Finte!
Ätsch, veräppelt!
Geplant war das aber nicht.
Kinners, eigentlich sollte ja heute der Bericht über die fabelhaften Saltmeadow Small Five kommen, doch daraus wird erst einmal nichts werden.
Ich will ehrlich sein, mit einem Teil der Bilder für diesen Beitrag bin ich einfach nicht zufrieden, da muss noch etwas nachgearbeitet werden.
Und das geht natürlich nur, wenn Wetter und Hauptdarsteller mitspielen.
Zurzeit ist es hier aber sehr winterlich mit Schnee und Kälte; die Saltmeadow Small Five bekommt man unter diesen Umständen kaum mehr zu Gesicht.
Folge: Ich weiß nicht, wann ich endlich alles eingetütet haben werde.
Weil ich also den Bericht über die Saltmeadow Small Five jetzt noch nicht freischalten kann, habe ich mir eine Alternative ausgedacht und am letzten Freitag einfach mal einen Gemeinen Waschbärhund gefunden.
Und fotografiert!
"Waschbärhund, wer ist denn das?" werdet ihr euch jetzt sicher fragen.
Gemeint ist damit der Marderhund, doch weil ich seinen englischen Namen, Common Raccoon Dog, tausendmal passender finde als seinen in Deutschland geläufigen, habe ich ihn einfach ganz spontan umbenannt.
Ich meine, wie ein Marder sieht das Tier doch nun wirklich nicht aus.
Und da ist er auch schon:
Raccoon Dog is a common species in Ostfriesland, but everything else but a pest, although hunters often claim right the opposite
Der süße Waschbärhund (im Folgenden WBH)!
Freitag, der 2. Januar 2026, war ein Tag mit Sturm und heftigen Regen-, Graupel- und Schneeschauern.
Vormittags hielt ich mich in der Leybucht auf, ganz in der Nähe der so genannten Paddel-und-Pedalstation am Mahlbusen des Norder Tiefs.
Ich lag auf meiner Isomatte und hatte es mal wieder auf den Strandpieper abgesehen. Der Strandpieper ist ein Vogel, den man relativ leicht fotografieren kann, manchmal durchaus auch ohne Versteck, und wegen dieser vielen blöden Schauer verzichtete ich auch darauf, mein Tarnzelt zu errichten. Ich wollte einfach verhindern, dass der Stoff nass wird. Packt man nämlich den nassen Stoff ins Auto, beschlagen über Nacht die Scheiben.
Und das braucht kein Mensch!
Während ich also da auf meiner Isomatte lag, lief draußen im Watt das Wasser immer weiter auf. Es stieg sogar so richtig bedrohlich an! Denn es stürmte immer heftiger aus westlichen Richtungen. Im Volksmund spricht man auch vom Blanken Hans, der da an diesem Vormittag wild und unberechenbar tobte, ganz nüchtern aber eher von einer Sturmflut.
Zu allem Überfluss hatte ich meine Handschuhe im Auto liegen lassen, meine Flossen schimmerten schon in einem bedenklichen Blauton! Und als ich schließlich aufgeben wollte, das war so gegen zehn Uhr der Fall, da sah ich plötzlich einen WBH, der offensichtlich vor dem auflaufenden Wasser aus dem Heller floh und auf mich zugelaufen kam.
Eigentlich hatte er alle Ruhe weg und trottete eher, als dass er lief.
Und dann blieb er vor mir stehen und hielt seine Nase in den Wind:
storm surge forced this specimen to escape the water in the salt meadows of so called Laybucht. While I was photographing Rock Pipits, the dog suddenly popped up and came very close. He raised his nose, guessing there must be somebody very close, but did not see me, because I instantly froze to rock lying on my sleeping pad. After a few minutes he likely realised the possible "threat" and did not run, but just walk away
Riechen konnte er mich aber nicht.
Und das nicht etwa, weil ich nur wenige Stunden zuvor noch geduscht hatte, sondern weil der fiese Wind aus der aus meiner Sicht richtigen Richtung kam.
Das ganze Verhalten des WBH sprach jedenfalls eine deutliche Sprache, wie man auf dem obigen Bild erkennen kann. Er spürte, da war etwas nicht in Ordnung, doch was es war, das schnallte er nicht, obwohl er mich durchaus hätte sehen können. Ich bewegte mich allerdings auch keinen Millimeter; nur meiner Lunge gönnte ich alle vier Minuten einen halben Liter Frischluft. Immer wieder hielt der WBH seine feuchte Nase in den Sturm, und das sah lustig aus.
