Samstag, 20. Juni 2026

Unterwegs auf dem Nacken

Kinners, jetzt stellt euch doch mal vor, ihr wäret eine Eintagsfliege.

Was würdet ihr mit eurer kostbaren Zeit anfangen?

Wie würdet ihr euer Leben gestalten?

Würdet ihr ein Eis essen gehen?

Fußball gucken?

Faul in der Sonne herumliegen? 

Ich meine, es ist ja schließlich Sommer ... 

Das sind keine einfach zu beantwortenden Fragen, oder?

Und wie komme ich überhaupt darauf?

Als ich Ende Mai an der Penter Straße zwischen Bramsche-Pente und Wallenhorst-Hollage der Natur in ihrer Gesamtheit mal wieder so richtig auf den Sack gegangen bin (siehe letzten Bericht: klick!), da wimmelte es am Wallenhorster Bach von diesen vergänglichen Tierchen. 

Und auch über dem Osnabrücker Stichkanal, also nur ein paar Schritte vom Wallenhorster Bach entfernt, konnte ich ganz, ganz viele Eintagsfliegen bei ihrem Hochzeitstanz und schließlich auch bei der Eiablage beobachten. 

Später trieben viele dieser Tiere tot im Wasser. 

Aus.

Alles schon wieder vorbei.  

Es mögen mindestens zwei verschiedene Arten gewesen sein, und zwar eine, die für die Reproduktion Fließgewässer benötigt, und eine zweite, die schon mit einem stehenden Kanal zufrieden ist. Die Biester sahen auch verschieden aus und so weiter. 

Ich selbst habe lange darüber nachdenken müssen, wie ich meine Zeit nutzen würde für den Fall, nur einen Tag geschenkt zu bekommen. Und was dabei herausgekommen ist, verrate ich euch irgendwo in diesem neuen wie auch wieder großartigen Beitrag.

Man schlendert tief in Gedanken versunken über den Rysumer Nacken – und dann das:



Wolfgang "Wolle" Petry, very famous German Schlagersänger, sold more than 18 Million copies in his amazing career. But I am not responsible for his success. This sticker of a fan club from Nienborg I spotted at my home birding area, when I did not expect anything like this

Den kennste doch, so dachte ich mit einem Schmunzeln auf den Lippen

Wer hat denn bloß den Herrn Petry hier an dieses Schild geklebt? 

Also, ich habe wirklich schon viel gesehen in meinem Leben, das jetzt schon etwas länger währt als das einer Eintagsfliege, aber so etwas noch nie. Und wo liegt überhaupt Nienborg? Ich hielt diesen Ortsnamen zunächst für die plattdüütsche Bezeichnung für Nienburg an der Weser, doch Google wusste es besser.

Nienborg ist ein westfälisches Dorf, gelegen im beschaulichen Münsterland. 

Seht ihr die zwei einander zuprostenden Bierhumpen mit der überschwappenden Schaumkrone, ich meine, achtet ihr auch auf Details? In diesen Gläsern wird sich Rolinck-Schädelpils befinden, das mir noch sehr gut aus meiner Schulzeit in Erinnerung geblieben ist. 

Denn ich bin zwar in Niedersachsen aufgewachsen, aber im an den Landkreis Osnabrück angrenzenden Westfalen zur Schule gegangen. Und das Pils aus Steinfurt hat mich ein Stück meines Lebensweges begleitet, so wie neulich die Angst vor einer Sepsis, nachdem ich an nur einem Tag über 40 Zecken aus meiner Haut gezogen hatte, einige davon allerdings nur zur Hälfte, wenn ihr versteht, was ich meine. 

No risk, no fun. 

Es folgt tropische Pracht für euch:


Bee Orchid was blooming one more time at the beginning of June 

Damit hattet ihr nicht gerechnet, oder?

Aber es ist doch tatsächlich schon wieder ein ganzes Jahr rum! 

Wenn ihr das hier lest, dann ist die kurze Blütezeit der Bienenragwurz aber schon wieder Vergangenheit. Ihr braucht euch also nicht extra auf den Weg Richtung Emden zu begeben.

Ich selbst bin in diesem Jahr dreimal auf dem Rysumer Nacken gewesen, nur um diese hübsche Orchidee zu fotografieren, und es ist jedes Mal eine Herausforderung gewesen.  

