wilde perspektiven

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Sonntag, 29. April 2012

I did (try) it again - Naturkundliche Beobachtungen in South Carolina im April 2012

Reisezeit (An- und Abreisetag sind bereits abgezogen): 07.04. - 25.04.2012

Important:  This report is written in German. Foreign visitors may use Google translation, which will provide a very certain kind of English!

Gleich zu Beginn etwas unverfälschte Statistik: 2300 Meilen habe ich zurückgelegt, das sind 3700 Kilometer! Der Spritpreis hat vielleicht auch dazu beigetragen, nicht so genau hinzusehen, denn für etwa einen Dollar bekommt man einen Liter. Trotzdem: Ökotourismus sieht wohl anders aus. Sechs Speicherkarten à vier Gigabyte konnte ich füllen (im Herbst fünf). Wenn man bedenkt, dass das Vogelleben am Cherry Grove Beach diesmal ausblieb, dann ist das beachtlich. Trotzdem fühlte ich mich zunächst eher wie ein Verlierer, nämlich deshalb, weil ich die von mir vergleichsweise wenigen gefundenen Arten zur dortigen tatsächlichen Diversität in Bezug setzte. Inzwischen aber glaube ich fest daran, als Sieger vom Platz gegangen zu sein, denn es hätte auch viel schlimmer kommen können, wenn man bedenkt, dass ich einige Arten nur ein einziges Mal feststellen konnte. Es ist eben wie mit dem halbleeren oder halbvollen Glas...


Ja, ich habe es erneut versucht! Wenn man nach wie vor all diese Traumtiere im Hirn und beim letzten Ausritt kaum eines davon gefunden hat, dann muss man es ein zweites Mal versuchen. Von Düsseldorf aus ging es somit via Newark/New Jersey nach Charleston in South Carolina, wo ich auch die erste Nacht verbrachte, war es doch bei meiner Ankunft bereits stockfinster. Am nächsten Morgen begab ich mich auf mir bereits bekannte Pfade, fuhr mit meiner Mietkarre (VW Jetta) nach Nordosten in den Francis Marion National Forrest und dort nach Honey Hill.

Long-leaf Pine Forrest, Honey Hill, Berkeley County, South Carolina (SC)

In den ausgedehnten Wäldern rund um dieses beschauliche Dorf (es sind nicht mehr als zehn Häuser) stieß ich sofort auf alte Bekannte. Der Palamedes Schwalbenschwanz (es gibt keinen deutschen Namen für diese Art, habe den englischen einfach übersetzt) war jetzt im Frühjahr allerdings viel häufiger als im Herbst:

Er fliegt in beträchtlicher Zahl auf Waldwegen und -lichtungen, gern, aber keinesfalls ausschließlich in der Nähe von Sümpfen:


Und hier mal ein stehendes Individuum:

Palamedes Swallowtail, Honey Hill, Berkeley County, SC

Dieser riesige Schwalbenschwanz scheint wie viele Falter eine Vorliebe für violette Blüten zu haben, wie zum Beispiel für diejenigen dieser Distelart, die alle paar Meter am Wegesrand blühte:

Auf der anderen Seite gab es kaum andere Blüten, die die Schmetterlinge hätten anfliegen können.

Und die Schlauchpflanzen, die ich vor Antritt meiner ersten Reise nach South Carolina noch nicht einmal kannte, blühten jetzt sogar. Hier eine Gruppe der Kleinen Schlauchpflanze:



Und dann noch einmal die Fallen der Gelben Schlauchpflanze (die Blüten gibt es später):



Hooded Pitcher Plant and Yellow Pitcher Plant (bottom), Honey Hill, Berkeley County, SC

Auch andere bekannte Gesichter blieben nicht aus, so zum Beispiel der winzige Südliche Grillenfrosch, der mir auch jetzt im Frühjahr in großer Zahl vor die Füße sprang. Er ist quasi so eine Art Zaunkönig unter den Froschlurchen, denn trotz seiner geringen Größe gehört er zu jenen Arten, die den Ton angeben. Anders ausgedrückt: Er ist unglaublich laut!


Southern Cricket Frog, Berkeley County, SC

Am Abend dann, kurz vor Sonnenuntergang und bei hohen Temperaturen, endlich die erste Schlange meiner Reise:

Es war eine Halsringnatter, die ich mitten auf einem Waldweg fand. Sie war sehr klein und leider fehlte ihr der größte Teil des Schwanzes. Insgesamt sollte ich während meines US-Aufenthaltes vier Individuen dieser Art finden. 

Die Art gilt als sehr häufig, kommt vor allem in schattigeren Bereichen von Waldgebieten vor und ist vorzugsweise nachtaktiv. Aufgrund ihrer geringen Größe kann sie leicht übersehen werden. Selbst dann, wenn sie auf einem Waldweg liegt:


Ich jedenfalls war sehr froh, gleich am ersten Abend eine Schlange gefunden zu haben. So konnte es meiner Meinung nach weitergehen.

Ringneck Snake, Honey Hill, Berkeley County, SC

Insgesamt gab es überraschenderweise nur wenige blühende Pflanzen. Für den Frühling war das eher enttäuschend.

Trotzdem war es natürlich richtig, South Carolina im Frühjahr zu bereisen, denn das frische Grün, das überall zu sehen war, war einfach nur schön:




Farne zum Beispiel gab es in mannigfaltiger Variation:

Diese Art zum Beispiel erinnerte mich an den seltenen Königsfarn, der auch in der Nähe von Aurich vorkommt.

Und das, was da auf dem Farnblatt steht, sollte mich bis zum letzten Tag meiner Reise nerven. Auf dem Flug nach Hause fühlte ich mich richtig blutleer. Diese Biester sind irgendwie noch hartnäckiger als die aus den ostfriesischen Mooren:



Mosquito, Honey Hill, Berkeley County, SC

Es gab auch Neues, wie zum Beispiel diesen in den Kiefernwäldern sehr häufigen Augenfalter, der eher klein war und sich etwas in der Bodenstreu des Waldweges verlor:

Ein deutscher Name ist mir nicht bekannt.

Durch das Heben des Objektives tauchen plötzlich auch die Beine auf:


Little Wood-Satyr, Honey Hill, Berkeley County, SC

Und dann die Überraschung an jenem Teich, in dem ich im vergangenen Herbst meinem ersten Alligator begegnet war:

Dabei dürfte es sich um den Mittleren Sonnentau handeln, der mir aus den Mooren Ostfrieslands gut bekannt ist.

