wilde perspektiven

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Montag, 27. Februar 2012

Das Lied des Raubwürgers

Im Moment steht hier im Blog alles im Zeichen des Raubwürgers, eben meines Lieblingsvogels. Das hat auch seinen Grund, denn ich habe in dieser Hinsicht Nachholbedarf!

In den vergangenen zwei Wintern hatte ich vergeblich versucht, ihn vor die Linse zu bekommen. Im Tannenhauser Moor, für viele Auricher ein Naherholungsgebiet, ist es einfach zu hektisch, sind zu viele Passanten unterwegs, nicht wenige davon mit Hund. Nicht zuletzt deshalb ist die Fluchtdistanz dortiger Raubwürger einfach zu hoch, und am Ende halten sie sich nur noch in unzugänglichen Bereichen des Moores auf, wo sie von Spaziergängern nicht mehr unbeabsichtigt "belästigt" werden können.

Chuck Norris wird vom Regen nicht nass, der Regen wird Chuck Norris.

Jeder kennt diese Sprüche, und ich glaubte bis gestern, bis zum obigen Bild, dieser gelte auch für den Raubwürger...

Am gestrigen Sonntag-Morgen konnte ich zum ersten Mal den Gesang des Emder Raubwürgers hören, obwohl es noch finster und regnerisch war, aber es ist eben auch das Ende der kalten Jahreszeit, das in der Regel die Gesangsphase dieser Art einläutet. Auch im Winterquartier.

Da ich noch nie einen überwinternden Raubwürger gesehen habe, der im zeitigen Frühjahr nicht zu singen beginnt, gehe ich davon aus, dass beide Geschlechter dazu in der Lage sind.

Beide Bilder und auch das folgende enstanden etwa eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang und bei geschlossener Bewölkung. Mehr als eine hundertstel bzw. sogar nur achtzigstel Sekunde Belichtungszeit war leider nicht drin. Okay, ich hätte die ISO hochjagen können, aber das mache ich nur, wenn es unbedingt erforderlich ist, ich also nicht einmal die genannten Zeiten erreiche.

Ich mag Bilder, die unter einem wolkenverhangenen Himmel gemacht werden, weil hässliche Schatten dann erst gar keine Chance bekommen, aber ein bisschen mehr Licht hätte ich mir schon gewünscht...

Danach, so gegen Viertel nach acht, wurde es vorübergehend etwas heller, was sich auch positiv auf die Farben auswirkte:


Belichtungszeit hier und bei dem folgenden Bild: einhundertsechzigstel Sekunde.

Das sieht dann schon deutlich besser aus.  





Und dann war er weg!

Am Sonntag-Abend besuchte ich den Raubwürger kurz ein weiteres Mal, allerdings ohne brauchbare Bilder zu machen, obwohl es inzwischen aufgeklart war.

Nach jeweils nur einem Bild von über der Ferienhaussiedlung an der Hieve (Kleines Meer) fliegenden Nonnengänsen und vom Raubwürger vor der untergehenden Sonne machte ich mich auf den Weg nach Hause.

Doch nach nur wenigen hundert Metern musste ich noch einmal halten, denn der folgende Anblick gefiel mir außerordentlich gut, zog mich magisch in seinen Bann:

Und zwar der des Bodennebels über diesem Graben. Links der Deich des Ems-Jade-Kanals, rechts daneben die Huckelpiste, die mich schon einige Scheinwerferbirnen für mein Autos gekostet haben dürfte.  

In Blickrichtung geht's zum Uphuser Grashaus, die entgegengesetzte führt zum Raubwürger.


Wenn man einen solchen Aufkleber auf der Heckklappe hat, dann ist man der Raubwürgerchecker!

Hier ein paar bewegte Bilder von einem auf dem Heimzug in der nordwestenglischen Grafschaft Cumbria rastenden Raubwürger. Leider ohne Gesang.

Das klassischste Geräusch der ersten sonnigen Vorfrühlingstage ist übrigens nicht der Gesang des Raubwürgers - dafür ist er viel zu selten -, sondern stets das der brummenden Motoren diverser Sportflugzeuge. Das war auch in Osnabrück bzw. Bramsche der Fall.