Ich kann es nicht plausibel erklären, aber immer dann, wenn diese Art Anfang Juni zu blühen beginnt, lässt sich hier unbeständiges April-Wetter blicken. Wie aus dem Nichts. Denn wie bereits in den beiden vergangenen Jahren gab es auch in diesem vor allem Sturm, Finsternis und viele heftige Schauer. Und trotzdem sind mir einige passable Aufnahmen gelungen, denen man nicht ansieht, unter welch krassen Bedingungen ich sie geschossen habe.

Vor allem der stürmische Wind ließ sich einfach nicht ausschalten. Also musste es über die Masse gehen. Je mehr Bilder ich schieße, so dachte ich sauklug, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende Brauchbares dabei herausspringt. Wie gut, dass es keine Filme mehr gibt. Ich meine, es wäre in der Zeit vor dem Beginn der digitalen Epoche eine wirklich teure Angelegenheit geworden. 

Seht:  



same after heavy rain 

Schon vor meinem Trip ins Osnabrücker Land hatte ich am 21. Mai eine Schwatte Kammschnake in einem kleinen Gehölz am Mahlbusen des Norder Tiefs entdeckt.

Es war eine Dame, die eine kleine Lücke zwischen den Wolken für ein kurzes Sonnenbad nutzte: 


female Tanyptera atrata 

Und es war die erst zweite Kammschnake meines Lebens! 

Die erste hatte ich zwei Jahre zuvor an der Thülsfelder Talsperre gesehen. 

Nur einen Tag später folgte ein zweites Weibchen am selben Ort:


another female only one day later 

Bei der Eiablage an Totholz:


egg-deposing 

Nur einen Tag später bin ich ja nach Osnabrück gefahren, wo mir diese Art täglich begegnet ist. 

Während man sie dort auch erwarten konnte, flog sie mir am Norder Tief völlig überraschend vor die Linse. Schließlich handelt es sich nur um ein kleines Gehölz, vor allem aus Pappeln und Weißdorn bestehend, und nicht etwa um einen richtigen Wald. 

Doch immerhin: Totholz gibt es auch dort in größerer Menge. Genaugenommen sind es gleich mehrere Haufen aus alten Stämmen und Ästen, die dort mal jemand aufgeschichtet haben muss. 

Nach meiner Rückkehr nach Ostfriesland fand ich am Mahlbusen auch noch den für mich ersten Kerl:


male 

Der hing wie einst Sylvester Stallone in Cliffhänger ganz entspannt an zwei Armen zwar nicht an einem Felsvorsprung in tausend Meter Höhe, dafür aber im Kraut. 

Zwei Arme einer Schnake entsprechen nach Adam Riese einem Arm bei Sly Stallone

Und beachtet büdde seine Antennen!

Ähnlich wie im Falle vieler Falter haben auch die Männchen der Schnaken gefiederte Fühler, während die der Weibchen ohne jegliche Verzweigungen daherkommen. Mit diesen gefiederten Antennen können die Kerle die von den Weibchen verströmten Pheromone aus großen Distanzen wahrnehmen und so die richtige Richtung einschlagen. 

Glaube ich zumindest. 

Ich entdeckte am selben Ort einen männlichen Frühen Schilfjäger:   


male Hairy Hawker

Ein Portrait desselben Männchens: 


same 

Das war am ganz frühen Morgen und die Libelle noch kalt. 

Immerhin konnte sie aber ein paar Meter fliegen, um sich daraufhin verzweifelt an einem Schilfhalm festzuklammern: 


same male 

Es folgt die erste Fledermaus-Azurjungfer meines Lebens: 


my very first Variable Blue – a pretty female 

Ebenfalls gefunden am Norder Tief. 

Dasselbe Weibchen an einer anderen Warte stehend: 


same female 

Die Männchen sehen ganz anders und nicht so hübsch aus, wie ich finde:


male 

Die Fledermaus-Azurjungfer scheint nicht so ganz häufig zu sein. 

Alle in der Vergangenheit von mir gesehenen und bis auf Artniveau überprüften Azurjungfern waren bis zu diesem Tag Hufeisen-Azurjungfern gewesen! Die Hufeisen-Azurjungfern ist quasi die Azurjungfer schlechthin in unserer Republik. Wenn ihr also eine blau gezeichnete Kleinlibelle seht, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um diese sehr häufige Art handelt. 

