Mittwoch, 8. April 2026

Bergpieper (Teil 10)

Moin Kinners,

über vier Wochen sind seit dem letzten Beitrag vergangen!

Ich schwör', ich bin permanent am Ball gewesen, doch der Wettergott war ein Arschloch. 

Und dagegen kann selbst ich nichts machen. 

Aber dazu später mehr.

Und ich habe mir Gummistiefel gekauft.

Ich habe mir Markengummistiefel gekauft.

Ich habe mir französische Markengummistiefel gekauft!

Und das, obwohl ich mich immer darüber lustig gemacht habe, wenn andere Menschen sich französische Markengummistiefel gekauft haben. 

Warum ich jetzt umschwenken musste und meine Jahrzehnte währende Meinung revidieren, auch das will ich euch heute verklickern, allerdings nicht gleich zu Beginn dieses Beitrages.  

Es muss doch auch spannend bleiben.  

Heute, das verrät bereits der Titel, geht es hier mal wieder um den Bergpieper.

Und dieser interessante wie auch sehr hübsche Vogel sieht so aus:




pretty male Water Pipit in breeding plumage is playing the main role today 

Kinners, wie die Zeit vergeht. 

Schon wieder ist ein ganzes Jahr vergangen!

Ich meine, meine Erinnerungen an die Aktionen in Sachen Bergpieper von vor einem Jahr hatten noch nicht einmal genügend Zeit, um auch nur ein bisschen zu verschwimmen.  

Seit dem 23 März 2026 habe ich mal wieder viele Stunden auf einer extensiv bewirtschafteten Kuhweide auf dem Rysumer Nacken (Stadt Emden) verbracht, um Bergpiepern im Prachkleid aufzulauern. Freilich ohne die bescheuerten Kühe, denn die stehen zurzeit noch im Stall und scharren dort mit ihren zweigeteilten Hufen, weil sie es nicht abwarten können, endlich frische Luft zu atmen. 

Seit diesem 23. März habe ich es etliche Male versucht. Ich habe immer wieder Bergpieper angefüttert, doch dann, wenn ich sie fotografieren wollte, spielte das Wetter verrückt. Auf einen sonnigen Tag folgten meist gleich mehrere mit bedecktem Himmel, oft sogar noch mit Regen und Sturm garniert. 

Mal ehrlich, Sturm, wer braucht dich eigentlich im Frühling? 

Erstmalig am 27. März hatte ich zwei hübsche Männchen angefüttert und auch schon an mein Tarnzelt gewöhnt, doch bereits am Nachmittag zog es zu, und am Abend  ging die Post ab. 

Es gab heftigste Schauer im Fünfminutentakt, und weil das die ganze Nacht über so weiterging, befürchtete ich am kommenden Morgen, als ich mich auf den Weg machte, Allerschlimmstes. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn der Bereich der Fläche, auf dem ich auf meiner Isomatte anliegen wollte, präsentierte sich mir jetzt komplett geflutet. Mein Tarnzelt stand knöcheltief im Wasser, die Mehlwürmer waren abgesoffen und vom Winde verweht und fortgetrieben worden.

Und die Bergpieper ganz woanders unterwegs.

Ein Albtraum!

Es folgte tagelanges Scheißwetter. Manchmal schien zwar die Sonne, aber nie um Sonnenaufgang herum, sondern ausschließlich in den Mittagsstunden. In den Mittagsstunden machen aber nur Menschen Fotos, die einen an der Klatsche haben. Ich meine, solche Bilder stellen ein Verbrechen an der Ästhetik dar. 

Echt jetzt mal. 

Erst am Karfreitag sollten mir passable Aufnahmen gelingen, nachdem ich einige Tage zuvor welche unter einem bedeckten Himmel geschossen hatte. Über 800 Fotos! Ich habe sie alle gelöscht, denn da war nicht ein einziges Mal auch nur der Hauch eines Lichtreflexes auf den Augen der Vögel zu sehen. 

Und ohne Lichtreflex, das geht einfach nicht! 

Reiherenten auf dem Störtebekerkanal bei Neuwesteel:



Tufted Duck at the beginning of March at Störtebekerkanal 

Aufgenommen an einem sehr schönen Morgen Anfang März.

Austreibender Teek:


marine debris is filled up with seed, that constitute an important food source for birds like Twite, Horned Lark, and Snow Bunting during the winter

Diese Bilder entstanden Mitte März in der Leybucht.

