wilde perspektiven

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Freitag, 21. Juli 2017

Über den kleinen Schillerfalter und einen weiteren Überraschungsgast in Aurich und so weiter

Verschiedener könnten sie kaum sein.

Heute geht es um zwei Falter, die ich in meinem Leben jeweils nur wenige Male in Norddeutschland gesehen hatte.

Bis zum vergangenen Wochenende.

Der eine ist klein und gehört zu den Bläulingen, der andere ist wie Admiral und Tagpfauenauge ein Edelfalter und von beachtlicher Größe.

Am letzten Samstag (15. Juli 2017) besuchte ich nach langer Zeit mal wieder den Egelser Wald, der sich am östlichen Rand der Stadt Aurich befindet und sich bei vielen Menschen, vor allem bei Hundebesitzern, großer Beliebtheit erfreut. 

Im Gegensatz zum Ihlower Forst dominiert hier nicht mit der Rotbuche eine einzige Baum-Art. Der Egelser Wald ist ein vielseitiger Mischwald, in dem sich Laub- und Nadelbäume in etwa die Waage halten.

Ja, ich hatte es mal wieder auf den Großen Schillerfalter abgesehen. Es kribbelte in meinen Fingern, als ich mich am frühen Morgen ins Auto setzte und auf den Weg machte. Kühl war es, auf den Feldern und Wiesen der Drei-Meere-Niederung stand noch der Dunst der vorausgegangenen Nacht. 

Als ich den Egelser Wald erreichte, war es bereits sonnig und deutlich wärmer. Ich parkte nicht auf dem Hauptparkplatz, sondern auf einem kleineren und wenig besuchten in der Nähe von Wiesens. Mein Hab und Gut, Kamera, Stativ, Fernglas und Wasserpulle, hatte ich schnell geschnürt, sodass ich bereits wenige Sekunden nach meiner Ankunft saftigen und dunklen Waldboden betrat.

Aaaah:

Nach etwa 200 Metern fand ich in einem Brennnesselgestrüpp am Wegesrand die Puppe eines Landkärtchens, die ich aber wegen des mangelnden Lichts an dieser noch schattigen Stelle nicht fotografieren konnte. 

Ich ging also weiter und bog an der ersten Wegekreuzung nach links ab. In der Ferne sah ich eine Lichtung, die bereits von der Sonne erhellt wurde. Als ich dann nur noch etwa 150 Meter von dieser Lichtung entfernt war, flatterte dort plötzlich ein orangefarbener Schmetterling im bunten Morgenlicht herum.

Ein C-Falter, so dachte ich, doch erschien mir das Tier irgendwie zu groß. Ich hob mein Fernglas an und war wirklich baff. Denn da jettete ein Kaisermantel über die Lichtung, erst nach rechts, dann wieder nach links!

Ich presste mein Fernglas gegen die Brust und spurtete los. Für die Strecke benötigte ich eine Zeit, wie sie ein ehrlicher Carl Lewis nicht einmal auf dem Höhepunkt seiner ganzen Karriere gepackt hätte. Bei meiner Ankunft keuchte ich ein wenig, Blut troff aus meiner Lunge, doch immerhin war der Kaisermantel noch da. 

Und jetzt landete er sogar in einer Birke. Ohne den Blick von ihm abzuwenden, kramte ich meine Kamera aus dem Rucksack.

Wenig später hatte ich den prächtigen Falter im Kasten:

male Silver-washed Fritillary

Er flog auf und hinauf in die Baumkronen. Zwei weitere Individuen, die ich zuvor gar nicht gesehen hatte, folgten ihm. 

