Montag, 16. Februar 2026

Das Schwatzkehlchen

Moin Kinners, 

mit etwas Glück ist der Winter jetzt endlich geschafft. 

Neulich befand ich mich am Störtebekerkanal bei Neuwesteel. 

Mit -5 Grad Celsius war es an diesem finsteren Morgen bitterkalt, und zu allem Überfluss blies ein eisiger, geradezu stürmischer Wind ganz beharrlich aus östlichen Richtungen, der mich noch mehr frieren ließ und den kilometerlangen Spaziergang zu einer echten Tortur mutieren ließ.  

Ich entdeckte einen Kormoran, der an einem der wenigen verbliebenen eisfreien Abschnitte des Kanals der Nahrungssuche nachging.

Der Vogel tat mir leid.

Ich meine, wer will schon unter solch widrigen Bedingungen im eiskalten und trüben Wasser tauchen und nach Fischen jagen? Mal ehrlich, das kann doch wirklich nicht schön sein. Beim Anblick des armen Vogels fror ich gleich noch eine Oktave mehr. 

Und als er schließlich abtauchte, da schüttelte es mich regelrecht durch!

Aber der Kormoran tauchte nur wenig später wieder auf – mit einem fetten Aal im Schnabel! 

Glückwunsch, so dachte ich, dein Tag ist gerettet, du wirst überleben Und ich werde mir gleich ein paar Käsebrötchen kaufen, dann ziehe ich mit dir gleich, du geiler Vogel. 

Ohne ins kalte Wasser springen zu müssen. 

Habt ihr Hohlbunken da draußen euch mal gefragt, wie man als Kormoran im Störtebekerkanal erfolgreich fischen kann? Bei einer Sichtweite von nur etwa vier Millimetern? Eigentlich geht das doch gar nichr, und trotzdem muss man als Kormoran nur einen winzigen Teil des Tages für die lästige Nahrungssuche vergeuden. Die restlichen Stunden steht man irgendwo am Ufer oder auf einem Ast und kackt vor sich hin. 

Wie funktioniert das? 

Niemand kann mir erzählen, dass der Vogel ganz zufällig einen Fisch mit seinem Schnabel touchiert und dann blitzschnell zuschnappt. So hoch kann die Fischdichte in einem Gewässer, das kein Forellenteich ist, doch gar nicht sein. Und trotzdem bringt fast jeder zweite oder dritte Tauchgang den Erfolg! 

Ich wette, der Kormoran kann seine Beute unter Wasser riechen. 

 

Das Schwatzkehlchen sieht so aus: 


male Stonechat on a cold, cold winter morning at so called Störtebekerkanal 

Genau genommen sieht nur das männliche Schwatzkehlchen so aus. 

Es folgt ein Weibchen zum Vergleich: 


a female 

Eigentlich heißt das Schwatzkehlchen Schwarzkehlchen, aber der Name erscheint mir unpassend, haben doch zumindest die Weibchen keine schwatte Kehle. 

Die vielen Bilder in diesem Beitrag belegen das eindrucksvoll.

Schwatzkehlchen passt aber wie der berühmte Arsch auf den Eimer, zumindest zur Brutzeit und dann vor allem in der Phase, wenn die Kinder das Nest verlassen. Denn dann schwatzen Schwatzkehlchen unablässig und werden so zu einem der nervigsten Vögel im ostfriesischen Outback. 

"Hiiiht, träck, träck", so geht das dann die ganze Zeit.  

Man kann sich eigentlich nur noch die Ohren zuhalten. Oder die Pumpgun aktivieren. 

Aber da ist so eine Hemmschwelle in mir, ich meine, das Schwatzkehlchen ist doch auch so furchtbar niedlich:


female in da freezer

Eisschrank-Bedingungen. 

Kinners, es hat hier im Januar richtig gefroren. Zwei abartige Kältephasen hat es in der Krummhörn gegeben, dazwischen hielten sich die Temperaturen etwa zehn Tage lang knapp oberhalb des Gefrierpunktes.  

Und bereits im November, also etwa zu jenem Zeitpunkt, als ich auf dem Deich der Leybucht einen Spornpieper fotografiert habe (siehe einen der letzten Berichte!), da war mir das oben gezeigte Schwatzkehchen-Weibchen auf einem Weidezaun stehend aufgefallen. 

Von Beginn an hat sich dieser Vogel mir gegenüber ungewöhnlich zutraulig präsentiert, inzwischen kommt er bis auf einen Meter heran, ohne mit der Wimper zu zucken. Das gezeigte Männchen dagegen habe ich nur mit der Unterstützung eines Tarnzeltes fotografieren können. 