Wenn man sie sich ansieht, dann versteht man sofort, warum Vögel wie die Ohrenlerche, die Schneeammer und der Berghänfling magisch von angespültem Teek angezogen werden. Es wimmelt in ihm von Pflanzensamen, aber auch von kleinen Spinnen und Insekten

Über die genannten Vogelarten und die Spornammer gibt es in diesem Blog übrigens seit einigen Wochen einen gesonderten Bericht: klick! 

Am 1. März konnte ich den für mich ersten Brutnachweis des Kolkraben für die Krummhörn erbringen: 


for me the first ever breeding record of Raven in my area 

Auf dem Bild sind beide Altvögel zu sehen. 

Und beide Altvögel trugen in diesem Augenblick Nistmaterial im Schnabel. 

Es waren, wie eigentlich immer, die Rufe der Kolkraben, die mich zuvor auf ihre Spur gebracht hatten. Wären diese Biester nicht so stimmfreudig, bekäme ich wohl fast nie etwas von ihnen mit.

So oder so, viele Menschen hassen diesen größten Singvogel des Planeten, vor allem Nutztierhalter und Jäger. Vor einigen Wochen gab es im SWR einen interessanten Beitrag über den Kolkraben. Darin wurden spektakuläre Aufnahmen gezeigt, die eindrucksvoll belegten, dass er sehr wohl dazu in der Lage ist, bestimmte Nutztiere anzugreifen und zu töten, um sie dann aufzuessen. Ich selbst hatte solche Berichte, wie sie ja schon seit Jahrhunderten erzählt werden, auch immer für Schauermärchen gehalten, wenn ich ehrlich sein soll. 

Ferkel, Lämmer und Gänse waren in dieser Dokumentation die Opfer.  

Und natürlich wird von den erwähnten Interessenvertretern wieder eine Regulierung des Kolkrabenbestandes gefordert, wie ja auch im Falle so vieler anderer Tiere (Wolf, Kormoran, Wildgänse und so weiter), die diesen Menschen nicht in den Kram passen. Doch eigentlich zeigt die Natur hier nur ganz eindrucksvoll auf, dass viele Nutztiere ohne die schützende Hand des Menschen nicht überleben könnten. 

Und das Werkzeug der Natur ist in diesem Fall eben der Kolkrabe. 

Ich kann mir jedenfalls beim besten Willen nicht vorstellen, dass er auch gesunde Wildgänse attackieren würde, denn die flögen einfach weg. Und auch Wildschweinkinder wären keine leichte Beute, denn ihre Mutter würde auf der Stelle dazwischengehen und ihre Brut bis aufs Blut verteidigen, während Mama Hausschwein nicht einmal hinsieht, wenn der eigene Nachwuchs malträtiert wird.   

Tatsächlich ist doch das Züchten von Tieren, die absolut nichts mehr auf dem Kasten haben, die eigentliche Tierquälerei! "Moderne" Nutztiere sind darauf ausgelegt, es irgendwwie bis zur Schlachtreife zu packen, wozu braucht man da noch Instinkte oder natürliches Verhalten? Doch davon will natürlich keine Sau etwas wissen.  

Übrigens haben mich gleich mehrere Menschen unabhängig voneinander auf diesen Streifen aufmerksam gemacht. 

Ansehen könnt ihr ihn euch hier: klick! 

Es folgen erste Bergpieper-Bilder:



male Water Pipit  

Komm schon, mach den Hals noch länger:


same 

Diese Aufnahmen entstanden am Karfreitag kurz vor Sonnenaufgang. 

Wie auch die folgenden: 





same 

Bei diesem Individuum war sogar der Schnabel schon komplett umgefärbt und ganz schwarz!

In den allermeisten Fällen scheint sich dieses Umfärben aber erst im alpinen Brutgebiet abzuspielen, zeigt das Gros der Vögel doch auch jetzt noch einen teilweise gelblichen Schnabel, wie er für das Schlichtkleid so typisch ist (siehe unten). 

Hier blinzelte die Sonne bereits zu einem Sechzehntel über den noch dunstigen Horizont: 


later and with sun 

Wieder einen Augenblick später wurde das Licht schon sehr grell und weniger bunt:


same male 

Kinners, das Frühjahr ist die Zeit der Sandbienen

Und auf dem Rysumer Nacken, der ja quasi auf Sand gebaut ist, kommen gleich etliche Arten vor:


Andrena spec. 

