Sonntag, 3. Mai 2026

Das Große Zweiblatt und die Pelzige Erzschwebfliege, zwei neue Arten für den Rysumer Nacken

Moin Kinners

schon wieder ist fast ein ganzer Monat vergangen.

Ihr dürft nicht glauben, dass ich untätig war, und tatsächlich habe ich seit Anfang April viele Bilder geschossen, doch es muss natürlich auch eine gewisse Qualität vorhanden sein, wenn ich etwas in diesem weltbesten Naturblog aller Zeiten veröffentliche. 

Und ich denke, jetz ist es wieder an der Zeit, dass ich wieder was raushauen kann.

Heute nehme ich euch mit zum finstersten und vielleicht kühlsten Ort auf dem Rysumer Nacken und nur einen Augenblick später zum sonnigsten oder wenigstens vom Kleinklima verwöhntesten.  

Es mag unglaublich klingen, aber beide Orte befinden sich direkt nebeneinander, grenzen sogar direkt aneinander an. Man braucht nur wenige Meter zu gehen, und schon wird es entweder zappenduster oder eben megagrall, und je nachdem, welche Richtung man einschlägt, wird es entweder angenehm kühl oder eben bullenheiß.

Warum es sich so verhält, wird erst später verraten.  

Es gibt zwei Hauptdarsteller in diesem Beitrag, wie ihr am Titel bereits erkannt haben werdet.

Der erste ist das Große Zweiblatt

So sieht es aus:



Common Twayblade – in April I spotted a population of this Orchid for the very first time in a small and dense Birch wood at so called Rysumer Nacken (city of Emden)

Doch bevor ich so richtig loslege, gibt es wieder einmal ein paar Rätsel für euch zu lösen:


a mystery for you to solve. What does this image show? 

Was zeigt dieses Bild?

Und wer warf hier am 27. April seinen Schatten an eine verputzte Wand:


Wo's shadow is this? 

Rätsel Nummer drei:


who is that? 

Na, ihr kleinen Nichtsnutze, wer ist denn das wohl? 

Am Vormittag des 17. April betrat ich auf dem Rysumer Nacken echtes Neuland!

Das ist erstaunlich angesichts der Tatsache, dass ich mich bereits seit 17 Jahren dort herumtreibe.  

Ich wagte mich hinein in einen finsteren Birkenwald, ohne zu wissen, ob ich jemals wieder hinausfinden würde. No risk, no fun, so lautet aber grundsätzlich meine Devise, wenn ich der Natur im Outback auf den Zahn fühle. Man muss auch schon mal da hingehen, wo es wehtut. Und so schob ich bei jedem Schritt, den ich vorsichtig setzte, mit meinen Händen tausend vertrocknete, weil bereits abgestorbene Birkenzweige aus dem Weg, um zu verhindern, dass sie mir die Augen ausschlagen oder böswillig in die Ohren piksen. 

An diesem seltsamen Ort stehen die Birken so dicht beieinander, dass es von verhungerten Kümmerlingen, denen es im Laufe ihres erbärmlichen Lebens permanent an Licht gemangelt hat, nur so wimmelt.

Doch so ganz neu war dieses Gehölz jetzt auch wieder nicht für mich, wenn ich ehrlich sein soll, denn die eine Hälfte hatte ich bereits vor wenigen Jahren erkundet und dort ja auch das Rundblättrige Wintergrün gefunden. Und an diesem Tag war eben die zweite Hälfte, von der bereits untersuchten ersten durch einen Erdwall getrennt, an der Reihe. 

Und auch hier war fast der ganze Boden vom Wintergrün bedeckt: 




soil covered by Round-leaved Witergreen 

Überrascht hat mich das aber nicht. 

Überrascht haben mich aber Blätter dieser Pflanze, die aus der Distanz in einem Orange der Trikots der niederländischen  Fußballnationalmannschaft leuchteten. 

Ich sah sie mir genau an:


possibly Chrysomyxa pyrolata, a rust species, that is considered very rare in Germany

Gebracht hat es erst einmal nichts. 

Ich ging aber von einem Pilz aus, was sich im Rahmen meiner Anfrage in einem Forum auch bestätigte. Die Bilder zeigen einen Rostpilz, der auf oder in Wintergrün-Arten überwintert. 

Sein Name: Gelber Zapfenrost.  

Hauptwirt soll die Fichte sein, die aber kurioserweise gar nicht auf dem Rysumer Nacken vorkommt. Da Pilzsporen winzig sind, können sie aber viele Kilometer zurücklegen, vor allem an stürmischen Tagen, wie sie ja in Ostfriesland nicht selten vorkommen. Auffallend war, dass innerhalb des Pflanzenteppichs immer gleich ganze Gruppen des Rundblättrigen Wintergrüns vom Pilz befallen waren und nicht etwa nur einzelne Pflanzen. Die allermeisten Individuen zeigten aber keine leuchtenden Pusteln auf der Unterseite ihrer Blätter.

Im Detail:


close-up 

Gesetzt den Fall, es handelt sich hier wirklich um diesen Pilz, dann wäre das etwas ganz Besonderes, denn der Gelbe Zapfenrost gilt in Deutschland laut Roter Liste als vom Aussterben bedroht

Zum Vergleich eine gesunde Pflanze:


healthy specimen for comparison

Oh, was sehen meine alten Augen denn da:


my first Common Twayblade since years! 

Lange nicht gesehen und doch wiedererkannt, so dachte ich.  