Der Kerl:


same male 

Diese Aufnahme war eine der ersten überhaupt.

Da stand der Vogel auf einer eher wenig attraktiven Warte. Doch das habe ich rasch geändert. Gleich eine ganze Vielzahl verschiedener Zweige, Stängel und vertrockneter Blütenstände habe ich in die Weide gesteckt und den Schwatzkehlchen so eine Freude gemacht.

Und auch mein Tarnzelt wurde als Ausguck missbraucht:


female standing on my hide 

Im Vordergrund seht ihr einige der Stehwarten, die ich persönlich ausgesucht habe. 

Nur etwa hundert Meter von den Schwatzkehlchen entfernt schoss ich am 30. Dezember dieses Rotkehlchen auf einem Weg entlang des Störtebekerkanals ab:


curious Robin

Freilich nur mit der Kamera.

Irgendwann im Januar wurde es dann also kalt. Bitterkalt. Viele Vögel wirkten regelrecht verzweifelt und wussten nicht so recht, wo sie noch etwas zu essen finden können.

In einem Hausgarten, ebenfalls ganz in der Nähe der Schwatzkehlchen, ließen sich auch tagsüber gleich zwei Waldschnepfen bei der Nahrungssuche über ihre kryptisch gezeichnete Schulter schauen. 

Seht selbst:


Woodcock probing for food on a lawn in a garden 

Normalerweise ist diese Art nacht-, mindestens aber dämmerungsaktiv, und Hausgärten stellen jetzt auch nicht gerade den klassichen Lebensraum für die Waldschnepfe dar. 

Es war die fiese Kälte bzw. der aus ihr resultierende Umstand, dass überall der Boden durchgefroren war und somit nicht mehr geeignet fürs Stochern, der die Vögel an diesen Ort getrieben hatte. Warum es aber auf dieser Rasenfläche mit dem Stochern funktionierte, ist mir auch jetzt noch ein Rätsel. Ich meine, auch dort hätte doch eigentlich alles betonhart sein müssen. Oder gab es da etwa eine Rasenheizung wie im Stadion des VfL Osnabrück?

Zwei auf einem Bild:


two specimen 

Der Garten grenzt direkt an einen Parkplatz an, und von diesem aus habe ich meine Bilder geschossen. 

Die Waldschnepfen zeigten sich auch nicht von den vielen Menschen beeindruckt, die ankamen und wegfuhren. Permanent hörte man zuknallende Autotüren und Heckklappen, aber auch das Freudengeschrei unzähliger Kinder. 

All diese Leute hatten es nämlich auf eine Schlittenfahrt abgesehen: 


sleigh ride on da dike with Barnacle Geese in da background 

Rodeln nach Ostfriesland-Art – auf dem Deich und mit Nonnengänsen im Hintergrund.  

Die Waldschnepfen hatten keinen Bock aufs Rodeln und suchten lieber nach Essbarem:



same – not only in Germany thousands of these beautiful birds are killed by hunters for only one reason. pleasure

Vielleicht fehlte es ihnen deshalb auch einfach nur an der nötigen Zeit.  

Wusstet ihr eigentlich, dass allein in Deutschland alljährlich Tausende Waldschnepfen abgeballert werden?  

Freilich nur aus Naturschutzgründen und nicht etwa aus Spaß an der Freude. Tausende dieser großartigen Vögel werden also der Natur "entnommen", müssen der Natur auch "entnommen" werden, weil es sonst einfach viel zu viele Waldschnepfen gäbe. Eine Regulierung der Bestände ist unabdingbar, und die Lodenträger sind sich nie zu schade dafür, ihre wertvolle Zeit für diese wichtige Naturschutzarbeit zu opfern.

Darauf ein siebenfaches Horrido!

Weil ich nicht weiß, wann es hier jemals wieder Waldschnepfe geben wird, zeige ich euch noch drei weitere Fotos von diesen so toll gezeichneten Vögeln:




same 

Es handelt sich hier übrigens um die mit Abstand besten Bilder, die ich jemals von der Waldschnepfe geschossen habe!

Zufrieden mit den Resultaten bin ich aber nur fürs Erste, denn eigentlich muss man diesen sonst so heimlichen Vogel im Wald oder einem Gebüsch ablichten, mit dunklem Laub auf dem Boden, das im besten Fall auch noch nass sein sollte, weil es dann geiler aussieht.  