Alle drei in Deutschland vorkommenden Sonnentau-Arten kann man nämlich auch in Nordamerika finden.

Es hat im vergangenen Winter so gut wie keinen Regen in South Carolina gegeben. Gewässer, die ich noch aus dem Herbst kannte, führten zwar noch ausreichend Wasser, doch war der Pegel inzwischen arg gefallen. Und genau auf diesen freigefallenen Flächen wuchs nun dieser Sonnentau:

Oblong-leaved Sundew, Honey Hill, Berkeley County, SC

Das folgende Foto veranschaulicht recht gut den im Vergleich zum letzten Herbst deutlich gefallenen Pegel. Der Busch steht eigentlich mitten im Teich:


Aber ein wenig Wasser gab es schon noch, wo sich dieser Kollege, ein Einsamer Wasserläufer, aufhielt:

Solitary Sandpiper, Honey Hill, Berkeley County, SC

So einsam, wie es sowohl deutscher, englischer als auch wissenschaftlicher Name suggerieren, war der Kerl aber keineswegs, denn er hatte drei Artgenossen im Schlepptau sowie noch zwei Kleine Gelbschenkel.

Nach einer Nacht in Honey Hill brach ich gegen Mittag des nächsten Tages Richtung Myrtle Beach auf, um dort am Strand mal nach möglichem Federvieh zu schauen:


Die Enttäuschung war allerdings recht groß, als ich dort nur eine Handvoll Vögel vorfand, darunter ein paar Alpenstrandläufer. Und so untersuchte ich wieder das Hinterland mit seinen trockenen und sandigen Kiefernheiden, nicht selten auch nachts, wo mich der Eastern Whip-poor-will (eine Nachtschwalben-Art) akustisch begleitete und einmal sogar ein Rotluchs meinen Weg kreuzte:

Xeric habitat, near Wampee, Horry County, SC

Dort gab es dann ein paar neue Kandidaten:

Die Sechsstreifenrennechse lebt gern in trocken-heißen Sandgebieten, wo sie dann in beträchtlicher Zahl durch die Gegend flitzt. Diese Echse ist die einzige Art im von mir untersuchten Gebiet, die den mir so vertrauten Halsbandeidechsen der Alten Welt sehr ähnelt, obwohl sie nicht näher mit ihnen verwandt ist. Das Bild porträtiert ein Männchen, das sich gerade häutet.

Hier mal ein Weibchen:

Six-lined Racerunner, Wampee, Horry County, SC

Dann gab es noch den Fünfstreifen-Skink.

Hier ein Männchen im Prachtkleid:

Die Art ist sehr häufig und kann in unterschiedlichsten Lebensräumen vorkommen:

Male Five-lined Skink, Wampee, Horry County, SC

Daneben gab es auch noch den unglaublich ähnlichen Südöstlichen Fünfstreifen-Skink. Die beiden hier gezeigten Tiere sehen deshalb so unterschiedlich aus, weil es sich um verschiedene Geschlechter handelt. Die Weibchen beider Arten aber lassen sich nur in der Hand sicher bestimmen und zwar in erster Linie anhand der Schwanzbeschuppung:

Female Southeastern Five-lined Skink, Wampee, Horry County, SC

Ich besuchte auch wieder die Ruine in Calabash in North Carolina, wo ich neben einem Slimy Salamander auch meine erste Östliche Wurmschlange finden konnte:


Die Art ist trotz ihres Namens ein echtes Mitglied der Natternfamilie, hat nichts zu tun mit den Wurm- und Blindschlangen der Alten Welt.

Ein Portrait:


Dies sollte das einzige Individuum dieser Art sein, das mir während meines US-Aufenthaltes vor die Augen trat. Und gleichzeitig handelte es sich um die zweite Schlangenart meiner Reise:










Eastern Worm Snake, Calabash, Brunswick County, NORTH CAROLINA

Wieder eine Blume, die mir nicht bekannt ist:


Hier kann ich immerhin sagen, dass es sich um eine Schwertlilie handelt:

Am Abend dann fand ich eine sehr fette weibliche Floridakröte, die sich unter einem vergleichsweise kleinen Brett verstecken konnte:


Sie war wirklich sehr fett!

Aber auch SEHR hübsch:

Southern Toad, Wampee, Horry County, SC

An einem Graben in einem Kiefernwald entdeckte ich dann wieder blühende Gelbe Schlauchpflanzen, die ich unbedingt fotografieren musste:

Quasi im letzten Licht der untergehenden Sonne. Die Blüten sind zwar gelblichgrün, fallen aber aufgrund ihrer Größe doch sofort auf, wenn man nicht komplett blind ist und vielleicht ein Auge für die Schönheit der Natur hat:

Blooming Sarracenia flava, Wampee, Horry County, SC

Bis zum 14.04. blieb ich in dieser nordöstlichsten Ecke South Carolinas; rückblickend war das vielleicht etwas zu lang, denn dort hätte ich wohl auch in vier Jahren kaum noch etwas Neues gefunden.

Dafür aber alte Bekannte aus dem vergangenen Herbst:

Der Erdskink war jetzt im Frühjahr eigentlich überall zu finden, sowohl in trockeneren als auch in feuchten Habitaten, in letzteren allerdings in deutlich höherer Dichte:

Und hier mal ein Portrait:

Ground Skink, Wampee, Horry County, SC

Und ich stieß wieder auf die zierliche Halsringnatter, die ich diesmal unter einer Spanplatte fand:





Hier ein  zweites Bild desselben Tieres:


Ring-necked Snake, Wampee, Horry County, SC

Gegen Mittag des 14. April machte ich mich wieder auf den Weg, fuhr nach Westen, wollte mal nachsehen, wie es jenseits der so genannten Fall Line aussieht. Ich dachte an Arten wie Queen Snake und Northern Watersnake, die es beide in den Coastal Plains nicht gibt, aber dann fiel mir ein, dass ich dort in der Nähe schon einmal gewesen bin, dass es dort scheiße aussah und ich dort wahrscheinlich wieder leer ausgehen würde, und so entschied ich mich, den äußersten Süden des Bundesstaates aufzusuchen. Während ich so auf der Interstate 95 nach Südwest düste, fiel mir kurz vor dem Erreichen des Lake Marion ein Schild auf, das mich nachdenklich stimmte. Ich dachte: Soll ich es dort versuchen? Wird mich auch dieses Gebiet enttäuschen? Frank, du brauchst eine Pause, du sitzt schon so lange im Auto, du musst frische Luft tanken. Und eine Fluppe rauchen...

