wilde perspektiven

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Donnerstag, 5. Januar 2012

Winterloch

Da zurzeit ein Sturmtief das andere jagt, der Regen von der Seite kommt, und weil man nicht weiß, wann man endlich wieder nach draußen gehen und den Kostbarkeiten der Natur ein paar Stunden widmen kann, präsentiere ich heute mal ein paar Bilder aus dem Sommer, die allesamt Tiere zeigen, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte.



Die Kollegen vom Schmelzbetrieb berichteten mir Anfang Juli von einem riesigen Falter, der nachts durch das grelle Licht des flüssigen Eisens in die Gießhalle gelockt worden war und den sie mir so exakt beschreiben konnten, dass ich mir sicher bin, es handelte sich um einen so genannten Totenkopf! Ein Traumtier, ein echtes Phantom, das mir leider bis heute vorenthalten worden ist. Ich bat die Kollegen also, künftig alle interessanten Flugobjekte lebend zu käfigen und mir zwecks Bestimmung ins Labor zu bringen. Kunststoffbehälter mit Luftlöchern stellte ich zur Verfügung. Um es vorweg zu nehmen, so verdammt viel kam insgesamt nicht dabei heraus, weil die Nächte im vergangenen Sommer fast ausnahmslos kühl bis kalt waren und nicht selten auch noch nass.

Aber immerhin drei Arten waren brandneu für mich, echte Lifer! Der oben gezeigte Ligusterschwärmer machte am 18. Juli den Anfang. Leider war er, wie auch ein Artgenosse ein paar Tage später, schon tot und ausgetrocknet, was man auf dem Foto allerdings nicht erkennen kann. Weitere Ligusterschwärmer wurden auch an anderen Orten Ostfrieslands gesehen, und weil dieser Falter so bunt und groß ist, fanden mindestens zwei Individuen den Weg in die Tagespresse.

Am 28. Juli gab es dann die nächste Überraschung. Auf meinem Schreibtisch stand morgens ein Behälter, in dem sich etwas bewegte. Ein prüfender Blick ließ diebische Freude in mir aufkommen, denn es war ein weiblicher Großer Kolbenwasserkäfer:






Ich ließ ihn nach Feierabend im Wybelsumer Polder frei, wo auch diese Bilder enstanden. Er erfreute sich, im Gegensatz zu den Faltern, bester Gesundheit und paddelte etwas unbeholfen durch das klare Wasser:



Ein schöner Augenblick für diesen beeindruckenden Käfer, aber eben auch für mich! Ein weiteres Weibchen sollte ein paar Tage später folgen.

Und schließlich übergaben die Kollegen mir am 12. August mächtig stolz die letzte interessante Art, leider wieder in eingetrocknetem Zustand:






Obwohl der Braune Bär, so sein Name, sehr bunt und somit auffällig ist, hatte ich noch nie zuvor das Glück, ihm zu begegnen, weil er eben ausschließlich nachtaktiv ist. 

Ich bin gespannt, was der nächste Sommer zu bieten haben wird. Die Kollegen jedenfalls sind jetzt entsprechend motiviert und sensibilisiert, und zum Abschluss der Sommersaison gab es dann auch als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit eine kühle Kiste Bier, die ich eigentlich auf den Totenkopf ausgesetzt hatte ;-)