Bilder von Vögeln auf einem Rasen gefallen mir nämlich grundsätzlich nicht so gut, auch wenn in diesem Fall der Schnee sowie etliche Maulwurfshügel etwas Natürlichkeit ins Spiel gebracht haben. 

Kormorane auf dem Störtebekerkanal:


Cormorant 

Der war am 6. Januar, als ich dieses Bild schoss, bereits größtenteils vereist. 

Die Vögel fischten unmittelbar neben dem Pumpwerk an der Straße, weil das Wasser dort wegen des permanenten Sielens in Bewegung blieb und deshalb nicht zufrieren konnte. 

Und genau in diesem Augenblick fällt mir doch noch ein Vorteil ein, den das Tauchen unter den eingangs geschilderten abartigen Witterungsbedingungen mit sich bringt: Unter Wasser gibt's keinen fiesen Ostwind!

Sturmmöwen im Schneesturm zwischen Visquard und Greetsiel:


Common Gull in da snow storm 

Immer wieder überrascht es mich, was Vögel alles ertragen können!

Es war wirklich rattenkalt in diesen Tagen, und eine nahezu geschlossene Schneedecke mit meterhohen Schneewehen ließ die Nahrungssuche zu einer echten Herausforderung mutieren. Das Problem unter diesen Konditionen ist ja auch noch, dass man umso mehr essen muss, je kälter es ist. Und wenn die Nahrung eh schon knapp ist, dann wankt man als Vogel auf einem sehr schmalen Grat zwischen Leben und Tod. 

Für einen Teil der Möwen gab es immerhin an einem Silagehaufen des einstigen Klosters Appingen etwas zu holen:


feeding on silage while a snow storm came through

Ganz viele Vögel nutzten diese Nahrungsquelle.

Und man konnte dort etliche verschiedene Arten beobachten. Silber- und eben Sturmmöwen, Stockenten, Nilgänse, Hohltauben, Ringeltauben und Türkentauben (viel weniger als in den Jahren zuvor!), aber auch Haussperlinge, Buchfinken und Stare und als ganz große Überraschung auch noch einige Steinwälzer!

Doch natürlich gab es in dieser Zeit auch viele Todesopfer zu beklagen, eben auch unter den Möwen, die teils geschwächt im Schnee landeten und nicht mehr hochkamen. Einige waren bis auf die Knochen abgemagert. 

Das war nicht schön. 

Und Nonnengänse, die ja eigentlich nie unter Nahrungsmangel leiden – Gras gibt es schließlich überall –, fallen auch in diesem Winter und unabhängig von der Kälte wieder der Vogelgrippe zum Opfer. Überall findet man tote und sterbende Individuen.

Das folgende Bild zeigt eine erkrankte Gans, die ganz allein auf dem Eis des zugefrorenen Leyhörner Sieltiefes herumstand und noch vergleichsweise fit aussah: 


Barnacle Goose with bird flu 

Gestorben ist sie natürlich trotzdem. 

Doch des einen Leid ist des anderen Freud.

Viele Tiere brauchten sich nämlich auch während des Wintereinbruchs keine Sorgen ums Essen zu machen. Eher das Gegenteil war der Fall, es wimmelte von sterbenden und toten Nonnengänsen. Tagsüber sah ich Mäusebussard, Seeadler, Silber- und Mantelmöwe sowie die geile Rabenkrähe an ihnen naschen, und im Schutze der Dunkelheit sind viele der verendeten und sterbenden Vögel ganz bestimmt von Fuchs, Waschbärhund (siehe einen der letzten Berichte!) und Steinmarder abgeholt worden. 

Apropos Steinmarder:


this cute Beech Marten I spotted in an Alder right next to the hiking trail  

Tatsächlich zeigt das Bild einen Baumsteinmarder.  

Und wenn der sich da oben in der Erle nicht bewegt hätte, dann wäre er mir gar nicht aufgefallen.   

Aber er hat sich bewegt, und so konnte ich ihn fotografieren. Und zwar am Ufer des Störtebekerkanals.

Auch Steinmarder werden alljährlich aus Naturschutzgründen zigtausendfach getötet und dem Outback "entnommen". Das ist wichtig, denn auch Steinmarder gibt es natürlich viel zu viele. Ohne die Jäger, das muss man auch mal schreiben dürfen, gäbe es in unserer geilen Republik praktisch überhaupt keine Natur mehr. Sie allein haben dafür gesorgt, dass wir das da draußen auch heute noch bewundern und fotografieren können. 