Da stand doch glatt ganz unverkennbar das Große Zweiblatt vor mir auf dem Waldboden!

Alarm, so dachte ich, wo eine dieser Pflanzen wächst, da sollte es auch weitere geben. Und tatsächlich konnte ich an diesem denkwürdigen Tag innerhalb nur einer Stunde gleich 250 Individuen enttarnen. Mal standen sie separat und fielen sofort auf, mal mischten sie sich unter das Volk des Rundblättrigen Wintergrüns und verloren sich etwas im Blätterdickicht, das den Boden nahezu komplett bedeckt. 

Hier auch:


inconspicously among Round-leaved Wintergreen 

Im April bin ich sehr oft auf dem Ryumer Nacken gewesen. 

Und er war auch wieder da:



this likely male Red-necked Grebe returned to a pond at Rysumer Nacken this spring, although he did not manage to find a partner last year. Unfortunately in 2026 it does not look like the story is going to have a happy ending: not female popped up yet

Im vergangenen Jahr hatte dieser mutmaßlich männliche Rohalstaucher kein Weibchen abbekommen und deshalb auch keine Kinder gemacht. 

Der Rysumer Nacken liegt leider etwas abseits des geschlossenen Areals dieser tollen Art. Und es steht zu befürchten, dass sich das ganze Debakel in diesem Jahr wiederholt. Ganz anders als im Jahr 2025 singt der Vogel in diesem so gut wie gar nicht, und vielleicht hat er schon aufgegeben. Im Aprill sollte jeder Taucher dieser Welt längst verpaart sein. Ist er es nicht, hat er Pech gehabt. 

Schade, dass es nicht klappen will mit brütenden Rothalstauchern auf dem Rysumer Nacken. Es gibt dort nämlich gleich so einige geeignete Gewässer, die in ihrer Gesamtheit durchaus eine kleine Population beherbergen könnten. Doch wenn esin diesem Jahr nichts werden wird, wovon ich ausgehe, dann sehe ich auch schwarz für die Zukunft. 

Es folgen vier Fotos von einer niedlichen Listspinne:  





pretty Nursery Web Spider 

Gefunden habe ich sie am Rande einer Hecke auf dem Nacken.  

Über diese tolle Art und vor allem über ihr lustiges, ja eigentlich sogar listiges (Name!) Liebesleben hatte ich bereits 2017 einen ausführlichen und üppig illustrierten Bericht verfasst: klick!

Abermals Ackerschachtelhalm:


Field Horsetail 

Die Bilder, also auch jenes im letzten Beitrag, zeigen die fertilen Sprosse der Pflanze. 

Am 23. April kehrte ich an den Entdeckungsort des Großen Zweiblatts zurück:



Common Twayblade again 

Auf dem zweiten der beiden Fotos könnt ihr den soeben zwischen den großen und gerundeten Blättern hervorlugenden Blütenstand erkennen.  

Blühende Individuen fand ich an diesem Tag aber noch nicht. 

Das Große Zweiblatt galt lange als der Gattung Listera zugehörig; inzwischen hat man es aber den Nestwurzen der Gattung Neottia zugeordnet. 

Neu war diese Pflanze für mich übrigens nicht, als ich ihr überraschenderweise auf dem Rysumer Nacken begegnete, denn ich hatte bereits in meiner Kindheit ein Vorkommen in den Königstannen bei Hollage (Kreis Osnabrück) entdeckt. Dort wuchsen die Pflanzen unter alten Stieleichen, wenn ich mich recht erinnere. 

2009 stieß ich am Ems-Jade-Kanal bei Aurich-Brockzetel auf ein kleines Vorkommen, ebenfalls in einem Birkenwald, doch als ich Jahre später erneut hinfuhr, um endlich Bilder zu schießen, da scheiterte ich kläglich, denn es wollte mir nicht gelingen, den exakten Standort wiederzufinden. 

Umso größer war meine Freude also, dass ich jetzt in einem meiner Hauptbeobachtungsgebiete einen Erfolg verbuchen konnte! 

Viele der Pflanzen würden bald blühen, das war unschwer zu erkennen: 



almost blooming 

Aber keineswegs alle. 

Ob es mir am Ende gelungen ist, die prächtigen Blüten des Großen Zweiblattes vor die Linse zu bekommen?

Das erfahrt ihr später.

Ich benötigte jetzt nämlich ganz dringend etwas Licht und Wärme und verließ den tiefen Schatten. Und nur einen Augenblick später befand ich mich irgendwo im nordischen Süden. Im Norden deshalb, weil mich Birken umzingelten, im Süden, weil es plötzlich richtig heiß war. Und das, obwohl seit über einer Woche ein ganz fieser und eisiger Seewind blies. Und auch an diesem Tag wollte der nicht ein kleines bisschen nachgeben. 

Was so ein kleines Gehölz doch bewirken kann! 

Im Zusammenspiel mit dem sandigen Boden. 

Denn Sand kann Wärme nicht speichern und gibt sie umgehend wieder ab. Die Hitze kommt an so einem Ort und bei Sonnenschein also gleichzeitig von oben und von unten. Vielleicht habt ihr das auch schon einmal selber festgestellt, wenn ihr in einer Sandgrube wart oder in einem Dünental auf Juist oder Norderney.  

Und entsprechend dient der Bereich des Rysumer Nackens, an dem ich mich jetzt befand, ganz vielen Sonnenanbetern als Lebensraum. Neben vielen interessanten Hautflüglern – hier brütet auch die von mir erst vor wenigen Jahren entdeckte Heuschrecken-Sandwespe! – sind das eben auch Käfer und Fliegen.  

