Dienstag, 14. Juli 2026

Naturkundliche Beobachtungen aus dem Landkreis Osnabrück (Teil 3)

Na Kinners,

was treibt ihr gerade wieder Sinnloses?

Ich habe mir vor einer guten Stunde eine Dokumentation über Burschenschaften angesehen. 

Dass es diese seltsamen Studentenerbindungen gibt, weiß ich nicht erst seit gestern. 

Doch welchen tieferen Sinn sie haben, wird sich mir sehr wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr erschließen. 

Selbst wenn ich hundert Jahre alt werden sollte.

Doch damit ist eh nicht zu rechnen. 

Ich frage mich also, warum Menschen einer Burschenschaft beitreten bzw. von ihr aufgenommen werden wollen. 

Nein, die Frage muss anders lauten: Warum wollen Männer Teil einer Burschenschaft sein? 

Frauen sind dort nämlich nicht erwünscht und werden ausgesperrt wie Hunde aus einem Supermarkt.

Sind Burschenschaften also ein muslimisches Ding?

 

Ein Strommast: 


where I one more time found many interesting critters

Ein Strommast, den ihr bereits kennt, wenn ihr hier des Öfteren reinschauen solltet. 

Ein Strommast, der für Spannung steht – und das gleich in doppeltem Sinne. Ein Strommast, der mir in den letzten Jahren sehr viel Freude bereitet hat und Funde beschert, die ich niemals für möglich gehalten hätte. 

Kurz: ein Strommast der Superlative! 

Egal, heute werde ich euch eine Geschichte über den Bratwurstmönch verklickern. 

Und ich möchte euch verraten, welche tollen Erdenbürger ganz allgemein ich bei meinem abermaligen Ausflug ins Osnabrücker Land – denn da bin ich wieder gewesen – dingfest machen konnte. Neben einigen alten Bekannten sind natürlich auch wieder ein paar neue Gesichter dabei. 

Und die haben es wirklich in sich!

Als ich am frühen Morgen und noch vor Sonnenaufgang im Gebiet ankam, da war der Wallenhorster Bach bereits ausgetrocknet!

Dass das passieren würde, hatte ich ja bereits im Mai befürchtet und hier auch vorausahnend geschrieben. Auf dem Weg von Ostfriesland nach Wallenhorst hatte ich zuvor an etlichen Orten sehr viel Wasser gesehen. Es stand auf diversen Feldern, die regekrecht geflutet waren, obwohl es gar nicht geregnet hatte. Diese Felder wurden gesprengt, und das Wasser, das man für die allgegenwärtige Landwirtschaft benötigt, fehlt dann natürlich an anderer Stelle. 

Wenn hier immer vom Wallenhorster Bach die Rede ist, dann ist tatsächlich nur ein bestimmter Abschnitt des Gewässers gemeint. Und zwar der etwa einen Kilometer lange Unterlauf, der sich von der Penter Straße im Osten bis zum Osnabrücker Zweigkanal im Westen erstreckt. Nur hier habe ich in den letzten Jahren nach interessanten Erdenbürgern gefahndet, nur hier den Wasserstand im Auge behalten.  

Ich fand die für mich erste nicht reinweiße Veränderliche Krabbenspinne in diesem Gebiet:


the very first not plain whote Goldenrod Crab Spider in Niedersachsen 

Reinweiße Individuen sind nur sehr schwer zu fotografieren.

Und eigentlich kann man sie gar nicht fotografieren, wenn der Hintergrund dunkel oder auch nur grün ist. 

Sie werden dann immer komplett strukturlos, regelrecht ausgefressen und viel zu hell, ganz egal, wie lange oder kurz man belichtet. 

Die Veränderliche Krabbenspinne ist mir mit diesem Individuum jetzt zum dritten Mal an der Penter Straße begegnet. Diesmal handelte es sich um ein wirklich hübsches Weibchen, das gerade seinen Kokon bewachte und dort tagelang ausharrte. 