Letztendlich verließ ich den Highway, weil ich die lahmarschigen Amis mit ihren 70 mph nicht mehr ertragen konnte ;-)

Ich landete auf einem Parkplatz direkt am Ufer des Lake Marion, der etwas kleiner als der Bodensee ist, ganz bestimmt nicht so tief und im Gegensatz zum Voralpensee künstlichen Ursprungs. Am Spülsaum, der mit Baumleichen übersät war, fand ich sogleich eine für mich neue Art, die mir aber auch an weiteren Tagen und in anderen Gebieten noch begegnen sollte. Den Carolina-Engmaulfrosch:

Eastern Narrow-mouthed Toad, Santee National Wildlife Refuge, Clarendon County, SC

Nachtrag vom 30.04.2012: Dieser eher kleine Froschlurch ist äußerst flink. Noch interessanter aber sind die Rufe, die ich nur an einer Stelle im Savannah National Wildlife Refuge hören konnte, dafür aber auch am Tage. Man denkt unweigerlich an Ostfriesland, an Deiche und - an Schafe! Wirklich, kein Scherz, eine Gruppe rufender Individuen dieser Art hört sich an wie eine Herde blökender Schafe oder besser, Lämmer. Ich konnte die Urheber dieser Rufe im Gebiet seinerzeit nicht ausfindig machen, habe aber nun im Netz die Antwort auf die offene Frage gefunden, nämlich hier!

Im Santee National Wildlife Refuge gab es auch feuchtere Bereiche mit hohem Laubbaum-Anteil. Und gleich am Ankunftstag begegnete ich dort einer neuen Schlangenart:







Es ist die Östliche Hakennasennatter. Gleichzeitig die dritte Schlangenart dieser Reise.

Die Art ist ein hoch spezialisierter Krötenjäger. Ich fand sie keine dreißig Meter vom Ufer des Lake Marion in einem eher schattigen Bereich des Auwaldes. Mit halbem Körper lag sie in der Mittagssonne, während der Rest noch in einem Baumstubben steckte.

Diese Art ist bekannt in den Staaten, denn sie kann mit einem unglaublichen Abwehrverhalten aufwarten, das ihr wahrscheinlich nicht selten den sicheren Tod bringt. In dieser Hinsicht kann die Östliche Hakennasennatter noch von anderen Schlangenarten lernen, denn in meinem Augen gibt es nur zwei Möglichkeiten, bösartigen Menschen zu entgehen: Flucht oder perfekte Tarnung.

Für mich war es die einzige Schlange dieser Art auf meiner Reise - leider.


Eastern Hognose Snake, Santee National Wildlife Refuge, Clarendon County, SC

Nach meiner Rückkehr zum Auto und nach einem verspäteten Mittagessen begab ich mich wieder auf die Pirsch, war ich doch nicht zum Spaß vor Ort, suchte die Gebüschränder ab, wo ich auch fündig wurde. Insgesamt entdeckte ich dort innerhalb etwa einer halben Stunde vier Schwarznattern, die sich bei hohen Temperaturen und bedecktem Himmel im Laub ausstreckten:
 
Black Racer, Santee National Wildlife Refuge, Clarendon County, SC

Eine Schwarznatter habe ich auch gefangen. Sie maß beachtliche anderthalb Meter, was für diese Art aber nicht ungewöhnlich ist. Viele Narben zeigten sich auf ihrer glänzenden Haut, und es war schade, dass dieser alte Haudegen nicht aus seinem Leben erzählen konnte.

Die vierte Schlangenart dieser Reise hatte ich dingfest gemacht. Geil!

Aber es sollte dort natürlich auch andere Tiere geben:


Ja, es gab ihn noch, den Rotkehlanolis. Er war wieder ein treuer Begleiter an allen Standorten, die ich während meines Urlaubes aufsuchte. Ohne den Kopf zu bewegen kann er auch nach hinten schauen. Wie ein Chamäleon, mit dem er aber nicht verwandt ist:

Green Anole, Santee National Wildlife Refuge, Clarendon County, SC

Und auch der Floridakröte konnte ich wieder einmal nicht aus dem Weg gehen:

Southern Toad, Santee National Wildlife Refuge, Clarendon County, SC

Eigentlich sollte wenigstens auch noch die Eichenkröte sehr häufig sein, in allen möglichen Habitaten, doch ist sie mir auch jetzt nicht ein einziges Mal begegnet.

Diese mir völlig unbekannte Pflanzenart blühte nicht selten am Straßenrand und sah dort ganz hübsch aus:

Nach den bereits drei vorgestellten Skinkarten fehlte noch die größte des Landes, die dort eigentlich nicht selten sein sollte. Und ich fand diesen so genannten Breitkopfskink schließlich auch in großer Zahl. Hier mal das Portrait eines Männchens, das irgendwie schelmisch dreinblickt:

Die Art ist fast so groß wie eine Smaragdeidechse (so als Anhaltspunkt) und lebt sowohl auf alten Bäumen (auch im Kronenbereich) als auch am Boden in dichtem Gestrüpp. Wenn man sich ruhig verhält, dann kann man diesen Skink sehr leicht fotografieren, weil er sich dann wenig scheu zeigt:


Male Broadhead Skink, Santee National Wildlife Refuge, Clarendon County, SC

Nach zwei Tagen am Lake Marion zog es mich weiter. Ich wollte mal Georgia besuchen. Im Effingham County sollte es 36 Schlangenarten geben, darunter auch die seltene Indigonatter, die dort ihre nordöstliche Verbreitungsgrenze hat. Dann dachte ich aber, dass das Savannah National Wildlife Refuge, das ich auf meinem Weg passierte, auch einen Besuch verdient hätte. Es liegt in South Carolina und müsste eigentlich Savannah RIVER National Wioldlife Refuge heißen, wie ich finde, denn so bezieht man es eher auf die gleichnamige Stadt in Georgia als auf den Fluss. Egal, ich stoppte dort nicht nur, ich blieb gleich eine paar Tage.

Viele Menschen aus Nah und Fern besuchen das Gebiet vor allem deshalb, weil sie mal einen Mississippi-Alligator sehen wollen. Und auch für mich war es an der Zeit, mal ein echtes Alttier vor die Linse zu bekommen, wenngleich die jungen mit ihrer Zeichnung viel hübscher sind.