Ich stand einfach nur eine ganze Weile da und beobachtete das bunte Treiben um mich herum. Plötzlich fiel mir ein Tierchen auf, das ich auf die Schnelle nicht einordnen konnte. Und das ist immer ein gutes Zeichen! Es hatte die Färbung einer Rotpelzigen Sandbiene, die im Gebiet nicht selten fliegt, doch das Rätseltier war kleiner und flog auch anders. Es schwebte bisweilen auf der Stelle, vor allem dann, wenn es auf dem Boden landen wollte, gerade so, als sei eine Landung noch eine letzte Überlegung wert.

Ein Schweber, so dachte ich!  

Tatsächlich fühlte ich mich jetzt an das typische Verhalten eines Großen Wollschwebers erinnert, den ich allerdings noch nie in Ostfriesland gesehen hatte, der aber bestimmt bald hier auftauchen wird, denn den Landkreis Osnabrück hat er längst innerhalb weniger Jahre im Sturm erobert.

Endlich landete das Rätseltier und stand auf einem toten Blatt: 


male Cheilosia chrysocoma – second ever record for Ostfriesland! 

Es war eine Schwebfliege!

Und zwar eine Schwebfliege, die ich nicht kannte. Nun bin ich alles andere als ein Schwebfliegen-Gott, und tatsächlich kenne ich nur ganz wenige Arten beim Namen, doch gerade jene, die einen dichten Pelz tragen und hier in Ostfriesland vorkommen, sind mir schon bekannt. 

Die hier aber nicht!

Ich mach's kurz: Im Netz stieß ich rasch auf die Pelzige Erzschwebfliege, die nur selten in Norddeutschland gefunden wird. Trotzdem handelte es sich im Falle dieser Entdeckung nicht um einen Erstnachweis für Ostfriesland, denn schon am 22. April 2018 hatte Jens-Hermann Stuke (Leer) zwei Männchen im Ihlower Forst beobachtet. 

Ein Zweitnachweis ist aber auch okay, wenn ich ehrlich sein soll. 

Das Vorkommen auf dem Rysumer Nacken dürfte nicht so ganz neu sein, denn dafür sah ich einfach zu viele Individuen. Am 23. April waren es mindestens 24! Auch zwei Paarungen konnte ich beobachten, die blitzschnell im Flug absolviert wurden. Die Männchen hielten sich eigentlich ausschließlich am Boden auf und standen dort auf liegenden Blättern oder Halmen herum, um von dort aus den Luftraum im Auge zu behalten. Und sie flogen wirklich jedem Rock hinterher und machten keinen Unterschied zwischen einem Waldbrettspiel und einer Wespenbiene!  Weil sie so unglaublich unruhig waren und permanent den Ort wechselten, stellte die Fotografie in ihrem Fall eine echte Herausforderung dar. 

Ich weiß leider nicht, wo sich das naheste Vorkommen innerhalb Deutschlands befindet – vom Ihlower Forst einmal abgesehen –, aber eine Herkunft aus den Niederlanden erscheint mir ebenfalls erwägenswert. 

Die Verbreitung der Pelzigen Erzschwebfliege sieht dort so aus: 


current distribution of Cheilosia chrysocoma in the Netherlands with a higher number of records in the Northeast of the country. The green arrow marks the population, that I found at Rysumer Nacken. You can see, there are populations not too far away from mine in the provinces of Groningen and Drenthe (many thanks to waarneming.nl, observation.org, and obsidentify for giving me the permission to use their distribution map here in this post)

Ihr seht, die Art wird auch in den Niederlanden nicht oft gefunden. 

Eine Häufung der Nachweise ist im Grenzbereich der Provinzen Groningen und Drenthe zu verzeichnen, und möglicherweise stammen die Gründer meiner Population (grüner Pfeil!) von dort. Allerdings gilt es zu bedenken, dass Verbreitungskarten nicht immer die tatsächliche Verbreitung von Tieren und Pflanzen widerspiegeln, sondern nicht selten die Wohn- und Aktivitätsorte guter Beobachter, die einfach viel finden und dokumentieren.  

Ich kenne das von mir selbst. 

Apfelblüte auf dem Rysumer Nacken: 


blooming Apple 

Am 27. April fand ich einen leider geplätteten Goldlaufkäfer auf einem Weg des Rysumer Nacken: 


road-killed Golden Ground Beetle 

Der Rysumer Nacken ist bis heute das einzige Gebiet in Ostfriesland, wo ich diesen hübschen Käfer nachweisen konnte. 

Doch damit nicht genug: Alle Nachweise gelangen mir innerhalb des Gebietes exakt auf ein und demselben Weg, der auf der einen Seite von einer riesigen Schilffläche und auf der anderen von einem Acker begleitet wird. Seit 2010 habe ich den Goldlaufkäfer alljährlich dort beobachten können, manchmal lebend, meistens aber leider von Fußgängern, Radfahrern und PKW getötet. 

Auf Naturgucker.de fehlte die Art großräumig im äußeren Nordwesten der Republik, wären da nicht der Rysumer Nacken und ich.