Diese ursprünglich ausschließlich im Süden uinserer geilen Republik vorkommende Art hat in nur wenigen Jahren auch den gar nicht mehr so kühlen Norden erobert, doch in Ostfriesland habe ich sie bis heute noch nicht gefunden. Der Klimawandelt hat der Spinne diese Arealexpansion ermöglicht, wie im Falle so vieler anderer Spinnen und anderer Tier- und Pflanzenarten auch. Bevor mir die Funde im Landkreis Osnabrück gelangen, kannte ich die Veränderliche Krabbenspinne vor allem aus Rheinland-Pfalz, wo sie in geeigneten Lebensräumen sehr häufig ist. 

Kokon und Muttertier standen hier übrigens auf Knotiger Braunwurz herum.  Und diese eher unauffällige Pflanze wird im Laufe dieses Beitrages noch eine gewichtige Rolle spielen. 

Versprochen!

Wenn ich zur passenden Jahreszeit – gemeint sind das fortgschrittene Frühjahr und der Frühsommer – im Landkreis Osnabrück bin, dann komme ich an den Steinkäuzen in einem fast ganz normalen Hausgarten nicht vorbei. 

Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Blogs kann ich euch heute sogar einen Jungvogel präsentieren:


juvenile Littel Owl, one of three siblings 

Ein echter Steinkauz des Jahrgangs 2026:



same 

Ein Draufgänger.

Bachtet büdde die stark geweiteten Pupillen!

Steinkäuze konsumieren grundsätzlich keine Drogen, nicht dass ihr das denkt, aber der Vogel ließ sich vor meinem Versteck blicken, kaum dass ich darin abgetaucht war. Also viel zu früh. Und völlig unerwartet. Es war zu diesem Zeitpunkt noch stockfinster, sodass ich den Steinkauz nur mit vergleichsweise langen Veschusszeiten fotografieren konnte. 

Wider Erwarten ist alles gut ausgegangen, natürlich auch deshalb, weil ich ein Stativ eingesetzt habe:


some food? 

Was ist da oben los: 


what's up? 

Drei Kinder sind in diesem Jahr übrigens flügge geworden, also eines mehr als im Vorjahr.  

Der Wallenhorster Bach sah so aus:


Wallenhorster Bach, completely dried out as the result of in the meantime many hot summers in a row 

Knochentrocken.  

Genau an dieser Stelle hatte ich noch im vergangenen Jahr Zweigestreifte Quelljungfern bei der Eiablage fotografiert. Ob diese Art in diesem Jahr überhaupt schlüpfen wird? Man darf das zumindest bezweifeln, denn selbst die das Gewässer säumenden dichten Bestände des Drüsigen Springkrautes waren schon am Schwächeln und ließen ihre Bläter schlaff herunterhängen. 

Was bleibt, ist die Hoffnung darauf, dass vielleicht die kommenden Wochen das Ruder doch noch einmal herumzureißen vermögen. Darauf verlassen kann man sich aber nicht. 

Immerhin fand ich noch insgesamt zwei Bachhafte:  

Osmylus fulvicephalus

Einen davon etwa hundert Meter und somit so weit wie nie zuvor vom Bach entfernt am Waldrand.  

Im Mai war diese coole Art noch megahäufig gewesen. 

Und die Flugzeit reicht eigentlich bis weit in den Juli hinein! 

Die Larven dieses Netzflüglers leben aber nicht etwa aquatisch, sondern im feuchten bis nassen Uferbereich von Bächen, wo sie Jagd machen auf andere Wirbellose, die sie nach dem Ergreifen genüsslich ausschlürfen. Vielleicht kann ihnen also selbst ein ausgetrockneter oder nur noch periodisch Wasser führender Wallenhorster Bach noch ein Refugium bieten. 

Wenigstens auf Zeit. 

Diesem hübschen Scheckhorn-Distelbock schien die Trockenheit nicht so viel auszumachen:  

Golden-bloomed Grey Longhorn Beetle 

Er sonnte sich am Ufer des versiegten Bachs. 