Und dann waren da plötzlich sogar fünf Kaisermäntel gleichzeitig in der Luft! Am Ende stellte ich fest, dass es noch mehr Falter gewesen sein mussten, denn wenig später tauchte ein Männchen auf, dessen rechter Hinterflügel nahezu komplett fehlte. Die ersten fünf Individuen aber waren völlig unversehrt gewesen. Man kann davon ausgehen, dass sich nie alle Tiere gleichzeitig auf dieser Lichtung aufgehalten haben. Die Kaisermäntel flogen auch immer wieder in den Wald hinein oder die Wege entlang, sodass sie sich wenigstens vorübergehend meinen Blicken entziehen konnten.

Meine später zu Hause durchgeführte Fotorecherche brachte als Ergebnis mindestens sieben verschiedene Individuen, die ich leicht anhand ihrer Flügelzeichnung voneinander abgrenzen konnte. 

Jedes Tier hat nämlich seine individuellen Merkmale.

Das Schild auf dem folgenden Bild steht am Rande dieser Lichtung, die eigentlich nur eine Wegekreuzung ist:

Was bedeutet wohl der weiße Pfeil auf grünem Grund, fragte ich mich in Gedanken.

An dieser Kreuzung hat man, wie im Falle aller Kreuzungen auf dieser Welt, die Qual der Wahl. Man kann sich für vier verschiedene Richtungen entscheiden. Man kann aber auch bleiben und sich an Kaisermänteln und anderen Schmetterlingen erfreuen. 

Am Ende sollte dieses Schild zweckentfremdet werden und doch noch einen Sinn bekommen.

Doch dazu später mehr.

Ein paar Tage zuvor, am späten Nachmittag des 14. Juli 2017, irrte ich hänselundgretelmäßig durch den finsteren Ihlower Forst. In der Nähe des Ihlowerfehnkanals. also unweit des Waldrandes, entdeckte ich auf dem Boden einen kleinen Bläuling, der sich sonnte, obwohl er sich im tiefsten Schatten befand. 

Es war ein weiblicher Blauer Eichenzipfelfalter:

female Purple Hairstreak

Das arme Tier hatte einen Schlupffehler und konnte nicht fliegen.

Nicht der ausgefranste Flügelhinterrand ist gemeint, sondern eine leichte Fehlstellung des rechten Vorderflügels, die man auf dem Bild so nicht erkennen kann. Ansonsten wirkte der Eichenzipfelfalter aber kerngesund. Ich setzte ihn auf den Stamm eines Bergahorns und schoss einige Bilder in der Abendsonne. Danach wünschte ich ihm viel Glück fürs Leben, wohl wissend, dass das kaum ausreichen würde.

Beide Arten, Kaisermantel und Eichenzipfelfalter, hatte ich zurvor nur ganz wenige Male in meinem Leben gesehen!

Die einzige Beobachtung eines Blauen Eichenzipfelfalters war mir vor vielen Jahren in der Wallenhorster Bauernschaft Barlage (Kreis Osnabrück) gelungen. Vielleicht in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals fand ich ebenfalls ein flugunfähiges Weibchen mitten auf der Straße, ganz in der Nähe eines Modellflugplatzes. Eine Kamera hatte ich noch nicht, ich kann euch also keine Bilder zeigen. Möglicherweise war das Tier kurz vor meiner Entdeckung mit einem Auto kollidiert.

Danach sollte mir diese Art nie wieder begegnen.

Eben bis zum 14. Juli 2017!

Ähnlich verhält es sich mit dem Kaisermantel. Doch immerhin konnte ich ihn gleich dreimal in Bramsche (ebenfalls Landkreis Osnabrück) feststellen. Ein abgeflogenes Weibchen präsentierte sich mir auf dem Flugplatz Achmer, und zwei Männchen, die kaum noch als Kaisermäntel zu erkennen waren, fand ich im Gehn. Alle drei Individuen hatten dem Anschein nach schon eine beachtliche Strecke zurückgelegt und stammten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht aus der näheren Umgebung. Die Art ist bekannt dafür, dass sie gelegentlich bis sehr selten auch außerhalb ihres Areals auftritt.