Noch zwei Fotos von einem weiteren Weibchen der selteneren Spezies, das sich auf Zaunwinde sonnte: 

























another female

Und hier auf Giersch:

another female 

Der englische Name, also Variable Azurjungfer, passt wieder einmal besser als der deutsche, den ich mir auch gar nicht erklären kann. 

Denn während die Männchen nahezu alle identisch aussehen, ist die Zeichnung der Weibchen tatsächlich sehr variabel. Im Idealfall sehen sie so aus wie die hier gezeigten, also gleichmäßig blau und dunkel geringelt wie die Socken eines Clowns. 

Oh, ein Rotbauchiger Laubschnellkäfer


Athous haemorrhoidalis 

Der war in der zweiten Maihälfte der mit Abstand häufigste Schnellkäfer im Gehölz am Mahlbusen des Norder Tiefs.  

Ebenfalls sehr häufig dort war die Keulen-Grashalmschwebfliege:  


Tropidia scita 

Die kann man jetzt im Juni nahezu überall in Ostfriesland in großer Zahl beobachten. 

Sie hat eindeutig eine Schwäche für Gewässerränder und Feuchtwiesen. 

Mitte Juni konnte ich den für mich ersten Brutnachweis der Kanadagans für die deichnahe Krummhörn erbringen:


first breeding pair of Canada Goose at least for me at Greetsiel

Eine ganze Familie suchte auf einem Acker nach Nahrung und spurtete bei meiner Ankunft Richtung Gewässer.  

Beachtet büdde die unterschiedlich großen und demnach wohl auch unterschiedlich alten Kinder! So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen. Anders als zum Beispiel viele (oder alle?) Eulen beginnen Entenvögel erst dann mit dem Brüten, wenn das letzte Ei gelegt ist. Nur so kann gewährleistet werden, dass alle Kinder gleichzeitig schlüpfen und somit dieselben Chancen auf ein Überleben haben. Warum also hier zwei der Blagen voll klein, die anderen deutlich größer waren, ist mir ein Rätsel. 

Ich gehe jedenfalls nach wie vor davon aus, dass sie alle aus demselben Wurf stammten. 

Hübsches Barbarakraut am Straßenrand bei Greetsiel: 


always mistaken for Rapeseed: Wintercress 

Diese Art wird oft für verwilderten Raps gehalten, doch tatsächlich handelt es sich hier um eine echte Wildpflanze!

In den vergangenen Jahren hat die Winterkresse, wie das Barbarakraut auch genannt wird, in der Krummhörn stark zugenommen. Inzwischen ist sie ein gängiger Straßenbegleiter, den man zur Blütezeit nicht übersehen kann. 

Zu einem Straßenbegleiter wird die Bienenragwurz ganz bestimmt nie mutieren: 


Bee Orchid 

Dafür ist sie viel zu anspruchsvoll!

Warum das so ist, hatte ich euch bereits ausführlich im letzten Jahr verklickert: klick! 

In diesem fand ich insgesamt nur 24 blühende Individuen, von denen die Hälfte zu allem Überfluss auch noch verkrüppelt rüberkam, also winzig und krumm. 

Aber es gab auch aufrechte und recht hohe Ragwurzen zu bestaunen:


same 

So wie dieses Prachtexemplar, das bestimmt 25 bis 30 Zentimeter hoch war und ganz gerade gewachsen:



same 

Portraits:

close-up

Dieselben Blüten nur etwa drei Stunden später:


same, but three hours later 

Ich persönlich finde die frühe Variante viel hübscher.

Und das nicht nur wegen des Schattenwurfs auf dem zweiten, später aufgenommenen Bild.

Im Gegenlicht: 


backlight 

Noch näher heran:  

very close

Jetzt ist alles schon wieder vorbei. 

Ein ganzes Jahr werde ich warten müssen, bis die Bienenragwurz wieder in ihrer vollen Pracht zu erblühen beginnt.

Bis es so weit ist, kann ich meinen Blick auf andere Zeitgenossen richten.

Am 11. Juni sah ich vermeintliche Vogelkacke auf dem roten Lack des Autos eines Außerfriesischen: 


Clouded Border is one of the most common Geometridae in June 

Auf dem Parkplatz neben dem Restaurant Strandlust. 

Der Besitzer des Wagens wird nach der Rückkehr von seinem Spaziergang bestimmt einen halben Infarkt bekommen haben beim Anblick des Desasters, doch mir kann so etwas nicht passieren. 