Vor etwa einem Jahr hatte ich am Waldrand eine Choerades-Mordfliege fotografiert, die ich aber nicht bestimmen konnte. Ich hatte sie nämlich nur von oben gesehen und geknipst und deshalb die wichtigsten Merkmale nicht abchecken können. 

Diesmal ist die Geschichte anders, nämlich viel besser ausgegangen:


female Choerades marginata 

Es handelt sich um die Gemeine Mordfliege

Anders als die hier inzwischen schon so oft vorgestellten Cousinen, nämlich die Zinnober-Mordfliege und die Karminrote Mordfliege (siehe unten), bevorzugt diese Art nicht etwa nackte Baumstämme oder Strommasten als Stehwarten, sondern die Blätter von Büschen und Bäumen, von wo aus sie den Luftraum im Facettenauge behält, um nach möglichen Beutetieren zu spähen. 

Noch ein Bild: 


same 

Diese Art gilt als häufig. 

Doch für mich ist es erst die zweite Begegnung mit ihr überhaupt gewesen. Und für eine weitere hat es nicht mehr gereicht in dieser Woche, obwohl ich das gezeigte Individuum gleich am ersten Tag, nämlich am 1. Juli, gefunden habe.  

Weitere Bilder von diesem Weibchen: 




same 

Obwohl die Gemeine Mordfliege deutlich kleiner als ihre Cousinen ist, handelt es sich doch immer noch um eine mittelgroße Raubfliege und eine große Fliege.  

Hier rieb sie sich schon die Hände, vielleicht in Vorfreude auf ein leckeres Frühstück:


same

Ob die Gemeine Mordfliege an diesem Morgen erfolgreich gejagt hat, weiß ich aber nicht. 

Sie hat einfach ihren Standort gewechselt und ich sie deshalb aus den Augen verloren. 

Oh, eine hübsche Glockenblume:


maybe Campanula latifolia 

Sie blühte am Ufer des ausgetrockneten Wallenhorster Bachs, irgendwo mitten im schattigen Wald. 

Ich bin alles andere als ein Glockenblumologe, aber ganz vielleicht handelt es sich hier um die Breitblättrige Glockenblume, auch wenn die wenigen Haare auf den Kronblättern nicht so gut zu dieser Art zu passen scheinen. 

Ist mir aber auch scheißegal, ey! 

Sehr häufig war während meines Aufenthaltes im Gebiet an der Penter Straße die Gemeine Habichtsfliege



Dioctria hyalipennis was abundant during these days

Aber nicht etwa auf der Heidefläche, sondern im Wald und an dessen Rand.

Und hier wiederum vor allem entlang der Wege. Meistens hielten sich die Tiere an schattigen Stellen auf, doch wenn es kühl war, bevorzugten sie natürlich jene, die von der Sonne erreicht wurden. 

Die Gemeine Habichtsfliege ist, ähnlich wie die meisten Arten der Gattung Dioctria, sehr klein und wirklich unauffällig, und nur Menschen mit den Augen eines Seeadlers bekommen überhaupt etwas von diesen Tieren mit. Ihr Nichtsnutze da draußen würdet sie also glatt übersehen, weshalb ich euch heute Bilder zeige, die ihr euch ganz in Ruhe ansehen könnt, ohne selbst Leistung bringen zu müssen. 

Vielleicht als Vorbereitung auf euren nächsten Waldspaziergang. 

Zwei Fotos ohne Farbe:



another specimen 

Aus dem vergangenen Mai wusste ich noch, dass da so einige Exemplare der Knotigen Braunwurz auf der Heidefläche unterhalb der Stromleitung wuchsen. 

Schon vor Antritt meiner Reise wusste ich darüber hinaus, dass ich sie hinsichtlich eines durchaus möglichen "Befalls" durch die sehr, sehr hübschen Raupen des Bratwurstmönches abchecken würde. Der Bratwurstmönch heißt eigentlich Braunwurzmönch, doch weil die Falter im Gegensatz zu den Raupen so nichtssagend gefärbt sind wie eine Bratwurst, die man noch nicht auf den Grill geschmissen hat, hatte ich mir schon vor langer Zeit einen Zweitnamen für diese recht seltene Art ausgedacht. 