So muss es auch in Ostfriesland vor der Gründung der Population im Egelser Wald gewesen sein. Ansonsten ist dieser imposante Falter in den meisten Regionen Deutschlands alles andere als eine Seltenheit. Vor allem südlich einer gedachten Linie, die vom Ruhrgebiet im Westen bis zum Harz im Osten reicht,  ist der Kaisermantel eine gängige Art, vor allem in Waldgebieten. Das bedeutet aber auch, dass sich die Auricher Population satte 250-300 Kilometer außerhalb des regulären Areals der Art befindet!

Wie es in den neuen Bundesländern aussieht, weiß ich nicht. Ich gehe aber davon aus, dass er zum Beispiel in westsächsischen Städtchen wie Mittelbach, Limbach-Oberfrohna und vor allem Werdau auch schon mal den einen oder anderen Hausgarten besucht ;-)

Anders verhält es sich mit dem Blauen Eichenzipfelfalter. Der wandert kaum, gilt aber innerhalb seines Verbreitungsgebietes, das sich wohl quer über die ganze Republik erstreckt, als selten. Doch das ist eher seiner Lebensweise geschuldet, die sich zu einem beträchtlichen Teil in den Kronen mittelalter bis alter Eichen abspielt.

Ein attraktiver Moschusbock aus dem Collrunger Moor:




pretty female Musk Beetle 

Für mich war das erst die zweite Begegenung mit dieser streng geschützten Art in Ostfriesland.

Die erste war mir ebenfalls in Brockzetel gelungen, allerdings schon vor mindestens sieben Jahren. Das gezeigte Tier ist wegen der verhältnismäßig kurzen Antennen ein Weibchen. An diesem Tag konnte ich noch zwei weitere Individuen im Collrunger Moor entdecken. Gleich drei Möschusböcke an einem Tag, das war für mich ein persönlicher Rekord!

Der elegante Käfer mit dem hübschen Metallglanz ist für mich kein Unbekannter. In meiner alten Heimat sah ich ihn auf dem Flugplatz Achmer nahezu alljährlich, meist in der Mittagszeit und bei der Nahrungssuche auf den Blütenständen der Wilden Möhre. Als Halbstarker hatte ich mal einen Moschusbock in meine Brotdose gepackt, weil ich ihn jemandem zeigen wollte. Damit er nicht umkam, hatte ich den Deckel nicht komplett verschlossen. Später entließ ich ihn wieder in die Wildnis. Nicht erst in diesem Augenblick bemerkte ich den intensiven Moschusduft, den das Tier verströmte. Meiner Brotdose, die ich übrigens noch heute besitze, sollte dieser Duft noch eine ganze Weile anhaften.

Aromia moschata lautet entsprechend auch sein wohlklingender wissenschaftlicher Name.

Der Moschusbock ist nicht häufig. Weil der Mensch in Deutschland Wert auf Sauberkeit und Ordnung legt und diese Eigenschaften auch von der Natur einfordert, mussten in der Vergangenheit alte und kranke Bäume immer wieder weichen. Im Rahmen der Flurbereinigung sogar gleich ganze Gehölze. Die Larven des Moschusbocks leben aber im Holz genau dieser Bäume. Für die Eiablage bevorzugt das Weibchen nämlich vor allem Weiden und Pappeln, die bereits aus anderen Gründen vorgeschädigt sind. 

Leider nur dieses eine Bild konnte ich von der Moschusböckin machen, da öffnete sie bereits die Flügeldecken und rauschte etwas schwerfällig davon. Trotzdem schön, dass ich auch diesen tollen Käfer endlich mal hier zeigen kann.


Ich war mir sicher, die Kaisermäntel aus dem Egelser Wald waren dort auch aus der Puppe geschlüpft. Fünf Falter auf einmal (das war noch der Stand, als ich mich vor Ort befand), noch dazu in diesem frischen Zustand, konnten nicht aus einer entfernten Region zugeflogen sein. Die Bestätigung sollte ich noch am selben Tag bekommen. Ich saß gerade auf dem Boden, weil die Stadt Aurich kein Geld für Sitzbänke an ausgefallenen Orten hat, als ein Radfahrer sich der Kreuzung näherte, in Begleitung eines süßen, leider aber auch ein bisschen ängstlichen Irish Setters.