Für das oben gezeigte Bild musste ich mich mal wieder flach auf den Boden legen, und wie auch im vergangenen Herbst fielen Rote Feuerameisen über mein linkes Bein her. Die Art ist sehr aggressiv, wird sogar mitverantwortlich für das Verschwinden bzw. für den Rückgang diverser Schlangenarten gemacht. Näheres zu diesem Tier, das eigentlich aus Südamerika stammt, gibt es hier. Dort gibt es auch ein Bild, das die Haut nach der Attacke zeigt. Auch in Mitteleuropa gibt es so genannte Knotenameisen, die mit einem Giftstachel ausgerüstet sind. Und ihr Stich ist nicht weniger schmerzhaft, doch sind sie nicht ganz so schnell und aggressiv. Normale Menschen, die sich nicht in unwegsames und meist feuchtes Gelände begeben, werden sich aber keine Sorgen zu machen brauchen. Eine Begegnung mit diesen Tieren ist dann eher unwahrscheinlich.

Hier mal drei alte Alligatoren, die sich sonnen, wenngleich der Himmel bedeckt war:




Die Tiere sind an die Menschen gewöhnt, die tagtäglich an ihnen vorbeifahren. Wenn man aber Teile des Reservates aufsucht, wo Autos untersagt sind, dann fliehen die Alligatoren auch schon mal. Tiere, die man zuvor gar nicht gesehen hatte, bringen einem das Herz zum Flattern, weil sie unglaublich lautstark ins Wasser poltern. Und damit das auch so bleibt, warnen solche Schilder vor falschem Verhalten:



Und das nächste Bild zeigt ein ganz besonderes Kerlchen. Dieser Jungalligator hatte es sich unter einem Auto gemütlich gemacht. Als ich nach einer längeren Exkursion zu meinem Wagen zurückkehrte, standen da ein paar Leute rum, die offensichtlich etwas beratschlagten. Einer kam wohl auf die Idee, mich in die Diskussion mit einzubeziehen. Mit einem Schlangenhaken in der Hand und einem Fernglas um den Hals hielten sie mich wahrscheinlich für einen Mitarbeiter des Gebietes und somit für mitverantwortlich.

Kurz: Ich zog den Alligator am Schwanz hervor. Er fauchte, stellte sich auf die Beine, blähte sich auf, doch es nützte alles nichts, er musste seinen Weg zurück ins Wasser antreten, auch wenn er etwas dagegen hatte.


American Alligator, Savannah National Wildlife Refuge (SNWR), Jasper County, SC

Within the refuge canals with deeper water harboured the largest alligators, SNWR, Jasper County, SC

Vögel, die ja auch Reptilien sind, gab es dort natürlich in Hülle und Fülle, wie zum Beispiel das Amerikanische Blässhuhn:

Das Zwergsultanshuhn:

Den Amerikanischen Schlangenhalsvogel:

American Coot, Purple Gallinule and Anhinga, SNWR, Jasper County, SC

Und Menschen, die diese Tiere sehen wollten, gab es natürlich auch:

Birdwatching in the USA! Could have been a song written by Bruce Springsteen (I don`t like his music) ...

Hier mal ein paar Landschaftseindrücke:


Überall frisches Grün. Und nur an einem einzigen Morgen gab es auch noch herrlichen Bodennebel:

Pretty fog on early morning, SNWR, Jasper County, SC

Was man auf so hübschen Landschaftsbildern nicht sehen kann, sind die unglaublich nervigen Mücken, die einem das Leben vor allem nach Sonnenuntergang schwer machen können und die mich letztendlich dazu brachten, das Gebiet nach ein paar Tagen wieder zu verlassen. Doch bis dahin gab es dort noch viel zu sehen.

So gab es dort auch wieder den Breitkopfskink. Hier ein Männchen mit etwas krank wirkenden Schuppen:

Es war sehr zutraulich, zum Teil sogar neugierig:

Ein Weibchen wollte auch Teil meines Berichtes werden:

Und schließlich noch ein Jungtier dieser Art, das sich an einem Baumstubben wärmte:

Broadhead Skink "family", SNWR, Jasper County, SC

Und Frösche konnte man mit etwas Glück auch mal sehen. Hier zum Beispiel zwei verschiedene Südliche Leopardfrösche:

Der Schweinsfrosch, dessen Rufe tatsächlich an das Grunzen von Schweinen erinnern, kann sehr groß werden:

Der Ochsenfrosch ebenso:





Und schließlich der Frosch mit dem für mich abgedrehtesten Ruf, der "Amerikanische Grünfrosch" (den Namen habe ich mir in Anlehnung an den englischen einfach ausgedacht):

Die Rufe aller in South Carolina vorkommenden Froschlurche klingen für das an europäische Arten gewöhnte Ohr merkwürdig, doch in seiner Gesamtheit ist das amerikanische "Froschkonzert" dem europäischen überraschend ähnlich. Einer der lautesten Teilnehmer am nächtlichen interspezifischen Musizieren ist auch in Amerika ein Laubfrosch:

Southern Leopard Frog, Pig Frog, Bullfrog, Green Frog, and Green Tree Frog, SNWR, Jasper County, SC

Am 18. April gab es zum ersten Mal Regen, der auch in der darauffolgenden Nacht anhielt und immer stärker wurde. Eine Straße, die durch das Gebiet führt und leider auch von unglaublich vielen LKW frequentiert wird, untersuchte ich also genauer, um vielleicht mal eine neue Art in die Fänge zu bekommen. Das misslang aber; es waren nur die altbekannten Gesichter unterwegs. Wegen der vielen LKW war das Unterfangen, die Tiere mal im Schein einer Taschenlampe zu bestaunen, nicht nur für die Lurche gefährlich.

Dass es geregnet hatte in der ganzen Nacht, konnte man auch noch am folgenden Tag gut sehen. Und zwar an diesem Brummirennen:




Weitere Vögel:

Bootschwanzgrackel und Keilschwanzregenpfeifer:

Letzterer stand immer auf den Wegen herum, um bei jedem herannahenden Auto aufzufliegen.

Kanadareiher mit Beute:

Bindentaucher:

Ohrenscharbe:

Boat-tailed Grackle, Killdeer, Great Blue Heron, Pied-billed Grebe, and Double Crested Cormorant, SNWR, Jasper County, SC

Und es gab Silberreiher en gros:

Wer möchte da Frosch sein?
 
Must be nice to be a frog...

Schmuckreiher sind natürlich auf dem Bild auch zu sehen.

