wilde perspektiven

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Samstag, 10. März 2012

Frühlingserwachen im Moor

Heute Morgen musste ich nach Aurich, und wenn ich schon mal da bin, so dachte ich, dann kann ich auch mal wieder das Berumerfehner Moor besuchen. Zu Gast bei Freunden, wenn man so will. Nachdem es in der Früh noch sehr wolkig war, klarte es gegen zehn auf, und so war ich mir sicher, der ersten Kreuzotter des Jahres 2012 zu begegnen. 

Was soll ich sagen:




Insgesamt fand ich sieben Individuen, alles Männchen, was so früh im Jahr normal ist.

Doch nur dieses lag so günstig am Rand des Weges, dass ich ein paar Bilder machen konnte.




Immer wieder hübsch auch die Unterseite, die man ja nicht so oft zu sehen bekommt. Rechts unscharf im Hintergrund ein zweites Männchen, das sich etwas später an das erste ankuschelte.

Kurz an der Fokussierschnecke gedreht, und schon ist es scharf:


Auch auf dem nächsten Bild sind beide Schlangen zu sehen:

Etwa eine Stunde lag ich auf meiner Isomatte, nur einen halben Meter von den Tieren entfernt und ab und zu ein Bild machend. Die längste Zeit passierte natürlich nichts, sie lagen einfach nur da, aber manchmal meinten sie, sich anders hinlegen zu müssen, und das ist dann der interessantere Teil des Beobachtens, weil man sich immer wieder wundert, wie geschmeidig und elegant sich Schlangen so ganz ohne Beine fortbewegen können. Auch heute hat mich das wirklich beeindruckt, wie eigentlich immer!

Glück hatte ich auch in einer anderen Hinsicht, denn ab und zu ließ sich eine dieser hübschen Schäfchenwolken am azurblauen Himmel blicken, schob sich vor die noch grelle Sonne und ließ schwarze Schatten im Hintergrund verschwinden, und auch die im Sonnenlicht sehr hellen Halme des Pfeifengrases wirkten sich nicht mehr gar so störend auf die Bildkomposition aus.

Zwei verwitterte Pfosten ragen aus dem Pfeifengras- und Brombeergewirr heraus! Für Waldeidechsen, die nach der monatelangen Überwinterung die ersten Sonnenstrahlen tanken wollen, ein Ort mit mag(net)ischer Anziehungskraft.


Hier sind es zwei, aber wo liegen sie?

Aus der Nähe betrachtet sieht eine Waldeidechse so aus:

Schön warm ist es auf dem trockenen Holz; da kann man es ganz gut aushalten ;-)

Ich gehe etwas näher ran, ändere gleichzeitig die (wilde) Perspektive:

Und noch etwas näher, denn die Tiere waren sehr ruhig, kabbelten sich aber untereinander mehrere Male recht heftig, weil der aus Sicht der Eidechsen riesige Stamm offensichtlich zu klein war für zwei Individuen.

Echte deutsche Eidechsen legen bereits am Abend zuvor ein Handtuch auf den begehrten Platz an der Sonne. Wahrscheinlich handelt es sich hier also um Tiere mit Migrationshintergrund, die nicht um die hiesigen Gepflogenheiten wissen, sich einfach nicht integrieren lassen wollen und stattdessen Parallelgesellschaften bilden - hier auf dem Pfosten ;-) 

Und schließlich ganz nah:

Hübsche Flechten im Vordergrund rundeten die Sache ab, und für mich ging es zurück nach Emden, zunächst aber durch die Innenstadt Aurichs:

Ja, so sieht es dort aus. Und es ist zum Beispiel der klassische Lebensraum von Amsel und Kohlmeise, aber auch andere Arten konnten sich an fließenden Verkehr, Menschenmassen und Lärm anpassen, wie zum Beispiel der Austernfischer:

Rechts neben der Verkehrsinsel befindet sich eine Ampel, doch selbst haltende PKW störten diesen "Kerl" nicht wirklich.

Im Sekundentakt zog er Regenwürmer aus dem Boden, doch ein Bild habe ich davon nicht hinbekommen. 

Für Aurich aber ist dieser Anblick nichts Besonderes. Austernfischer gehören hier einfach dazu, sind eine klassische Requisite der Stadt. Gesehen habe ich es noch nicht, aber einige dieser Kandidaten dürften auf diversen Flachdächern, auch mitten im Zentrum, brüten, und auf dem Gelände der Mülldeponie in Mittegroßefehn werden sie gefüttert, kommen sogar in die Büros und Pausenräume der Mitarbeiter gestiefelt. Wie auf der Helgoländer Düne. Ob Auricher Austernfischer aber auch in Käse vernarrt sind wie jene auf der Hochseeinsel, ist mir nicht bekannt.

Auf dem Rückweg durch die Meeden am Großen und Kleinen Meer gab es dann noch achtzig Goldregenpfeifer bei Ihlow-Barstede sowie einen Silberreiher in Emden-Marienwehr, der dort auf einer Weide stand.

Abschließend stelle ich fest, dass Ostfriesland immer wieder eine ganze Menge zu bieten hat!

Und hier noch etwas Schönes aus Schweden.

Prost, es ist Samstag!