Minutenlang blieb der WBH einfach stehen und schaute nach allen Richtungen. Mehrere Male auch nach oben, als uns Nonnengänse überflogen. Und während er das tat, stand er nach wie vor im kalten Wasser.
Ein hübscher Kerl, so dachte ich, während er da so vor mir stand in seinem dicken Winterpulli:
same
Igelhund würde auch ganz gut passen, wie mir jetzt gerade auffällt.
In den letzten Jahren hatte ich ja schon so einige WBH in der Krummhörn und auch in Emden gesehen.
Weitere waren mir vor diverse Wildkameras gelaufen.
Alle Begegnungen mit diesem Wildhund waren aber stets nur sehr kurz gewesen und die Distanz leider fast immer viel zu groß. Die beste Beobachtung war mir vor etwa zweieinhalb Jahren in den Hauener Pütten gelungen. Ein ebenso prächtiges Individuum ließ sich vor der dortigen Hütte blicken, war aber bereits wieder verschwunden, noch bevor ich meine Kamera endlich aus ihrem Rucksack hervorgepult und startklar gemacht hatte. Das war ebenfalls am helllichten Tag gewesen, allerdings im gleißenden Licht der Mittagssonne eines Tages im August. Wirklich Erquickendes wäre also auch dann nicht dabei herausgekommen, wenn ich etwas schneller reagiert hätte.
Interessant ist, dass ich den WBH hier erst in den letzten zehn Jahren mehr oder weniger regelmäßig zu Gesicht bekomme, obwohl er wohl schon seit Jahrzehnten in Ostfriesland vorkommen dürfte. Es verhält sich hier ähnlich wie mit dem oder der aus Südamerika stammenden Nutria, das oder die mir ebenfalls erst in den letzten Jahren nahezu überall begegnet.
In beiden Fällen ging das Ganze irgendwie von null auf hundert oder so.
In meiner Kindheit besaß ich ein Buch, das so ganz allgemein einige Tiere in Deutschland behandelte. Der WBH kam auch darin vor. Das Bild, das von ihm in diesem Buch gezeigt wurde, hatte es in sich, denn es war aus einem fahrenden Zug aufgenommen worden. So stand es zumindest darunter geschrieben. Und das bereits im Jahr 1965, also vor meinem Schlupf, und dann auch noch im Landkreis Osnabrück!
Dort bin ich aufgewachsen, einen WBH habe ich aber nicht ein einziges Mal gesehen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich mal ganz passable Bilder von diesem Tier schießen würde, ich hätte ihm einen Vogel gezeigt.
Ganz bestimmt.
Der WBH ist ein so genanntes Neozoon.
Ursprünglich stammt dieser Wildhund aus dem Fernen Osten. Seine natürliche Heimat erstreckt sich von Ussurien im Norden über das östliche China und beide Koreas bis nach Japan. Zwischen 1929 und 1955 sollen etwa 10.000 Individuen im westlichen Teil der damaligen Sowjetunion freigelassen worden sein, vor allem im heutigen Belarus sowie in der Ukraine. Und übrigens von Jägern, die die heimische Fauna um ein begehrtes Pelztier und eine weitere lebende Zielscheibe ergänzen wollten.
Merksatz: Je mehr es zu schießen gibt, desto besser.
Der WBH, um die Geschichte abzukürzen, breitete sich rasch aus und eroberte binnen weniger Jahre viele Länder Europas, die sich im Westen und Norden der Aussetzungsgebiete befinden. Und heute ist er nicht nur in Ostfriesland ein ganz gewöhnlicher Teil der heimischen Natur.
"Ein Teil der heimischen Natur?" werdet ihr euch jetzt sicher ganz empört fragen.
Ja und nein.
Ganz bestimmt ist Europa nicht seine natürliche Heimat, das hatte ich ja auch bereits geschrieben, aber der WBH hat sich glänzend und problemlos in unsere Ökosysteme eingefügt, die ja schließlich auch nicht so ganz verschieden sind von jenen im Fernen Osten. Immer wieder wird behauptet, der WBH sei ein übler Schädling, der bekämpft und verfolgt werden müsse. Und das passiert ja leider auch rücksichtslos überall in unserer Republik – auch in Ostfriesland. Doch tatsächlich dürfte der Schaden, den dieser asiatische Neubürger in der heimischen Fauna anrichtet, praktisch gar nicht existieren.