Seid also ruhig mal ein bisschen dankbar, ihr Nichtsnutze, und zwar dafür, dass die Lodenträger uns die Drecksarbeit abnehmen und sich um den Erhalt der Artenvielfalt kümmern. 

Übrigens: Als ich noch in Aurich gewohnt habe, da hat in meinem Wohngebiet an der Leerer Landstraße ein Steinmarder sein Unwesen getrieben und seinen Hass auf Autos ganz ungeniert ausgelebt. Eine Karre nach den anderen hat er lahmgelegt und wohl auch gewusst, dass es unter Seinesgleichen weniger Straßenverkehrsopfer geben würde, wenn nur die Zahl der Autos geringer wäre. Und so hat er eine Nachtschicht nach der anderen durchgezogen. 

Ich weiß noch ganz genau, wie ich an einem Winterabend nach Hause kam und im Lichtkegel meiner Scheinwerfer einen Marder unter dem PKW eines der Nachbarn verschwinden und wenig später in den Motorraum springen sah. Ich hätte beim Nachbarn klingeln und ihm Bescheid geben können, doch das habe ich nicht getan. Ich meine, als Steinmarder muss man doch auch mal auf Kabelisolierung herumkauen dürfen. wenn es einem doch so viel Spaß macht ...

Meinen Wagen hat der Steinmarder immer verschont. Ich fuhr damals noch eine Ente (Charleston, grau!).  

Und bekanntlich hat eine Ente keinen richtigen Motor.  

Anatomisches: 


Coot's foot 

Unweit der auf dem Eis vor sich hin sterbenden Nonnengans fand ich eine Blässralle.  

Und die war bereits einen Schritt weiter gewesen. Mausetot lag sie im Schnee. Ich schoss einige Bilder von ihren Füßen, weil die Blässralle unter den heimischen Vögeln wirklich einzigartige Füße hat, die einem unter normalen Bedingungen kaum auffallen. 

Die Füße einer Blässralle sehen schon fast wie Kunstwerke aus!

Windschiefe Silberweiden bei Neuwesteel: 


White Willow 

Fotografiert habe ich sie aus dem Tarnzelt heraus. 

Aber nicht etwa, weil sie besonders scheu waren, sondern weil ich gerade im Versteck saß und auf die Schwatzkehlchen gewartet habe. 

In Süddeutschland, vielleicht im Ländle, würde man das Schwatzkehlchen übrigens sehr wahrscheinlich Schwätzkehlchen nennen, denn im Süden schwätzet ma anders wia bei uns im Norden. 

Dem Vogel kann's aber egal sein, wie wir Menschen ihn nennen:




female right after sunrise on a cold morning 

Diese drei Bilder zeigen das Weibchen kurz nach Sonnenaufgang.

Eigentlich waren es zwei Weibchen. 

Zwei Weibchen und ein Männchen, das sich nicht entscheiden konnte oder wollte. 

Denn dieses Männchen flog mal mit dem einen, mal mit dem anderen Weibchen mit. Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass beim Schwatzkehlchen bis heute keine Polygamie festgestellt werden konnte. Als Schwatzkehlchen lebt man in der Brutsaison also mit nur einem Partner. 

Vielleicht ist der Kerl ja auch nur unentschlossen, und bis zum Beginn der Brutsaison bleibt ihm ja auch noch etwas Zeit für die Entscheidungsfindung. 

Da steht er wieder auf seinem gezuckerten Eschenzweig:





male watching for food 

Ey, was guckt ihr:



couple or not 

Es folgt das Portrait von einem Gaucho


Nutria 

Das Nutria ist in Ostfrieslands Marsch längst keine Seltenheit mehr.

Das bedeutet aber nicht, dass es eine Plage darstellt, wie es so oft behauptet wird. 

Und einen ökologischen Schaden richtet es eh nicht an, weshalb es nicht wirklich notwendig ist, dieses einst ausschließlich südamerikanische Tier zu verfolgen. Das Nutria, das hatte ich euch ja erst vor wenigen Wochen erklärt, kann nur einen wasserbaulichen Schaden anrichten, doch eigentlich ist der Wasserbau selbst das ganz große Problem, wenn man sich neutral gibt und ausschließlich ökologische Aspekte in sein Urteil einfließen lässt. 

Beachtet büdde auch die bernsteinfarbenen Zähne! Als ostfiresisches Nutria trinkt man nämlich mindestens zwei Kannen Tee am Tag.  

