wilde perspektiven

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Dienstag, 14. Mai 2013

Die erste Kreuzotter des Jahres!

Der böse Wettergott hat es in diesem Jahr bislang alles andere als gut gemeint und den Keuzottern im Moor bei Aurich mal so eben ein paar Wochen des Jahres geklaut. Doch ganz bestimmt hat es seit Anfang März schon einige Tage gegeben, an denen die Schlangen auf ihre Kosten gekommen sind. Nur war ich da wohl in Portugal.

Am letzten Donnerstag (9. Mai) verabredete ich mich mit Sabine und Rolf Baum (Hinte) am Ort des Geschehens, weil die beiden den Wunsch geäußert hatten, eine ostfriesische Kreuzotter zu sehen. Ein Kinderspiel, so dachte ich nach den Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit gemacht hatte, doch am Ende sollte es sehr viel komplizierter werden als von mir erwartet.

Während es in Emden am frühen Morgen noch heiter war, zeigte sich der Himmel über Aurich bei meiner Ankunft eher von seiner finsteren Seite. Natürlich war ich bereits eine Stunde früher als verabredet da, weil ich dachte, schon mal vorab die eine oder andere Schlange ausfindig machen zu können. Kleiner Trick von mir, doch das Glück wollte sich partout nicht einstellen. Im Gegenteil, es fielen zu allem Überfluss sogar noch schnell ein paar kühle Tropfen! Und auch die Temperaturen blieben zunächst grenzwertig. Nach dem Eintreffen der beiden Hinteraner suchten wir gut zwei Stunden vergebens an den mir so vertrauten Stellen, was man landläufig den Vorzeigeeffekt nennt. Hier keine Schlange, dort auch nichts, puuh, dachte ich so nebenbei, das sieht echt nicht gut aus. Wo seid ihr bloß, ihr Biester, ich kann mich doch sonst immer auf euch verlassen.

Ich geriet ins Schwitzen ;-)

Immerhin konnte ein Vorkommen der Schattenblume entdeckt werden, doch ob es sich dabei um ein bodenständiges handelte, sei mal dahingestellt. Es lenkte zumindest ein wenig ab, und nur das war an diesem Morgen wichtig. Nach etwa zweieinhalb Stunden hellte sich der Himmel kaum merklich auf, dann lugte plötzlich sogar die Sonne durch die Wolken, und nur wenige Minuten später sonnte sich die erste und leider auch einzige (männliche) Waldeidechse des Tages auf einem Brett:

Common Lizard (Foto: Sabine Baum)

Aurorafalter und Waldbrettspiel flatterten inzwischen den Weg auf und ab und brachten etwas Farbe ins Spiel, und nur wenige Meter weiter war es dann endlich so weit: Eine große weibliche Kreuzotter aalte sich unter der wärmenden Sonne, auf die sie an diesem Tag zusammen mit uns so lange hatte warten müssen. Leider verschwand sie recht schnell, weil ich mich etwas tölpelhaft bewegt hatte, doch nach ein paar Minuten tauchte sie Gott sei Dank wieder auf:

Common Adder (Foto: Sabine Baum)

Der Schweißstrom versiegte! 

Das gezeigte Tier war die erste Kreuzotter für mich in diesem Jahr. Normalerweise beenden die Schlangen ihre etwa fünfmonatige Winterruhe in den ersten beiden Wochen im März, einmal sogar am letzten Februartag. Doch in 2013 ist dem Anschein nach eben alles anders.

Um es kurz zu machen: Eine weitere Schlange sollte noch folgen, ein hübsches Männchen. Und als Sahnehäubchen riefen auch noch die für mich ersten Kuckucke des Jahres, während gleichzeitig ein Feldschwirl seinen Endlosgesang vortrug.  Der Vogel des Tages aber war ein adulter Schwarzstorch, den Sabine Baum entdeckte und der in größerer Entfernung über dem Moor kreiste.

Am Sonntag fuhr ich zur Knock, wo seit Monaten ein neuer Radweg aus dem Boden gestampft wird. Die Erdhügel am Straßenrand werden zurzeit von einer ganzen Reihe Vögel als Aussichtsplattform missbraucht. Neben Wiesenpiepern und Steinschmätzern kann man dort vor allem Austerfischer sehen, die darüber hinaus auch noch wenig scheu sind:

Eurasian Oystercatcher

Dieser Vogel nahm sich sogar das Recht heraus, den Schnabel tief ins Gefieder zu schieben:

Doch dann zog er ihn wieder heraus:

Und nur wenige Meter weiter stand da ein anderer Vogel im Gegenlicht der gerade aufgegangenen Sonne:

Am Sonntagnachmittag schoss ich einen männlichen Bluthänfling ebenda:

Linnet
 
Kein großer Schuss, das will ich zugeben, aber irgendwie ein besonderer, ist diese Art in Ostfriesland doch nach wie vor eine erfreulich häufige Erscheinung, auf den Inseln noch mehr als auf dem Kontinent. In meinem Heimatdorf im Landkreis Osnabrück war das vor dreißig Jahren auch noch der Fall, doch hat der Bluthänfling dort inzwischen stark abgenommen. Im Japanischen Knöterich, der seinerzeit unsere Terrasse umwucherte, brütete alljährlich ein Paar, das irgendwann einfach nicht mehr erschien. 

Dieser Trend lässt sich aber keineswegs auf Osnabrück beschränken! Auf dieser Seite, die sich mit der Vogelwelt in Osnabrücks Nachbarstadt Münster beschäftigt (vor allem mit den berühmten Rieselfeldern), wird unter der Rubrik Loddenheide extra darauf hingewiesen, dass man dort mit etwas Glück auch Bluthänflinge beobachten könne. Fehlende Flächen mit so genannter Ruderalvegetation ("Unkrautfluren") dürften zumindest mitverantwortlich für den Rückgang dieser einstigen Allerweltsart sein.



Für einen kurzen Moment hatte ich den Durchblick, denn weder Graben noch Böschung sind der Star auf diesem Foto; es ist die Röhre im Hintergrund.

Gehen wir doch einfach mal näher heran:

Im ersten Jahr in Ostfriesland hatte ich mich noch gewundert, im zweiten hatte ich es geahnt, im dritten erhärtete sich mein Verdacht, und im vierten Jahr hielt mich nichts mehr zurück. Ich musste es einfach mal sehen, bin also die Böschung hinabgerutscht, ins Wasser geplumpst und konnte Dank meines dynamischen Einsatzes ein paar Bilder mitbringen:


Barn Swallow

Ich war bis zu diesem Zeitpunkt immer davon ausgegangen, dass Rauchschwalben einen rechten Winkel aus Wand und Decke benötigen, um ihr geiles Nest zusammenkleistern zu können, aber das war wohl ein Trugschluss.

Das hier gezeigte aber stammte noch aus dem Vorjahr; frische Bausubstanz konnte ich jedenfalls nicht ausmachen, obwohl die Rauchschwalben ja bereits anwesend sind:

Und diese beiden Kandidaten, die vor allem bei schlechtem Wetter oberhalb des Tunnels auf einem Tor stehen, ließen den oben erwähnten Verdacht in mir aufkeimen, dass irgendwo in der Nähe Rauchschwalben brüten sollten.

Männchen rechts:

Gesehen und in Bildern festgehalten im Wybelsumer Polder im Westen Emdens.