Freut euch, Kinners!
Denn es gibt einen neuen Beitrag.
Heute werde ich ihn aber nicht besonders detailliert gestalten, sondern, weil mir die Zeit fehlt, eher lieblos einfach so runterschreiben.
Falls ihr also Fehler finden solltet, ihr Kaputtniks da draußen, dann behaltet sie büdde für euch.
Ich will nichts hören oder gar lesen!
Damit ihr's wisst.
Kinners, mögt ihr vielleicht Fliegen?
Nein, nicht das Fliegen mit einem Wingsuit oder Airbus, ihr Deppen.
Ich meine Fliegen, also diese kleinen abartigen Biester mit jeweils zwei Schwingen, die jedem von uns immer und immer wieder so richtig auf die Nüsse gehen.
Nur wegen dieser Scheißtiere müssen wir schließlich tief in die Tasche greifen, z. B. für Fliegengitter.
Natürlich mögt ihr sie nicht.
Und ich auch nicht.
Heute geht es aber gar nicht um diese verfickten Plagegeister, die in unsere Behausungen eindringen. Es geht auch nicht etwa um Bremsen, die es im Outback auf unser kostbares Blut abgesehen haben, oder um Schmeißfliegen, die eine Schwäche für Tierleichen und Exkremente haben.
Heute geht es um echte Vorzeige-Zeitgenossen aus der Ordnung der Zweiflügler.
Um prächtige und hübsche, wenigstens aber megaspannende Arten, die ihr bestimmt noch nie gesehen habt, weil ihr blind durchs Leben geht.
Zum Beispiel um diese geile Spezies, die sich im Augenblick der Aufnahme hinter einem Schilfblatt versteckte:
one foot is visible, but of which species?
Oder um die Gemeine Schlankfliege, die zu den Raubfliegen gehört, auch wenn man das nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennen kann:
male Leptogaster cylndrica, a common species of Robberfly
Vielleicht erinnert ihr euch an einen der letzten Berichte, in dem ich euch zwei Arten aus der Gattung Dioctria vorgestellt habe.
Die Schwarze Habichtsfliege und die Gestreifte Habichtsfliege.
Für die erstgenannte Art war ich extra zum Rysumer Nacken gedüst, nur um sie dort zu finden und zu fotografieren. Und ich entdeckte sie tatsächlich nach nur kurzer Suche. Allerdings musste ich den nächsten Schritt sehr gut überlegen, denn gleichzeitig sah ich nur einen Meter von der Habichtsfliege entfernt die erste Gemeine Schlankfliege meines Lebens!
Die wiederum nahm mir meine Entscheidung ab und flog einfach weg, sodass ich mich nun volle Kanne auf die Habichtsfliege konzentrieren konnte, mit all dem Gerät, das ich durchs Outback schleppte. Die Bilder habt ihr ja gesehen.
Mein Versuch, an diesem Tag eine weitere Schlankfliege zu finden, wurde nicht von Erfolg gekrönt, doch ich dachte: Wenn sie hier vorkommt, dann vielleicht auch am Badesee von Greetsiel oder am Störtebekerkanal bei Neuwesteel. Denn ich war mir sicher, dass diese Art vor allem dort lebt, wo nicht andauernd gemäht wird.
Und ich kürze jetzt ab: An den folgenden Tagen begegnete ich dieser unauffälligen Art an gleich beiden oben genannten Orten!
Weitere Bilder:
another specimen at a different location (female)
Aufgenommen am Störtebekerkanal:
Eine Schlankfliege vom Badesee:

another male
Sie klammerte sich etwas verzweifelt fest an Binsenquecke, die in unmittelbarer Nähe zum Ozean in dichten Beständen auf sandigen Böden gedeiht und große Flächen dominieren kann.
Noch ein Foto:
same
Ich besitze ein Buch über die Raubfliegen Deutschlands.
Darin steht geschrieben, dass die Gemeine Schlankfliege im ganzen Land sehr häufig ist.
Von der Küste im Norden bis ins tiefste Bayern im Süden. Ich konnte das nicht glauben, eben weil ich sie bis zum oben erwähnten Tag auf dem Rysumer Nacken nie zu Gesicht bekommen hatte. Doch jetzt, nachdem ich meinen Blick schärfen konnte, sehe ich sie wirklich fast überall.
Die Gemeine Schlankfliege ist sehr klein und sehr schlank und deshalb sehr unauffällig.
Aufgrund meines hohen Alters kann ich im Nahbereich nicht mehr so gut fokussieren, ist die Distanz zur Fliege aber groß, bemerkt man sie wegen ihrer geringen Größe erst gar nicht. Scheucht man sie auf, erinnert sie im Flug an eine Schnake oder Kleinlibelle. Und wie letzere fliegt sie auch durch das Halmgewirr, nämlich langsam und ungerichtet, beinahe vorsichtig und überlegt.