Ein völlig abgefahrener Fund gelang mir am  24. Januar: 


this Great Silver Water Beetle I found frozen to the ground on the sidewalk on a bridge over so called Norder Tief

Auf dem Bürgersteig der Brücke über dem Norder Tief entdeckte ich diesen Großen Kolbenwasserkäfer!  

Es war für mich erst der dritte Große Kolbenwasserkäfer überhaupt in meinem Leben gewesen. Ich wollte ihn umdrehen, um mir seine Unterseite anzusehen, doch war er komplett am Boden festgefroren. Lange wollte mir nicht einfallen, wie er an diesen ungewöhnlichen Ort gelangen konnte, doch eine Woche später wusste ich, wie. 

An dieser Stelle, genau gegenüber des Pumpgebäudes, gibt es einen automatisch und unentgeltlich arbeitenden Rechen, der alles, was nicht in die Pumpen gelangen soll, aus dem Wasser fischt. Mit Unterstützung des frischen Windes muss der arme Käfer dann wohl auf dem Gehsteig gelandet sein. Und dort hat ihn auch noch ein Fußgänger geplättet. 

Ganz schön viel Pech auf einmal, wie ich finde. 

Schneefall mit stürmischem Wind von links: 




snow storm 

Allerbeste Haltungsnoten konnte ich vergeben. 

Es ging aber auch schon mal beschaulicher zu: 


without wind 

Weitere Winterbilder mit dem Schatzkehlchen-Kerl für euch:








male 

Unten rechts ist nicht etwa die Sonne zu sehen, sondern das Licht eines vorbeifahrenden Streufahrzeuges. 

Es folgt das Weibchen: 




ice on da perch and ice on da bird 

Ihr seht, da war Rauhreif auf der Warte, aber auch Rauhreif auf dem Vogel!

Der Schlafplatz der Schwatzkehlchen befand sich übrigens in einem verschilften Graben ganz in der Nähe. Übernachtet wurde wohl immer bodennah.

Ich erinnere mich daran, dass ich mit etwa zehn Jahren zusammen mit meinen Eltern extra zur emsländischen Tinner Dose gefahren bin, um diese Art endlich mal zu sehen, denn im Osnabrücker Land gab es damals keine Schwatzkehlchen. Freilich sind wir von meinen Großeltern aus dorthin gefahren, die seinerzeit im nahen Haren-Wesuwe wohnten, und deshalb war die Reise auch gar nicht so weit. 

In einem Buch von Werner Kunz über Die Vogelwelt des Kreises Bersenbrück, erschienen im Jahr 1959, konnte ich später nachlesen, dass es nördlich von Osnabrück mindestens bis in die 1950er Jahre hinein noch Brutvorkommen auf Heideflächen und entlang von Bahndämmen gegeben hatte, die aber später erloschen sind. Ursache für den Rückgang bzw. das Aussterben in dieser Region war – so ist es ja fast immer und bei allen bedrohten Tier- und Pflanzenarten – Lebensraumzerstörung. Das Schwatzkehlchen war damals ausschließlich ein Vogel des Brachlandes gewesen, landwirtschaftliche Nutzflächen reichten als Lebensraum nicht aus, nicht einmal extensiv bewirtschaftete. 

Irgendwann zu Beginn der 1990er Jahre änderte sich alles. 

Das Schwatzkehlchen kehrte zurück und brütete plötzlich auch auf Flächen, die es früher gemieden hatte. Ich erinnere mich an einen der ersten Brutplätze, gefunden in der Düsterdieker Niederung (im angrenzenden Kreis Steinfurt!), den man aus Schutzgründen mit Flatterband abgesperrt hatte. Das Nest befand sich auf einer Grabenböschung. Ohne das auffällige Flatterband wäre mir der Brutplatz gar nicht aufgefallen, doch dank dieses Blickfanges war es keine Kunst mehr, die bereits fütternden Altvögel zu entdecken. 

Heute ist das Schwatzkehlchen nicht nur im Kreis Osnabrück ein echter Massenartikel, der jede offene Fläche besiedeln kann. Warum das so ist und wieso dieser einst so anspruchsvolle Vogel plötzlich einen Hebel umlegen und auch intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiete erfolgreich für die Brut zu nutzen weiß, kann ich nicht erklären, doch gibt es eine weitere Vogelart, die eine vergleichbare Entwicklung genommen hat: das nicht näher mit dem Schwatzkehlchen verwandte Blaukehlchen

In der Agrarsteppe der Krummhörn und auch in der Marsch Emdens sind beide Arten seit vielen Jahren megahäufig, nachdem auch hier eine Neubesiedlung stattgefunden hatte, das Blaukehlchen sogar noch häufiger als das Schwatzkehlchen. Dieser Umstand hatte den inzwischen verstorbenen Emder Naturkundler Klaus Rettig schon vor Jahrzehnten dazu animiert, Emden immer wieder als die "Blaukehlchen-Metropole" der ganzen Republik zu bezeichnen.