Ich wusste schon, wer sich da "tarnte", als ich noch einen Kilometer entfernt war. Tarnung, werdet ihr jetzt denken, das ist hier doch genau das Gegenteil. Nein, ihr Nichtsnutze, denn der Falter imitiert tatsächlich einen Klecks Vogelkacke und wird so von seinen Feinden, die meistens Federn haben, übersehen. 

Sein Zweitname nimmt Bezug darauf: Vogelschmeiß-Spanner.  

Oh, eine junge Asphaltstelze:


young Yellow Wagtail 

Okay, natürlich handelt es sich um eine Schafstelze, Baujahr 2026.  

Aber sie lief auf der Straße herum, wie das ja auch die Bachstelze gerne macht, weil es auf Straßen einfach viel zu holen gibt für diese Vögel.  

Es folgen Gespinstmotten-Kinder in ihrem Laufstall: 


likely Yponomeuta rorrellus caterpillars 

Gespinstmotten sind so ein besonderer Fall.  

Sie sehen irgendwie alle identisch aus und lassen sich sogar kaum anhand ihrer genitalmorphologischen Merkmale voneinander trennen, nutzen aber unterschiedliche Pflanzen als Raupennahrung. Findet man solche Gespinste z. B. in einer Salweide, wie das hier der Fall war, dann sollte es sich auch um die Weiden-Gespinstmotte handeln. 

Nur wenige Meter von dieser Salweide entfernt fand ich am selben Tag zahlreiche Gespinste im Pfaffenhütchen. Die sollten dann wohl auch entsprechend entweder von der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte stammen oder von der Fleckigen Pfaffenhütchen-Gespinstmotte

Vielleicht handelt es sich aber gar nicht um verschiedene Arten, sondern einfach nur um eine, die aber verschiedene Pflanzen als Raupennahrung nutzen kann. 

Als Laie bin ich da jedenfalls skeptisch. Auch deshalb, weil es ja seit vielen Jahren geradezu ein Trend ist, neue Arten zu kreieren. 

Und das nicht nur in der Welt der Insekten

Der Juni ist die Zeit der süßen Schmuckfliegen auf dem Rysumer Nacken: 

pretty Melieria spec.  

Wie diese Art genau heißt, weiß ich leider nicht. 

Sehr wahrsscheinlich gibt es keinen deutschen Namen:





same 

Auf dem Rysumer Nacken kann man diese Art nahezu überall finden. 

Vor allem aber dort, wo Schilf wächst. 

Die Männchen stehen fast immer kopfüber auf Schilfblättern herum und warten wohl auf vorbeifliegende Weibchen. Die habe ich aber bis heute nicht zu Gesicht bekommen und entsprechend auch keine Paarungen. 

Schmuckfliegen der Gattung Melieria sind alles andere als häufig und in Deutschland wohl auch nur sehr lückig verbreitet. Hier in Ostfriesland scheint das anders zu sein. Und inzwischen habe ich am Ortsrand von Greetsiel ein weiteres Vorkommen entdeckt. Und zwar auf einer Feuchtwiese neben dem Parkplatz am Badesee. 

Auch das folgende Prachtstück sieht wie eine Schmuckfliege aus, ist aber keine:


Rhagoletis alternata 

Die ebenfalls sehr hübsche Hagebutten-Bohrfliege, die zur Familie der Bohrfliegen zählt, kann man auf dem Nacken direkt neben dem Restaurant Strandlust finden.  

Dort laufen die Kerle permanent auf den Blättern des Schwarzen Holunder herum und winken unablässig mit ihren auffälligen Schwingen. Sie halten fast nie still und sind entsprechend schwer zu fotografieren. Auch hier ging es, wie schon im Falle der Bienenragwurz, ausschließlich über die Masse. Nur ein scharfes Bild habe ich hinbekommen, und das könnt ihr jetzt ganz in Ruhe bewundern. 

Die Larven dieser ebenfalls wohl eher seltenen Art leben in den Früchten verschiedener Rosen – daher ihr Name. Und auf dem Nacken kommen gleich etliche Arten vor, vor allem aber die omnipräsente und ursprünglich aus Fernost stammende Kartoffelrose, die auch gleich neben dem Restaurant wuchert und dort zurzeit ihren wirklich sehr angenehmen Duft verströmt.  

Ja, wer bist denn du:


male Violet Black-legged Robber fly 

Im vergangenen Jahr hatte ich zufällig eine Schwarze Habichtsfliege auf dem Rysumer Nacken entdeckt und auch fotografiert. 