Heute gehe ich also davon aus, dass ich die Gemeine Schlankfliege schon viele Male in meinem Leben gesehen haben muss, das entscheidende Licht sollte mir aber erst auf dem Rysumer Nacken aufgehen.
Weitere Bilder von dieser wirklich coolen Art:
another female
same
Am 21. Juni 2026 konnte ich ein Foto von einer Paarung der Gemeinen Schlankfliege neben dem Weg am Ufer des Störtebekerkanals schießen:
mating
Und zwar wirklich nur ein Bild!
Und das wiederum war mir nur deshalb möglich gewesen, weil ich das Weibchen schon vorher im Sucher meiner Kamera hatte. Dass sich nur einen Augenblick später ein Männchen auf dieses Weibchen stürzen würde, konnte ich schließlich nicht wissen.
Kaum war der Kerl gelandet, da fielen beide Partner auch schon zu Boden – und die Paarung war beendet.
Zu schwer, der Mann. Auf dem Bild kann man erkennen, dass die Dame im Moment der Aufnahme bereits im Begriff war, komplett ihren Halt zu verlieren. Nur noch die grotesk langen Hinterbeine umklammerten den Pflanzenstängel. Auf dem folgenden Bild war dann auch nur noch eben dieser Stängel zu sehen.
Die wahrscheinlich letzte Gemeine Schlankfliege des Jahres sah ich übrigens am 8. August auf dem Rysumer Nacken:
another male
Es war ein Männchen.
Neues von der Heuschrecken-Sandwespe (im Folgenden HSSW):
female Golden Digger Wasp digging a burrow
Die Kolonie auf dem Rysumer Nacken war für mich in diesem Sommer zunächst unauffindbar.
Ich benötigte einige Minuten, um festzustellen, dass sie sich aber nur um etwa 50 Meter verlagert hatte, weg vom alten Ort mitten auf einem windgeschützten sandigen Weg und hin zu einem anderen, der nahezu geschlossen von der Binsenquecke erobert worden war.
Die Eingänge der Baue der geschätzten zehn Weibchen dieser Kolonie ließen sich zwischen den Gräsern kaum ausmachen. Und wenn die HSSW-Damen nicht gerade emsig am Buddeln gewesen wären, dann hätte ich sie auch nicht entdeckt.
Beachtet die Vorderbeine:
same
Sie werden beim Graben nach innen eingerollt.
So fungieren sie als Schaufeln, die mehr Sand nach hinten befördern können, als es die ausgestreckten Tarsen jemals bewerkstelligen könnten, wie man hier sehen kann:
same
Falls ihr dieses Verhalten und die eingerollten Tarsen der Vorderbeinchen mal in bewegten Bildern sehen wollt, hier gibt es ein sehr schönes Video: klick!
Es zeigt allerdings eine von mindestens drei nordamerikanischen Arten aus der Gattung Sphex, die sich aber nur bezüglich ihrer Farben von der Europäischen HSSW unterscheiden. Größe, Biologie und Verhalten sind absolut identisch.
Schaut euch den Streifen an, denn er hat es in sich.
Spoiler: Ganz zum Schluss wird illustriert, wie die HSSW die unmittelbare Umgebung ihrer Brutröhre wieder exakt so herrichtet, wie sie sie zuvor vorgefunden hat. Am Ende ist von ihrer Tätigkeit wirklich nichts mehr zu erahnen, und fast könnte man meinen, man habe das alles, also das Begraben einer noch lebendigen Langfühlerschrecke, nur geträumt.
Ganz großes Kino!
Die Kolonie auf dem Rysumer Nacken befindet sich übrigens jetzt direkt vor dem Hochsitz eines Jägers, der gleichzeitig ein Kreationist ist und davon überzeugt, die Erde sei erst 6000 Jahre alt. Ich hatte ihn hier in der Vergangenheit auch schon ein- oder zweimal erwähnt. Dieser völlig durchgeknallte Typ hält es also für viel wahrscheinlicher, dass ein Gott all die Lebewesen dieser Erde in ihrer ganzen Vielfalt an nur drei bis sieben Tag erschaffen hat.
Das hat er mir zumindest vor ein paar Jahren verklickert.
Meine Antwort damals: "Eben weil es diese unglaubliche Vielfalt gibt, kann das Ganze nur im Laufe von Millionen von Jahren entstanden sein. So etwas braucht seine Zeit!"
Ob ich damals wirklich richtig lag?
Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher, denn genau in diesem Augenblick erinnere ich mich sehr genau an meine ganz frühe Kindheit und daran, wie ich mit vier oder fünf Jahren meine erste Knetgummi-Packung geschenkt bekam.
Ich legte sofort los und knetete eine Amöbe, dann ein niedliches Pantoffeltierchen und nur einen Augenblick später einen Europäischen Riesenläufer. Alle drei Kreaturen gelangen mir auf Anhieb so gut, dass ich mich bestätigt fühlte und nun an komplexere Lebensformen heranwagte. Eine Portugiesische Galeere, geknetet in nur vier Minuten, setzte ich in der bis zum Rand gefüllten Badewanne aus, wo sie ihren Freischwimmer machen sollte. Leider bestand sie die Prüfung nicht und soff jämmerlich ab, weil Knetgummi natürlich eine viel höhere Dichte als Wasser besitzt. Das wiederum war der Grund dafür, dass ich das arme und anscheinend nicht überlebensfähige Tier nicht in der offenen Nordsee aussetzen konnte, obwohl Ozeane doch der natürliche Lebensraum der Portugiesischen Galleere sind.
Es folgte Deutschlands erste Asiatische Tigermücke, die ich auf den Esszimmertisch stellte, um die Reaktion meiner Mutter abzuwarten. Ein Test, der mir verraten sollte, wie gut ich tatsächlich im Schöpfen und Kreieren war und ob ich Gott in dieser Disziplin das Wasser reichen konnte. Ich versteckte mich hinter einer Kommode und wartete geduldig. Als meine Mama schließlich den Raum betrat und die Mücke entdeckte, da wurde sie ganz blass. Wie ein geölter Blitz rannte sie nach draußen in den Garten, nur um wenig später mit einem Spaten zurückzukehren.
Mit diesem schlug sie die Knetgummimücke tot.
Mit vor lauter Angst komplett geschlossenen Augen!
Kurz: In nur einer Woche knetete ich wild drauflos und alle Tierarten des Planeten. Unser Garten war nicht groß, und ihr könnt euch bestimmt gut vorstellen, was das für ein Gedränge war. Elefant neben Elch, Seggenrohrsänger neben Strandkrabbe, Flusspferd neben Flughund und so weiter. Doch ich will nicht verhehlen, dass es immer wieder auch Probleme gab beim Schöpfen. Eine ganz frische Thomson-Gazelle zum Beispiel, die ich im Garten aussetzte, wurde nur fünf Minuten später von einem Jaguar, den ich nur zwei Stunden zuvor geknetet hatte, gerissen und aufgegessen.
Ich musste also immer wieder nacharbeiten.
Auf eine Spezies verzichtete ich übrigens ganz bewusst.
Diese Spezies heißt Mensch!
Denn im Gegensatz zu Gott erkannte ich die Gefahr, die sich in dieser vermeintlich hochintelligenten Art verbarg, noch bevor sie überhaupt zur Gefahr werden konnte! Ich meine, ich bin zwar kein Lehrer, weiß aber trotzdem, dass ein einzelner Kevin völlig ausreichen kann, um das Gefüge einer Schulklasse komplett zu zerstören. Und mir ging es bei meinem Vorschulprojekt ja auschließlich darum, etwas zu erschaffen, das von Dauer ist. Und der Mensch, der sozusagen so eine Art Kevin des Planeten ist, passte da meiner Meinung nach überhaupt nicht rein.
Ihr seht, jeder erfundene Gott dieser Welt könnte noch viel von mir lernen, ihr kleinen Nichtsnutze da draußen.
Fühlt ihr euch jetzt vielleicht beleidigt?
Mir ist nicht erst heute aufgefallen, dass gläubige Menschen nicht nur in der Überzahl sind, sondern ihren Glauben oft auch ganz offen, nicht selten sogar aggressiv praktizieren. Die Symbole zum Beispiel des Christentums sind allgegenwärtig in unserem Land. Man spricht sogar sehr selbstbewusst von einem christlich geprägten Deutschland. Wie sich das Christentum über die ganze Republik, ja sogar über die weite Welt ausgebreitet hat, wird gerne verschwiegen.
Wirklich auf jedem zweiten Auto prangt inzwischen ein Fisch, und es handelt sich wohl kaum immer um Angler, und in jedem Dorf gibt es mindestens eine Glockendisko! Und selbst die geile Nationalparkverwaltung veranstaltet Wattgottesdienste. Ich meine, was hat so ein Unsinn in einer Behörde verloren, die sich doch eigentlich den Erhalt der Natur auf die Fahne geschrieben hat? Und was sollen bloß die Strandkrabben und Herzmuscheln von uns Menschen denken? Religion und Staat sind auch in Deutschland nicht voneinander getrennt, eher komplett miteinander verfilzt.