Weil da mein Stativ mitten im Weg herumstand, kombinierte der Mann scharf und schlüssig: "Na, was machen Sie denn da? Fotos vom Wald?"

"Nein", antwortete ich höflich, "von Schmetterlingen."

Seine Replik war dann doch eine große Überraschung für mich: "Etwa vom Kaisermantel?"

Ich war zuvor schon einige Male angesprochen worden. Zwei ältere Damen hatten z. B. geflachst: "Warten Sie auf die Royals?"

Ich glaube, Prinz William und seine Kate waren gerade auf dem Weg nach Deutschland.

"Was soll ich denn mit denen? Sind Sie etwa nicht königlich genug?" gab ich spontan zum Besten. Jetzt wollten es die beiden Damen genauer wissen, und ich erklärte ihnen, auf wessen Erscheinen ich so hartnäckig hoffte. Sie meinten schließlich, später im Netz nach dem Kaisermantel fahnden zu wollen, weil sie noch nie zuvor von diesem Falter gehört hätten.

"Machen Sie auf Ihrem Heimweg bitte nicht so einen Lärm mit Ihren Skistöcken. Sonst muss ich hier am Ende noch ewig warten", gab ich ihnen einen nicht ganz ernst gemeinten Ratschlag mit auf den Weg.

Sie lachten und stöckelten davon.

Der Mann mit dem Hund und dem Rad aber war so ganz anders. Er wusste, wovon er sprach. Jeden Tag, seit vielen Jahren, radelt er durchs Holz, um seine hübsche Setter-Hündin auszuführen. Früher, so meinte er, hätte er Schmetterlinge gesammelt. Die erste Begegnung mit dem Kaisermantel war ihm bereits 2015 gelungen. In diesem Jahr, vielleicht aber auch schon ein Jahr zuvor, musste sich also ein Falterpaar dort auf der Lichtung getroffen und gepaart oder ein bereits schwangeres Weibchen aus dem Süden dort eingefunden haben.

2016 sollen es dann schon deutlich mehr Individuen gewesen sein.

Weil der Mann sich auskannte, kann man davon ausgehen, dass alles seine Richtigkeit hat. Der Zeitpunkt der Gründung dieser Population weit außerhalb des eigentlichen Verbreitungsgebietes des Kaisermantels ist also ausgezeichnet dokumentiert, zumal der Mann gleich im ersten Jahr eine ganze Reihe von Belegfotos angefertigt hatte.

Aaaaah:






male Silver-washed Fritillary

Ooooh:









female

Ein zweites Weibchen (beachte Flügelzeichnung!):

another female (note different wing pattern) – this species has surprisingly founded a small population in a forest at the edge of Aurich in Ostfriesland. In 2015 the first individuals were seen and photographed by a local naturalist. Actually the Silver-washed Fritillary is distributed more southerly. In Germany it is a common species in the forested highlands south of regions like North Rhine-Westphalia. Before this population occured in Aurich, the Silver-washed Fritillary had been a very rare vagrant to the northwesternmost tip of Germany

Das erste Bild zeigt einen Kerl, dann folgen zwei verschiedene Weibchen.

Man kann gut erkennen, dass die Grundfarbe bei den Geschlechtern verschieden ist. Die Männchen sind dunkler und kräftiger gefärbt. Bezüglich der Zeichnung fallen beim Männchen sofort die vier länglichen Duftschuppenflecke auf jedem Vorderflügel auf, die bei der Balz eine wichtige Rolle spielen.

Sie fehlen dem Weibchen.

Die Pflanze, auf deren Bättern sich die Falter meist sonnten, ist das Drüsige Springkraut, das ursprünglich aus Asien stammt und wohl mal aus einem Garten ausgebüchst ist.

