wilde perspektiven

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Samstag, 12. Mai 2012

Bis dass der Tod sie scheidet

Dohlen sind sehr klug und sehr sozial. Und Dohlen schaffen das, was die meisten Menschen nicht auf die Reihe kriegen: Nach der Verpaarung verbringen die Partner tatsächlich das ganze Leben miteinander! Noch besser aber ist, dass man ihnen nicht ansieht, wie lange sie schon in einer Partnerschaft leben, denn auch nach vielen Jahren gehen sie sehr liebevoll miteinander um.

Die folgenden Bilder sollen das illustrieren, und darüber hinaus möchte ich noch einmal den ungewöhnlichen Neststandort im Efeu am Restaurant Strandlust in Erinnerung rufen. Denn eigentlich brüten Dohlen entweder in Baum- und Felshöhlen oder in altem Gemäuer, sehr häufig und zum Leidwesen vieler Menschen aber auch in Schornsteinen.

Hier eine sexy männliche "Knock-Dohle":



Schau mir in die Augen:

Weil er so hübsch ist, der Dohlenmann, hier eine Ausschnittvergrößerung:

Bis auf eines der Paare nisten die Vögel in Ermangelung geeigneter Höhlen im Efeu, was ich so noch nie zuvor gesehen habe. Hier eines der Nester, ausgeschmückt mit Papiertaschentüchern oder so:

Im Moment kann man sie besser sehen als noch vor Wochen, weil jemand den Efeu gestutzt hat.

Hier der König der Dohlenkolonie, der es sich zusammen mit seiner First Lady im einzigen brauchbaren Kasten gemütlich gemacht hat:


Mächtig blickt er aus seinem Palast heraus und auf das Volk herab. Ein neuer Kasten könnte aber auch nicht schaden; der Lack ist ab.

Diese beiden haben nur ein Arbeiterschließfach abbekommen:

Doch wie man sehen kann, brauchen sie keinen Prunk, um glücklich zu sein:

Okay, sie brüten natürlich nicht in diesem Kasten, aber zum Ruhen taugt er allemal. Hier ist es das Weibchen, das dem Kerl den Nacken krault. Umgekehrt funktioniert das aber natürlich auch.

Dohlen können recht alt werden, älter als Katzen und Hunde, und so ist es schon etwas Besonderes, wenn zwei Partner es so lange miteinander aushalten ;-) Ich mag diese Vögel sehr!

Und da ich schon mal von ungewöhnlichen Neststandorten bei einer Rabenvogelart schreibe, kann ich auch gleich noch einen weiteren Trumpf aus meinem Jackenärmel ziehen:

Na, wonach sieht es aus? Da lugt doch ein Schwanz aus dem Nest, ein schwarzer noch dazu. 

Auch Rabenkrähen können in Bezug auf den Neststandort sehr kreativ sein. In anderen Teilen dieser Republik sind auf Strommasten brütende Krähen nicht ungewöhnlich, doch weder in Osnabrück noch in Ostfriesland habe ich das jemals zuvor gesehen. Dieser Vogel sitzt oder liegt in Emden-Larrelt auf seinem Gelege, an der Wolfsburger Straße, unweit des VW-Werkes. Ein sicherer Platz ist das noch dazu, denn kein bösartiger Mensch wird sich trauen, das Nest von unten zu durchschießen.

Zum Abschluss hier noch das Bild eines der Wahrzeichen Emdens:

Es  zeigt den im Zentrum der Stadt stehenden Wasserturm im Abendlicht. 

Im Hintergrund sieht man den Glockenturm der so genannten Großen Kirche. Leider steht da dieser unschöne Wohnblock im Weg, aber egal. Als ich dieses Foto machte, stand ich in Emden-Conrebbersweg (von Emdern liebevoll und ausschließlich Conrebbi genannt).

Hier noch ein Lied, das gut zum Wochenende passt. Vor allem das zweite Stück mit der dazugehörigen Performance hat einen hohen Spaßfaktor!

Also, schönes Wochende!

Ach ja, der nächste Vogel, den ich hier in den kommenden Tagen vorstellen werde, war einst Brutvogel in dieser Stadt. Gesehen habe ich ihn gestern Nachmittag am Emsstrand an der Knock. Nein, richtig muss es heißen: Gesehen habe ich SIE gestern, denn es waren zwei Individuen, eine Frau und ein Mann. Und wenn ich noch anfüge, dass das gestern für mich erst die zweite Begegnung mit dieser Art in Deutschland war, dann wird es jetzt aber mal so richtig spannend...