Und wofür das Ganze?
Ein Frage, die ich nicht beantworten kann. Doch wenn es einen allmächtigen Gott gäbe, dann würde er doch alle Menschen glauben lassen, dann brauchte er hier auf Erden keine blöden Spielchen zu spielen und vor allem niemanden, der seine Interessen durchboxt. Mit oder ohne Gewalt. Was mich seit Jahrzehnten nervt, ist, dass gläubige Menschen immer ganz automatisch davon ausgehen, dass das, was sie denken und tun, für alle von Bedeutung ist.
Ist es aber nicht.
Jedenfalls nicht für mich.
Und weil fast alle Bürger, die nicht an einen erfundenen Gott glauben, ihren Schnabel halten, gehen sie in der Regel unter. Fast könnte man meinen, es gebe sie gar nicht. Ich finde, dass man gerade als ein Mensch, der nicht an Fabelwesen glaubt, ruhig auch mal ein Gegengewicht in die Waagschale schmeißen und seine Meinung äußern sollte, auch wenn sich der eine oder andere dann beleidigt fühlt.
Die Allgegenwart von Religion und Glaube ist schließlich auch eine Beleidigung.
Und zwar für den gesunden Menschenverstand.
Anfang August, an einem Trafohäuschen am Mahlbusen des Norder Tiefs:
Red Underwing is a common species in August
Seit ich dort vor einigen Jahren zum ersten Mal dem Roten Ordensband begegnet bin, ist es für mich geradezu zu einem Zwang geworden, die Außenmauern des kleinen Gebäudes zur passenden Jahreszeit abzusuchen.
Noch nie bin ich enttäuscht worden!
In diesem Jahr sah ich maximal sieben Individuen gleichzeitig, mal sehr gut, mal eher schlecht getarnt, auf die Abenddämmerung warten.
Hier eines mit halb geöffneten Schwingen:
hindwings visible
Gleich zwei Rote Orgendbänder nebeneinander am ganz frühen Morgen, also unmittelbar nach ihrer Nachtschicht:
two together on early morning
Sehen sie auf dem Foto nicht auch ein büschen erschöpft aus?
Die Tiere bevorzugen eindeutig die Bereiche direkt unterhalb des Dachvorsprunges, wo so gut wie nie Sonnenlicht hingelangt.
Es sind auch jene Bereiche, wo es nur so von Spinnennetzen wimmelt! Doch das macht den imposanten und kraftvollen Faltern überhaupt nichts aus; sie fliegen, wenn es sein muss, einfach durch die Netze hindurch. Und das auch nur deshalb, weil sie die Spinnen auf die Palme bringen wollen.
Apropos Spinne:
my very first Toothed Weaver
Am selben Trafohäuschen hatte ich bereits am 19. Juni dieses Jahres dieses hübsche Tier entedeckt.
Es handelt sich hier um ein Weibchen der Bunten Spaltentrichterspinne, die ich aber nicht selbst bestimmt habe, sondern Jürgen Peters aus Borgholzhausen. Mir selbst war bei der Entdeckung lediglich aufgefallen, dass ich so eine Spinne nie zuvor gesehen hatte. Und das ist immer ein gutes Zeichen, weil man dann mit etwas Besonderem rechnen kann.
Die Bunte Spaltentrichterspinne gilt in Deutschland als selten, sie wird aber wohl eher übersehen.
Es folgt eine der Hauptdarstellerinnen dieses Beitrages:
male Melieria omissa
Eine hübsche Schmuckfliege, für die es keinen deutschen Trivialnamen gibt.
Auf schlau heißt sie Melieria omissa.
Wie im Falle der Gemeinen Schlankfliege kannte ich auch diese Art zunächst nur vom Rysumer Nacken, wo sie durchaus häufig ist. Doch inzwischen habe ich auch sie an zwei weiteren Orten entdeckt: am Greetsieler Badesee sowie am Störtebekerkanal bei Neuwesteel.
Und sie sieht doch wirklich hübsch aus:
same species
Diese kleinen Biester haben eine Schwäche für Schilf.
Doch welchen Bezug genau sie zu dieser Pflanze haben, ist mir unbekannt. Nichts, aber wirklich rein gar nichts findet man im Netz über die Biologie dieser Tiere, die in Deutschland zwar weit verbreitet vorkommen, aber nur selten entdeckt werden.
Während ich dieses Individuum auf einer nur schütter mit Schilf bewachsenen Fläche unweit des Störtebekerkanals fotografierte, landete nur ein paar Schritte von ihr und mir entfernt eine zweite Schmuckfliege, die ebenfalls sofort balzte, indem sie ihre Flügel abspreizte und mit diesen zu winken bekann.