Leider wurde ich bei meiner Kontrolle nicht fündig.

Geweint habe ich deshalb aber nicht; ich meine, wo käme man denn hin, wenn man jedes Mal in Tränen ausbräche, nur weil man eine bestimmte Art nicht entdeckt. 

Außerdem sprangen andere Tiere in die Bresche:


my very first Eurasian White Admiral! 

Dieser leider etwas lädierte Kleine Eisvogel hatte sofort erkannt, dass der Sudendey Trost benötigte.  

Oh Mann, so dachte der Falter bestimmt, der Arme, da sucht er die Raupen des Bratwurstmönches und geht leer aus. Jetzt will ich ihm aber mal eine richtige Freude machen! Und so flog er direkt vor meinen Füßen auf und landete im benachbarten Faulbaum. Dort blieb er einen Augenblick mit geschlossenen Flügeln stehen, während ich etwas zu hektisch meine Kamera aus dem Rucksack hervorkramte. 

Kinners, sie fiel mir vor Aufregung beinahe aus den Händen, denn der Kleine Eisvogel, den ich gleichzeitig im Auge behielt, war für mich der erste überhaupt in Norddeutschland! Genau dieses eine Foto konnte ich gerade noch von ihm schießen, da flog er auch schon auf und hinauf in die Baumkronen.

Sauber! 

In Süddeutschland kommt dieser Schmetterling oft in recht großer Zahl in geeigneten Waldgebieten vor, und mit etwas Glück kann man dort ganze Ansammlungen dieser Falter sehen, wenn sie auf Waldwegen herumstehen und Flüssigkeit und Mineralien aufnehmen. An der Penter Straße dagegen dürfte die Siedlungsdichte äußerst gering sein, und so darf es nicht verwundern, dass es für eine zweite Begegnung nicht mehr gereicht hat. 

Der Kleine Eisvogel kommt übrigens auch in Ostfriesland vor! 

Gefunden und auch sauber fotografisch belegt hat ihn vor einigen Jahren ein sympathischer Falterfreund aus Aurich in einem Wald südlich des Berumerfehner Moores. Aber auch dort muss die Siedlungsdichte des Kleinen Eisvogels sehr gering sein, denn ich selbst habe ihn in diesem Gebiet nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommen, obwohl ich dort oft beobachtet habe. Und das auch schon in den Jahren vor dem Fund, aber auch danach.

Es folgt ein alter Bekannter: 

House Longhorn Beetle, formerly this species used to be abundand, today it is quite rare 

Dieser entfernte Cousin des Scheckhorn-Distelbocks war einst ein gefürchteter "Schädling"!

Der Hausbock legte seine Eier nämlich gerne an Balken von Dachstühlen ab, und seine Larven gaben diesen dann den Rest. Wenn Holzbalken im Querschnitt an einen Leerdamer erinnern, dann fehlt ihnen jegliche Stabilität. Da kann ein Dachstuhl auch schon mal in sich zusammenbrechen, wenn die Zahl der Käferlarven zu hoch ist. 

Heute kommt das wohl nur noch sehr selten vor, denn das Bauholz wird auf verschiedenste Weise behandelt. Schlecht für den Käfer, der längst eine Seltenheit geworden ist, gut für den Bauherrn. 

Warum diese Tiere an der Penter Straße immer auf dem Hochspannungsmast herumkrabbeln, ist mir übrigens ein Rätsel:


same 

Das hatte ich nämlich auch schon in den Vorjahren beobachten können.  

Das folgende Foto eines scheel um die Ecke blickenden Hausbocks schoss ich Ende Juli 2025: 


one specimen from last year, found and photographed at the same spot 

Am selben Strommast.  

Jedes Mal, wenn ich in den Königstannen unterwegs gewesen bin in den letzten Jahren, dann poppte in meinem Hirn eine ganz bestimmt Frage auf: Warum sehe ich hier eigentlich nie einen Hirschkäfer

Ich meine, es gibt verdammt viele alte Eichen dort, und im Gehn, das ist ein Waldgebiet etwas weiter nördlich von den Königstannen gelegen, ist der Hirschkäfer recht häufig. 