Noch ruhende Landkärtchen am frühen Morgen des 24. April irgendwo auf dem Nacken: 


Map, still resting after a cold night 

Eine Ölkäfer-Dame schleppte sich drei Tage später mühselig über einen geschotterten Weg:

female Meloe proscarabaeus looking for a suitable place to deposit her eggs

Es folgt das Bild von einem Schild, das mir am 30. April Tränen der Freude in die Augen getrieben hat, so sehr musste ich bei seinem Anblick lachen:


caution, Brown-tail Moth's caterpillars are around! This sign had been set up by the officials, BUT they only panic the people with an action like this one. I only spotted very few silken tents, where the caterpillars hide at a young stage, so the population must be very small and therefore can't be hazardious for hikers

Statt es über dem Mülleimer anzubringen, hätte man es besser gleich hineingeworfen. 

Es wird vor den Raupen des Goldafter gewarnt, deren Haare tatsächlich Hautirritationen bei uns Menschen hervorrufen können. Und angeblich muss man nicht einmal direkten Kontakt mit einer solchen Raupe haben, um in den Genuss eines blöden Juckreizes zu kommen, denn die Haare dieser Tiere fliegen, ähnlich wie jene des bekannteren Eichen-Prozessionspinners, auch durch die Luft. Vor allem dann, wenn es zu einem Massenauftreten dieser Art kommt, soll Vorsicht angebracht sein, doch von so einem Massenauftreten kann auf dem Rysumer Nacken zurzeit überhaupt nicht die Rede sein!

Gerade mal fünf Gespinste konnte ich finden! Und die Sanddornbüsche, von deren Blättern sich die Raupen ernähren, sind nach wie vor dicht belaubt.  

Vor ganz vielen Jahren habe ich tatsächlich mal so ein Massenauftreten der Raupe dieses Falters beobachten können. Und zwar auf der Helgoländer Düne! Alle Sanddorn-Büsche waren damals nahezu völlig blattlos, kahlgefressen von den Raupen. Und überall sah man die Gespinste derselben an den nackten Zweigen und Ästen, die mich an bleiche Leichentücher erinnerten. Setzte man sich auf eine Bank oder blieb einfach nur irgendwo auf der Düne stehen, dann krabbelten die Raupen an einem hoch. 

Es wimmelte wirklich überall von ihnen. 

Ein Szenario wie in einem Horrorstreifen. 

Doch natürlich nur für Zartbesaitete.  

Ich kann mich jedenfalls an keinen einzigen Vorfall erinnern, wo Menschen in irgendeiner Weise beeinträchtigt worden sind durch die Raupenhaare. Und ich habe dort wirklich viele Leute getroffen. Ja, es mag durchaus Allergiker geben, die unter solchen Umständen um ihre Gesundheit fürchten müssen, aber sie stellen die absolute Ausnahme dar. 

Ich fand den Massenauftritt der Raupen damals nicht ansatzweise beängsigend, obwohl ich Vielfachallergiker bin, dafür aber umso faszinierender oder einfach nur spektakulär, das weiß ich auch heute noch.

Und auch die damals auf der Düne rastenden Pirole und Kuckucke waren vom Naturereignis angetan, haben doch beide Spezies eine Schwäche für behaarte Schmetterlingsraupen. Die Pirole hoffte ich fotografieren zu können, und so versteckte ich mich ganz spontan unter meinem Tarnnetz im Sanddorn. Doch statt der gewünschten Vögel tauchte plötzlich eine männliche Samtkopf-Grasmücke vor mir auf. Und zwar so dicht, dass ich sie nicht einmal mehr scharfstellen konnte! 

Wie ein feuerndes Masachinengewehr knatterte sie mich an, nur um dann wieder im Gestrüpp abzutauchen.

Auf der Stelle verließ ich mein Versteck und informierte andere auf der Insel verweilende Beobachter per Telefon über die Anwesenheit des sehr seltenen Gastes, doch statt der Samtkopf-Grasmücke entdeckten wir zusammen wenig später am selben Ort Deutschlands erst zweite Wüstengrasmücke!

Die Samtkopf-Grasmücke wurde erst nach meiner Abreise wiederentdeckt und jetzt auch fotografiert. Diesmal auf dem so genannten Friedhof der Namenlosen, wo sie sogar sang. Als man mir das am Telefon mitteilte, war ich echt erleichtert, denn ich hasse nichts mehr als selten bei uns auftretende Vögel, die sich nicht fotografieren lassen wollen. 

Am 29. April hatten sich die Blütenstängel des Großen Zweiblattes schon deutlich gestreckt:  


almost blooming 

Zwei beisammen:


two specimen together 

Mit Bänderschnegge


with snail hiding underneath the leaf

Ein blühendes Individuum fand ich aber noch nicht, auch wenn es hier tatsächlich schon fast so weit war:


same 

Es ist jetzt an der Zeit, das erste Rätsel aufzulösen: 


first mystery has to be solved 

Im letzten Bericht hatte ich euch ja ausschweifend erzählt, dass ich mir neue Gummistiefel gekauft hatte. 

Gummistiefel der französichen Marke Aigle

Ich hatte sie mir gekauft, weil die günstigen Produkte, die man jederzeit in diversen Märkten gleich vor Ort erstehen kann und die ich zuvor mein ganzes Leben lang genutzt hatte, einfach nichts mehr taugen und spätestens nach drei Monaten brechen oder reißen. Wenn man aber alle paar Monate neue Gummistiefel kaufen muss, dann ist das nicht nur eine finanzielle Frage, sondern auch eine ökologische. 