In diesem wollte ich herausfinden, wie häufig diese Raubfliege dort ist:  


another male 

Und ich kann schreiben: sehr häufig!

Die Schwarze Habichtsfliege ist eine entfernte Cousine der hier schon des Öfteren vorgestellten Mordfliegen. Allerdings ist sie im Vergleich mit diesen sehr klein. Im lahmarschigen Flug durch die Bodenvegetation erinnerte sie mich immer an die Märzfliege, mit der sie aber nicht verwandt ist. Also nur über viertausend Ecken, wenn man so will, gehören beide Arten doch immerhin zu den Zweiflüglern

Färbung, Größe und auch die im Flug über das Abdomen hinausragenden Beinchen lassen beide Arten sehr ähnlich aussehen. 

Nach einem der vielen Regenschauer:

after a shower 

Das Blau der Augen ist unglaublich schön!

Es erinnert mich an das Blau im Gefieder des nordamerikanischen Diademhähers

Allerdings muss man schon sehr nahe herangehen und sich eine Brille aufsetzen, wenn man es draußen im Outback live erleben möchte. Mein Makro-Obektiv hat für euch die Drecksarbeit übernommen und lässt so keinen Wunsch offen. 

Blau sind die Augen übrigens nur bei den Männchen: 



female with green eyes 

Die Damen haben grüne Augen.  

Weil ich das Blau der Kerle aber viel geiler finde, gibt es jetzt noch weitere Bilder vom angeblich starken Geschlecht: 



Auf dem folgenden Foto sind gleich zwei verschiedene Habichtsfliegen zu sehen:



two species of Robber Fly: Violet Black-legged Robber fly on da right with Dioctria linearis. Both taxa are currently abundand at Rysumer Nacken, but show different habitat preferences. The latter lives within bushes and trees, the other one in the ground vegetation

Neben der Schwarzen Habichtsfliege ist es links die Gestreifte Habichtsfliege.  

Alle Habichtsfliegen ähneln einander in ihrem Habitus, doch ihr seht selbst, die Gestreifte Habichtsfliege ist viel eleganter als ihre blauäugige Cousine. Mit bloßem Auge könnte man sie vor allem in Draufsicht für eine Stelzmücke oder Schnake halten. 

Beide Spezies kommen nebeneinander vor, und trotzdem ist es nahezu unmöglich, so ein Bild zu schießen. Das liegt daran, dass die eine Art in der Bodenvegetation lebt, die andere aber vorzugsweise auf und in Büschen am Rande offener Flächen. 

Das Foto ist zwar keine Montage, aber natürlich gestellt. 

Und ich gebe das auch unumwunden zu.  

Während ich die Schwarze Habichtsfliege tatsächlich dort gefunden hatte, habe ich die Gestreifte Habichtsfliege einfach dazugeholt. Weil es an diesem Morgen sehr kühl war, konnte ich sie einfach so von A nach B tragen, also vom Busch ins Gras, ohne dass sie einen Fluchtversuch unternahm. Das geht natürlich nur, wenn man kein Grobmotoriker ist und so eine Raubfliege ganz vorsichtig auf den Finger krabbeln lässt. 

Ihr könntet das natürlich nicht, da bin ich mir sicher. 

Weitere Aufnahmen von der Gestreiften Habichtsfliege:  



Dioctria linearis 

Die Gestreifte Habichtsfliege ist auf dem Nacken sehr häufig.

Allein in einem einzelnen Roten Hartriegel fand ich an einem stürmischen Tag elf Individuen! Möglicherweise waren die aber zuvor vom Wind verdriftet worden und am Ende zusammen an diesem geschützten Bereich untergekommen. Vielleicht ist so eine hohe Siedlungsdichte aber auch so ganz ohne Sturm völlig normal. 

Diesen Augen entgeht nichts: 


same   

In einem anderen Bereich des Nackens bin ich auch fündig geworden:


another specimen 

Dieses Individuum fand ich dort, wo ich im April noch die Pelzige Erzschwebfliege fotografiert hatte.  

Von den in Deutschland vorkommenden 13 Habichtsfliegen-Arten habe ich jetzt also drei gesehen und auch fotografiert. 