Sie sah so ganz anders aus:
another pretty species at the same spot: Ceroxys urticae
Statt eines Fleckenmusters zeigte sie eine schwarze Bänderung auf ihren Schwingen.
Für mich war das wieder einmal eine neue Art: die Gebänderte Schmuckfliege.
Das Artepitheton urticae (siehe englische Bildunterschrift) stellt einen Bezug zu den Brennnesseln her, doch auch im Falle dieser Art konnte ich leider überhaupt nichts über ihre Biologie herausfinden. Was die Gebänderte Schmuckfliege also mit Brennnesseln zu tun hat, kann ich euch leider nicht verraten.
Herausgefunden habe ich aber, dass sie in diesem Gebiet ebenso zahlreich fliegt wie die obige Cousine:
playing hide and seek with meUnd genau wie diese will sie partout nicht beobachtet oder gar geknipst werden!
Beide Arten wenden denselben Trick an. Nähert man sich ihnen, krabbeln sie schnell auf die andere Seite eines Blattes oder Halmes, wo sie bewegungslos verharren. Begibt man sich selbst ebenfalls auf die andere Seite, weichen diese blöden Biester umgehend wieder aus und krabbeln zurück in die Ausgangsposition. Das kann sich tauendmal wiederholen, vor allem dann, wenn die Nacht keine ausreichend niedrigen Temperaturen gebracht hat.
Viele Heuschrecken machen das auch. Und die meisten Kleinlibellen.
Es ist ein bescheuerter Trick, der einen Fotografen ruckzuck in den Wahnsinn treiben kann. Kurioserweise tritt dieses Verhalten nur zwei Stunden später, wenn die Sonne scheint und es warm geworden ist, nicht mehr auf, nur am ganz frühen Morgen, wenn sich die Tiere quasi noch an ihrem Schlafplatz befinden. Doch es ist gerade dieses Licht der ganz frühen Stunde, das ich so schön finde. Um zehn Uhr will ich diese Fliegen jedenfalls nicht mehr ablichten. Um zehn ist die Kamera längst weggepackt.
Zwei weitere Bilder, aber von enem anderen Individuum:
another specimen
Im Gegensatz zu Melieria omissa habe ich die Gebänderte Schmuckfliege bislang nur in Neuwesteel gefunden.
Für den Rysumer Nacken würde ich sie ausschließen. Käme sie dort vor, hätte ich sie längst entdeckt.
Am 30. Juli 2026 entdeckte ich am Straßenrand in Visquard eine Eiche:
either Turkey Oak or Mount Tabor Oak, never seen before in Germany at the side of a road
Oh, ich hatte sie schon so oft gesehen, aber nie aus der Nähe.
An diesem Tag ging ich nämlich zum ersten Mal auf der richtigen Seite der Straße, also auf jener Seite, an der der Baum stand: Davor war ich immer auf der anderen spaziert. Und aus der Distanz hatte dieser Baum immer wie eine ganz normale Stieleiche ausgesehen.
Jetzt sah ich aber die Stacheln an den Blättern, die eine Stieleiche auf der Stelle ausschlossen. Weil ich selbst nicht fündig wurde im Netz des Wissens und der Schattenseiten, stellte ich einige Bilder in ein Forum.
Und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Zerreiche oder Taboreiche.
Während die Taboreiche im östlichen Mittelmeerraum zu Hause ist, von Griechenlannd im Westen bis nach Israel im Südosten, findet man die Zerreiche sowohl im zentralen Mittelmeerraum, als auch in Mitteleuropa, wie zum Beispiel in der Schweiz, in Italien (auch in Südtirol) und in Österreich. Vorkommen am Kaiserstuhl in Deutschland können, müssen aber nicht bodenständig sein. Da ist sich die Wissenschaft noch nicht einig (Quelle: Wikipedia).
Keine der beiden Arten hatte ich jemals zuvor in Ostfriesland oder Restdeutschland gesehen. Man kann also wahrlich nicht schreiben, dass es sich um oft bei uns im kühlen Norden gepflanzte Straßenbäume handelt. Da gibt es beileibe gängigere Arten.
Noch ein Bild:
same species
Ein Weg:
on this dirt road a certain species is easy to find almost exclusevely in August, but which one?
Ihr könnt ja schon mal überlegen, wen ich hier in den letzten Jahren nahezu ausschließlich im August gefunden habe.
Kleiner Tipp: Es ist ein echter Brummer!
Und der Admiral, der sich da in der rechten Fahrspur sonnt, ist nicht gemeint!
Eine männliche Feuerlibelle:
Scarlet Dragonfly has become a common species even in the northernmost part of Germany
Fotografiert am 8. August auf dem Rysumer Nacken.