Leider hat die Firma Aigle nicht halten können, was sie gar nicht verspricht. Schon nach sechs Wochen wurde ich nämlich eines Besseren belehrt. Ich zog mir gerade die Teile in der Leybucht aus, während sich gleichzeitig die Sonne vom verbrauchten Tag verabschiedete. Jetzt sah ich von oben aus ganz unten im Stiefel Licht brennen. Doch das konnte ja gar nicht sein, kann man doch als Sonne grundsätzlich nicht um die Ecke scheinen. 

Und ich ahnte auf der Stelle, dass meine schlimmsten Befürchtungen, wonach auch teure Gummistiefel keine Garantien geben können, eingetreten waren. Nach so kurzer Tragzeit. Und nach nur (geschätzten) 800 Kilometern. 

Die Aigle-Stiefel waren tatsächlich kaputt. Okay, nur einer von beiden zeigte einen kleinen Riss genau dort, wo sich Sohle und Schaft begegnen. Das sah fast wie eine Sollbruchstelle aus. Ich war echt deprimiert, doch nachdem ich zwanzigmal wütend gegen das rechte Vorderrad meines Wagens getreten und einem ahnungslosen E-Biker, der an mir vorbeifuhr, einen fetten Knüppel zwischen die Speichen geworfen hatte, kam mir die Erleuchtung!

Die Teile sind aus Naturkautschuk, so dachte ich, vielleicht kann man die flicken. 

Statt direkt nach Hause zu fahren, nahm ich spontan und gleichzeitig elektrisiert von meiner geilen Idee einen Umweg in Kauf und besuchte Nix wie hin in Pewsum. Das ist so ein Sonderpostenladen, der wirklich alles im Angebot und mich noch nie enttäuscht hat. Und natürlich hatte man dort auch Fahrradflickzeug im Sortiment. 

Ich freute mich schon diebisch auf die ganze Rettungsaktion, weil ich zumindest manchmal und so vom Gefühl her durch und durch Handwerker bin, und nur wenig später mutierte mein Ceranfeld auch schon zu einem OP-Tisch, grelle Strahlerbeleuchtung von der Decke inklusive. Ganz fest drückte ich den mit Vulkanisierflüssigkeit behandelten Flicken gegen den Stiefel, bis ich fast einen Krampf bekam. Und am Ende sah alles gut aus, das Ganze schien zu halten.  

Doch die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten, denn gleich am folgenden Tag, den ich wieder in der Leybucht verbrachte, fiel der Flicken nach nur hundert Metern vom Stiefel. Scheiße, das kann doch nicht wahr sein! Doch ich wäre nicht ich, wenn ich nicht ich wäre und permanent gute Ideen hätte. Es liegt am Kleber, so schlussfolgerte ich, ich werde es einfach anders machen. 

Anders machen müssen.  

Und schon lag der Stiefel wieder auf dem Herd. Diesmal ersetzte ich die abartige Vulkanisierflüssigkeit durch Sekundenkleber, den ich ebenfalls mal bei Nix wie hin gekauft hatte. Ich trug ihn beidseitig auf, also sowohl auf dem Flicken als auch auf dem Stiefel, und drückte und drückte, aber es wollte partout nicht zusammenwachsen, was meiner Meinung nach aber zusammengehörte. 

Dieses Scheißzeug, so dachte ich lebensnah, klebt nur dann, wenn es nicht kleben soll. Zum Beispiel zwischen zwei Fingern oder so. Ich will aber auch einräumen, dass ich wohl zu viel vom Kleber eingesetzt hatte, wovor in der Bedienungsanleitung ausdrücklich gewarnt wurde. 

Irgendwann hielt es aber doch. 

Und ja, es hält sogar bis heute! 

Mein geflickter Stiefel in seiner ganzen Pracht:  



first time in my life I repaired a rubber boot by using a bicycle repair kit. But first when I replaced the vulcanizing fluid by superglue it really worked out perfectly

Und was ist das:


not a Common Dendelion, but a new species: the notorious European Baobab Dendelion 

Ich schreib's euch: Es handelt sich hier um den Europäischen Affenbrotbaum- Löwenzahn!

Zum ersten Mal gesichtet und zum ersten Mal fotografiert.

Von mir! 

Leider war das Glück nur von kurzer Dauer, denn noch am selben Tag fiel dieses weltweit einzige Individuum einem geradezu klassischen Deutschen zum Opfer, der es als seine Pflicht sah, mindestens einmal pro Woche seinen Aufsitzmäher zu aktivieren. 

Es gibt einfach Zeitgenossen mit seltsamen Hobbys. 

So sieht übrigens ein normaler Löwenzahn aus: 


how a "normal" Dendelion looks like  

Auf einem schlanken Stängel ruht nur ein Blütenstand.  

Ja, wir befinden uns gerade in der Leybucht:


male Northern Wheatear 

Diesen männlichen Steinschmätzer fotografierte ich am 26. April ebenda. 

Und ohne Tarnzelt! 

Auf diesem Bauwerk:



in a vast open landscape even small structures or buildings or piles of whatever like this cattle trough attract Northern Wheatear  

Okay, er hat etwas zu essen bekommen, doch normal ist es trotzdem nicht, dass man adulte Steinschmätzer so leicht überzeugen kann, vor eine Linse zu treten.  

Das gilt eigentlich nur für den einen oder anderen Jungvogel auf dem Wegzug oder für Individuen auf Helgoland. 