Am 5. Juli war es endlich so weit:


female European Stag Beetle 

Eine Hirschkäfer-Dame stand sehr fotogen auf einem Stück Totholz herum. 

Und sie blieb ganz cool und rührte sich nicht, während ich sie aus den wildesten Perspektiven fotografierte: 


same 

Das war ein großer Spaß!

Nach einer ganzen Weile machte sich das Biest dann doch auf den Weg. Es öffnete seine Flügeldecken und brauste davon. 

Sehr, sehr häufig in diesen Tagen war ein deutlich kleinerer, ganz entfernter Verwandter des Hirschkäfers:


very common at the beginning of July was Anomala dubia 

Der Kleine Julikäfer war wirklich allgegenwärtig!

Man sah ihn fliegend, man sah ihn herumstehen. Dieses Individuum hat Regenwasser getrunken und von den Blättern des Faulbaumes gegessen, befand sich also zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Tisch, wenn man so will. 

Und da wollte ich auch gar nicht weiter stören. 

Kinners, es ist kein Vergnügen, sich eine Dokumentation über Burschenschaften und Burschenschaftler anzusehen. Und gebracht hat es mir auch nichts, denn auch jetzt weiß ich immer noch nicht, was der Sinn des Ganzen ist. Also wofür man so etwas braucht. Tatsächlich geht es wohl nicht vordergründig um Religion, auch wenn die meisten Burschenschaftler sehr wahrscheinlich christlichen Glaubens sind – und natürlich keine Muslime!

Das war nur ein Scherz von mir. 

Das Diskriminieren und Kleinhalten von Frauen ist bekanntermaßen nicht an eine bestimmte Religion gekoppelt – ihr werdet das längst wissen, ihr Nichtsnutze. 

Oft habe ich mich übrigens in der Vergangenheit gefragt, ob auch Mitglieder meines Abiturjahrganges im Laufe ihres Lebens mit Burschenschaften in Kontakt gekommen sind; ein abschließendes Urteil steht aber noch aus. Natürlich kann ich mich nach fast 40 Jahren auch nicht mehr an alle Mitschüler erinnern, aber die, die jetzt vor meinem geistigen Auge auftauchen ...

Moooment, jetzt fallen mir gleich mehrere Kandidaten ein, die aus meiner Sicht dazu in der Lage wären, seltsame Rituale abzuhalten! 

Namen werde ich aber natürlich nicht nennen. Das verbietet mir meine gute Erziehung,. Oh Mann, ich will auch gar nicht wirklich wissen, wer genau da eine Fahne tragend um ein bescheuertes Lagerfeuer herumsteht und noch bescheuertere Lieder singt, gekleidet in Klamotten, die man wirklich besser nur abseits der Öffentlichkeit tragen sollte. 

Allein die Vorstellung ist echt abartig.  

Fakt ist aber, dass es auch Burschenschaften gibt, die ausschlueßlich aus Frauen bestehen! Das hat mich die erwähnte Dokumentation nämlich auch gelehrt. 

Genau dreimal habe ich bei den Steinkäuzen angesessen: 

adult Little Owl, preening 

Jeweils am ganz frühen Morgen.  

Und es war, wie ich bereits geschrieben habe, ein wirklich großer Spaß!

Jetzt zeige ich euch Bilder von einem der Altvögel. Das gezeigte Individuum stand ewig lang im Brutbaum, einer Walnuss, herum und putzte sich ausgiebig:


Little Owl shows his second face 

Wie auch der noch deutlich kleinere Sperlingskauz zeigt auch der Steinkauz ein zweites Gesicht!

Es befindet sich auf der Rückseite des Kopfes und hat meiner Meinung nach wohl keinen tieferen Sinn, auch wenn andere Quellen bisweilen Gegenteiliges behaupten.    

Was ist da hinten los:


curious

Nichts war da los. 

Absolut nichts.  

