wilde perspektiven

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Donnerstag, 17. November 2016

Jahresrückblick 2016

Guten Tach, liebe Mitmenschen!

Im Moment passiert hier nicht so viel. Ich befürchte sogar, dass sich daran bis zum tatsächlichen Jahresende nichts mehr ändern wird. Deshalb gibt es hier und heute zum allerersten Mal überhaupt einen Jahresrückblick. Er soll meine aufregensten Beobachtungen in 2016 noch einmal in den Fokus rücken.

Jahresrückblick, werdet ihr jetzt bestimmt denken, im November?

Jau, im Aldi stehen die Spekulatius doch auch schon Ende August in den Regalen. Und wenn Spekulatius, dann Jahresende. So betrachtet, habe ich sogar noch ganz schön viel Zeit ungenutzt verstreichen lassen.

2016 war durchaus ein schönes Jahr. Es war sogar so schön, dass man fast meinen könnte, es sei das letzte meines Lebens. Im Laufe der Monate konnte ich immer wieder Neues entdecken. Nichts komplett Neues zwar, aber immerhin einige Arten, die ich zuvor nicht in Ostfriesland gesehen hatte. Selbst wenn man einen großen Teil seiner Zeit im Outback verbringt, ist man vor Überraschungen also grundsätzlich nicht gefeit.

Und das ist das Tolle an Mutter Natur. Sie weiß jene Menschen, die sich für sie begeistern können, bei Laune zu halten.

certainly one of my best and most desired finds of the year – see below

Das Fotojahr 2016 begann für mich natürlich im Januar.

Zuvor, also in den letzten vier Monaten des Jahres 2015, hatte ich mich etwas ausgeklinkt. Das passiert bei mir immer mal wieder. Und der Grund dafür ist eigentlich immer derselbe. Weil man sein Tarnzelt nie lange irgendwo stehen lassen kann, habe ich im vergangenen Winter erst gar nicht versucht, z. B. dem Raubwürger nachzustellen. Ich hätte es gerne wieder versucht, aber es wäre wohl sinnfrei gewesen. Bestimmte Arten, der Raubwürger ist eine von ihnen, kann man leider nicht im Vorbeigehen knipsen. Man muss planen und vorbereiten und vor allem sein Versteck auch mal über Wochen oder gar Monate mit der Landschaft verschmelzen lassen. In Ostfriesland ist das ein Ding der Unmöglichkeit, weil es hier keinen Quadratmeter gibt, der nicht jeden Tag von mindestens einem Menschen aufgesucht wird. Meist von einem böswilligen, der entweder alles zerstört oder gleich mitgehen lässt.

Und Ostfriesland gilt innerhalb der Republik noch als dünn besiedelt!

Eine andere Variante, das Fotografieren aus dem Auto heraus, gibt mir einfach nichts. Ohnehin ist die Erfolgsquote bei mir in diesem Fall stets unterirdisch. Für die Autofotografie benötigte man wohl auch einfach eine längere Tüte. 

Gut also, dass ich nicht komplett auf Vögel fixiert bin. Ich glaube, dann hätte ich längst mit der ganzen Knipserei aufgehört. Glücklicherweise gibt es sie aber, diese ganzen federlosen Kreaturen! Vor allem sie waren es in diesem Jahr, die mich immer wieder in Erstaunen versetzen und mir ein Lächeln des Glücks ins Gesicht treiben konnten.

Doch dazu später mehr.


Los ging es also, wie bereits erwähnt, im Januar. Am Reiherschloot im Ihlower Forst hatte ich eine Winterfütterung angelegt. Ich kann nicht gerade behaupten, dass dort viel los war. Aber für ein paar interessante Begegnungen hat es dort gereicht.

Auf dem morgendlichen Weg zu meinem Versteck sah ich mehrere Silberreiher auf dem zugefrorenen Schloot  auf besseres Wetter warten.

Hier einer von ihnen:






Great White Egret on a cold morning at Ihlower Forst (January 2016)

Unglaublich schön war es an diesem Tag!

Raureif ist immer das ganz große Kino! Meiner Meinung nach viel schöner als zum Beispiel eine verschneite Landschaft. Vielleicht liegt das daran, dass die Konturen der Pflanzen, die von den Eiskristallen bedeckt werden, erhalten bleiben.