Und man weiß ja auch, von welchen Seiten die Lügen kommen.
Natürlich kann das Aussetzen von Tieren auf fremden Kontinenten oder fernen Inseln schlimmste Folgen haben und zum Aussterben anderer, nicht selten endemischer Aten führen. Es gibt dafür auch etliche Beispiele. Der Rotfuchs in Australien, der amerikanische Mink in Europa, die ursprünglich ausschließlich australasiatische Braune Nachtbaumnatter auf Guam, diverse amerikanische Großkrebse in Europa, Wanderratten und Hauskatzen auf allen möglichen Inseln, übrigens auch auf jenen in der Nordsee hier in Ostfriesland, haben durchaus ihre Spuren hinterlassen, doch es gibt auch Beispiele für Arten, die absolut keinen ökologischen Schaden verursacht haben in Gebieten, in denen sie ursprünglich gar nicht heimisch waren.
Neben dem WBH und dem Waschbär sind das zum Beispiel die aus der Neuen Welt stammenden Nager Bisam und eben Nutria. Sie können in Europa allenfalls einen wirtschaftlichen Schaden anrichten und keinen ökologischen, und eigentlich sind es doch die wasserbaulichen Maßnahmen des Menschen selbst, die der Natur, gelinde geschrieben, nicht wirklich gut getan haben. Ließe man Bisam und Nutria einfach gewähren, dann würden sie unsere Gräben und Kanäle sehr wahrscheinlich früher oder später wieder in so etwas wie Natur umwandeln, doch Natur ist gerade in Deutschland leider nicht erwünscht.
Ein weiteres Bild, ein skeptischer Blick:
he was sniffing all the time because he felt, that something is wrong
Der WBH ist, wie auch der aus Nordamerika stammende Waschbär, ein Generalist.
Er kann fast alles essen, übrigens auch viel Pflanzliches, und das tut er natürlich auch.
Weder Bodenbrüter noch Niederwild – ein blödes Wort aus der bescheuerten Jägersprache – leiden unter solchen Arten. In Osteuropa, das habe ich hier in einem vergleichbaren Kontext ja auch schon tausendmal geschrieben, kommen all jene Vögel und auch andere Tierarten, die bei uns selten geworden oder gar bereits ausgestorben sind, noch in großer Zahl vor, obwohl es dort ganz bestimmt mindestens ebenso viele WBH und Rotfüchse gibt wie bei uns.
Schaut euch die noch ursprünglichen Lebensräume dort an und vergleicht sie mit denen in unserer Republik, dann wisst ihr auf der Stelle, was wirklich die Ursache für das hiesige Artensterben ist. Aber man kann natürlich trotzdem einfach weiter herumlügen, wie es übrigens nicht nur Jäger gerne tun, sondern leider auch Mitarbeiter von Behörden und Naturschutzverbänden, die eigentlich der Natur verpflichtet sein sollten, der ganzen Natur, wie ich finde, wie zum Beispiel die hiesige Nationalparkverwaltung oder der NABU, wo man es anscheinend nicht besser weiß und das Bejagen von Beutegreifern wie WBH und Rotfuchs fordert, um Bodenbrüter zu schützen.
Und dann ist da ja auch noch der Goldschakal!
Der ist in Mitteleuropa nicht angesiedelt worden, sondern ganz allein aufgetaucht. Auf eigenen Füßen hat er sich auf den Weg gemacht, um sein Areal zu vergrößern, möglicherweise als eine Folge der Klimaerwärmung. Und wie der WBH stellt auch er für die heimische Fauna überhaupt keine Gefahr dar, obwohl auch in seinem Fall bereits von Seiten der Jägerschaften gewarnt und gehetzt wird.
Es ist wirklich seit Jahrhunderten immer dieselbe Leier, es hört nie auf. Als Jäger lebt man offenkundig auch heute noch in einer Höhle, ohne allerdings auf die nicht zum Höhlenleben passende moderne Schusswaffe verzichten zu wollen.
Auf der Flucht vor dem WBH:
Roe Deer swimming the Störtebekerkanal and watching bird at the same time
Zwei Rehe schwammen Anfang Dezember durch den Störtebekerkanal bei Neuwesteel.