Neben den beiden in diesem Beitrag vorgestellten ist das noch die Große Habichtsfliege: 


Dioctria oelandica – taken in May 2017 and from the archives

Ihr Name verrät es bereits, sie ist schon a bisserl wuchtiger als die beiden anderen und mir in meinem Eintagsfliegen-Leben bis heute nur einmal begegnet.

Und zwar am 8. Mai 2017 am so genannten Reiherschloot im Ihlower Forst bei Aurich. 

Okay, erst einmal hochkrabbeln:



Black-spotted Longhorn Beetle 

Bloß nicht nach unten sehen, so dachte der Schwarzfleckige Zangenbock, bloß nicht umdrehen.  

Und dann tat er es doch:

same 

"Scheiße, ist das hoch!

Später kletterte er auf eines der Blätter der Kanadischen Goldrute und setzte jetzt wirklich jeden einzelnen Schritt mit Bedacht: 


same 

Bloß aufpassen, so dachte er, dass ich nicht danebentrete. 

Der Schwarzfleckige Zangenbock war mir im Mai in den Königstannen im Landkreis Osnabrück in sehr großer Zahl begegnet, ein passables Bild gelang mir leider nicht. Ich hatte diesen Käfer nicht auf dem Rysumer Nacken erwartet, denn auch seine Larven sind für ihre Entwicklung auf Totholz angewiesen, und Totholz ist auf dem Nacken nun wirklich rar gesät.

Dieses Individuum stellte für mich tatsächlich das allererste überhaupt in diesem Gebiet dar!

Am Ende stürzte der unvorsichtige Idiot doch in die Tiefe. 

Daraufhin erklomm er einen abgestorbenen Pflanzenstängel ganz in der Nähe:


same 

Hervorhebenswert sind für mich die großen und sehr ausdrucksstarken Augen dieses Kollegen.

Dass solch riesige Augen bei Bockkäfern nicht selbstverständlich sind, belegen die folgenden Fotos, aufgenommen am exakt selben Ort: 




Golden-bloomed Grey Longhorn Beetle – two specimen

Und am selben Tag. 

Der Scheckhorn-Distelbock hat nur klitzekleine Äuglein, doch seiner Pracht tut das keinen Abbruch. Ich fand gleich mehrere Individuen an Großer Brennnessel und Kanadischer Goldrute. Leider lassen sich diese Tiere immer erst dann blicken, wenn die Sonne zumindest vorübergehend in Erscheinung getreten ist. 

Am ganz frühen Morgen sucht man diesen Schönling stets vergeblich. 

Noch einmal das Individuum von oben:


same as above 

Abermals am selben Ort, aber an einem anderen Tag, fand ich diesen weiblichen Bunten Sichelspringer:


Evarcha falcata, female 

Bunt sind eigentlich nur die Männchen, aber natürlich kann man den Weibchen deshalb nicht einfach einen anderen Namen geben. 

Das niedliche Tier kletterte in einer Birke herum und blieb immer wieder stehen, um meine Kamera und mich in den vielen Augen zu behalten. Das machen Springspinnen für gewöhnlich so, und das ist gut, denn gerade Bilder von vorn kommen bei ihnen besonders gut rüber. 

Eben wegen ihrer geilen Augen!

Auf Rotem Hartriegel fand ich diese Späte Gelbrand-Schwebfliege:


Xanthogramma dives, male 

Und an Bromnbeere eine männliche Gewöhnliche Waffenfliege:


Soldier Fly (Chloromyia formosa)

Es folgt ein Gewöhnlichen Flachstrecker, der nur scheinbar die ganze Welt umarmen wollte:


Philodromus cespitum 

Denn tatsächlich führte er Böses im Schilde!

Mehrere Male hat er versucht, neben ihm landende Fliegen zu erbeuten, doch wie waren alle schneller als er. 

Aber als Spinne hat man Zeit und Geduld. 

Eine Stelzenfliege, wahrscheinlich Neria cibaria, schaute hinab in die Tiefe, wie zuvor ja bereits der Zangenbock:


likely Neria cibaria 

Dann blickte sie in meine Richtung:


same 

Diese Biester sehen ein wenig wie eine Mischung aus Fliege und Heuschrecke aus mit ihren langen Kackstelzen.  

Und wenn sie auf diversen Blättern herumlaufen, dann sieht das immer sehr lustig aus, vor allem dann, wenn sie Wasser trinken! Denn dann erinnern sie mich tatsächlich immer an Giraffen, die ja auch so ihre Probleme haben, wenn sie mit ihrem Mund den Boden berühren wollen. 