Doch leider kommt es in Ostfriesland eher selten zu Raureifbildung. Verantwortlich dafür ist das eher milde atlantische Klima. Und wenn die Bedingungen doch mal günstig sind, dann verschwindet die weiße Pracht nur allzu schnell. Auch an dem Tag, an dem ich die obige Aufnahme machte, hatte sie sich bereits gegen Mittag in Luft und Wasser aufgelöst.

Ein junger Graureiher stand ebenfalls geduldig auf dem Eis herum:

Grey Heron (January 2016)

Er hoffte wohl auf einen leckeren Fisch. Ob sich diese Hoffnungen am Ende erfüllten, konnte ich allerdings nicht beobachten.

Vor meinem Tarnzelt waren es vor allem Meisen, die sich den Bauch vollschlugen.

Eine Blaumeise zeigte sich besonders vertraut. Ich konnte sie für die Ewigkeit festhalten, ohne mich  ins Tarnzelt setzen zu müssen:






































Blue Tit at my feeder in the woods (March 2016)

Auch die robuste Kohlmeise war dort ein alltäglicher Gast.

Hier im herrlichen Schneetreiben:





































Great Tit (January 2016)

Insgesamt blieb das Artenspektrum überschaubar. Einige fest eingeplante Spezies, wie etwa der hübsche Eichelhäher, ließen sich überhaupt nicht vor meiner Kamera blicken.

Dafür aber ein männlicher Erlenzeisig:








Eurasian Siskin (January 2016)

Auch nicht schlecht, oder?

Ein Bergfink blieb bis in den März hinein unglaublich schreckhaft und scheu:

Brambling (January 2016)

Mehrere Heckenbraunellen huschten bei der Nahrungssuche permanent über den Waldboden, waren aber sonst immer darauf bedacht, nicht groß aufzufallen:

Hedge Accentor (January 2016)

Im sich nun anbahnenden Winter sollte jeder Beobachter seine Futterstelle besonders aufmerksam im Auge behalten. Der Grund dafür ist ein nie zuvor festgestellter Einflug der aus Sibirien stammenden Bergbraunelle im ausklingenden Herbst nach Europa. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich der eine oder andere Vogel in den kommenden Monaten an einem Futterhaus blicken lässt. Deutschlands erste Schwarzkehlbraunelle konnte vor vielen Jahren an so einer Winterfütterung fotografiert werden. Und zwar in Kiel, wenn ich mich recht erinnere.

Auf den Buntspecht braucht man nicht zu hoffen. Der ist ein garantierter Gast an jedem Futterhaus. Im Ihlower Forst waren es gleich mehrere Individuen, die es vor allem auf meine knackigen Erdnüsse abgesehen hatten. Aber auch die fettigen Meisenknödel ließen sie sich schmecken.

Dieses Männchen gab sich zunächst uninteressiert und hämmerte wild auf einen wehrlosen Ast ein:

Great Spotted Woodpecker (January 2016)

Der geilste Gast an meiner Futterstelle war aber ein anderer.

Und es war nicht etwa die abwechslungsreiche pflanzliche Kost, die ihn aus seinem Versteck lockte. Wenn er auftauchte, war die Hölle los. Einem kollektiven Aufschrei folgte minutenlange Totenstille. Von einer Sekunde auf die andere war keiner der kleinen Vögel mehr zu sehen.

Alle weg.

Wie in Luft aufgelöst.

Und der Sperber, hier ein Kerl, hatte wieder einmal das Nachsehen:


pretty male Sparrow Hawk (January 2016)

Es sah immer zu lustig aus, wenn er auf einem Ast stand und den Boden scannte. Doch weil sich dort nichts regte, zog der tolle Greifvogel stets nach kurzer Zeit wieder ab. Und nach und nach tauchten die ganzen Kleinvögel wieder vor meinem Tarnzelt auf, um dort etwas Leben in die Bude zu bringen.

Eigentlich sah ich den Sperber an allen Tagen, die ich dort im Forst war. Doch nur dieses eine Mal präsentierte er sich mir völlig frei stehend auf einem Ast, den ich zuvor extra für ihn aufgestellt hatte. 

Wo Futter im Wald, da auch Rötelmäuse:

Bank Vole (February 2016)

Sie brauchen sich nicht vor dem Sperber zu fürchten, denn der ist ein hoch spezialisierter Vogeljäger.