Derselbe Vogel, jetzt aber eine halbe Stunde später und unter einer prallen Sonne:



same 

In einer weiten und offenen Landschaft können bereits kleine Bauwerke oder Erd- und Steinhaufen eine magische Anziehungskraft auf durchreisende Steinschmätzer ausüben.  

Im Falle dieser längst ausrangierten Viehtränke waren es gleich sieben Vögel, die sie als Ausguck für ihre Suche nach Beutetieren nutzten, doch nur dieser eine zeigte sich mir gegenüber so unglaublich vertrauensselig.

Und dieser Vogel war es auch, der seinen Schatten an die Wand geworfen hat, sodass jetzt auch das dritte Rätsel gelöst ist.  

Keiner mag Straßentauben:

anybody likes Feral Pigeon 

Was zeigt dieses Foto?

Eine Taube hinter einem Netz. 

Und das folgende?


Pigeon behind bars 

Je eine Taube hinter und vor einem aufgespannten Netz. 

Ein weiteres Foto:


smart pigeon realises there is a way to escape 

Hier sieht man eine kluge Taube hinter einem Netz auf ein großes Loch im selbigen zulaufen. 

Und jetzt folgt die Auflösung dieses besonders spannenden Rätsels:




to prevent pigeons from breeding underneath this bascule bridge at Neuwesteel people brought out a net many years ago. But this net is not complete, as you can see, and the birds do, what they want to do. But what actually happens to the bird's nests, when the bridge suddenly swings upward? I really have no idea 

Die Tauben brüten auf den Metallstreben unter einer Klappbrücke. 

In diesem Fall handelt es sich um die Klappbrücke des Norder Tiefs bei Norden-Neuwesteel, die sich am Rande der Leybucht befindet. Man hat alles gegeben, die Tauben vom Brüten unter der Brücke abzuhalten, doch irgendwie ist da was schiefgelaufen. Das unter der Brücke befestigte Netz weist große Löcher auf, und die klugen Tauben besitzen bekanntermaßen einen perfekt ausgeprägten Orientierungssinn. 

Es spielt also keine Rolle für sie, ob sich die Brücke gerade in der Waagerechten befindet oder in der Vertikalen, wie es hier der Fall ist, sie finden immer hinein und hinaus. Doch was passiert eigentlich mit den Nestern samt Nachwuchs, wenn die Brücke plötzlich angehoben wird?

Ich war übrigens der Einzige vor Ort, der die Not und Panik der Straßentauben bemerkte. Alle anderen behielten ausschließlich die zwei passierenden Boote und die Brücke selbst im Auge. Es handelte sich hier übrigens ausschließlich um Touristen vom Typus Homo faber, die wegen der hochgeklappten Brücke nicht weiterfahren konnten und deshalb umgehend ihre Fahrezuge verließen, um sich das Technikspektakel aus der Nähe anzusehen.  

Und so furchtbar oft sieht man es an diesem Ort auch gar nicht, dass die Brücke senkrecht steht. 

Ganz in der Nähe dieser Brücke fotografierte ich am 16. April diese niedliche Rindenspringspinne:  




Marpissa muscosa 

Und zwar auf der Borke einer Zitterpappel in einem Gehölz am Mahlbusen des Norder Tiefs.  

Nur wenige Meter davon entfernt fand ich gleich mehrere Rotgebänderte Blütenspanner, die freilich auf dem Mauerwerk eines Trafohäuschens nicht annähernd so gut getarnt waren, wie sie selber wohl dachten: 


pretty Double-striped Pug 

Wie hübsch, oder?

Ja, auch kleine und kleinste Falter können sehr oft mit einer sehr schönen Flügelzeichnung und -färbung protzen. Man muss nur nahe genug herangehen, wenn man es erkennen will.   

Ab Mitte Juli ist dieses Trafohäuschen übrigens ein ganz sicherer Kandidat für das Finden und Beobachten des viel größeren Roten Ordensbandes!

Es folgt eine weitere dicke Überraschung, entdeckt am 12. April am selben Gebäude: 


female Walnut Orb-weaver Spider guarding her egg-sac, which is very unsual in spring, as the fall would rather be the right time for breeding in this species

Eine weibliche Spaltenkreuzspinne bewachte ihren Eikokon! 

Dass die Kinder bei dieser verbreiteten Art bis ins Frühjahr hinein im Kokon verbleiben können, ist durchaus nicht neu, auch wenn sie ihn in der Regel schon im Herbst verlassen sollen. Dass aber die Mama zu dieser Jahreszeit noch neben dem Nest Wache schiebt, habe ich noch nie irgendwo gesehen oder gelesen. 

Noch sehr viel ungewöhnlicher wäre es allerdings, wenn die Dame diesen Kokon erst jetzt im April angelegt hätte, denn normalerweise ist der Herbst die richtige Zeit dafür. Letztendlich weiß ich aber nicht, was genau sich da an der Wand des Trafohäuschens abgespielt hat. 

Und nur einen Tag später war die Spinne auch schon verschwunden.   

So, nun wieder zurück zum Rysumer Nacken, wo ich bereits am 14. April einen männlichen Steinschmätzer fotografiert hatte:


another Wheatear photographed on another day in a different location  

Im allerletzten Abendlicht, also wirklich kurz vor Sonnenuntergang.  

Ein weiterer folgte genau zwei Wochen später und stand dort auf demselben Zaun:


another one two weeks later at the same location right after sunset 

In seinem Fall war die Sonne bereits abgetaucht.  