Von diesen vielen Arten kann ich nur wenige ganz sicher bestimmen, das gezeigte Individuum gehört aber nicht dazu. 

Vielleicht handelt es sich hier aber um Andrena vaga, die Weidensandbiene. Das würde jedenfalls perfekt zum Lebensraum passen, gibt es doch auf dem Rysumer Nacken unendlich viele Weiden-Arten zu bestaunen. 

Entlang der Wege kann man zurzeit kopfstarke Kolonien dieser Tiere finden; da ist immer richtig was los. Summ-summ-summ, dumdiedumdidum und so weiter. Und wenn es kühl ist am Morgen, dann müssen sich die Bienchen erst einmal ausgiebig am Boden sonnen, um überhaupt auf Betriebstemperatur kommen und losfliegen zu können. 

Zwei zusammen:


likely A. vaga 

Achtung, hier wurde am 2. April kräftig geschuftet:


female Meloe proscarabaeus digging for egg-deposition

Mitten in einer Sandbienen-Kolonie. 

Alles ging wie in Zeitlupe über die Bühne. Und tatsächlich dürfte es auf dieser Erde kaum ein tranigeres Tier geben als den Schwarzblauen Ölkäfer. Mal buddelte die Dame hier, dann wieder da und wenig später abermals an einer anderen Stelle. Immer gaaanz langsam, also so richtig scharpingmäßig, wenn ihr versteht, was ich meine. Ob so ein Bau, in den die Weibchen ihre Eier ablegen, irgendwann mal fertig wird? 

Gesehen habe ich das noch nie. 

Ebenfalls seiner Lahmarschigkeit ist es zu verdanken, dass der Schwarzblaue Ölkäfer allfrühjährlich in großer Zahl dem Straßenverkehr zum Opfer fällt. Fliegen kann er nämlich nicht, und schnelles Laufen entspricht auch nicht seiner Kernkompetenz. Trotzdem geht er immer wieder das Risiko ein, Wege und Straßen entlangzulaufen oder zu überqueren. Selbst Radfahrer und Fußgänger plätten unzählige dieser interessanten Tiere, die auf das Vorkommen von Wildbienen angewiesen sind, um überleben zu können (siehe Wikipedia!). 

Ob es im Falle dieses Weibchens Absicht war, dass es für die Anlage seines Baues die Nähe zu den Sandbienen gesucht hat, halte ich aber für eher wenig plausibel, denn die erst im kommenden Frühjahr aus den Eiern schlüpfenden Larven suchen sich ihre Wirte auf den Blüten diverser Pflanzen, um dort einen Freiflug ins Bienennest zu buchen. 

Wenn ihr euch nicht regelmäßig eincremt, dann blüht euch das:


male Turkey with skin issue

Ich meine nicht etwa die Farben, sondern die Falten!

Dieser alte Truthahn fristet sein Dasein auf Hof Akkens, also zwischen Greetsiel und dem Pilsumer Leuchtturm und unweit des alten Deiches, der wegen des Baus des Leyhörn seinen direkten Kontakt mit Seewasser längst verloren hat.  

Am 21. März versuchte sich dieser Wanderfalke in den Salzwiesen vor Manslagt an Staren, doch ging er leer aus:


Peregrine 

Am 17. März flatterte ein Trupp Ringelgänse an mir vorüber:


Brent 

Für dieses Bild habe ich ganz bewusst eine lange Verschlusszeit ausgewählt, um die sich bewegenden Schwingen verwischen zu lassen. 

Resultat: geht so.   

Am 1. April schoss ich auf dem Rysumer Nacken Bilder vom Ackerschachtelhalm im "Spargelstadium":  


Field Horsetail 

Oh, ein Schrankenwärter: 


Common Buzzard 

Gesehen und geknipst am Ortsrand von Greetsiel.  

Dieser Mäusebussard steht wirklich an jedem Morgen um Sonnenaufgang herum oben auf der aufgestellten Schranke, die ohnehin keine wichtige Funktion mehr ausübt.  

Ewig schnatternde Graugänse am Mahlbusen des Norder Tiefs bei Neuwesteel: 


Greylag Goose talking to me 

Diese Rabenkähe stand am 2. März auf einer Bank oben auf den Deich bei Itzendorf, das zur Stadt Norden gehört: 

this Carrion Crow did not poop onto this bench 

Und sie hat nicht etwa auf die Sitzfläche gekackt, falls ihr das denken solltet!