Zu guter Letzt zeige ich noch einen weiblichen Mittelspecht:

female Middle Spotted Woodpecker (March 2016)

Diese Art ließ sich zwar immer mal wieder am Reiherschloot blicken, doch hielten sich die Vögel immer nur in den Baumkronen auf. Ich habe gesehen, dass sie gesehen haben, dass es etwas zu essen gab. Doch den Futterplatz mieden sie bis zuletzt, ohne dass mir die Gründe dafür bekannt wären.

Das gezeigte und weitere Bilder gelangen mir schließlich, nachdem ich umgezogen war und mein Tarnzelt in einem anderen Bereich des Forstes errichtet hatte. Dort zeigten sich die Mittelspechte weniger zurückhaltend und kamen im Halbstundentakt zu mir herab, um ihre Fettreserven aufzutanken.

Und weil der Winter endlich vorbei war, ist das auch die letzte Aufnahme, die ich im Ihlower Forst gemacht habe. Zumindest die letzte von einem Vogel.

Weitere Bilder aus dieser Zeit könnt ihr hier und hier bestaunen.


Eis und Schnee waren jetzt nämlich Schnee von gestern.

In einem Graben nahe des Klostersimitats ("Klosterstätte Ihlow") balzten Mitte März die ersten Grasfrösche des Jahres um die Wette:

Common Frogs were mating in March 2016

Leider konnte ich nur Aufnahmen von Einzeltieren machen. Ich hätte ganz gerne auch den ganzen Balzplatz mit all den Fröschen in Bildern festgehalten, doch war das aus verschiedenen Gründen nicht möglich.

Ein anderer Frosch:

different

Es war ein einziges Hauen und Stechen im flachen Wasser. Und der Preis für den Sieger war die hübsche Froschprinzessin. Sie war so unglaublich hübsch, dass die Kerle ein ums andere Mal ihre gute Kinderstube vergaßen und einen lästigen Kontrahenten auch schon mal länger als nur eine Minute unter Wasser drückten.

Hier der glückliche Gewinner:


a couple

Den Post über den Grasfrosch findet ihr hier.

Man muss nicht besonders schlau sein, um zu wissen, dass zeitgleich auch die Moorfrösche balzten.

Die gibt es aber nicht im Ihlower Forst, weshalb ich mich nach Collrunge aufmachte, um dort mein Glück zu suchen.

So sah es dort am frühen Morgen aus:

Collrunger Moor (March 2016)

Es blubberte überall und um mich herum!

Schnell fand ich ein Männchen in einem alten Torfstich direkt neben dem Weg:





Moor Frog (March 2016)

Ein anderes konnte ich auch von vorn fotografieren:

Richtig himmelblau werden diese Frösche erst gegen Mittag, aber dann ist das Licht nicht mehr wirklich schön.

Ein Paar:

a couple 

Dieses Foto nutzte ich lange Zeit als Hintergrundbild auf meinem Desktop. Ich fand und finde es nach wie vor beeindruckend, wie  mächtig das Männchen im direkten Vergleich mit dem Weibchen hier ausschaut. Ein solcher Größenunterschied zwischen den Geschlechtern war mir bis zu diesem Tag nicht aufgefallen. Irgendwie erinnerte mich dieser Bulle an Ottfried Fischer!

Zum Moorfrosch-Bericht geht es hier.

Nachdem ich die blauen Prinzen endlich im Kasten hatte, fotografierte ich noch schnell eine männliche Waldeidechse, die sich auf einem alten Brett am Wegesrand der Länge nach ausgerichtet hatte, um die Sonne so richtig genießen zu können:

male Viviparous Lizard (March 2016)

Ich sollte auch in den nächsten Wochen noch einige Male in diesem Moor fündig werden. Tiere, die ich hier überhaupt nicht erwartet hatte, gaben sich quasi die Klinke in die Hand.

Los ging es im April mit diesem Fadenmolch, der plötzlich in meinem Kescher zappelte. Eigentlich hatte ich nur mal testen wollen, wer mir in diesem Moor ins Netz gehen könnte. Gerechnet hatte ich am ehesten mit dem Teichmolch, doch den sollte ich an diesem Ort vergeblich suchen:















male Palmate Newt (April 2016)

Das Bild zeigt einen Kerl.

Hier eine Frau im Portrait:

female

Ey, was guckst du?

same

Für diese Aktion hatte ich mir in Aurich extra ein kleines Aquarium gekauft.