Jetzt wird's knifflig:


either Cylindromyia brassicaria or C. interrupta 

Denn diese elegante Raupenfliege verweigert ihre Mitarbeit!

Sie will mir partout nicht ihren Namen verraten. Immerhin kommen nur zwei Arten in Betracht, doch welche der beiden ich im Juni auf dem Rysumer Nacken gefunden habe, wird wohl für immer unklar bleiben. Ich selbst war zunächst von der Geteilten Zylinder-Raupenfliege ausgegangen, denn die Zeichnung des Tieres sprach vor allem für diese Art. 

Inzwischen habe ich aber gelernt, dass die nahe verwandte Kohl-Wanzenfliege auch so aussehen kann, also mit einem trennenden schwarzen Steg zwischen den roten Seiten des Abdomens und zwei weißen Ringen. So oder so, beide Arten sind Neubürger Norddeutschlands, die letztere hatte ich aber schon vor Jahren auf dem Flugplatz Achmer fotografiert. 

Hier in Ostfriesland waren mir diese Arten nie zuvor begegnet.

Zwei weitere Fotos vom Folgetag: 



in my opinion rather C. interrupta than C. brassicaria because of abdomen's pattern  

Es folgt die Raupe des Ringelspinners:


Lackey Moth's caterpillar 

Schon im Feld dachte ich, sie übertreibt. 

So schrille Farben, müssen die wirklich sein? Ein bisschen fühlte ich mich an Olivia Jones erinnert, die sich auch noch auf der Suche nach dem rechten Maß befindet.  

Im 19. Jahrhundert soll dieser Falter noch als "Schädling" in Erscheinung getreten sein, doch längst ist er als ein anspruchsvolles Tier so etwas wie ein wertvoller Bio-Indikator geworden, der uns Menschen anzeigt, welche Lebensräume wertvoll sind und welche eben nicht. 

In der Agrarsteppe der Krummhörn wird man den Ringenspinner jedenfalls nicht finden. 

Sandraubfliegen bei der Paarung: 


Philonicus albiceps, mating 

Das Weibchen maß dem Liebesakt nicht allzu viel Bedeutung bei und gönnte sich so ganz nebenbei einen Snack. 

Diese kleine Raubfliege aus der Unterfamilie Asilinae tritt auf dem Rysumer Nacken in großer Zahl auf.  

Ob sie häufiger ist als die beiden heute vorgestellten Habichtsfliegen, weiß ich aber nicht. Man begegnet ihr vor allem auf vegetationsfreien Wegen, auf denen sich die Tiere sonnen und von wo aus sie ihre Attacken auf potenzielle Beutetiere starten. 

Zu guter Letzt zeige ich euch den erst zweiten Weidenglasflügler meines Lebens:

Red-tipped Clearwing 

Gefunden habe ich ihn am 12. Juni allerdings nicht etwa auf dem Rysumer Nacken, obwohl ich ganz stark davon ausgehe, dass er dort vorkommt, sondern im nahen Wybelsumer Polder. 

Ich entdeckte ihn auf dem Blatt einer Brombeere, wo er sich sonnte. Und genau in dieser Brombeerhecke hatte ich zwölf Jahre zuvor den ersten und bis vor kurzem letzten Weidenglasflügler meines Lebens entdeckt!

Das nennt man die Duplizität der Ereignisse.  

Oder so ähnlich. 

Wolfgang "Wolle" Petry hat – übrigens ganz ohne mein Zutun – in seiner Endloskarriere sage und schreibe 18 Millionen Tonträger an die Bürger gebracht! 

Also etwa so viele wie er seinerzeit Freundschaftsbänder an seinen Handgelenken trug, als es für ihn noch regelmäßig auf Stadiontour ging. Der Mann im ewigen Baumfällerhemd ist fast so bekannt wie Heino und hat die Massen begeistert mit seinen Songs, die nichts anderes sind als eine Kombination aus ganz einfachen Melodien und ebenso einfachen Texten. 

Die allermeisten Bürger dieses Landes grölen sie wohl vor allem dann mit, wenn sie mindestens etwas angeschickert sind. 

Ich möchte hier aber nicht missverstanden werden, Wolles Musik ist überhaupt nicht nach meinem Geschmack, aber der Mann ein echter Typ, der dem Anschein nach immer sein Programm durchgezogen hat, um seine Ziele zu erreichen. Ein Haudegen aus dem Rheinland, ja, man muss es schreiben dürfen, eine echte Schlagerlegende. 