Das folgende Bild zeigt Klaus auf dem Rysumer Nacken:


Klaus Rettig, the former naturalist from Emden, at so called Rysumer Nacken, watching an unusually huge bunch of Clouded Yellow. Although this species is showing up in Emden annually, in most years the numbers are very small. At the age of 85 Klaus passed away on 15th February 2022

Aufgenommen habe ich es am 28. August 2013.

Am Abend zuvor hatte ich Klaus so ganz nebenbei per Telefon verklickert, dass es entlang des Zaunes des Gasscogeländes gerade ganz viele Wandergelblinge im Sonderangebot gebe und es sich bestimmt lohne, sich das anzusehen. 

Und so etwas lässt sich ein echter Naturfreund natürlich nicht entgehen. 

Mit dem Fahrrad sind es von der Danziger Straße in Emden, wo Klaus wohnte, bis zum Zielgebiet satte 18 Kilometer. Ein Weg. Und Klaus besaß kein E-Bike, nicht einmal ein für damalige Verhältnisse modernes Fahrrad! Darüber hinaus litt er seinerzeit auch schon unter einer schweren Arthrose, aber, so meinte er mit einem sympathischen Lächeln, wie es so typisch für ihn war, selbst zu mir, das Fahrradfahren sei für ihn viel weniger schmerzhaft als ein nur kurzer Fußmarsch. 

Im Augenblick dieser Aufnahme erzählte Klaus mir gerade eine lustige Geschichte über den Emder Kreisjägermeister, der so ganz nebenbei auch noch sein Arbeitskollege am Emder Gericht war und immer wieder durch rüpelhaftes Verhalten auffiel. So soll er vor anderen Kollegen Klaus' monatlich erscheinende Broschüre Beiträge zur Vogel- und Insektenwelt Ostfrieslands schlechtgemacht und gesagt haben, mit diesem Blatt könne man sich bestenfalls "den Arsch abwischen."

Kein Scherz! 

Auch ich hatte übrigens mal das fragwürdige Vergnügen, den Kreisjägermeister kennenzulernen. Damals wollte ich Neuntöter im Wybelsumer Polder fotografieren – es war das erste Brutpaar überhaupt für die Seehafenstadt, das ich kurz zuvor entdeckt hatte –, und dann tauchte plötzlich dieser ungehobelte Typ auf und meinte mir sagen zu können, was ich darf und was nicht. Es war eine ganz typische Begegnung mit einem Jäger, wie ich sie auch damals schon oft erlebt hatte.

Am 20. Januar entdeckte ich einen Seidenreiher am Störtebekerkanal: 


Little Egret has become more and more common in Ostfriesland over the years 

Sehr wahrscheinlich dasselbe Individuum hatte ich bereits eine Woche zuvor in etwa drei Kilometer Entfernung aus einem Wiesengraben auffliegen gesehen. 

Eine von ganz vielen verzweifelten Rotdrosseln


Redwing 

Ich habe ihr über die kalten Tage hinweggeholfen.  

Ostwind:


from one day to another this male disappeared, while both females kept on staying in this area despite the harsh conditions 

Von einem Tag auf den anderen war das Männchen plötzlich weg. 

Abends hatte ich es noch gesehen, am folgenden Morgen standen nur noch die beiden Damen auf dem Weidezaun herum. Ob der Vogel abgezogen oder von einem Sperber aufgegessen worden ist, muss leider offen bleiben. Fakt aber ist, dass das Männchen zwischen den Kältephasen verschwunden ist, also zu einer Zeit, als keine große Not herrschte. Vielleicht wollte der Vogel aber einfach nur nicht noch einmal verfickten Schnee sehen und hat sich deshalb aus dem Staub gemacht. 

Man könnte hier von männlicher Intuition schreiben, denn tatsächlich kehrte der Winter nur wenige Tage später mit geballter Faust zurück. 

Erinnerungsbilder vom Kerl:



king of the fence 

Ihr seht den wahren Zaunkönig: 

from behind 

Das Männchen vor meinem Versteck auf einer Warte stehend: 


posing in front of my hide 

Nachdem ich dieses Bild vom Kerl geschossen hatte, packte ich meine Kamera wieder in den Rucksack, wo sie ja schließlich auch hingehört.

