es war eine junge und endlich auch mal quicklebendige Erdnatter, die noch das Jugendkleid trug und sich dort im weichen Mulm versteckt gehalten hatte.

Vergeblich:


Ein letztes Bild von diesem hübschen Tier mit den großen Grapefruitaugen:


Nebel am Morgen:

Libellen im Nebel am Morgen:

male Eastern Pond Hawk, Hendry County

Ein weiblicher Östlicher Teichhabicht (frei übersetzt):

female Eastern Pond Hawk, Hendry County

Und ein Halloween Banner (ebenfalls frei übersetzt):

Halloween Pennant, my favourite Dragonfly in the US, Hendry County 

Ein durchtrainierter Rotkehlanolis mit einem ansehnlichen Sixpack sonnte sich am späten Nachmittag an einem Zaunpfosten: 


Green Anole taking a sun bath on late afternoon, Hendry County

Ich hatte es bereits im letzten Florida-Bericht angedeutet: Diese zierliche Art ist in weiten Teilen Floridas vom eingeschleppten und deutlich robusteren Kuba-Anolis verdrängt worden. Doch vor allem an feuchteren Orten kann man dem mal leuchtend grün, mal dunkelbraun gefärbten Tier auch heute noch begegnen.

Ein finaler Truthahngeier stand auf einem Weg:

lonesome Turkey Vulture, Hemdry County

Lichtspiele am Abendhimmel:

sun covered by clouds in the evening

Noch einmal eine letzte Libelle im Gegenlicht:


Halloween Pennant, Hendry County

Ja, Kinners, das war's schon wieder. Zwei Wochen sind eigentlich nichts. Sie gehen rum wie fünf Minuten, weil eben nie Langeweile aufkommen kann.

Der Titel des Beitrages mag etwas seltsam daherkommen, wenn man diese Bilderflut sieht, doch auf einen zweiten Blick passt er wie der berühmte Arsch auf den Eimer, denn erstens habe ich nur einen Bruchteil jener Arten gesehen, die dort im Südwesten Floridas vorkommen - wieder einmal - und zweitens auch noch in erster Linie jene, die mir schon 2012 vor die Linse gekrochen und gehüpft waren.

Viele so sehr von mir gewünschte Schlangen wie Rauhe Grasnatter, Königsnatter, Korallenotter, Scharlachnatter und Kutscherpeitschennatter blieben mir auch diesmal wieder verwehrt. Ich habe wirklich alles gegeben, habe verschiedenste Lebensräume bis ins Detail untersucht, zu allen erdenklichen Tageszeiten, habe sogar hier und da auf den nötigen Schlaf verzichtet, um ja nichts zu verpassen, doch es sollte einfach nicht sein.

Ein solcher "Forschungsurlaub" ist eben etwas Anderes als einer, den man am Strand, am Buffet und an der Bar verbringt. Man kann sich voll einbringen, doch nie sicher sein, dass am Ende auch etwas dabei herausspringt.

Trotzdem bin ich zufrieden. Nach der ersten Woche sah es noch nicht so günstig aus, doch in der zweiten konnte ich einiges aufholen, leider aber die Resultate meiner ersten Floridareise nicht übertreffen.

Spaß gemacht hat es allemal. Und auch der Bericht gefällt mir ganz gut.

Dir auch?




this baby really loves Wilde Perspektiven, Immokalee, Collier County 

Alles klar!


Mit einem kaputten rechten Fuß fuhr ich also am Samstag zurück zum Flughafen nach Fort Myers, um zunächst meine Mietkarre abzugeben. Ich will zugeben, dass ich mich ein wenig schämte, weil ich es wieder einmal geschafft hatte, ein Auto in einem so kurzen Zeitraum völlig zu verwüsten.

Ich habe mir auch erst gar nicht die Mühe gemacht, noch schnell eine Autowaschanlage aufzusuchen, weil ich noch sehr gut in Erinnerung hatte, dass es die Mitarbeiter der Verleihfirma ohnehin nicht interessiert, ob der Wagen sauber ist oder nicht. Sie gehen einmal um das Teil herum, suchen flüchtig nach Beulen und schauen sich dann nur noch den Kilometerstand an. Das war's dann auch schon.

Und es war tatsächlich eine neue Beule in der Karosserie. Am zweiten Tag war mein Stativ umgekippt und gegen das Blech gefallen. Der Dreck aber konnte alles erfolgreich verschleiern ;-)

Auch auf dem folgenden Bild kann man den Staub der Straße ganz gut erkennen:


dust in my poor rental car

Am frühen Samstagabend ging es von Fort Myers aus direkt zurück nach Düsseldorf, wo ich dann am Sonntagmorgen völlig fertig ankam. Mein Gepäck übrigens auch. Und mein Corsa hatte diesmal auch keinen Platten. Mit Tempo 140 eilte ich nach Emden, wo es kaum wärmer als fünf Grad war. Egal, dachte ich so, während ich mein erstes Käsebrötchen nach zwei entbehrungsreichen Wochen hinunterschlang. Einfach nur egal...

Zum Abschluss gibt es jetzt für euch und völlig umsonst noch die Zollerklärung, die man auf einem Flug nach den USA im Flieger ausfüllen muss.

Interessant ist Punkt 11 samt Untergliederung (wie kommt man z. B. auf die Kombination Krankheitrserreger, Zellkulturen und Schnecken?):




Demnach sind Schnecken und Insekten keine Tiere...