Nochmal dasselbe Männchen von oben oder ein anderes:

male

Der Fadenmolch war für mich eine kleine Sensation. Allerdíngs war ich davon ausgegangen, dass sich die nördlichsten westniedersächsischen Vorkommen im Landkreis Osnabrück oder im angrenzenden Kreis Vechta befanden. Im Rahmen meiner Recherche fand ich aber schnell heraus, dass diese Art um Oldenburg herum einen kleinen Verbreitungsschwerpunkt besitzt. Und Oldenburg wiederum ist nicht allzu weit enfernt vom Collrunger Moor.

Hier geht es zum Bericht über den Fadenmolch.

Eine weitere Überraschung war für mich das beinahe massenhafte Auftreten des Neunstachligen Stichlings im Collrunger Moor:

Ninespine Stickleback

Hier waren die Gründe für mein Erstaunen aber andere. 

In einem Hochmoor sollte es aufgrund der Wasserchemie eigentlich gar keine Fische geben, doch möglicherweise hat es hier in den vergangenen Jahrzehnten durch den Abbau von Torf und vor allem durch das Anlegen von Entwässerungsgräben einen klitzekleinen Nährstoffeintrag gegeben, sodass sich der Stichling im Moor etablieren konnte.

Später sollten mir auch Nachweise des Neunstachlers im Moor bei Tannenhausen gelingen. Uns zwar ohne die Unterstützung eines Keschers!
 
same

Fadenmolch und Stichling – unverhofft kommt oft.

Weitere Bilder vom Stichling gibt es hier.

Ebenfalls im April gelang mir ein weiterer sehr interessanter Fund.

Nach diesem Tier hatte ich in den Jahren zuvor sogar gezielt gesucht und mir die eine oder andere Nacht in Auricher Sandgruben um die Ohren geschlagen. Doch leider stets ohne Erfolg.

Auf einem Standortübungsplatz unweit des Collrunger Moores war diese heimliche Art dann plötzlich nichts anderes als Beifang. In einem kleinen Tümpel hatte ich nach Molchen gekeschert, doch das Tier, das ich schließlich im Netz fand, war die naturkundliche Überraschung des Jahres für mich.

Die Knoblauchkröte:

European Spadefoot Toad

Der letzte Nachweis für Ostfriesland lag zu diesem Zeitpunkt schon viele Jahre zurück. Und auch mein letzter und bis zum April 2016 einziger persönlicher Fund einer Knoblauchkröte war nur noch verschwommene Erinnerung. Auf dem Flugplatz Achmer bei Bramsche hatte ich um 1990 herum ganz zufällig ein Individuum in einem brunnenartigen Schacht entdeckt. Es war wohl auf dem Weg zum Laichgewässer hineingefallen und ohne meine Unterstützung nicht wieder herausgekommen.

Der Lebensraum der Knoblauchkröte auf dem Standortübungsplatz bei Aurich ist ein karger und sandiger:

habitat of Spadefoot Toad near Aurich

Möglicherweise dürfte diese Art in Ostfriesland mancherorts noch unentdeckt geblieben sein. Vor allem auf der sandigen Geest. Doch trotzdem darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Knoblauchkröte hier im Nordwesten Deutschlands als stark gefährdet einzustufen ist.

Bei einer Kontrolle des Laichgewässers auf dem Übungsplatz im Juli stellte ich übrigens fest, dass es bereits komplett ausgetrocknet war. Ich gehe davon aus, dass es dort und in diesem Jahr für den Nachwuchs nicht zu einem erfolgreichen Abschluss der Entwicklung gereicht hat.

Für eine so kleine Population, die vermutlich nur aus wenigen Individuen besteht, könnten mehrere aufeinanderfolgende Jahre mit geringen Niederschlägsmengen das Aus bedeuten. Vor allem dann, wenn der Tümpel, in dem ich die Tiere gefunden habe, das einzige Laichgewässer darstellen sollte.

So große und hübsche Augen:







same

Weitere Bilder von dieser Art gibt es hier.

Im Mai tauchten im gesamten Bundesgebiet wieder einmal zahlreiche Rotfußfalken auf.

Und dieses Mal sollte sich dieser Einflug auch in Ostfriesland bemerkbar machen. Am elften Tag des Monats konnte ich in den Mooren südlich des Ewigen Meeres gleich fünf Individuen entdecken. Sie standen in den Birken herum und starteteten ab und zu ihre Jagdflüge. Erbeutet wurden Moosjungfern und Vierflecke, die zu dieser Jahreszeit ihre Larvalentwicklung beendeten und in großer Zahl über den Blänken umherflogen.