Und kaum hatte ich diesen wieder geschultert, da landete das Weibchen auf meinem Tarnzelt. Natürlich kramte ich meine Kamera sofort wieder hervor, doch da war das Weibchen schon wieder Richtung Zaun geflogen. 

Pech gehabt. 

So sieht es aber auch viel besser aus: 


one female 

Und jetzt gibt es das einzige Bild vom zweiten Weibchen, das ich machen konnte: 


second female 

Dieser Vogel ist unterseits deutlich heller als der andere, ein Schwatzkehlchen einer der östlichen Unterarten ist es aber natürlich trotzdem nicht.  

Dame Nummer zwei war sehr scheu. Und als das Männchen noch da war, da wurde es auch permanent vom zahmen Weibchen attackiert und vom Futterplatz vertrieben. Umso erstaunter war ich, wie sich das Verhältnis der beiden Mädels untereinander veränderte, kaum dass der Kerl verschwunden war. 

Jetzt standen beide Vögel einträchtig nebeneinander auf dem Zaun, und auch am Futterplatz gab es keinen Streit mehr. Vielleicht haben sie festgestellt, dass auf die Kerle einfach kein Verlass ist, und sich deshalb zusammengetan und auf eine gemeinsame Zukunft gesetzt. 

Alice und Freundin, wenn ihr versteht, was ich meine – nur in sympathisch.  

Die zahme Partnerin: 


the first female, that was unbelievably confiding and came as close as  one meter 

Inzwischen ist der Winter wohl Vergangenheit:


winter has gone 



Crested Stonechat 

Ein Haubenschwatzkehlchen für euch.  

Und eines mit Ölfleck auf dem Bauch:


strong wind 

Nein, Kinners, das ist gar kein Ölfleck! 

Es handelt sich hier um die fast pechschwartte "Unterwolle", die der Wind sichtbar macht. Einen Augenblick später sah der Vogel wieder ganz normal aus. 

 

Ihr kleinen Hohlbunken da draußen, Jagd ist keine Bagatelle, und noch weniger ist sie Naturschutz. 

Ich meine, niemand käme auf die Idee, Ted Bundy als einen Menschenfreund zu bezeichnen. Nur weil es Arten gibt, die häufig sind – der oben erwähnte Steinmarder ist ein Beispiel von vielen –, bedeutet das noch lange nicht, dass sie "reguliert" und verfolgt werden müssen. Die Natur ganz allein sorgt für die richtigen Zahlen. 

Schon alles, was Jäger im Rahmen geltenden Rechts machen (dürfen), schadet der Natur. Das, was viele von ihnen so hinter den Kulissen treiben, ist schlicht asozial und kriminell. In Deutschland, aber auch in anderen Staaten. Ich habe da im Laufe des Lebens meine eigenen Erfahrungen sammeln dürfen, auf die ich übrigens gerne verzichtet hätte. 

Neulich bin ich auf ein Video gestoßen, das es in sich hat. Zwei Berufsjäger, angestellt und bezahlt von einem britischen Großgrundbesitzer, unterhalten sich am 2. Oktober 2024 im Outback im Norden von Yorkshire darüber, wie sie wenige Stunden zuvor jeweils einen Mäusebussard und einen Kolkraben getötet und dass sie es jetzt auf die Kornweihe abgesehen haben. 

Letztere holen sie dann auch noch vom Himmel! 

In allen drei Fällen handelt es sich um auch im Königreich streng geschützte Arten.  

Was die beiden Arschlöcher (das ist jetzt ausnahmsweise mal bierernst gemeint!) nicht wissen: Eine vom RSPB (Royal Society for the Protection of Birdsaufgestellte Kamera filmt sie während ihres Gespräches! 

Es sei extrem schwierig, solche Fälle überhaupt vor Gericht zu bringen, so Mark Thomas, der leitende Ermittler der Untersuchungen, eben weil es oft an wasserdichten Beweisen mangele, und obwohl es Hunderte Fälle gegeben habe in der Vergangenheit, sei dieser der erste, in dem ein Urteil gefällt werden konnte. Und so habe dieser Fall, so wird es jedenfalls im Video gesagt, englische Justizgeschichte geschrieben!