Diese einst ausschließlich mediterrane Libelle ist längst auch im Norden Deutschlands keine Seltenheit mehr. Ich habe sie jedesmal gesehen, wenn ich auf dem Rysumer Nacken war. Sowohl im Juli als auch im August, als diese beiden Bilder entstanden.
Ein Rätsel für zwischendurch:
who was standing on one ot these twigs just few minutes earlier?
Wer stand am 2. August auf einem dieser beiden aus dem Wasser herausragenden Zweige?
Ihr werdet es bald erfahren.
Am 7. August fand ich eine Vogelleiche auf dem Rysumer Nacken, die sich nach kurzer Betrachtung und eingehender Beratung mit mir selbst als junge Flussseeschwalbe herausstellte:
unfortunately this Common Tern's life was only brief. Ringed on the other side of the Ems estuary on an artificial Dutch Island called Stern on July 16th
Zwei Ringe trug sie, wie selbst ihr erkennen könnt.
Ich meldete den Vogel einem niederländischen Beringer, der mir noch am selben Abend antwortete. Die Flussseeschwalbe war erst am 16. Juli 2026 auf Stern beringt worden. Stern ist eine 2017 künstlich aufgespülte und etwa zwei Hektar große Insel auf der anderen Seite der Emsmündung, die ich vom Rysumer Nacken aus schon oft mit meinem Fernglas im Blick hatte. Stern ist auch der niederländische Name der Küstenseeschwalbe (eigentlich Noordse Stern), die auf der neu geschaffenen Insel brütet und ihr wohl auch den Namen gegeben hat.
Stern beherbergt so ganz nebenbei die größte Flussseeschwalben-Kolonie der Niederlande, und auch andere Vogelarten nutzen die sichere Insel für die Brut, wie zum Beispiel der großartige Säbelschnäbler. Randnotiz: Vor einigen Jahren hatte ich einen auf Stern beringten Säbelschnäbler in den Hauener Pütten abgelesen.
Vor dem Aufspülen und Befestigen des kleinen Eilandes vor neun Jahren hatten die Seeschwalben übrigens auf Dächern von Industriehallen in Eemshaven gebrütet. Ob sie das auch heute noch tun, weiß ich aber nicht.
Bierschnegel-Allerlei auf meinem Pizzateller:
Cellar Slug in my kitchen cleaning up the dishes during their night shift
Zuvor hatte ich tatsächlich Pizza gegessen.
Man braucht nicht zu spülen in dieser Wohnung, denn die bunten Nacktschneggen erledigen im Schutze der Nacht die Drecksarbeit für mich. Am kommenden Morgen konnte ich den Teller einfach so in den Schrank räumen.
Auch in Ostfriesland fehlt es zurzeit an Wasser:
these Blackberries were unusually small, caused by a lack of water. Currently and not for the first time the last years a heavy drought came over almost the entire country
Und nicht nur am Wallenhorster Bach (siehe letzten Bericht).
Die gezeigten Brombeeren sehen auf den ersten Blick zwar ganz normal aus, waren aber sehr, sehr lütt. Das Laub der Pflanze war zu diesem Zeitpunkt nahezu komplett vertrocknet. Doch dem Anschein nach handelt es sich noch um ein lokales Problem, denn Brombeeren an anderen Orten sehen auch jetzt noch ganz normal aus. Ich weiß das deshalb, weil ich diese Früchte in den letzten Wochen geradezu tonnenweise verschlungen habe.
Direkt vom Strauch ins Maul geschmissen und so weiter. Eine nach der anderen.
So unglaublich lecker Brombeeren auch sein mögen, ein bisschen ist es auch mit Ekel verbunden, wenn man sie nascht. Denn nicht nur wir Menschen gehören zu ihren Fans, auch Schmeißfliegen lieben Süßes. An einem sonnigen Tag wimmelt es auf diesen Früchten von Gold- und anderen Fliegen. Und wo die sich nur wenige Sekunden zuvor aufgehalten haben könnten, das hatte ich ja bereits eingangs erwähnt.
Nur wenige Meter von der gezeigten Brombeere entfernt stehen schon seit vielen Jahren ein paar Ulmen herum:
Elm with dry leaves for same reason
Ihr seht: Der Herbst hat bereits Einzug gehalten – mitten im Sommer!
Beide Bilder habe ich auf dem Rysumer Nacken geschossen, aber selbst dort tritt dieses Problem nicht flächendeckend auf.
Noch nicht.
Oh, ein Silbereulchen:
Silver Barred
Gesehen und festgehalten für die Ewigkeit im Juni 2026 auf dem Rysumer Nacken.