In Europa ist es innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer wahren Pest geworden, weil es ausnahmslos in dichten und großen Beständen wächst und so heimischen Pflanzenarten die Luft zum Atmen nimmt, bzw. den Raum zum Wachsen.

Vor allem aber Hummeln freuen sich über die nektarreichen Blüten, die ja durchaus auch sehr hübsch sind:


Bobby Tops

Im Egelser Wald und an vielen anderen Orten hier in Ostfriesland ist diese Blume zu einer ganz gewöhnlichen geworden.

In der Nähe der Kaisermantel-Lichtung schließt ein Bestand dieser Pflanze an einen des gelb blühenden Großen Springkrauts an.

Letzteres ist im Gegensatz zum Drüsigen Springkraut aber ein echter Europäer.




my second Slow Worm in Ostfriesland

Im Collrunger Moor sah ich am Samstagabend (15 Juli 2017) doch tatsächlich eine Blindschleiche!

Ich entdeckte sie mitten auf dem Weg, wirklich exakt, also bis auf den Quadratmeter genau, an jener Stelle, wo ich meine erste ostfriesische Blindschleiche gut eine Woche zuvor in die Freiheit entlassen hatte.

Weil auch dieses Tier hochschwanger war, ging ich davon aus, dass es sich um dasselbe Individuum handelte. Zur Sicherheit machte ich aber trotzdem ein paar Bilder, um die Tiere zu Hause miteinander vergleichen zu können. Die Gesichtszeichnung dieser Art entspricht in ihrer Einmaligkeit unserem Fingerabdruck. Das ist also auch vergleichbar mit der Flügelzeichnung bei Schmetterlingen.

Hier eine Gegenberstellung:

my very first Slow Worm since I moved to Ostfriesland for comparison. Note the different facial pattern which is as unique as our fingerprint

Es ist unglaublich, aber es sind tatsächlich zwei verschiedene Blindschleichen!

Jetzt kann ich also sagen, dass es im Collrunger Moor mindestens drei Blindschleichen geben muss. Sollten zwei verschiedene Männchen die Weibchen geschwängert haben, wären es sogar vier!

Kleiner Spaß.


Fast genau an jener Stelle, wo ich die Blindschleiche fand, stehen am Wegesrand drei etwa 40 bis 50 Jahre alte Stieleichen. Noch bevor ich die Blindschleiche entdeckte, bemerkte ich aus den Augenwinkeln heraus einige Bläulinge, die sich im Kronenbereich einer dieser Eichen kabbelten. Ich ahnte, um wen es sich handeln könnte.

Der prüfende Blick durchs Fernglas brachte dann auch die Bestätigung.

Es waren männliche Blaue Eichenzipfelfalter, die auf exponierten Zweigspitzen standen und dort Weibchen und Konkurrenten auflauerten:


perching male Purple Hairstreak – this species is often considered rare, but this impression is only the result of his hidden lifestyle in the canopy of different oak species. After being sensibilisized for this small butterfly I checked out the oaks at several different locations and surprisingly found many individuals at, for instance, Ems-Jade-Kanal and Collrunger Moor 

Nach diesem Fund suchte ich an weiteren Orten, z. B. am Ems-Jade-Kanal und auch in der Siedlung Brockzetel selbst. Überall wurde ich nach kurzer Zeit fündig!

Die Falter turnen mehr oder weniger ausschließlich in den obersten Etagen der Bäume herum. Weil sie so klein sind, fallen sie nicht auf. Nach Ebert (Schmetteringe Baden-Württembergs) sollen sie zweimal am Tag den Boden aufsuchen, am Vormittag und am Abend, doch leider konnte ich das bei den Auricher Zipfelfalter nicht beobachten.

Eigentlich sah ich sie zu jeder Tageszeit nur in den Baumkronen.