Für mich gab es einige neue Vogelarten, von denen ich folgende erwähnen möchte: Swallow-tailed Kite, Bobwhite, Painted Bunting, Reddish Egret, Wood Stork und schließlich die Black-bellied Whistling-Duck, die eigentlich (nach meinen Büchern) dort gar nicht vorkommen sollte, aber durchaus recht häufig war. Im Savannah National Wildlife Refuge kann man viele tolle Vogelarten vor die Linse bekommen, aber natürlich sind die Bedingungen nicht mit Florida (z.B. Anhinga Trail) zu vergleichen; eine Restscheu ist bei den meisten Vögeln schon noch vorhanden.

Zum Reservat gehört auch der so genannte Kingfisher Pond, der in einem Kiefernwald liegt. Dort, wo es insgesamt trockener ist als im eigentlichen Gebiet, kann man auch mal andere Arten sehen, zum Teil aber auch dieselben.

Auf einer Lichtung dort begegnete ich immer wieder der Schwarznatter. Charakteristisch für diese Schlange ist das fast immer vorhandene weiße Kinn. Nur der alte Haudegen vom Lake Marion war komplett schwarz gefärbt:

Die Tiere sonnten sich dort zumeist am Gebüschrand, und wenn sie bereits die Betriebstemperatur erreicht hatten, flüchteten sie schon auf große Distanz ins Gestrüpp.










Black Racer, SNWR, Jasper County, SC

Auf der Lichtung gab es auch mal wieder die Sechsstreifenrennechse zu sehen:

Male Six-lined Racerunner, SNWR, Jasper County, SC

Und auf diversen Lichtungen wuchs und blühte diese Passionsblume:

Passiflora incarnata (Maypop)?, SNWR, Jasper County, SC

Auf den sandigen Wegen turnten diese Ödlandschrecken herum, ausgestattet mit gelben Hinterflügeln:

Unknown Grashopper species (with yellow hindwings), SNWR, Jasper County, SC

Und an anderen, dichter mit Kräutern bewachsenen Stellen gab es diese Nymphen einer mir unbekannten Heuschreckenart, mal mit gelben, mal mit roten "Zierleisten":



Unknown Grashopper-nymphs,  SNWR, Jasper County, SC

Hier noch einmal Landschaftsbilder aus dem Reservat:


Die alten, reichlich mit "Spanischem Moos" geschmückten Bäume sehen vor allem abends und morgens, wenn die Sonne tief steht, beeindruckend aus.


Das so genannte Spanische Moos ist tatsächlich eine Tillandsie, die wiederum zu den Bromeliengewächsen gehört. Sie wächst keinesfalls auf allen Bäumen, braucht bestimmte Arten zum Überleben, z.B. die oft sehr knorrige Virginia-Eiche oder die Echte Sumpfzypresse. Und sie ist kein Schmarotzer, fügt dem Baum keinen Schaden zu, schmückt ihn lediglich wie früher das Lametta den Christbaum:

Vor allem an alten und freistehenden Bäumen sah das immer sehr skurril aus, fast märchenhaft.

Wenn man einmal damit anfängt, es zu fotografieren, kann man nur schwer damit aufhören. Die untergehende Sonne aber setzt irgendwann den Schlusspunkt:

Nicht zu verwechseln ist diese Pflanze mit den Bartflechten, die man zum Beispiel in Skandinavien finden kann.

Trees with Spanish Moss, SNWR, Jasper County, SC

Am frühen Morgen war ich eigentlich immer der erste Besucher des Reservats. Die Tore, die nachts verschlossen waren, öffneten morgens automatisch. Wenn man früh am Start ist, kann man zum Beispiel das hier bestaunen:

Sumpfschwalben haben die Nacht im Reservat verbracht und wärmen sich nun in der Morgensonne auf.

Die Art brütet in Baumhöhlen und Nistkästen und ist wohl die mit Abstand häufigste Schwalbenart in Nordamerika.

Und irgendwann fliegen sie dann auf:

Nicht selten landen sie dann wieder, um sich abermals zu wärmen, zum Beispiel auf dem Weg:

Tree Swallow, SNWR, Jasper County, SC

Bei all diesen tollen Tieren verlor ich meinen eigentlichen Reisezweck nicht aus dem Sinn. Was war noch einmal das Thema? Schlangen. Doch wo waren sie? Wenn man mal von der Schwarznatter, die sich übrigens immer etwas gummiartig anfühlt, absieht, dann ist mir bis jetzt hier im Reservat nichts begegnet. Gerade die Wassernattern der Gattungen Nerodia und Thamnophis sollten sich hier doch wohlfühlen.

Das Bild ist eine Täuschung, die Schlange, die ich auf der Straße fand, leider tot. Es ist eine Gebänderte Wassernatter (fünfte Art meiner Reise), die ich nach ihrem Tod noch einmal in Szene gesetzt habe. Wirklich kaum zu glauben, aber in den knapp drei Wochen habe ich es geschafft, nur eine lebende Nerodia zu sehen. Hinsichtlich der beiden Thamnophis-Arten ging ich sogar komplett leer aus. Das hätte ich mir nie vorstellen können. Unglaublich!

Die Schlange ist leider einem Auto zum Opfer gefallen. Insgesamt konnte ich zwei tote Individuen dieser Art finden. Nachdem ich die Bilder gemacht und mich bereits auf etwas anderes konzentriert hatte, fiel mir ein, dass ich eigentlich noch weitere Bilder von dieser Schlange machen könnte, doch in den wenigen Minuten meiner Abwesenheit waren bereits Ameisen über das arme Tier hergefallen. Und sie sollten ganze Arbeit leisten, denn nur drei Tage später sah das Ganze so aus:

Banded Watersnake (roadkill), SNWR, Jasper County, SC

Da hatten selbst die Rabengeier keine Chance, zum Zuge zu kommen:

Während die Art im Nordosten des Staates kaum zu sehen ist, ist sie im Süden wohl häufiger als der Truthahngeier.