Auf der Flucht befanden sie sich aber nicht, weder vor einem WBH noch vor mir. Tatsächlich wollten sie sich nur mal die Insel im Kanal ansehen, und während sie durchs kalte Wasser schwammen, stellte sich heraus, dass das vordere Tier ein Feldornithologe war.
Jedenfalls wurde ich Zeuge einer kurzen Unterhaltung: "Guck mal, dahinten schwimmt ein Kormoran!"
"Halt dein Maul, du Hohlbunke von einem Reh", ließ die passende Replik des Hintermannes nicht lange auf sich warten, "was interessiert mich der Scheißvogel? Wenn du nicht langsam mal Gas gibst, dann saufen wir hier noch jämmerlich ab!"
Wir leben in einem freien Land, jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.
Ein junger Turmfalke stand auf einem dünnen Zweig, während das krasse Gegenlicht seine Silhouette ganz fein überstrahlte:
young Kestrel in da backlight
Ebenfalls Anfang Dezember.
Der WBH ist zwar ein Hund, aber eben auch ein echter Fuchs!
Als ein Vertreter der Familie der Echten Füchse ist er nämlich viel näher mit dem Rotfuchs verwandt als z. B. die beiden Graufüchse Nordamerikas, obwohl die viel fuchsiger aussehen als der WBH. Noch unglaublicher wird es, wenn man weiß, dass der WBH und alle Vertreter der Echten Füchse sogar näher mit den Hunden der Gattung Canis, zu der ja auch Haushund und Wolf gehören, verwandt ist als mit den Graufüchsen der Neuen Welt. Auf Wikipedia findet ihr im Artikel über den WBH ein entsprechendes Kladogramm, das alles über die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Caniden dieser Welt verrät.
Und auf Youtube könnt ihr euch ein wirklich gelungenes Video über den WBH ansehen: klick!
Mit ganz vielen Informationen über die Art und einem Skript, das viel Spielraum für einen gesunden Humor gelassen hat.
Zitat: "Marderhunde sind weder herausragende Jäger noch Intelligenzbestien. Sie beherrschen nichts perfekt, aber von allem ein bisschen. Und genau das bringt sie voran."
Der Streifen dürfte zwar bereits etwa 20 Jahre alt sein, hat an Aktualität aber nichts eingebüßt. Dass der Film viele Jahre auf dem Buckel hat, sieht man u. a. daran, dass der in ihm vorgestellte Fotograf eine Canon EOS 10D in seinen Händen hält, eine Kamera also, die schon 2003 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und die darüber hinaus so eine Art Ururgroßmutter meiner 50D darstellt.
Möglich wäre es natürlich auch, dass der Mann im Video mit einer in die Jahre gekommenen Kamera fotografiert, doch das machen außer mir erfahrungsgemäß nur ganz wenige Zeitgenossen. Der Streifen ist aber auch deshalb ganz sicher etwa 20 Jahre alt, weil der Sprecher an irgendeiner Stelle davon redet, dass es in der Uckermark keine Wölfe gibt.
Und das ist ja nun schon seit ganz langer Zeit nicht mehr der Fall.
Da ist er wieder, der Tanuki vonne Leybucht:
sameTanuki, so heißt der WBH nämlich in Japan!
Dort ist er sehr populär und spielt eine gewichtige Rolle in vielen Geschichten, Erzählungen und Fabeln. Er gilt darin als ein Meister der Verkleidung und Verwandlung.
Wikipedia schreibt darüber hinaus: "Im Anime Pom Poko sind Marderhunde die Hauptprotagonisten der japanischen Geschichte, die sich gegen die Umweltzerstörung der Menschen zur Wehr setzen und dabei ihre wundersame Verwandlungsfähigkeit einsetzen."
Und ist er nicht wirklich flauschig:
in Japan this species is a true star
Was ich nicht weiß, ist, ob der WBH auch in Japan rücksichtslos bejagt wird.
Trotz seines dortigen Legendenstatus'.
Ich hoffe doch nicht, weiß aber sehr wohl, dass es überall auf der Welt unheilbar kranke Menschen gibt, die die Natur lediglich als einen Selbstbedienungsladen betrachten. Dass wir einander nicht missverstehen, ich bin vor allem ein Gegner jener Jäger, die am liebsten alle Tiere, die spitze Zähne haben, beseitigen wollen.
Und nicht nur die!