Der Täter, so Channel 4 News-Reporter Alex Thomson, sei zu einer Geldstrafe von 1500 Pfund verurteilt worden und werde nie wieder als Berufsjäger arbeiten. Ob dieses Verbot gleichbedeutend mit dem Entzug der Jagdlizenz auf Lebenszeit ist, weiß ich allerdings nicht. Ich hoffe es aber, zumal dem Hirnlosen klargewesen sein muss, dass er mit seinem Hassverbrechen gegen das Gesetz verstößt.

In den Kommentaren unter dem Video gibt es viel Zustimmung dafür, dass solche Fälle verfolgt werden, aber auch Unverständnis für die viel zu geringe Geldstrafe und auch dafür, dass die Auftraggeber, nämlich die Landeigentümer, immer ungeschoren davonkommen.  

Auch ich bin der Meinung, dass mindestens 50.000 Euro oder eine längere Gefängnisstrafe angemessener gewesen wäre für ein solch schlimmes Vergehen. Als Grund für das Verfolgen von Beutegreifern wie Mäusebussard, Kolkrabe und Kornweihe wird in diesem Video der Schutz des Niederwildes genannt. Das wollen die Jäger nämlich nicht teilen und lieber selber abballern. 

Um es zu schützen.  

Es ist also, wie es überall ist: Jäger wollen schießen, schießen und nochmal schießen, weil es ihnen einfach Freude bereitet. 

Und sie wollen nur auf lebende Zielscheiben schießen, denn Tontauben reichen ihnen nicht. Nähme man ihnen die Flinte weg, würde ihr "Interesse" an der Natur auf der Stelle erlöschen. Ohnehin gehen sie nur wenige Tage im Jahr raus, eben weil sie nur an diesen Tagen jagen dürfen. Ein entspannter Spaziergang mit dem Fernglas und ohne Schießgewehr über viele Kilometer durchs Outback? Auch nur eine halbe Stunde in einer Beobachtungshütte wie der in den Hauener Pütten? Oder eine lange Fahrradtour, um einen interessanten Falter zu sehen? All das gibt es bei Jägern nicht. In fast 60 Jahren habe ich das jedenfalls nicht ein einziges Mal erlebt!

Und ich würde es zugeben, wenn es anders wäre. 

Das sagt alles aus, was man über Jäger und ihre Passion wissen muss.  

Hier geht es zum Video, in dessen zweitem Teil auch richtig schlimme Bilder zu sehen sind: klick! 

Achtung, das ist nichts für Zartbesaitete! 

Damit ihr diesen Beitrag aber in guter Erinnerung behaltet und nachts wieder ruhig pennen könnt, gibt es zum Abschluss noch einige Bilder vom zahmen Schwatzkehlchen-Weibchen: 








on Evening Primrose 

Viermal an Distel und einmal an Nachtkerze. 

Und das war's auch schon wieder für heute.  

 

Es war einmal ...

... ein Alien

an alien? No! Mommi sheep gave birth to her child months too early. Both mommi and child died

In der Nacht von 20. auf den 21. November musste er vom Himmel gefallen sein. 

Ausgerechnet in einer Nacht, in der es bitterkalt war. Wenn ich mich richtig erinnere, dann war es sogar der erste Morgen mit Bodenfrost und Rauhreif auf dem Rasen des Deiches. Da sollte man sich schon etwas Wärmeres anziehen. 

Doch was oder wen hatte ich da entdeckt?

Kinners, es vergingen einige Sekunden des Grübelns, doch dann erinnerte ich mich an ein Ereignis, das nur wenige Meter vom Fundort des mutmaßlichen Aliens stattgefunden hatte. Und zwar nur ein paar Tage zuvor. 

Ich hatte ein totes Deichschaf gefunden! 

Eines ohne äußere Verletzungen, dem aber etwas Blut aus den Nasenlöchern lief. Nachdem ich die Polizei über meinen Fund informiert hatte und die Polizei wiederum den zuständigen Schäfer, trudelte dessen Frau irgendwann am Fundort ein. Und weil das Schaf ja jetzt seine rechtmäßige Besitzerin wiedergefunden hatte, konnte ich mich auf den Weg machen. 

Irgendwie auch erleichtert darüber, dass jetzt alles zusammenpasste. Das Deichschaf wird sein Kind einige Monate zu früh auf die Welt gebracht haben und ist dann, vielleicht sogar deswegen, gestorben. Oder es war genau umgekehrt und die Mama hat ihr Kind viel zu früh auf die Welt gebracht, weil sie bereits krank war oder schon im Sterben lag. 

Man weiß es nicht. 

Woher auch?