Allabendlich fliegen die Tiere zu ihren Schlafbäumen, die sie mit Truthahngeiern teilen:

Die stark gefingerten Handschwingen lassen einen unter ungünstigen Bedingungen schon mal an einen Adler denken; ein Eindruck, den man beim Truthahngeiser nie hat:

Black Vulture, SNWR, Jasper County, SC

Und wie oft habe ich am späten Nachmittag/Abend noch einen Rundgang gemacht. Immer in der Hoffnung, eine Schlange möge sich auf dem Weg befinden, sich vielleicht sonnen, doch es waren immer nur Mücken da. Man denkt dann so komische Sachen wie: Wo befindet sich wohl jetzt die nächste Schlange? Welcher Art gehört sie an? Bitte, alle Schlangen in einem Umkreis von 500 Metern jetzt einmal aufleuchten! Wenigstens so lange, wie ich brauche, um zu euch zu gelangen... Wirr, oder? Ich ging durch einen dieser Kiefernwälder, links und rechts von mir ein Zypressensumpf. Mein Blick wieder einmal gesenkt, den Boden scannend. Ich versuchte, ihn zu lösen, anzuheben, mit letzter Kraft, denn es war sehr warm. Und dann sah ich sie schon aus größerer Entfernung! Meine Mundwinkel zeigten jetzt deutlich nach oben! Das muss wahres Glück sein. Sie lag in einer kleinen Pfütze mitten auf dem Weg, und sie war eine Wassermokassinotter: Schlangenart Nummer sechs:

Die Art gilt wie so viele als häufig, doch ich sah sie nur insgesamt zweimal. Dies hier war meine erste Begegnung, und obwohl das Licht bereits sehr schlecht war, war die Freude ungetrübt:

Das Tier war adult, etwa achtzig Zentimeter lang, und es war nur wenig beunruhigt, öffnete nur einmal kurz den Mund, zitterte einmal kurz mit dem Schwanz, danach war nichts mehr:

Die Schlange, die ja auch giftig ist, wird in den Südstaaten sehr gefürchtet. Ich kann sagen, sie ist eher gutmütig. Nicht ein einziges Mal hat dieses Tier nach mir gestoßen, nicht gefaucht. Okay, es ist nur ein einzelnes Individuum, aber aus sicherer Quelle weiß ich, dass die Wassermokassinotter tatsächlich sehr beißunlustig ist. Nur wenn man auf sie tritt oder sie in die Hand nehmen will, lässt sie sich aus der Ruhe bringen.

Ich war glücklich, endlich diese "berüchtigte" Schlange gefunden zu haben. Ich hatte zuvor wirklich alles gegeben, in vielen Sümpfen Tausende von rumliegenden Baumstümpfen und Ästen, auf denen sie sich gerne sonnen soll, nach dieser Schlange abgesucht. Immer Fehlanzeige. Doch diese Begegnung entschädigte für alles:


Irgendwann verließ die Schlange die Pfütze, weil sie nicht ausreichend Schutz vor diesem Irren mit der Kamera gewährte, und ich ließ es dabei bewenden:






Cottonmouth, SNWR, Jasper County, SC

Immer noch breit grinsend ging ich zurück zum Auto, doch auf dem Weg dorthin noch einmal eine andere Überraschung, lag da in einer weiteren Pfütze doch tatsächlich eine Schildkröte:

Nach längerer Recherche habe ich herausgefunden, dass es sich dabei um die Gewöhnliche Moschusschildkröte handeln dürfte, wie nicht zuletzt die fleischigen Dornen an Kinn und Kehle illustrieren:

Ein Portrait:

Common Musk Turtle, SNWR, Jasper County, SC

Wegen der Mücken wollte ich auch mal wieder weg aus diesem Gebiet, und tatsächlich versuchte ich es, fuhr auf die andere Seite des Flusses, nach Georgia also, und besuchte wie geplant das Effingham County, doch am selben Abend kehrte ich "heim" zum Fluss, weil es im Effingham County wieder einmal total zersiedelt, wo das Betreten sämtlicher Wälder untersagt war, wo wieder diese Schilder waren, die Tore, die einem signalisierten: Hier darfst du nicht rein! Und ich hielt mich diesmal auch daran. Fast immer. Und nur einmal in drei Wochen hat mir der Besitzer einer Ruine eine Maschinenpistole unter die Nase gehalten. Das geht. Das ist in Ordnung. Ich muss aber zu meiner Rechtfertigung sagen, dass dort nichts aushing. Es gab keinen Hinweis auf Privatbesitz im Falle dieser Ruine. Wirklich nicht. Ich schreibe das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe...

Ich fuhr also zurück, überquerte diesmal diese Brücke über den Savannah River:









Man kann das hier auf dem Bild kaum erahnen, aber die Flüsse in South Carolina sind absolut unbegradigt, sie dürfen mäandrieren, sich durch die Landschaft wühlen, sie sind umgeben von unendlich weiten Flussmarschen und Auwäldern, und wenn man dann an die Flüsse in Deutschland denkt, an Hase oder Väterchen Rhein, so in einem hilflosen Moment vielleicht, dann kommen einem wirklich die Tränen.


Allerdings ist die Welt nur fast heil, denn auch die Amerikaner müssen so etwas wie ein Bruttosozialprodukt auf die Beine stellen, um überleben zu können. Was auch immer in dieser Fabrik direkt am Fluss hergestellt wird, es stank bestialisch und erinnerte mich ganz spontan an eine andere Fabrik, eine im rumänischen Vadu (am Schwarzen Meer), die sogar sofortige Übelkeit erzeugte, wenngleich sie damals, als wir dort Vögel zählten, längst außer Betrieb war.

Egal, ich versuchte mein Glück also wieder im Reservat, doch bis auf Fotos von einem "Gray Racer" sollte mir nichts mehr gelingen:

Die eigentlich schwarze Schlange ist hier grau, weil sich zwischen alter und neuer Haut eine Flüssigkeit angesammelt hat:




Diese Trübung aber wird noch vor der Häutung wieder zurückgehen, die Schlange wieder einigermaßen normal aussehen, und erst dann wird sie sich aus ihrer alten Haut befreien. Es ist also ganz gewiss kein Alien:

Black Racer's grey eyes and skin indicate that the snake is going to shed its skin soon, SNWR, Jasper County, SC

Danach verließ ich das Gebiet. Wirklich: so viele Mücken auf einmal können nicht gesund sein!