Red-footed Falcon

Nur wenige Tage späte hielten sich bereits elf Rotfußfalken in diesem Moor auf. Leider gelang es mir nicht, alle Vögel auf ein Bild zu bekommen, doch für vier hat es gereicht:

different

Nur ein paar Tage später war der Spuk schon wieder vorbei.

Die Rotfußfalken hatten ihre Reise fortgesetzt und sich auf den Weg in die osteuropäischen Brutgebiete gemacht. Neben den Vögeln am Ewigen Meer konnten weitere Rotfußfalken in anderen Mooren Ostfriesland beobachtet und zum Teil auch fotografiert werden.

Den Bericht über diese Vögel findet ihr hier.

Ebenfalls im Mai hörte ich am frühen Abend und noch im prallen Sonnenlicht den Gesang eines Ziegenmelkers, der sich nur wenige Dutzend Meter von mir entfernt aufhalten musste. Ich fand den Vogel auf einem liegenden Birkenstamm, doch leider flog er auf, bevor ich ein Belegfoto machen konnte.

Sein Lebensraum am Rand des Moores sah zum Zeitpunkt des Laubaustriebs so aus:



habitat of Nightjar

Die gezielte Nachsuche am folgenden Tag erbrachte ein weiteres Individuum, das ich erfreulicherweise entdeckte, bevor es sich aus dem Staub machen konnte:

male European Nightjar

Im Laufe der folgenden Wochen gelang mir der Nachweis von insgesamt vier Revieren dieser nachtaktiven Vogelart in den Mooren am Ewigen Meer.

Gleichzeitig konnte diese Art in diesem Gebiet zum ersten Mal seit etwa 40 Jahren als wahrscheinlicher Brutvogel nachgewiesen werden. Zurückzuführen ist diese lange Abwesenheit aber wohl auch auf fehlende Kontrollen in den Jahren davor. Neben der Knoblauchkröte war der Ziegenmelker wohl mein persönliches Highlight des Jahres 2016.

Warum das so ist, könnt ihr hier nachlesen.

Im Juni passierte nichts Aufregendes. Und auch im Juli sah es kaum anders aus, doch immerhin konnte ich zum ersten Mal in meinem Leben den geilen Spiegelfleck-Dickkopffalter auch am Ewigen Meer nachweisen.

Zuvor hatte ich diesen hübschen Falter immer nur im Collrunger Moor feststellen können.

Ein Bild vom Schönling:









Large Chequered Skipper

Erwähnenswert ist bestimmt noch die Blüte der inzwischen so verdammt seltenen Moorlilie am selben Ort:


beautiful Bog Asphodel

Diese und weitere Bilder findet ihr in meinem Bericht über das Rotbraune Ochsenaugehier.

Ebenfalls noch im Juli bemerkte ich die ständige Anwesenheit des Eisvogels an einem bestimmten Bereich des Moores. Ich ging von einem einzelnen Vogel aus, doch später, beim Fotografieren aus dem Versteck heraus, stellte ich fest, dass sich dort mehrere Individuen die Klinke in die Hand gaben.

Mein Tarnzelt am Rande der Wasserfläche:



my hide in a bog near Aurich – waiting for the Kingfisher

Hier ein erster Vogel:

Kingfisher

Ein zweiter, der wahrscheinlich ein junges Männchen war:

different

Es war tatsächlich ein einziges Kommen und Gehen. Nicht eine Sekunde sollte Langeweile bei mir aufkommen. Mehrere Male posierten drei Eisvögel gleichzeitig vor meiner Kamera! Und immer wieder kam es zu kleineren und größeren Kabbeleien unter den verschiedenen Individuen.

Beute mit Salatbeilage:


Mein Tarnzelt stand dort mehrere Wochen.

Wie sich später herausstellen sollte, wäre es besser gewesen, es nach einigen Tagen wieder abzubauen.

Denn als ich an einem Nachmittag zu meinem Versteck zurückkehrte, war doch tatsächlich das Tarnnetz verschwunden. Jemand hatte es während meiner mehrstündigen Abwesenheit einfach mitgenommen. Und nach diesem Verlust habe ich das Moor auch nur noch ein einziges Mal in diesem Jahr besucht.

