wilde perspektiven

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Montag, 6. Februar 2012

Eine Stunde beim Raubwürger

Am Sonntag fuhr ich kurz vor Sonnenaufgang in die Wiesen am Kleinen Meer, um mal wieder nach dem Raubwürger zu schauen. Bei meiner Ankunft um zehn nach acht lugte die Sonne zu einem Viertel über den Horizont. Feuerrot, wie es sich für eine richtige Sonne am sehr frühen Morgen gehört. 

Die spärlich mit Schnee bedeckte Landschaft verfärbte sich binnen Sekunden in ein hübsches Zartrosa und ich wusste, ich musste sofort handeln, um den Vogel bei diesem Licht fotografieren zu können, denn das Rot der Sonne verblasst erfahrungsgemäß sehr schnell.

Wie man deutlich erkennen kann, hat alles geklappt!

Das Bild entstand siebzehn Minuten nach Sonnenaufgang um 8.27 Uhr.

Doch es sollte nicht so bleiben. Nur an den fünf Arbeitstagen gibt es dem Anschein nach kristallklare Sonnenaufgänge, die ich mir dann notgedrungen und verträumt von meinem Schreibtisch aus ansehen muss. Am Sonntag aber war der Feuerball noch nicht komplett zu sehen, da verschwand er auch schon wieder hinter so einer bescheuerten Wolkenschicht :-)

Das sah dann so aus:

Das Bild enstand eine Viertelstunde nach dem oben gezeigten. Nicht einmal ein Lichtreflex auf dem Auge ist zu sehen, und so befürchtete ich Schlimmstes, aber es sollte doch wieder etwas besser werden, allerdings erst eine Dreiviertelstunde später:

Zwar gibt es diesmal wieder einen kleinen Punkt auf dem Auge, aber so richtig grell wurde das Licht erst gegen Mittag, was aber dann auch schwerer zu meistern gewesen wäre bezüglich der richtigen Belichtung. So war alles ganz einfach, und hübsch ist der kleine Kämpfer mit dem großen Herzen allemal. 










Tja, und dann gab er alles, rüttelte unmittelbar vor und über mir und das gleich ausgiebig, sodass ich ganz locker mit der Hand fokussieren konnte. Weil Vögel dreidimensional sind, ist das mit dem Autofokus auf so geringe Distanz nämlich eine heikle Sache, vor allem hinsichtlich der Bildgestaltung, denn schließlich soll sich das Auge nicht immer in der Bildmitte wiederfinden.

Und schließlich auch noch einmal mit herabhängenden Flügeln:

Nach einer Stunde hatte ich wie gewünscht alles im Kasten und konnte noch einen weiteren Ort ansteuern: meine Futterstelle. Erst vor zwei Wochen, kurz nach Beginn der Frostperiode,  hatte ich sie angelegt, vor allem, weil ich doch so gerne mal Wacholderdrosseln fotografieren wollte, doch die hatten sich bereits andere Orte ausgesucht, wo sie sich sattessen können:


Das Bild enstand im Garten eines Bauernhauses in Emden-Uphusen. 

Es ist schön, dass es noch Menschen gibt, die nicht so viel Wert auf einen sterilen Garten legen. Viele Äpfel auf dem Boden sind einfach ein herrlicher, aber eben auch eher ungewohnter Anblick in der heutigen Zeit. Und obwohl der Tisch hier, wie man sehen kann, reich gedeckt ist, mutierten die einzelnen, sonst so sozialen Vögel allesamt zu Streithähnen. Die mit dem Fruchtfleisch aufgenommene Energie wurde sogleich in sinnlosen Rangeleien mit Artgenossen verpulvert. Vögel sind eben auch nur Menschen...

Und an meinem Futterplatz gab es dann noch einen männlichen Buchfink:



Alles in allem also ein runder Tag mit tollen Eindrücken.

Das Lied zum Beitrag soll etwas wärmen.