Am 3. Juli bewegte ich mich innerhalb der Königstannen gerade auf einem der vielen Waldwege Richtung Penter Schützenhaus, als mir ein sehr hübscher Marienkäfer auffiel.  

Er war leuchtend gelb gefärbt und zeigte pechschwarze Punkte. Ich weiß nicht mehr so genau, ob ich in diesem Augenblick noch alle beisammen hatte, aber nur einen Augenblick später erkannte ich die optische Täuschung, der ich aufgesessen war. Warum ich ihr aufgesessen war, wusste ich aber nicht. Tatsächlich handelte es sich im Falle des Marienkäfers nämlich nur um den Kopf einer Raupe, auf die ich von oben herabsah. 

Und es war genau jene Raupe, die ich noch am ersten Tag meines Aufenthaltes und an anderer Stelle vergeblich gesucht hatte: 


Water Betony caterpillar 

Ich konnte mein Glück kaum fassen, denn das letzte und bislang auch einzige Mal, dass mir diese Raupe begegnet war, lag über 35 Jahre zurück!

Gekackt hatte sie hier: 


another 

Wenn man oben was reinstopft, dann kommt unten was raus. 

Das ist bei uns nicht anders.  

Nach nur kurzer Suche fand ich insgesamt vier dieser schmucken Tierchen – an drei verschiedenen Pflanzen!

Anscheinend teilen die Raupen des Bratwurstmönches nicht gerne.  

Zwei weitere Fotos:



same 

Vor über drei Jahrzehnten, es muss Anfang der 1990er Jahre gewesen sein, befand ich mich auf dem westfälischen Teil des Flugplatzes Achmer, also am so genannten Vogelpohl. 

Es war Juli. 

Rein zufällig kam ich dort an diesem Tag mit einem Entomologen ins Gespräch, der gerade dabei war, die Schmetterlingsfauna des Gebietes zu erfassen. Er saß in seinem Bulli, stand nach einer ganzen Weile plötzlich auf und meinte, ich solle ihm folgen. Und wenig später zeigte er auf mehrere Exemplare der Knotigen Braunwurz, die neben dem Weg wuchsen. Erst auf den zweiten Blick bemerkte ich die bunten Raupen des Bratwurstmönches, die ich an diesem Tag zum ersten Mal überhaupt in meinem Leben zu Gesicht bekam. 

Das war damals schon ein echter Knaller für mich.

Noch ein Bild für euch: 


same 

Beide Gebiete, der Flugplatz und auch die Königstannen, sind auf Sand gebaut und liegen luftlinienmäßig nur wenige Kilometer auseinander. 

Und beide Gebiete werden vor allem von der Waldkiefer geprägt. Man kann davon ausgehen, dass sehr viele Arten sowohl hüben als auch drüben vorkommen. Und in einem der letzten Berichte hatte ich das ja auch schon für die beiden Mordfliegen Choerades ignea und C. gilva vermutet.  

Kinners, zumindest im Falle der erstgenannten Art hat sich das inzwischen auch bestätigt. 

Auf der Seite des GBIF (Global Biodiversity Information Facility), die ich erst seit kurzer Zeit kenne, bin ich fündig geworden. Es gibt je einen Nachweis der Zinnober-Mordfliege vom Sundermannsee (der bildet für mich eine Gebietseinheit mit dem Flugplatz) und aus dem Grasmoor bei Bramsche-Achmer. Doch damit nicht genug: Auch meine eigenen Funde und Bilder tauchen in den dortigen Karten auf! Wie genau das funktioniert, weiß ich aber nicht, doch irgendwie landen die von mir auf Naturgucker gemeldeten Beobachtungen schließlich ganz von alleine auch beim GBIF, wie ja auch die Daten anderer Beobachter von anderen Portalen, wie etwas Oberservation.org

Ein frisches Zinnober-Mordfliegen-Weibchen für euch:


female Choerades ignea  

Wie der junge Steinkauz ganz oben ein Kind des Jahres 2026. 