Ich bewegte mich schon mal ganz vorsicht auf Charleston zu, damit ich am letzten Tag nicht noch lange fahren musste. Besuchen wollte ich Edisto Island, wo es eine angesiedelte Population der Texas-Krötenechse geben sollte. Doch schon auf halbem Weg entdeckte ich einen schönen Kiefernwald, der zum folgenden Gebiet gehörte:








Schnell eben einmal durchfahren, dachte ich so beiläufig, das kostet nichts. Und so wäre ich wohl tatsächlich nach einer Stunde weitergefahren, wenn nicht folgendes Tier mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte:

Diese Kornnatter lag am Rande des Weges, und ich hatte sie längst passiert. Frank, da war was, schrillten die Alarmglocken in meinem Hirn, du musst zurück. Sofort. So-FORT! Fahren ging nicht, weil das Tier inzwischen die Stellung geändert haben konnte, sofern es ein Tier war, was ich gesehen hatte. Ich stieg also aus, rannte die paar Meter in großer, fast übersteigerter Erwartungshaltung zurück und war richtig baff:


Diese Art gilt als häufig, doch ist sie sehr heimlich, bewegt sich viel in der Laubstreu am Waldboden, wo sie aufgrund ihrer Zeichnung bestens getarnt ist.

Die Kornnatter ist die wohl beliebteste Hausschlange weltweit. Bei Müllers Hobbymarkt in Moordorf kann man sie für siebzig Euro erstehen, doch dürfte man eine "gebrauchte" sehr viel günstiger bekommen. In der natürlichen Umgebung aber ist das Tier noch viel hübscher als in einem engen Terrarium.

Hier bleibe ich, dachte ich so nebenbei, während ich das Tier fotografierte:


Corn Snake, Donnelly Wildlife Management Area, Colleton County, SC

Und tatsächlich sollte ich hier nach Schlangenart Nummer sieben auch noch die Arten acht und neun finden, darunter endlich auch, es sei vorweggenommen, der lang ersehnte Kupferkopf.

Es gab dort auch wieder einen größeren Sumpf mit einer beachtlichen Reiherkolonie. Eigentlich muss es richtig Schreitvogelkolonie heißen, denn es waren auch Waldstörche und Schneesichler am Brutgeschäft beteiligt.

Nahezu die komplette Wasseroberfläche ist von der eigentlich aus Südamerika stammenden Wasserhyazinthe erobert worden. Wohl auch eine Form der Globalisierung.

Und wieder sah ich diese Pfeifgänse: 


Black-bellied Whistling-Duck, DWMA, Colleton County, SC

Papstfinken (ISO 1250) kämpften mit Indigofinken um was auch immer, was skurril auf mich wirkte:

Der Königstyrann lauerte auf Leitungen stehend auf Beute wie zum Beispiel Fluginsekten:



Painted Bunting, Eastern Kingbird, DWMA, Colleton County, SC

Vor allem im Eingangsbereich, am Infozentrum, wo auch ein Futterhaus stand, hingen einige Grauhörnchen ab:

Die Art, die auch erfolgreich in England eingebürgert wurde, hat so gar nichts vom zarten Wesen unseres Eichhörnchens. Auch im Norden Italiens soll sie bereits vorkommen, und weil das eher an Affen erinnernde Grauhörnchen dem heimischen Eichhörnchen überlegen sein soll, könnte es dieses verdrängen. In England gilt die heimische Variante bereits als vom Aussterben bedroht. Globalisierung Teil zwei! Hoffentlich wird das Grauhörnchen die Alpen niemals überqueren können.

Gray Squirrel, DWMA, Colleton County, SC

Eigentlich nur nach Einbruch der Dämmerung sah man Weißwedelhirsche durch den Wald streifen:

Whitetail Deer (Bambi's mother), DWMA, Colleton County, SC

Und auch diesen Bruder konnte ich endlich quicklebendig beobachten:

Neunbinden-Gürteltiere sind im Südosten South Carolinas sehr häufig, den Nordosten des Staates aber haben sie noch nicht erobert. Ich besitze auch ein Buch über die Säuger des Kontinents. Es stammt aus den siebziger Jahren, und damals kam diese Art noch nicht einmal an der Küste Georgias vor!

Man kann das Gürteltier auch bei Tage beobachten, wenn es in der Laubstreu nach Essbarem sucht:

Nine-banded Armadillo, DWMA, Colleton County, SC

Viele Meilen habe ich in diesem Gebiet, das mir drei so tolle Schlangenarten in so kurzer Zeit bieten konnte, zu Fuß zurückgelegt. Wie überall in den Coastal Plains stößt man auch hier unweigerlich auf Waldbrandflächen:

Die dominierende Baumart, die Sumpfkiefer ("Long-leaf Pine") ist aber sehr gut an diese natürlichen Brände, die wohl hauptsächlich durch Blitzeinschlag entstehen, angepasst. Selbst junge Schößlinge, auf die man keinen Pfifferling mehr wetten würde, treiben unbeeindruckt wieder aus:

Long-leaf Pine is obviously well adapted to bushfires, DWMA, Colleton County, SC

Wenn man dort die Wege entlang wandert, dann kann man alle Stadien der Wiederbelebung entdecken. Die Wege fungieren oft als Brandbarriere, und so kann es sein, dass der Boden links vom Weg noch total verkohlt ist, während es auf der rechten Seite nie gebrannt hat. Oder aber es hat dort ein Jahr zuvor ein Feuer gegeben, und inzwischen erstrahlt der Boden wieder in frischestem Grün, weil Farne die frei gewordenen Flächen allmählich zurückerobern:

Auf den Straßen, die am Gebiet vorbeiführen, fand ich mehrere plattgefahrene Schwarznattern:

Doch war leider auch eine Rotbauch-Wassernatter, eine neue Art für die Reise, dabei:

Black Racer, Red-bellied Watersnake (roadkill), DWMA, Colleton County, SC

Am zweiten Abend dann war es sehr warm, etwa 27 Grad Celsius, sodass ich beschloss, den Hauptweg auch mal bei Dunkelheit abzufahren. Ich hoffte auf Kupferkopf und Waldklapperschlange, die beide dafür bekannt sind, bei großer Hitze auch nachtaktiv zu werden.