Doch zuvor hatte ich noch weitere Bilder vom Eisvogel gemacht. Das Shooting im Moor endete schließlich erst im August:

Bei meiner ersten Begegnung mit einem Eisvogel in diesem Moor hatte ich mich gefragt: Was essen die hier eigentlich?

Nach meinen Erfahrungen aus dem Collrunger Moor im Frühjahr ahnte ich bereits, dass es sich bei den Beutetieren um Neunstachlige Stichlinge handelte. Sehen konnte ich das aber erst aus dem Versteck heraus. Zuvor war nämlich die Distanz zu den Eisvögeln immer zu groß gewesen. Und ja, daneben wurden natürlich auch Libellenlarven und andere Wasserinsekten gefangen und aufgegessen.

Mehr Bilder vom Eisvogel findet ihr hier. 

Und hier.

Und schließlich auch hier.

Ein letztes Bild, diesmal von einem etwas zerfledderten Weibchen:



Und zu guter Letzt noch ein Foto von meinem Tarnzelt mit Netz:

my hide at the edge of the bog – few days later somebody stole my camouflage net

Liebes Tarnnetz, ich werde dich immer in guter Erinnerung behalten.

Du bist mir bis zuletzt ein guter Mitstreiter im Kampf um brauchbare Fotos gewesen. Nie hast du mich enttäuscht. Nie hast du widersprochen oder gejammert, wenn du mal wieder so unglaublich früh aufstehen musstest, um deinen Job zu erledigen. Und wenn doch, dann habe ich es überhört.

Wie schon so viele deiner Vorgänger hast du mich nicht freiwillig verlassen. Das weiß ich. Und ich hoffe, du zierst jetzt nicht so einen bescheuerten Hochsitz, so eine hölzerne Naturschutzeinrichtung, wie man sie hier in Ostfriesland überall finden kann, weil es so furchtbar viele Menschen gibt, die statt einer Kamera lieber eine Flinte in die Hand nehmen.

Diese Libelle sieht das genauso:


Western Clubtail

Das Bild zeigt meine erste Westliche Keiljungfer für Ostfriesland.

Gefunden habe ich sie unweit meines Tarnzeltes in einer Pfeifengrasfläche. Diese einst auf Westeuropa beschränkte Art dürfte aber schon seit vielen Jahren in Ostfriesland vorkommen. Um sie zu finden, hätte man sich einfach nur die Mühe machen müssen, zur richtigen Jahreszeit in Sandgrubengewässern, wie es sie um Aurich in großer Zahl gibt, nach ihr zu suchen.

Das habe ich aber nie getan.

Umso größer war meine Freude, ihr total überraschend in einem Moor zu begegnen! Ich gehe davon aus, dass sich das Tier einfach nur verflogen hatte.

Eine weitere Libelle brachte sich im September ins Gespräch:



Common Darter

Es ist die Große Heidelibelle.

Im Nordwesten unserer Republik sollte eigentlich die sehr ähnliche Gemeine Heidelibelle das Zepter schwingen. Das hatte man mir zumindest mal erzählt, und die Verbreitungskarte in einem Buch über die Libellen des Weser-Ems-Gebietes bestätigte das eindrucksvoll.

Doch das Buch ist alt. Und in der Zwischenzeit kann viel passiert sein. Auch Libellen können unter günstigen Voraussetzungen ihr Areal ausdehnen. Trotzdem muss offen bleiben, ob die unglaublich vielen Großen Heidelibellen, die ich bei starkem Ostwind und erstaunlich hohen Temperaturen am Diekskiel in der Krummhörn beobachten konnte, aus Ostfriesland stammten oder aus einem anderen, vielleicht sogar ferneren Teil unseres Landes.

Fakt ist aber auch, dass ich diese Art später noch an anderen Orten beobachten konnte. Sogar auf meinem Balkon!

Einen Bericht über diese interessante Spezies gibt's hier.

Mit dem Bild eines jungen Alpenstrandläufers möchte ich diesen Jahresrückblick abschließen: 

Dunlin

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass die attraktive Kreuzotter hier und jetzt nicht ein einziges Mal zu Wort gekommen ist.

Sie ziert aber seit Jahren den Titel dieses Blogs. Und mehr kann man als Schlange einfach nicht erreichen!

Und wie schon oben geschrieben: wenn Spekulatius und Christstollen, dann Jahresende:

lecker Christstollen

Selbst gebacken!