Zum Vergleich eine weibliche Karminrote Mordfliege:  

female C. gilva for comparison

Falls ihr zwischen den beiden Schwester-Arten keine Unterschiede erkennen könnt, weil ihr blind seid, hier geht es zu den Merkmalen: klick! 

Beide Raubfliegen habe ich Anfang Juli 2026 am eingangs gezeigten Strommast an der Penter Straße abgelichtet.   

Am selben Tag und nur wenige Millimeter und Minuten voneinander getrennt. Mit etwas mehr Glück wären sie nicht nur mir, sondern auch einander begegnet. Aber das Leben ist natürlich auch kein Wunschkonzert. 

Heute will ich allerdings nicht näher auf diese beiden Hübschen eingehen; es wird hier auf jeden Fall noch einmal einen separaten Beitrag über sie geben. 

Einen zweiten Teil und noch in diesem Jahr!

Warm war es an den ersten Tagen im Gebiet.

Und schwül! 

Wenn ich mit dem Wagen auf den Waldparkplatz fuhr, zum Beispiel nach einem Einkauf im LIDL, dann kamen mir schon vier Millionen Regenbremsen entgegen, denen der Speichel der Gier nur so aus dem Stechrüssel troff. Sie landeten geschlossen auf der Windschutzscheibe und warteten geduldig darauf, dass ich ausstieg. Doch was ihnen dann blühen würde, das ahnten diese Deppen natürlich nicht. Blitzschnell schnappte ich mir meinen Flammenwerfer und tötete sie alle mit einem gezielten Feuerstrahl. 

Ha, war das ein Spaß! 

Doch leider ging dabei auch die Windschutzscheibe übern Jordan. 

Ich erinnerte mich an einen der nervigsten Radio-Werbespots der Weltgeschichte und setzte mich rasch wieder ans Steuer. Carglass tauscht aus, Carglass repariert. Oder umgekehrt. Und tatsächlich bekam mein Auto für lau eine nigelnagelneue Windschutzscheibe eingesetzt, nachdem ich dem Mitarbeiter glaubhaft versichert hatte, dass mir jemand beim Überholen ein kleines Steinchen entgegengeschleudert hatte.

So einfach kann das Leben sein. 

Eine Gewöhnliche Strauchschrecke:  


Dark Bush Cricket 

Ein Männchen, vielleicht noch im letzten Nymphenstadium.  

Diese Art, die ich nur aus diesem einen Gebiet kenne, obwohl sie bundesweit sehr häufig sein soll, sah ich jetzt nicht nur an dem einen Ort am Wallenhorster Bach, den ich hier ausführlich im vergangenen Jahr beschrieben hatte, sondern gleich entlang aller Wege, die durch die Königstannen hindurchführen. 

Fast immer im Schatten. 

Wikipedia schreibt zu diesem Tier: "Die Gemeine Strauchschrecke zählt zu den Erstbesiedlern von Kahlschlägen, sie meidet sandige Böden und fehlt entsprechend in Sandgebieten, wie etwa auf Binnendünen, dies auch dann, wenn ansonsten geeignete Bewuchsstrukturen vorherrschen."

Ich stelle und halte fest, dass das im Falle der Konigstannen nicht stimmen kann! Aus dem Grund, den ich weiter oben genannt hatte. 

Oh, eine weitere alte Bekannte: 

female Golden Digger Wasp waiting for better weather conditions  

Das Bild zeigt eine weibliche Heuschrecken-Sandwespe, die am frühen Morgen auf besseres Wetter wartete.

Im letzten Jahr hatte ich mich noch darüber gewundert, dass mir diese seit einigen Jahren stark expandierende Art, die ich ja schon vier Jahre zuvor auf dem Flugplatz Achmer gefunden hatte, noch nie an der Penter Straße begegnet war. Jetzt sah ich sie an jedem Tag! Doch eine Brutkolonie konnte ich trotz intensiver Suche leider nicht entdecken. Man kann aber davon ausgehen, dass sich die Heuschrecken-Sandwespe auch an der Penter Straße vermehrt. 

Schließlich ist das Gebiet wie für diese Art gemacht.  