Ich fuhr also los. Auf dem Hinweg (etwa vier Meilen lang) sah ich nur eine Floridakröte. Am Ende angekommen rauchte ich eine Zigarette, weil ich den Tieren die Zeit geben wollte, den Weg ganz in Ruhe zu bekriechen. Dann im Schritttempo die vier Meilen zurück. Erst kurz vor dem Ende, das Infozentrum war bereits sichtbar, sah ich ihn:











Es war ein junger Südlicher Kupferkopf, den ich mir sooooo sehr gewünsch hatte. Endlich konnte ich ihm in die Augen sehen:

Es war ein winziges Jungtier, wie man an der zitronengelben Schwanzspitze erkennen kann:

Ich sackte es ein, weil es für Fotos bereits zu dunkel war, und fuhr weiter. Nur wenige Meter legte ich zurück, da lag da ein zweites, etwas größeres Individuum auf dem Weg:

Diese Schlangenart ist einfach nur schön! Diese Zeichnung, diese Farben, das ist schon etwas Besonderes für mich:

Auch dieses Tier durfte eine Nacht im Auto verbringen. Nach abermals wenigen Metern dann die erste adulte Schlange, etwa fünfzig Zentimeter lang:


Ich war wirklich beeindruckt:

Southern Copperhead (three different specimens), DWMA, Colleton County, SC

Das war so gegen acht Uhr. Zwei Stunden später fuhr ich eine zweite Tour, doch ich fand nur noch einen einzigen adulten Kupferkopf, den ich aber gewähren ließ, weil meine Beutel bereits ausgelastet waren und die Tiere einander schon sehr ähneln.

Beim Fotografieren am nächsten Morgen war plötzlich der Akku leer, sodass ich zum wenige Meter entfernten Auto laufen musste. Nach meiner Rückkehr war ich ratlos: Wo war die Schlange? Ich war doch nur eine Minute weg. Dann entdeckte ich sie; sie lag exakt am selben Ort, direkt vor meiner Linse! Was will ich damit sagen? Dieses wunderschöne Tier ist so unglaublich gut an die Farben und Strukturen des Waldbodens angepasst, dass es eher sinnlos erscheint, sie am Tage in der Laubstreu zu suchen. Ähnlich dürfte es sich mit der Waldklapperschlange verhalten.

Nach dem Fotoshooting entließ ich die Tiere wieder in die Freiheit, wie es sich gehört.

Am nächsten Tag fand ich eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte (sie ist eine Unterart der Buchstaben-Schmuckschildkröte; eine zweite Unterart ist die im Zoohandel massenhaft verscherbelte Rotwangen-Schmuckschildkröte) mitten auf dem Weg, die offenbar mal was Neues sehen wollte:


Pond Slider, DWMA, Colleton County, SC

Wenige Minuten später begegnete ich dort am Sumpf einem Ehepaar aus der Gegend. Nachdem wir uns über die Qualität des Gebietes unterhalten und ich meinen Wunsch, möglichst viele Schlangenarten zu sehen, geäußert hatte, zeigten mir die beiden Bilder von einer Erdnatter auf ihrer Küchenanrichte, die nur wenige Tage zuvor durch die Katzenklappe in ihr Haus eingedrungen war, auf der Suche nach Kleinsäugern und Vögeln. Diese Art, die in South Carolina keineswegs selten ist, stand auch ganz oben auf meinem Wunschzettel. Ich beneidete die beiden also sehr. Nachdem wir uns voneinander verabschiedet hatten, machte ich erst einmal eine Pause. Dann suchte ich einen Bereich jenseits eines verlassenen Hauses auf, ging einen breiten Graben entlang, untersuchte zum tausendsten Mal das ganze Ufergestrüpp, und da war sie dann plötzlich, die großartige Erdnatter. Sie hatte es sich auf einem Ast gemütlich gemacht:


Vor Freude schrie ich spontan einmal ganz laut: JAAAAAAA! Ich blickte mich sofort um, aber es war niemand außer mir da, der sich über mein merkwürdiges Verhalten hätte wundern können ;-)

Die Erdnatter war etwa anderthalb Meter lang und blieb ganz ruhig. Sie erinnerte mich hinsichtlich ihrer Physiognomie spontan an die auch in Deutschland vorkommende Äskulapnatter. Und selbst Färbung und Zeichnung wären für eine Äskulapnatter nicht so ungewöhnlich, denkt man sich mal die kräftigen vier Streifen weg:

Es war bereits sehr dunkel, das schlechte Licht ließ sehr lange Verschlusszeiten erwarten, aber es reichte noch, ich konnte die Schlange bereits kurz nach dem Entdecken dingfest machen, mit meiner Kamera quasi im Dauerfeuer "erschießen", und nur wenige Minuten später hatte sie wieder ihre Ruhe:


Die Erdnattern der Coastal Plains sind mit ihrer Zeichnung viel hübscher als diejenigen jenseits der Fall Line, die einfach nur schwarz sind:


Rat Snake, DWMA, Colleton County, SC

An den folgenden Tagen gab es nicht mehr viel zu tun, zog doch abermals eine schreckliche Kaltfront durch, die Pennsylvania viel Schnee und South Carolina beinahe Frost einbrachte.  Bei Temperaturen um vier Grad Celsius braucht man nicht nach nachtaktiven Schlangen zu suchen. Doch immerhin fand ich noch eine Maulwurfsgrille, die ich in den Staaten nicht erwartet hätte. Dabei könnte es sich um Neocurtilla hexadactyla (ein deutscher Name existiert wohl nicht) handeln:


Mole Cricket, DWMA, Colleton County, SC

Nach etwa fünf Tagen verließ ich die Donnelly Wildlife Management Area, machte mich auf den Weg nach Charleston, das nur noch vierzig Meilen entfernt war:

Die letzte Nacht vor meiner Abreise verbrachte ich wie im letzten Jahr im La Quinta Inn in North Charleston, ganz in der Nähe des Flughafens.

Am nächsten Morgen dann ging es via Toronto zurück nach Düsseldorf:

Im Hintergrund die Skyline von Toronto, sich unmittelbar am Lake Ontario auftürmend. Nur noch eine böse Überraschung gab es dann in Düsseldorf. Mein großer Trekkingrucksack tauchte auf dem Band leider nicht auf und ist bis heute, zwei Tage nach meiner Ankunft, verschollen.

Ich besitze jetzt kein Fernglas mehr...

Nachtrag vom 1. Mai 2012: Auch mein Rucksack hat heute endlich den Weg nach Emden gefunden. Ein Taxi brachte ihn von Bremen nach Hause. Nun bin ich wieder stolzer Besitzer eines Fernglases!








Der Falter hat's gut, er muss nicht arbeiten, fliegt einfach immer nur den Weg auf und ab...

Sehr amerikanisch, das Lied, aber es lief rauf und runter und hat mir das eine oder andere Mal Glück gebracht, so meine ich jedenfalls. Nach Linda und Katy Perry (nicht miteinander verwandt), nach Christina Perri (lief auch rauf und runter) nun also The Band Perry!


Zum Abschluss noch ein Link zum ersten Trip nach South Carolina:

South Carolina September/Oktober 2011