So auch dieses Männchen am Ems-Jade-Kanal:

different specimen

Vom Boden aus sehen die Flügel der Falter manchmal bläulich, meist aber nur braun aus.

Das hübsche Tiefblau kann man wie bei den Schillerfaltern der Gattung Apatura nur aus dem richtigen Winkel sehen. Anders als bei den meisten Bläulingen entsteht es durch Lichtbrechung, hervorgerufen durch winzige Luftkammern in den Flügelschuppen.

Deshalb ist der Blaue Eichenzipfelfalter für mich ein kleiner Schillerfalter, aber natürlich kein Kleiner Schillerfalter.

Ich hoffe doch nicht, dass ihr den hier erwartet habt.

Abschließend hier noch ein Weibchen vom Ems-Jade-Kanal:

another

Ein niedlicher Ameisenbuntkäfer krabbelte auf einem Holzstoß im Egelser Wald herum:







Ant Beetle

Diese winzige Art habe ich schon oft gesehen.

Und immer, wenn sie mir begegnet und ich sie mit bloßem Auge aus mehreren Metern Distanz sehe, muss ich zunächst an eine Rote Waldameise denken. Doch meist dämmert es mir nach wenigen Sekunden und ich erkenne den Käfer.

Der Ameisenbuntkäfer ist vor allem in Nadelwäldern sehr häufig. Er lebt "räuberisch" und jagt vor allem Borkenkäfer. Deshalb ist er beim Förster sehr beliebt. Auf seiner Suche nach Beute gerät der kleine Wicht leider auch immer wieder in diese mit Sexuallockstoffen bestückten Borkenkäferfallen, die in großer Zahl in den Forsten aufgehängt werden. Für einen Augenblick mag er sich wie im Schlaraffenland fühlen, so umgeben von ganz vielen leckeren Borkenkäfern, doch spätestens, wenn er sich satt gegessen hat, wird er bemerken, dass es für ihn kein Entrinnen gibt.

Ein C-Falter sonnte sich auf dem Schild, das ich oben bereits vorgestellt hatte:

Comma

Ein anderer streckte seine Flügel auf dem Blatt des Drüsigen Springkrauts aus:


same

Diese Art ist in Ostfriesland häufig.

Allein auf der Lichtung im Egelser Wald trieben sich mindestens zehn verschiedene Individuen herum. So konnte ich auch mehrere Weibchen gleichzeitig bei der Eiablage an Großer Brennnessel beobachten.

Ein weiterer:


second

Wenn sich diese Tiere mal nicht mit der lästigen Konkurrenz beschäftigen müssen, dann sonnen sie sich ausgiebig.

Oder aber sie nehmen Nahrung zu sich.

Neues Tier mit anderer Flügelzeichnung:

third

Als Tankstelle fungiert an der Wegekreuzung im Egelser Wald zurzeit ein größeres Brombeergebüsch:

Rubus sectio Rubus – blackberry species constitute a very important food source for so many insects including butterflies

Die Blüten von Brombeeren sind grundsätzlich sehr beliebt bei einer Vielzahl von Kleintieren. Und auch auf der Lichtung wimmelte es geradezu von Waldbrettspielen, Admiralen, Schornsteinfegern, Rostfarbigen Dickkopffaltern, Schwebfliegen, Honigbienen und Hummeln.

Nur ein einziges Mal konnte ich einen Kaisermantel, ein Weibchen, an einer anderen Pflanze saugend beobachten, und zwar an Gewöhnlichem Klettenkerbel. In den kommenden Wochen aber könnte für die Falter nahrungstechnisch ein Engpass entstehen, weil sich die Blütezeit der Brombeere ihrem Ende nähert.