Zurück zu den süßen Schmuckfliegen:
hiding one more time
Seht ihr den Klecks oberhalb des Tieres:
Ceroxys urticae had pooped
So sieht Schmuckfliegen-Kacke aus!
Diese Biester kacken einfach so im Outback herum, auf die Blätter und Halme vom Schilf:
same shit
Ohne Kacke:
same
Jetzt wieder die gefleckte Art:
pretty Melieria omissa one more time
Und bei der Balz zu vorgerückter Stunde:
displaying
Diese auf naturnahen Feuchtwiesen zumindest in Ostfriesland sehr häufige Art ist der einzige heimische Weichkäfer mit scheinbar angesengten Flügeldecken.
Allein aufgrund dieses auffälligen Merkmales lässt er sich ganz fix bestimmen. Das kann ich, das könntet selbst ihr, wenn ihr nur wolltet. Gefunden habe ich das gezeigte Individuum bei Neuwesteel, im Lebensraum der Schmuckfliegen.
Am 31. Juli befand ich mich schon vor Sonnenaufgang auf einer Wiese in Pewsum. Diese Wiese befindet sich am Rande des Industriegebietes und wohl auch in Privatbesitz. Jedenfalls liefen da einige schmerbäuchige Hausgänse herum. Ich ließ mich nicht von ihnen stören – sie übrigens auch nicht von mir – und suchte nach fotogenen Kleintieren.
Tatsächlich fand ich aber nur zwei interessante Arten:
male Speckled Bush-cricket
Die erste war eine männliche Punktierte Zartschrecke.
Es war erst die zweite für mich in Ostfriesland! Und ich weiß nicht, warum, denn in Osnabrück ist diese Art ein Massenartikel.
Bei meiner Suche stieß ich darüber hinaus auch noch auf diese weibliche und sehr ansprechend gefärbte Gartenkreuzspinne:
female European Garden Spider
Wenig später entdeckte ich noch eine zweite, die genauso wie diese aussah.
Zu mehr hat es lan diesem Morgen leider nicht gereicht.
Ich ging zu meinem Wagen und brauste davon. Erst eine ganze Woche später stellte ich fest, dass ich mein Stativ auf dem Gehweg stehen gelassen hatte. Ich bemerkte den Verlust auch nur deshalb, weil ich das Teil gerade in Neuwesteel einsetzen wollte. Ich suchte und suchte in meiner fahrenden Müllkippe und fand alles Mögliche, nur eben kein Stativ. Erst nach längerem Überlegen fiel mir ein, wo ich es zuletzt eingesetzt hatte, und schmiss den Motor an.
Natürlich stand da längst kein Stativ mehr auf dem Bürgersteig in Pewsum.
Schlimm war das aber nicht, denn das Dreibein war alt und komplett ausgeleiert. Oh, es funktionierte noch einwandfrei, und ich hätte es auch weiter benutzt, aber was weg ist, ist halt weg. Wie gut, dass ich damals gleich zwei Stative gekauft hatte. Und das zweite ist nun mein Erststativ. Nigelnagelneu, obwohl es schon sieben Jahre auf dem Buckel hat und etwas zugestaubt war, als ich es hervorkramte.
Schilf am Mahlbusen des Norder Tiefs:
early morning
Rätsel gelöst.
Offensichtlich durchaus auch in Brackwasser gedeiht die Schwanenblume:
Flowewring Rush thrives in brackish water also
Gleich mehrere Individuen fand ich am künstlichen Ufer des Störtebekerkanals bei Neuwesteel.
Am 9. August 2026 entdeckte ich diese weibliche Beulen-Habichtsfliege auf dem Rysumer Nacken:
female Dioctria cothurnata
Ein weiterer auf dem Boden lauernd:
another maleUnd ein Weibchen:
femaleMit nur fünf vollständigen Beinchen.
Wenn es am Morgen noch recht kühl ist, dann findet man die Raubfliegen ausschließlich am Boden, denn dort ist es am wärmsten. Steigen die Temperaturen an, werden auch Stehwarten aufgesucht.
Dieses Männchen hatte sich z. B. den vertrockneten Blütenstand des Rotklees ausgesucht, um nach Beutetieren zu spähen:
male on perch looking for lecker food itemsEs werden aber auch Brennnessel und Schilf genutzt, und sehr wahrscheinlich alles, was schnell erreichbar ist.
Parallel zum Weg verläuft eben auch ein verschilfter Graben. Und wenn es plötzlich kühler wird, vielleicht durch eine blöde Wolke verursacht, oder gar zu regnen anfängt, dann suchen die Hornissen-Raubfliegen tatsächlich vor allem diesen Graben auf und klammern sich an Schilfstängel und -blätter.