Es folgt eine alte Silberweide vom Nacken:  



two images of the same White Willow, taken under different light situations right before sunset 

Auch in ihrem Fall stand die Sonne schon sehr, sehr tief. 

Und im Falle des zweiten Bildes hatte sich auch noch eine dünne Wolke vor den Feuerball geschoben. 

Ein Wolf im Schafs- oder eine Fliege im Fuchspelz:  


male Cheilosia chrysocoma 

Sucht es euch doch selbst aus.

Auf jeden Fall sehr, sehr hübsch, das Tierchen! 

Als Pelzige Erzschwebfliege kann man verdammt gut fliegen, doch das Landen bereitet einem oft Probleme.  

Vor allem dann, wenn auf schmalen Halmen und Blättern gelandet wurde, kippte man schnell zur Seite hin weg. Also ging es sofort wieder hoch und dann auch wieder runter, um es erneut zu versuchen. Irgendwann hat es stets geklappt. 

Am zweiten Beobachtungstag sah ich "nur" noch etwa 18 Individuen, doch so richtig sicher kann man das gar nicht schreiben, weil man natürlich nie alle Individuen gleichzeitig sieht. Ich beobachtete innerhalb der windgschützten Fläche an drei verschiedenen Orten, die jeweils einige Dutzend Meter auseinanderlagen und für die Fliegen dem Anschein nach perfekte Lebensbedingungen boten, weil sie nach Süden ausgerichtet sind. Doch spätestens gegen 18:00 Uhr wurde der Vorhang zugezogen, denn dann tauchte die Sonne hinter den Wipfeln der Birken ab.  

Seht:




different males 

Wie ich bereits weiter oben geschrieben hatte, sah ich die Weibchen immer nur sehr kurz und stets erst dann, nachdem die Männchen sie entdeckt hatten. 

Fotos von ihnen gibt es auch deshalb nicht, weil ich die Damen nie habe stehen sehen. 

Immerhin gelang mir genau eine Aufnahme eines Männchens bei der Nahrungsaufnahme an einer Weidenblüte: 


even male Hoverflies have to eat something. In this case a specimen visited a bloomimg willow  

Und dabei sollte es auch bleiben. 

Dieses Bild gelang mir auch nur deshalb, weil diese Weide direkt neben der Balzarena stand. 

Die Pelzige Erzschwebfliege benötigt Doldenblütler in ihrem Lebensraum. Bis heute konnte vielleicht nur zweimal die Eiablage beobachtet werden, und in beiden Fällen haben die Weibchen zu diesem Zweck die Wald-Engelwurz ausgewählt. 

Im Dunstkreis der drei Balzplätze habe ich keine Doldengewächse finden können. Und ob die Wald-Engelwurz überhaupt auf dem Rysumer Nacken vorkommt, kann ich nicht mit Sicherheit schreiben. Immerhin gibt es dort Bestände der eigentlich selteneren Arznei-Engelwurz, doch ob diese Pflanze von der Pelzigen Erzschwebfliege als Kinderstube genutzt wird, muss leider offen bleiben. 

Grundsätzlich wird aber durchaus vermutet, dass neben der Wald-Engelwurz auch andere Doldengewächse für die Eiablage infrage kommen, doch welche das sein könnten, müssen andere Menschen herausfinden. 

Drei letzte Fotos von den Schönlingen, die eklige Dinge wie Aas oder auch Exkremente grundsätzlich meiden wie der Teufel angeblich das Weihwasser:




same 

Habt ihr es bemerkt? 

Nicht nur das letzte Bild zeigt die Fliege an Rundblättrigem Wintergrün!

Die Pelzige Erzschwebfliege ist eine Art des Frühjahrs. Wenn der Wettergott mitspielt, können erste Individuen bereits in den letzten Märztagen auftreten. Die Hauptflugzeit ist aber der April. Schon ab Anfang Mai nimmt die Zahl der noch lebenden Tiere deutlich ab, und im Juni kann man nur noch ausnahmsweise Einzelindividuen feststellen (Quelle: Waarneming.nl). 

Am drittletzten Tag des April war es endlich an der Zeit, dass ich auf die erste blühende Orchidee traf:


another Orchid 

Okay, diese noch nicht, aber jetzt: 

only one of approximately 250 specimen was blooming that day 

Es war das einzige blühende Exemplar an diesem Tag, alle anderen trödelten noch herum. 

Also schoss ich Bilder zu verschiedenen Tageszeiten und aus verschiedenen Perspektiven, um Vielfalt vorzutäuschen, die es an diesem Tag aber gar nicht gab. 

Bitte schön:




same 

Die kleinen grünen Blüten des Großen Zweiblatts sind natürlich alles andere als prächtig, obwohl ich das oben anders angedeutet hatte.

Doch das war nur ein Scherz. 

Selbst die Blüten der Breitblättrige Stendelwurz wirken im direkten Vergleich mit jenen des Großen Zweiblatts wie tropsch bunt.  

Weiter oben hatte ich darüber hinaus geschrieben, es sei im Birkengehölz zappenduster. 

Und jetzt habt ihr viele Bilder gesehen, auf denen man durchaus den Einfluss von direktem Sonnenlicht erkennen kann. Das liegt aber nur daran, dass der Laubaustrieb der Birken noch nicht abgschlossen war zum Zeitpunkt der hier präsentierten Aufnahmen. 

Neben dem ersten blühenden Großen Zweiblatt sah ich jetzt auch die ersten blühenden Individuen des Rundblättrigen Wintergrüns: 


blooming Round-leaved Wintergreen, photo taken already last year at the same spot 

Diese Aufnahme stammt aber aus dem Juni des vergangenen Jahres.  