Zumindest auf dieser Lichtung, die zum Zeitpunkt meines Besuches so aussah:



small clearing in the middle of Egelser Wald – habitat of both Purple Hairstreak and Silver-washed Fritillary

Hier war die Welt noch heil, denn es gab noch genug zu saugen:

male Silver-washed Fritillary 

Der Mann mit dem Rad und der wirklich sehr niedlichen Setterin versicherte mir, dass er die Kaisermäntel nahezu ausschließlich an dieser Lichtung innerhalb des Egelser Waldes beobachten konnte. Das kann ich bestätigen. Zwar flogen die Falter auch mal die Wege entlang, doch nach einer kurzen Zeit kehrten sie stets zurück zur Lichtung, die für sie wohl so eine Art Basislager darstellte.

Möglicherweise sind die Bedingungen für die Falter nur hier perfekt. Das Brombeergebüsch als ergiebige Nahrungsquelle und die Größe der Lichtung, die ausreichend Besonnung zulässt, spielen ihnen in die Karten, doch vielleicht gibt es auch nur in diesem Bereich des Waldes die für die Raupen so wichtigen Veilchen-Bestände.

Dieses sich sonnende Weibchen könnte meine Fragen beantworten:



female – accidently I've taken pictures of at least seven different individuals. Males and females which I could seperate from each other by their different wing pattern. For sure this population at Egelser Wald consists of more specimens, although I could see maximum only five specimens at the same time

Ein anderes oder dasselbe an Himbeere:

Ich unterhielt mich gerade wieder mit einem Hundebesitzer, also mit einem anderen, als es plötzlich kam, wie es kommen musste.

Da flog ein männlicher Kaisermantel mit einem Weibchen im Schlepptau direkt an uns vorbei!

Eine Paarung dieser Art war an diesem Tag die absolute Krönung:

mating

Das Licht war inwischen so grell geworden, dass ich auf Schwarzweiß umschwenken muss.

Während sich der Kerl während der Kopula ganz entspannt sonnte, befand sich das Weibchen offenbar im Dauerstress. Es fühlte sich in seiner Rolle als Gepäckstück nicht wirklich wohl. Immer wieder versuchte es wegzukrabbeln, was wiederum das Männchen mächtig störte.

Einige Male flog es auf, um nach kurzer Zeit wieder zu landen. Doch nie schien die Frau mit der Sitzwarte zufrieden zu sein.

Immer war sie am Nörgeln.

Bis – ja bis er schließlich den passenden Ort gefunden hatte.

Einen exponierten Ort, mit dem sich endlich auch Frau Kaisermantel anfreunden konnte:


Ich war begeistert, weil ich jetzt den Sinn des Schildes verstand!

Und während ich den beiden Faltern bei ihrem Liebesspiel zusah, fiel mein Blick für den Bruchteil einer Sekunde in den Kronenbereich einer der vier hohen Eichen, die an dieser Wegekreuzung stehen.

Es war kaum zu glauben, aber da oben zeigten sich gleich mehrere Blaue Eichenzipfelfalter!

Das Bild zeigt allerdings wieder das flugunfähige Weibchen aus dem Ihlower Forst.

Der Hundebesitzer, er war das Herrchen eines kleinen Mischlings, den ich in der Aufregung kaum mehr wahrgenommen hatte, war längst verschwunden. Wahrscheinlich hatte er mich für verrückt gehalten, wenigstens aber für seltsam.

Doch wen kümmert's?

Aaah, herrlich, die wärmende Morgensonne, so dachte dieses dritte Weibchen (wieder andere Flügelzeichnung!), tut so richtig gut:

Und da will man mal in Ruhe enzspannen, dachte es wohl weiter, und schon kommt da wieder so ein lästiger Möchtegern-Casanova angeflattert:

Zu einer Kopula kam es hier allerdings nicht.

Das Weibchen senkte die Flügel und hob das Abdomen an. Das bedeutet bei vielen Tagfaltern: Ich will nicht!

Später suchte es einen anderen Ort auf, wo es mal für ein paar Minuten für sich sein und die Seele baumeln lassen konnte:

Etwas enttäuscht tat es ihm das Männchen gleich:


Dieses Männchen ist übrigens auch nicht identisch mit dem oben gezeigten (das Tier in Dorsalansicht).