Das tun Krähen einfach nicht, weil sie sich zu benehmen wissen. 

Leute, ich habe mir doch tatsächlich französische Markengummistiefel gekauft!

Seit meiner Kindheit laufe ich nämlich mit Gummistiefeln durchs Outback. Und mit Gummistiefeln bin ich früher auch zur Schule gegangen. Als ich sie auch beim Sportunterricht in der Berentelghalle zu Mettingen nicht ausziehen wollte, fragte mich der Lehrer, ob wir zu Hause Landwirtschaft hätten. 

"Nein", sagte ich. 

Und daraufhin hat auch niemand mehr nachgefragt. Ihr wisst das vielleicht nicht, aber mit Gummistiefeln kann man auch vorzüglich kicken. Und manchmal, bei einem strammen Schuss, flog einer der Stiefel auch schon mal der Kugel hinterher. 

Kleiner Scherz. 

Markengummistiefel habe ich immer als unnötigen Blödsinn abgetan. Und über Jahrzehnte ist das ja auch richtig gewesen. Doch das hat sich längst geändert. Ich habe stets die Dinger aus dem Raiffeisen-, dem Kiebitz- oder dem Baumarkt gekauft oder, ganz früher, die vom örtlichen Schuster. Doch mit der Zeit hat die Qualität dieser Teile immer mehr nachgelassen, und zuletzt ist es so gewesen, dass schon nach nur zwei Monaten die Sohlen brachen oder sich ein Riss von der Größe der San-Andreas-Verwerfung auf der Oberseite auftat, weil die Hersteller offensichtlich nur noch minderwertiges Material eingestezt haben, aber aufs Abkassieren nicht verzichten wollten. 

Immerhin kosten solche Gummistiefel auch über 30 Euro!

In meiner Kindheit, um mal einen Vergleich in die Waagschale zu schmeißen, musste man für ein Paar Gummistiefel gerade mal 15 oder 20 Mark auf den Tresen legen! Und sie immer erst nach einigen Jahren wegschmeißen, nämlich dann, wenn man die Sohlen durchgelaufen hatte. 

So sollte es doch sein. 

Jetzt habe ich mir als Deutscher auf einer niederländischen Seite ("Gummistiefelexperte") französische Markengummistiefel gekauft, die sich schon dann bezahlt gemacht haben werden, wenn sie nur ein ganzes Jahr durchhalten sollten. Halten sie zwei Jahre – mir fehlen die Worte, denn ein solches Szenario liegt jenseits meiner Vorstellungskraft nach allem, was ich in den letzten zehn Jahren erlebt habe ...

Der französische Hersteller hat gleich eine ganze Armada verschiedener Gummistiefel in seinem Sortiment. Und im Gegenstatz zu den Baumarktprodukten sind sie ausnahmslos aus Naturkautschuk und in Handarbeit gefertigt! Zwischen hundert und 400 Euro ist alles möglich, doch die meisten dieser Modelle sind sehr hoch und reichlich schlank, sodass sie mich eher an Gestapostiefel erinnern als an bequemes Schuhwerk fürs Outback. Und die kann man gerade in einem Land wie unserem mit seiner ganz besonders üblen Geschichte einfach nicht tragen.  

Da muss man wohl noch bis zur Machtergreifung der AfD warten.  

Eine Dohle




Jackdaw 

Auf dem folgenden Bild sieht man die Nickhaut des Vogels:


note the nictitating membrane

Gerade dann, wenn Vögel etwas schlucken, wird dieses Teil ausgefahren, doch was das bringt, ist mir nicht wirklich klar. Ich sehe da jedenfalls keine Verletzungsgefahr fürs Auge. 

Nachdenklich am Nachmittag: 


thinking about her life situation 

Zieh!


portait of a male silverback 

Es handelt sich hier um die sympathischen Rysumer-Nacken-Dohlen, die nicht etwa in Baumhöhlen oder Karnickelbauten brüten, sondern im Efeu an der Wand des Restaurantes Strandlust. 

Tatsächlich hat das mit der Gründung dieser Kolonie aber vor ganz langer Zeit mit Bruten in drei Nistkästen begonnen, die jemand an derselben Wand angebracht hatte, doch die sind irgendwann der Witterung zum Opfer gefallen und schließlich zu Boden gestürzt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Dohlen aber längst damit begonnen, im Efeu zu brüten. Und nur dank dieses klugen Schachzuges war es ihnen möglich, diesen ungewöhnlichen Brutstandort dauerhaft zu halten, zu expandieren und eine Kolonie mit etwa 30 Paaren zu gründen!