Das sieht dann so aus:
cold and rainy weather
Unter diesen widrigen Umständen lassen sich die Raubfliegen sehr leicht fotografieren.
Bei hohen Temperaturen aber stellen sie eine echte Herausforderung dar! Jedenfalls sind sie sehr viel scheuer als die hier schon so oft gezeigten Mordfliegen aus der Gattung Choerades, über die es hier übrigens bald wieder einen separaten Bericht geben wird, ihr Hohlkörper da draußen.
Habt ihr es gesehen? Auch die Hornissenraubfliege besitzt gemusterte Flügel!
Bedrohlich:
another specimen
Als Hornissen-Raubfliege erbeutet man, im Gegensatz zu den allermeisten anderen Raubfliegen, gerne auch Tiere, die sich am Boden aufhalten.
Sehr oft sind das Feldheuschrecken, wie ich in der Vergangenheit schon oft beobachten konnte. Neulich sah ich überhaupt zum ersten mal ein anderes Beutetier.
Wahrscheinlich hat es sich um eine Fleischfliege gehandelt:
Guten Appetit!
Last but not least: Am 9. August 2026 sah ich auf dem Rysumer Nacken einen Nachtreiher.
Der verließ um 21:11 Uhr, also zwei Minuten vor Sonnenuntergang, seinen Tageseinstand – eines der vielen Gewässer im Gebiet – und flog dann zügig und zielgerichtet Richtung Südwest ab. Ich hatte ihn zuvor nicht etwa aufgescheucht! Ganz aus freien Stücken hat der Vogel das Gebiet verlassen. Und wahrscheinlich hatte er sich schon den ganzen Tag auf diese Abreise gefreut.
Ich sah ihn in größerer Entfernung über die Straße, auf der ich stand, fliegen und dachte an eine Mischung aus Mäusebussard und Graureiher. Einen Blick durchs Fernglas riskierte ich aber erst gar nicht, um bloß keine Zeit zu vergeuden. Stattdessen pulte ich sofort die Kamera aus meinem Rucksack hervor und schoss wild um mich. Der Vogel hatte natürlich längst einen Raumgewinn erzielen können, sodass ich ihn jetzt nur noch von hinten sah. Nur ein letzter kleiner Schwenk des seltenen Gastes nach links im allerletzten Moment machte es möglich, dass man ihn wenigstens auf einem der vielen Bilder auch als Nachtreiher erkennen kann.
Glück gehabt!
Hier könnt ihr euch das Foto ansehen, wenn ihr mögt: klick!
Leider kann ich aufgrund der Beobachtungsumstände und wegen der üblen Bildqualität nichts über das Alter des Vogels schreiben.
So Kinners, ich muss jetzt auch aufhören. Mein Nachbar spielt mal wieder mit dem Freischneider herum.
Ich denke, ich muss ihn mal eben töten.
Zu guter Letzt: Die Portugiesische Galeere ist übrigens kein Schiff.
Es war einmal ...
... eine Schlingnatter:
this beautiful Smooth Snake I found on a hiking trail through a pine forest at so called Südheide in September 2017
Ich begegnete ihr am 1. September 2017 in der geilen Südheide.
Die Schlange war gerade dabei, einen Weg durch einen Kiefernwald zu queren und blieb, als sie mich bemerkte, einfach in der Mitte liegen.
Ich gesellte mich zu ihr und legte mich auf den Bauch, um ein paar schöne Bilder zu schießen, als in meinem Rücken plötzlich Motorengeräusch erklang. Ich drehte mich um und blickte in die großen Augen eines Forstfahrzeuges. Der Fahrer stieg aus und suchte nach dem Grund dafür, dass ich da im Sand lag. Und nachem er auf ganzer Linie gescheitert war, sprach er mich an.
"Was machen Sie denn da?"
"Das meinen Sie jetzt nicht ernst, oder?"
Der Mann war freundlich, sah das geile Reptil zunächst aber immer noch nicht. Irgendwann ging ihm aber doch noch ein Licht auf: "Was ist das für eine? Ich habe hier noch nie eine Schlange gesehen ..."
"Eine Schlingnatter. Und die ist gar nicht mal so selten hier in der Südheide."
Falls es euch interessiert, wen ich damals noch alles finden konnte in der Gegend um den malerischen Ort Unterlüß herum, dann solltet ihr diesen Beitrag lesen: klick!
Ich habe einige Veränderungen vorgenommen und auch diverse Bilder ausgetauscht.
Der Mann, der noch nie eine Schlange in der Südheide gesehen hatte, war übrigens der für das Gebiet zuständige Förster!




































