Denn in diesem Zusammenhang fällt mir gerade ein, dass hiesige Jäger Grau- und Silberreiher als Raubvögel bezeichnen und sie mitverantwortlich für den Rückgang der Wiesenbrüter machen. Das kann man sich nicht ausdenken, und wäre es nicht so traurig, man könnte sich sich den ganzen Tag über diese Gestalten beömmeln angesichts der unglaublichen Märchengeschichten, die sie erzählen. Die Wiesenbrüter fungieren dabei ohnehin nur als ein Vorwand, sie sind solchen Leuten völlig egal. Es geht auch hier nur darum, möglichst viele lebende Zielscheiben zu haben, weil sonst in einem tristen Jägerleben wohl auch ganz schnell Langeweile aufkeimen würde.
Und für den Fall, dass ihr mir nicht glauben solltet: klick!
Nehmt euch die sieben Minuten Zeit, es lohnt sich!
Kinners, ich kann gar nicht schreiben, wie lange der WBH da vor mir im flachen Wasser stand, aber irgendwann machte er sich schließlich doch auf den Weg. Auch jetzt noch denke ich, dass er mich nicht gesehen hat. Vielleicht hat er aber das Klicken der Kamera gehört und sich deshalb zurückgezogen. Oder der WBH hatte einfach was Anderes vor. Ich meine, man kann doch auch nicht einen ganzen Wintertag im arschkalten Wasser herumstehen.
Am Ende wird man noch krank.
Vonne Seite:
Als WBH, und damit kommen wir fast schon wieder zum Ende, wirkt man immer etwas moppelig.
Doch der Schein trügt!
Das Meiste, was man sieht, ist nichts anderes als Fell. Und es ist eben ein langes und sehr dichtes Fell, das man als WBH auch benötigt, denn in der ursprünglichen Heimat kann es im Winter bitterkalt werden. Ussurien, also Russich-Fernost, ist immerhin ein Teil Sibiriens. Dort kann man im Winter nicht in einem T-Shirt herumlaufen; man würde auf der Stelle erfrieren.
Ganz bestimmt.
Und jetzt gibt es noch einen Beobachtungstipp von mir!
Gesetzt den Fall, ihr habt in eurem Leben noch nie einen WBH gesehen, dann möchte ich euch jetzt die Hauener Pütten empfehlen. Am besten taucht ihr dort im August und vor Sonnenaufgang auf, stellt euch an die Straße und behaltet diese im Auge. Immer schön im Wechsel mal in die eine, mal in die andere Richtung schauen. Denn um Sonnenaufgang herum kehren die Biester von ihren nächtlichen Exkursionen heim, um sich tagsüber im Schilfwald zu verstecken.
Wenn auf der anderen Seite der Straße oder ganz allgemein in nicht allzu großer Entfernung zu den Pütten auch noch Mais angebaut wird, dann sollte es in jedem Fall klappen. Denn heranreifende Maiskolben stehen beim WBH ganz oben auf der Wunschliste.
Ich habe das selbst oft beobachtet in den letzten Jahren, ohne allerdings auch nur ein schönes Bild hinzubekommen von den verfickten Wildhunden. Üble Belegbilder sind mir allerdings schon einige Male gelungen, und mindestens eines davon habe ich hier ja auch schon mal gezeigt.
Vor der Hütte an der Straße kann man dem Anschein nach zu jeder Tageszeit mit etwas Glück einen WBH entdecken (siehe oben).
Der hübsche WBH zog sich gemütlich zurück, schaute aber noch ein letztes Mal in meine Richtung:
last pictureSchließlich verschwand er im Schilf.
Und das war auch gut so, denn meine Hände schmerzten schon wie Hulle.
Am Ende aber halte ich fest: Was für ein Tag!
Die Begegnung mit diesem knuffigen WBH war eine wirklich großartige! Und dann widerfuhr sie mir auch noch gleich zu Beginn des neuen Jahres!
So kann es weitergehen.
So macht das Outback Spaß!
Und falls ihr kleinen Arschkrampen jetzt glauben solltet, dass ich hier in Ermangelung einer größeren Auswahl und in ganz böser Absicht elfmal dasselbe Foto hochgeladen habe, um euch abermals zu veräppeln, dann liegt ihr falsch.
Es sind tatsächlich elf verschiedene Bilder, das habe ich jedes Mal vor dem Hochladen ganz genau überprüft. Und ihr könnt das auch tun, falls euch die Langeweile triezen sollte.