Merksatz: Ich mag Dohlen sehr! 

Und wenn ich mit meinem Flitzer auf dem Parkplatz erscheine, dann kommt ein Teil der Vögel sofort angeflogen und schaut mich mit seinen hellen Äuglein an. Wie kaltherzig müsste ich sein, wenn ich ihnen dann nichts zu essen gäbe. Und überhaupt, das machen diese Vögel nur bei mir, denn ich bin der einzige Mensch dort, der immer was Leckeres in seinem Rucksack hat und zu teilen bereit ist. 

Alle anderen Leute, die dort rumrennen, sind Arschkrampen und Permaegoisten. Zumindest aus der Sicht der Dohlen.  

Dohlen räumen auch auf:


coastal cleanup day 2024. So many people litter, so many people are so dumb 

Sie räumen den Dreck weg, den die Arschkrampen in die Landschaft schmeißen. 

Es gibt einfach unglaublich viele Bürger in diesem Land, die ihre Behausungen besser nicht verlassen sollten. Ich wiederhole mich, wenn ich schreibe, dass die Dummheit des Menschen bisweilen unantastbar ist. 

Dieses eine Bild stammt übrigens noch aus dem Jahr 2024!

Guckt mal, wie niiiedlich:


there is still es small population of Cellar Slug living in my kitchen 

Dieser hübsche adulte Bierschnegel aus meiner freilebenden Küchenpopulation erkundete neulich im Schutze der Nacht den nigelnagelneuen und wimbledongrün gefärbten Kanister, den ich neben das Ceranfeld gestellt hatte. 

Gefüllt ist er mit einem Olivenöl von der Insel Kreta. Dieses Olivenöl wird nicht maschinell geerntet, und es stammt auch nicht von so hässlichen Massenkultur-Olivenbäumen, die permanent zurechtgestutzt werden, um ihnen die Würde zu nehmen. Kaufen kann man dieses Olivenöl aber nicht bei Lidl, sondern nur im Netz. Falls ihr euch auch so ein leckeres Olivenöl zulegen möchtet, hier folgt der passende Link: klick!

Zehn Euro pro Kanister gehen an mich.  

Es folgt ein Belegfoto, geschossen aus dem Auto heraus: 


this male Water Pipit had a grey mantle and grey scapulars! Never seen that before. Usually these bodyparts are brown, while the cousins Rock Pipit and Buff-bellied Pipit show a grey mantle and scapulars 

Dieser männliche Bergpieper im Prachtkleid fiel mir am 28. März auf der Kuhweide sofort auf.  

Bis zu diesem Tag und bis zu diesem Vogel war ich nämlich der Auffassung gewesen, dass ein grauer Mantel und graue Schulterfedern einen Bergpieper hundertprozentig auschließen, sollten diese Gefiederpartien bei dieser Art doch stets mahagonibraun sein und deutlich zum grauen Nacken kontrastieren. 

Ihr seht aber, Ausnahmen kann man nie ganz sicher ausschließen. 

Im Falle der beiden Schwesterarten Strandpieper und Pazifikpieper sind Mantel und Schultern im Prachtkleid tatsächlich grau und somit exakt so gefärbt wie Nacken und Scheitel, doch dass es sich im Falle dieses Vogels trotzdem um einen Bergpieper handelte, war jetzt nicht so schwer zu erkennen. 

Dieser Graumantel war übrigens einer jener Vögel, die ich bereits angefüttert hatte, aber nicht vernünftig fotografieren konnte, weil einige Stunden später der oben beschriebene Sturm wütete.

Hier putzte sich ein anderes Männchen minutenlang direkt neben meinem Versteck: 


preening next to my hide 

Am selben Tag.  

Fast ein Suchbild:


March Dagger Moth resting on a trunk 

Es zeigt eine Buchenmotte, die sich auf dem Stamm einer Esche niedergelassen hatte, um dort den Tag zu verbringen. 

Nach Einbruch der Dunkelheit wird sich dieser lütte Kerl auf die Suche nach einem Weibchen begeben haben, um den Fortbestand der Art zu sichern. Weibliche Buchenmotten haben stark verkürzte Flügel und sind deshalb flugunfähig, vielleicht vergleichbar mit den Frostspannern dieser Welt. 