Und das ringt mir Respekt ab.  

Okay, jetzt habe ich noch ganz schnell herausgefunden, dass Wolle auch nüchterne Menschen begeistern kann: klick! 

Ein Wassertropfen an Bienenragwurz:

Bee Orchid one last time for today 

Und, Kinners, was würde ich mit meinem Leben anfangen, wäre ich eine Eintagsfliege?

Ich würde meine Memoiren schreiben. 

Abschließend: Ich habe tatsächlich in meinem ganzen Leben noch nie einen Sylvester-Stallone-Film gesehen.  

Ich schwör'. 

So Kinners, das war's auch schon wieder für heute. 

In der kommenden Woche wird es wohl wieder sehr, sehr heiß werden. Ich als Nicht-Meteorologe gehe ganz stark davon aus, dass gleich an mehreren Orten in unserer geilen Republik die magische 40-Grad-Marke geknackt werden wird.  

Nicht in Ostfriesland, aber vielleicht vor eurer Haustür.

Bleibt ab spätestens zehn Uhr drin, wenn es möglich ist.

Bleibt gesund! 

 

Es war einmal ...

... ein hübscher Esel:


this pretty and healthy male Donkey, that I photographed on September 2013 in Emden. represents all the poor tortured Donkey in this world, that have been used and mistreated by Human as pack animals, espcially in low developed countries

Im September 2013 stand er auf einer Weide in Emden-Wybelsum herum. 

Er kam nicht auf mich zugelaufen, wie Pferde das gerne machen, weil sie so neugierig wie meine Vermieterin sind, sondern blieb einfach in größerer Distanz stehen, um mich von dort aus im Auge zu behalten. Das war schade, denn ich hätte ihm gerne die Ohren langgezogen  

Nur so aus Spaß.

Dieser Esel ist heute in dieser Rubrik das Tier meiner Wahl geworden, weil ich auf die eklatanten Missstände in so vielen Ländern dieser Erde aufmerksam machen möchte. Esel gelten dort als billige Last- und Arbeitstiere und werden nicht selten wie Dreck behandelt. Sie müssen Qualen und Leid ertragen und gleichzeitig auf jegliche Rechte verzichten, weil sich der Mensch ihnen überlegen fühlt. 

Vor allem im Südosten Europas habe ich zahllose Tragödien mit eigenen Augen mit ansehen müssen. 

Es gibt aber natürlich auch gute Menschen, die zu helfen versuchen. 

Eine britische Institution, The Donkey Sanctuary, versucht das Leid vieler dieser gebeutelten Tiere zu mildern, kauft sie den Besitzern ab und gibt ihnen ein neues Zuhause und somit auch ein neues Leben – ohne Schwerstarbeit, Prügel und Stress. 

Allein in Europa unterhält The Donkey Sanctuary in neun Staaten Aufnahme- und Pflegeeinrichtugen, die sich um gerettete Esel kümmern. Finanziert durch Spenden. Vielleicht habt ihr ja auch mal einen Euro übrig und wisst nicht, wohin mit ihm. Dann ist der Link da oben für diesen Euro quasi der Link zum Glück.

Der Afrikanische Esel als der Vorfahre des Hausesels, das sei der Vollständigkeit noch schnell angefügt, hat den Großteil seines ursprünglichen Areals, das einst ganz Nordafrika umfasste, längst eingebüßt. Man hat ihn verfolgt, seinen Lebensraum zerstört und ihn dem Einfluss verwilderter Hausesel ausgesetzt. 

Diese Pferdeart, die übrigens fast exakt so aussieht wie der Esel auf dem Foto da oben, kommt wild heute nur noch in einer Region im äußersten Nordosten Afrikas vor und hier ausgerechnet in Staaten mit einer instabilen politischen Situation. Darüber hinaus sind die einzelnen Populationen auch noch voneinander isoliert. Wie viele Individuen dort heute noch in Freiheit leben, weiß wahrscheinlich niemand so genau. 

Die Aussichten für den Afrikanischen Esel sind also insgesamt nicht rosig.  

Ob der hübsche Kerl da oben noch lebt?

Ehrlich, ich habe keine Ahnung. 

Was ich aber schreiben kann, ist, dass er kein schlechtes Leben leben darf.

Oder durfte.