Ihr dürft jetzt nicht traurig sein, aber es folgt das letzte Bild für heute:


last image for today 

Ihr seht, man kann Lichtstrahlen sichtbar machen. 

Das Große Zweiblatt, das möchte ich noch schnell loswerden, ist für mich schon die fünfte von mir sauber dokumentierte Orchideenart auf dem Rysumer Nacken! 

Nach Übersehenem Knabenkraut (als einzige Art nicht selber entdeckt!), Breitblättriger und Echter Stendelwurz sowie der äußerst hübschen Bienenragwurz kann ich also eine weitere Spezies hinzufügen. Das bedeutet aber nicht, dass es zurzeit fünf Orchideenarten auf dem Nacken zu bestaunen gibt! Denn die Echte Stendelwurz scheint nach nur wenigen Jahren wieder verschwunden zu sein. Jedenfalls habe ich sie seit einer Ewigkeit nicht mehr im Gebiet nachweisen können. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass sie nie wieder dort auftreten wird. 

Man muss im Falle solcher Arten einfach immer mit allem rechnen. 

Dasselbe gilt auch für die äußerst wankelmütige Bienenragwurz, deren Zahl auf dem Nacken im Vergleich mit dem Vorjahr eklatant abgenommen hat. Auch ihr Verschwinden erscheint mir durchaus möglich. Dass diese Orchidee jederzeit an geeigneten Orten, an denen sie nie zuvor beobachtet worden ist, auftauchen kann, ist ein bekanntes Phänomen und der Rysumer Nacken dafür ja auch ein sehr gutes Beispiel. Doch es ist ebenso kein Geheimnis, dass sie jederzeit und ohne erkennbaren Grund wieder abtauchen kann. 

Das ist halt so. 

Und so bleibt es doch auch immer spannend.  

Zusammenfassend lässt sich schreiben, dass die Vorkommen der beiden Titelhelden sicher bzw. sehr wahrscheinlich nicht neu sind. Vor allem im Falle des Großen Zweiblatts gehe ich davon aus, dass es dort schon seit Jahren vorkommen muss und ich es nur nicht entdeckt habe, weil ich mich nie in den finsteren Birkenwald getraut habe. So viele Individuen sollten sich nicht von heute auf morgen an einem bestimmten Ort ansiedeln können, und vielleicht taucht diese Population ja sogar schon im nicht mehr ganz frischen Verbreitungsatlas für Niedersachsen und Bremen auf, den ich allerdings nicht besitze. 

Bei der Erzschwebfliege könnte schon ein einzelnes trächtiges Weibchen für die Gründung einer neuen Population ausreichen. Und rein theoretisch könnte so ein trächtiges Weibchen erst vor ein oder zwei Jahren aus den Niederlanden zu mir nach Emden geflogen sein, um auf dem Rysumer Nacken seine Eierfracht abzulegen. 

Man weiß es nicht, und am Ende bleibt doch auch alles hypothetisch und deshalb fast sinnfrei. 

Aber ein bisschen herumspekulieren sollte doch trotzdem erlaubt sein. 

In diesem Sinne!

 

Es war einmal ...

... eine weibliche Ringdrossel, die im April 2024 ausgelassen vor meinem Fotoversteck posierte:


female Ring Ouzel posing in front of my hide in April 2024 

Über diesen Vogel gibt es einen separaten Beitrag in diesem Blog.

Wenn ihr also wissen möchtet, wie lange er in welchem Gebiet verweilte und zu welcher Tageszeit ich ihn abgelichtet habe, dann solltet ihr euch auch diesen Beitrag auf der Stelle ansehen: klick!

Zwei weitere Bilder:



same 

Etwa seit damals ziert dieser Vogel übrigens auch den Titel meines Blogs. 

Das Frühjahr 2026 ist übrigens bislang eher ringdrosselarm gewesen. Und viel wird sich auch nicht mehr daran ändern, weil der Ringdrosselmonat schlechthin, also der April, bereits Geschichte ist. Wenn ich mich recht erinnere, dann ist es für mich lediglich zu drei oder vier Begegnungen mit diesem Vogel gekommen, und zwar in der deichnahen Krummhört sowie auf dem Rysumer Nacken.

Immerhin: An das letzte Jahr ganz ohne Ringdrossel kann ich mich schon lange nicht mehr erinnern, denn bereits in meiner alten Heimat, dem Landkreis Osnabrück, hatte ich diesen interessanten Vogel alljährlich auf dem Heinmzug feststellen können. 

Auf dem Flugplatz Achmer und im Venner Moor.  

Ganz wichtiger Nachtrag: Vor einer Viertelstunde hat der glorreiche VfL Osnabrück den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft! 

Aber nicht etwa durch einen eigenen Sieg, sondern weil Rot-Weiß Essen seine Partie bei der Zwoten des VfB Stuttgart mit 1:6 verloren hat und den VfL deshalb nicht mehr einholen kann zwei Spieltage vor Saisonende! 

Ihr seht, nicht nur ich freue mich riesig über die Rückkehr ins Unterhaus des Oberhauses: 



Black-headed Gulls are celebrating the VfL Osnabrück. Since 15 minutes the club has won the champioship in Germany's third division and has risen into 2. Bundesliga   

Auch diese Lachmöwen in Norddeich flippten komplett aus!