Die Rotbuche als wichtigste Futterpflanze der Raupe dieses Falters kommt übrigens nicht auf dem Rysumer Nacken vor. An diesem Ort dürfte die Salweide die wichtigste Nahrungsquelle darstellen.  

Diesen Falter habe ich nicht selbst bestimmt, ich kannte ihn überhaupt nicht. Die Drecksarbeit hat in diesem Fall also ein anderer Mensch übernommen: Friedemann Treuz.

Etwas näher am Geschehen: 


same 

Der englische Name der Buchenmotte passte am Aufnahmetag so gerade noch. Es war nämlich der 30. März! 

Am 6. April erklang plötzlich ein leises Summen. 

Da summte jemand die Melodie eines Songs, den ich kannte. 

On the Road again von Willie Nelson

Ich bin alles andere als ein Country-Fan, aber diesen Song kennt sehr wahrscheinlich jeder Mensch auf dem Planeten, der sich in meinem Alter befindet. Zunächst konnte ich den Interpreten nicht entdecken, doch schließlich richtete ich meinen Blick auf den Asphalt der Straße, auf der ich gerade stand. 

Und da war sie, die kleine musikalische Raupe, die direkt vor mir die Straße querte:  




square-spot rustic caterpillar 

Wikipedia schreibt: "Da die Falter nicht oft ans Licht kommen, ist die so häufige Verbreitung der Art nur durch Raupenfunde bestätigt.

Ich hielt das Biest zunächst für die Larve der Hausmuddi, die hier sehr, sehr häufig ist, doch der an der Kopfkapsel beginnende dorsale Streif, innen hell und dunkel gesäumt, passte nicht zu dieser Art. Und so stellte ich zwei Bilder in ein Forum, wo mich Jürgen Peters aus Borgholzhausen auf die Braune Spätsommer-Bodeneule aufmerksam machte. 

Ein Lifer für mich!

Mein Tarnzelt auf der Bergpieper-Weide: 


my hide 

An einem anderen Tag aus der entgegengesetzten Richtung fotografiert: 


same, but opposite direction 

Merksatz, bezogen auf das erste der beiden Bilder: Wenn die Schlehe blüht, dann ist die richtige Zeit, Bergpieper im Prachtkleid zu fotografieren. 

Und die sehen so aus, wenn sie männlich sind: 


another male 

Ausgiebig singend: 


subsong 

Freilich handelt es sich nur um so genannten Subsong, der allerdings minutenlang vorgetragen wird. 

Hier könnt ihr euch eine meiner Aufnahmen dieses Plaudergesanges anhören: klick!

Voll- und auch Fluggesang gibt es beim Bergpieper aber natürlich nur im Brutgebiet! 

Ein prächtiger Bergpieper steht auf einem Maulwurfshügel: 



male Water Pipit 

Ganz früh war er aufgestanden, um sich an meinem Futterplatz den Bauch vollzuschlagen, doch hatte er die Rechung ohne seine Kollegen gemacht:



there is another one in da background 

Bergpieper-Gedanken: Meine Fresse, ey, da steht man schon so verdammt früh auf, und dann ist die Scheißkonkurrenz auch schon da. 

Und so kam es, wie es kommen musste: 


attacking each other 

Nachdem einer der Vögel das Weite gesucht hatte, kehrte wieder Ruhe ein: 



same male 

Beachtet hier büdde, wie bereits oben angekündigt, den großenteils noch gelblichen Schnabel:



same 

Weil ich in diversen Berichten über den Bergpieper in der Vergangenheit schon alles geschrieben habe, was man über diesen interessanten Vogel wissen sollte, habe ich mich heute kurz gefasst. 

Gesetzt den Fall, dass ihr zum Beispiel wissen möchtet, warum man im Falle der Kuhweide auf dem Rysumer Nacken hundertprozentig davon ausgehen kann, dass sich dort in den Monaten März und April ins Prachtkleid mausernde Bergpieper aufhalten, empfehle ich euch den Beitrag aus dem vergangenen Jahr.

Den findet ihr hier: klick! 