Fast alle Individuen, Männchen wie auch Weibchen, sah ich bei der Nahrungssuche. An Thymian, Echtem Dost sowie vor allem an Faulbaum. Es ist immer wieder erstaunlich, welch magische Anziehnungskraft die winzigen Faulbaum-Blüten auf so viele Insekten ausüben; es wimmelte in diesen Büschen jedenfalls permanent von Fliegen, Faltern und Hautflüglern

Ein Kiefernschwärmer gönnte sich am 1. Juli eine Pause: 


Pine Hawk-moth, second of my life 

Am Stamm einer Lärche

Das Licht war viel zu grell, die Bedingungen folglich übel, sodass ich es bei diesem einen Belegfoto bewenden ließ. 

Freilich in der Hoffnung, der Falter möge bis zum Abend dort ausharren, um mir dann bessere Fotos zu ermöglichen. Immerhin sind Kiefernschwärmer ausschließlich nachtaktiv. Doch bei einer Kontrolle etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang war das Arschloch verschwunden. Vielleicht hatte einer der vielen Hunde ausgerechnet gegen diesen Baum gepinkelt und den Schwärmer so verscheucht. 

Meine Fresse, der Kiefernschwärmer hätte doch nur etwas länger zu bleiben brauchen, und wir alle wären glücklich gewesen. 

Blöde Falter! 

Man kann sich einfach nie auf sie verlassen.  

Fast zu guter Letzt gibt es jetzt noch ein Bild von der hübschen Wipfel-Stachelwanze:  

Hawthorn Shield Bug 

Nur einmal habe ich sie gesehen, obwohl auch sie in der ganzen Republik sehr häufig sein soll. 

Das weiß auch dieser weise Vogel: 







all images show the same specimen 

Zu guter Letzt möchte ich mich wieder einmal ganz herzlich bei den Steinkäuzen und natürlich auch bei den Großgrundbesitzern, die den Steinäuzen in ihrem Garten seit Jahren ein Refugium bieten, für die reibungslose und entspannte Zusammenarbeit bedanken.  

Es war einfach wieder eine tolle Zeit!

 

Es war einmal ...

... eine Heuschrecken-Sandwespe: 


female Golden Digger Wasp brings a Bush Cricket of unknown ID to her nest 

Ich fotografierte sie am 10. August 2022 auf dem Flugplatz Achmer. 

Ein paar Tage zuvor hatte ich dort an einem sandigen Erdwall eine kopfstarke Kolonie entdeckt. 

Die erste für mich im Landkreis Osnabrück!

Nur ein Jahr zuvor war mir diese Art – zum ersten Mal in meinem ganzen Leben! – auf dem Rysumer Nacken (Stadt Emden) begegnet, wo ich inzwischen auch ein Brüten nachgewiesen habe. Im kommenden August werde ich dort mal wieder eine Kontrolle durchführen.  

Die Heuschrecken-Sandwespe ernährt sich von Nektar und vielleicht auch Pollen. Ihre Brut aber versorgt sie ausschließlich mit Landfühlerschrecken. Diese werden im Outback gesucht und gefunden, durch einen Stich in die Hüfte paralysiert und dann fliegend zum Bau transportiert. Dort wird die Beute vor dem Eingang abgelegt, und die Sandwespe krabbelt ins Nest hinein, nur um schon einen winzigen Augenblick später wieder mit dem Kopf voran im Eingang zu erscheinen. Jetzt packt sie die Heuschrecke und zieht sie rückwärts ins Verlies. 

Gruselig.  

Wenn man eine Langfühlerschrecke ist.  

Die meisten Langfühlerschrecken sind aus der Sicht einer Heuschrecken-Sandwespe klein genug, um sie fliegend zu transportieren und anschließend in den Bau, der ja nur einen bestimmten Durchmesser hat, hineinzuziehen, doch oft habe ich mir in der Vergangenheit die Frage gestellt, was eigentlich passiert, wenn so eine Heuschrecken-Sandwespe auf ein Großes Heupferd trifft.  

Das war's für heute.