Und hier noch ein dritter Kerl, abermals anhand seiner Flügelzeichnung identifiziert:

Wie bereits oben geschrieben: Wenn ich in kurzer Zeit rein zufällig bereits mindestens sieben verschiedene Individuen fotografiert habe, dann sollte die Zahl der Tiere doch deutlich höher sein, als zunächst von mir eingeschätzt. Ihr könnt es selbst ausprobieren, die Bilder (legal) herunterladen, nebeneinanderstellen und miteinander vergleichen. Die dunklen Markierungen am Flügelvorderrand reichen zu diesem Zweck völlig aus.

Die übrigen Fotos taugen in dieser Hinsicht leider nichts.


Wie die Raupen fast aller in Deutschland heimischen Perlmutterfalter ernähren sich auch jene des Kaisermantels von verschiedenen Veilchen-Arten.

Welches Veilchen im Egelser Wald vorkommt und die Nahrungsgrundlage der Kaisermantel-Raupen bildet, ist mir (noch) nicht bekannt. Immerhin konnte ich im letzten Jahr im nicht allzu fernen Ihlower Forst entlang der Wege immer mal wieder kleine Bestände des Hainveilchens entdecken und fotografieren.

Vielleicht kommt diese Pflanze ja auch im Egelser Wald vor:

Common Dog-violet may be the main food source for the caterpillars of Silver-washed Fritillary at Egelser Wald

In diesem Jahr werde ich das aber bestimmt nicht mehr herausfinden.

Und überhaupt gab es für mich auf der kleinen Lichtung im Wald nun nichts mehr zu tun.

Also fuhr ich nach Hause.

Am darauffolgenden Sonntag besuchte ich noch einmal das Collrunger Moor.

Abermals gab es dort nach einer klaren Nacht schönen Bodennebel zu sehen. Und mit ihm eine ganze Armada aus Spinnennetzen im Pfeifengras:

Der Großteil dieser Netze stammt von der Gemeinen Streckerspinne.

Während ich ein Bld nach dem anderen machte, kamen plötzlich von rechts einige Graugänse angeflogen, als ob sie jemand bestellt hätte:



Greylag Goose

Natürlich hielt ich den Auslöser gedrückt.

Eine Zarte Rubinjungfer zeigte sich an diesem Morgen sehr kooperativ:

Small Red Damselfly

Viele im Gras ruhende Kleinlibellen und auch Schwarze Heidelibellen lassen sich, so hat es zumindest den Anschein, fallen, wenn man sich ihnen bei niedrigen Temperaturen vor oder kurz nach Sonnenaufgang nähert. Tatsächlich aber versuchen sie nur, sich aus dem Staub zu machen, also wegzufliegen. Doch das geht wegen des ausgekühlten Körpers natürlich nicht. Sie fallen dann einfach zu Boden.

Diese Rubinjungfer blieb Gott sei Dank einfach stehen.

Mit einem stimmungsvollen Bild aus dem Collrunger Moor möchte ich diesen Beitrag schließen:



Ich hoffe, er hat euch gefallen.

Und vielleicht werdet ihr euch schon mal gefragt haben, was es als nächstes in diesem Blog zu sehen geben wird. Das verstehe ich sehr gut, denn mir geht es nicht anders! Die meisten Beiträge entstehen nämlich quasi aus dem Nichts. Es gibt fast nie einen Plan, kein Drehbuch, absolut nichts ist vorbereitet. Umso mehr erstaunt es mich selbst, dass es im Outback immer wieder etwas zu entdecken gibt, worüber man beinahe im Wochenrhythmus berichten kann.

Blauer Eichenzipfelfalter und Kaisermantel sind nur zwei Beispiele von vielen!

Ach so, fast hätte ich es vergessen, einen Großen Schillerfalter habe ich im Egelser Wald leider nicht gefunden.