Die letzten Bergpieper-Bilder des heutigen Berichtes habe ich am Ostersamstag geschossen. Am Sonntag war es morgens wieder finster, und am Montag ließ sich leider kein Bergpieper mehr an meinem Futterplatz blicken. Alle abgereist. Und schon war der ohnehin schon so kurze Spaß wieder vorbei. Wäre da nicht immer das verfickt wankelmütige Wetter zu dieser Jahreszeit, man könnte gewiss viel mehr herausholen. 

Aber wäre es dann noch etwas Besonderes? 

Egal, jetzt heißt es wieder warten. Ein ganzes Jahr lang. 

Warten auf den kommenden Frühling 2027, wenn auf der Kuhweide auf dem Rysumer Nacken abermals Bergpieper in ihr hübsches Prachtkleid mausern. 

Ein letztes Bild für heute: 

likely Edvard Munch did this  

Am 6. März entdeckte ich dieses gelungene Portrait von einer entsetzt dreinblickenden Person am Deich bei Hamswehrum!

Hat Edvard Munch dort also wieder einmal seine Spuren hinterlassen? Natürlich nicht, ist der Mann doch schließlich seit über 80 Jahren tot! Und ich kann so schlecht lügen, Kinners, ich weiß natürlich, wer sich hier als großer Künstler betätigt hat, ich darf es euch nur nicht verraten. Ich bin doch auch keine erbärmliche Petze! 

Ich meine, sonst würde man mir ja wohl auch eine heftige Strafe aufbrummen wegen des Beschmierens eines Zaunpfostens und so weiter.  

Jetzt können die sieben Millionen E-Biker, die tagtäglich diesen Weg für ihre sinnfreien Ausflüge nutzen, so ganz nebenbei und unentgeltlich Kunst von Weltrang bestaunen, falls sie sie nicht übersehen wegen der meist viel zu hohen Geschwindigkeit, mit der sie üblicherweise unterwegs sind.  

Schnell noch eine Randnotiz: Am 7. April 2026 war es endlich so weit. 

Ich sah mein allererstes Eichhörnchen in der Krummhörn! 

Es lief am Nachmittag über die Hauptstraße von Groothusen. Nie und nimmer hatte ich das erwartet, denn um Groothusen überhaupt erst erreichen zu können, muss man als Eichhörnchen komplett offenes Ackerland durchqueren und sich so von Dorf zu Dorf vorarbeiten. Viele Kilometer. Und deshalb hatte ich das Auftreten des Eichhörnchens so nah am Deich immer kategorisch ausgeschlossen. 

Auf der Geest, also in und um Aurich herum, ist das Eichhörnchen keine Seltenheit. Es gibt dort etliche größere Waldgebiete, aber natürlich reichen für diese Art ältere Gärten mit einem gewachsenen Baumbestand völlig aus. Jeder, der in einer Stadt lebt, wird das kennen. Wie das Tier – oder, falls es schon mehrere sein sollten, seine Vorfahren – den Weg nach Groothusen gefunden hat, würde mich wirklich sehr interessieren, doch ich weiß, es wird sich nicht herausfinden lassen. 

Die finale Randnotiz: Ihr habt soeben den 444. Beitrag in diesem Hochleistungsblog gelesen. 

Ich gratuliere! 

Zu guter Letzt möchte ich ein letztes Mal für heute ehrlich sein, weil mich mein schlechtes Gewissen plagt. Ich muss permanent Gummistiefel tragen, weil mir meine Eltern nie beigebracht haben, wie man Schnürsenkel bindet.  

 

Es war einmal ...

... ein Bergpieper:  


one of the first Water Pipits, that I have taken shots of. This picture is from November 2018

Der Bergpieper ist eine stets wiederkehrende Zutat dieses Blogs.

Wer hier regelmäßig und vielleicht schon seit Jahren reinschaut, der wird das auch wissen.  

Der hier gezeigte Vogel, der sich zum Zeitpunkt der Aufnahme natürlich noch im Schlichtkleid befand, war eines der ersten Individuen überhaupt, die ich in Bildern festhalten konnte. Das war im November 2018. Fotografiert habe ich auch ihn auf dem Rysumer Nacken, allerdings nicht auf der mehrfach erwähnten Kuhweide, sondern am Rande eines teilweise gefluteten Ackers.  

Ich stelle dieses Bild hier ein, um euch Hohlbunken die Möglicheit einzuräumen, Schlicht- und Prachkleid miteinander zu vergleichen. Aber wahrscheinlich werdet ihr kläglich scheitern und gar keine Unterschiede erkennen.

Darauf wieder ein zwanzigfaches Horrido!