Das oben erwähnte Buch aus meiner Kindheit hat sich übrigens irgendwann in seine Einzelteile aufgelöst. Schon vor Jahrzehnten! Vielleicht war es schlecht gebunden, aber tatsächlich habe ich es so oft in die Hand genommen und durchgeblättert, dass es wohl auch im Falle einer höheren Qualität irgendwann auseinandergefallen wäre.
Da bin ich mir sicher.
Und das ist schade, denn jetzt, also im Zusammenhang mit der Begegnung mit dem WBH in der Leybucht, hätte ich das Buch gerne noch einmal in die Hand genommen, auch vor dem Hintergrund, dass meine Erinnerungen in all den Jahren etwas verblasst sind.
Es waren einmal ...
... einige Heidelerchen, die den ganzen Winter 2019/20 auf dem Rysumer Nacken verbracht haben.
Einer dieser Vögel duckte sich hier in eine Bodenvertiefung auf einem Acker:
Woodlark is not a regular winter bird in Ostfriesland, but occasionally small flocks can be seen for instance at so called Rysumer Nacken, where this picture was taken in December 2019. Today (4th January 2026) it was heavily snowing almost the entire day, and I have seen unbelievable eight flocks and at least 100 specimen of Woodlark trying to escape the sudden winter and heading South! These birds might not been from Ostfriesland, but rather from more easterly regions or even from abroad (Poland or so). Never seen so many Woodlarks in one day before
Heute ist der 4. Januar 2026.
Ich habe den Tag am Rande der Leybucht verbracht, und es hat sehr, sehr viel geschneit. Das Resultat ist eine geschlossene Schneedecke. Viele Vögel bekamen Panik und zogen rasch nach Süden oder Westen ab. Ganz viele Stare, Kiebitze und auch Goldregenpfeifer waren darunter.
Und eben auch über hundert Heidelerchen!
Insgesamt waren es am Vormittag unglaubliche acht Trupps, von denen ich aber nur die ersten vier auch gesehen habe, weil ich später im Tarnzelt saß. Der erste Trupp war von denen, ich ich gesehen habe, mit 31 Individuen auch gleich der größte. Die Heidelerchen, die ich beobachten konnte, flogen relativ flach über den Boden und in dichtem Schneetreiben quasi fast blind Richtung Süd. Und wenn ich jetzt auch noch schreibe, dass die armen Vögel recht verzweifelt aussahen, dann werdet ihr mir nicht glauben, aber genau das war mein Eindruck, als ich sie mit meinem Blick durchs Fernglas verfolgte.
Nie zuvor hatte ich so viele Heidelerchen an einem Tag beobachtet. Und über ihre Herkunft kann ich nur spekulieren. Ich gehe nicht davon aus, dass sie zuvor hier in Ostfriesland eine Überwinterung versucht hatten, sondern irgendwo weiter östlich, möglicherweise sogar im osteuropäischen Ausland.
Als Heidelerche ist man nicht wirklich kälteempfindlich, das haben diverse Wintertrupps auf dem Rysumer Nacken in den vergangenen Jahren schon eindrucksvoll bewiesen. Aber eine geschlossene Schneedecke, die laut Wetterbericht auch noch mindestens eine ganze Woche liegen bleiben soll, wäre für die Heidelerche und für viele andere Vögel kaum mehr zu stemmen.
Auch Kleinsäugerliebhaber wie Mäusebussard, der Turmfalke, Eulen und auch Reiher müssen jetzt tapfer sein und benötigen viel Glück, um ausreichend Kalorien zu sammeln für die kommenden kalten Tage und noch kälteren Nächte. Das ist bei uns Menschen ja auch nicht anders. Je kälter es wird, desto mehr Pizza und Käsebrötchen muss man stopfen. Während wir aber nur zum nächsten Supermarkt zu fahren brauchen, ist das für wild lebende Tiere leider nicht möglich.
Da kann man ganz schnell sterben, obwohl man das eigentlich gar nicht will.
Ein Bild von gestern, als es mit dem Wintereinbruch losging:
sudden winter has arrived and is going to stay for at least one week according to weather forecast. This picture I had taken already yesterday. It shows saltmeadows covered by snow at so called Leybucht, where I encountered the Raccon Dog introduced in this blog post one day earlier
Es zeigt einen Ausschnitt der Salzwiesen der Leybucht.
Genau dort sind wir, der WBH und ich, einander begegnet.
Einen Tag vor dem Kälteeinbruch.
Noch ohne Schnee.
Und ohne Eis.

















