wilde perspektiven

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Samstag, 9. Juni 2012

Schafskälte

Die vergangene Woche war wettermäßig mehr als durchwachsen. Am Dienstag gab es wenigstens nicht nur Regen, und so machte ich wieder ein paar Aufnahmen vom Übersehenen Knabenkraut, diesmal aber in Aurich-Brockzetel:





Bei sehr schlechtem Licht übrigens, aber die kennzeichnende ringförmige Fleckung der Blätter ist hier trotzdem sehr gut zu sehen! 

In der Gruppe sehen diese Pflanzen besonders hübsch aus:

Am Donnerstag dann gab es eine größere Überraschung an der Knock, wo mir dieser Geselle vor die Füße flog:

Auch hier war das Licht sehr dürftig, doch die Art ist zumindest im Stehen leicht bestimmbar. Die rot geäderten Flügel, die gelben Flügelmale sowie das eher zum Pink tendierende Rot des Abdomens sind diagnostisch. Darüber hinaus fliegen zu diesem frühen Zeitpunkt des Jahres noch keine weiteren Arten, die dieser Libelle auch nur annähernd ähneln. 


Trotz meiner noch vom Urlaub arg geschundenen Knie musste ich mich auch hier wieder auf den Boden legen, um mit der Libelle auf Augenhöhe zu kommen, und der steinige Weg ließ wieder einmal alte Wunden aufbrechen und Blut fließen.

Abschließend noch ein Portrait dieser eigentlich mediterranen Art:

Die Frühe Heidelibelle, um den Namen der Art mal zu nennen, habe ich seit meinem Umzug nach Ostfriesland 2009 alljährlich hier feststellen können. In schwankender Zahl allerdings. Im Landkreis Osnabrück hatte ich sie bereits zuvor in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren an verwachsenen Blänken im Hasetal beobachten können, übrigens zusammen mit der ebenfalls aus dem Mittelmeerraum stammenden Feuerlibelle. Seinerzeit gab es auch Weibchen sowie Kopulationen mit anschließender Eiablage. Mal schauen, was hier noch so passiert...

Am selben Tag trödelte dann noch ein verspäteter Steinschmätzer am Schöpfwerk des Knockster Tiefs herum, und am Abend konnte ich schließlich gleich zwei adulte Seeadler im Wybelsumer Polder feststellen:

Vogelbeobachter sprechen angesichts der Größe und der wuchtigen Gestalt dieses imposanten Greifvogels spaßeshalber von fliegenden Türen. Nicht zu Unrecht, wie ich finde.

Rätselei oder besser Rätsel-Ei:

Geschlüpft waren die Austernfischer (zwei Küken) aus diesem Gelege neben dem Gassco-Gelände bereits am vergangenen Sonntag, doch dieses Ei war offensichtlich eine Nullnummer. 

Am Freitag nach der Arbeit gelangen mir dann noch Aufnahmen von drei verschiedenen Arten.

Zunächst stand da in Larrelt eine weibliche Brandente herum:



Der dazugehörige Kerl war noch weniger scheu und pausierte direkt vor meinem Tarnzelt. Immerhin versperrte er mir nicht die Sicht auf seine Angetraute.

Und dann gab noch ein Kiebitz ein sehr kurzes Gastspiel:


Ein heftiges Gewitter zog heran, verhieß Regen ohne Ende, doch dieser Vogel wollte sich sein Bad trotzdem nicht nehmen lassen:

Nicht nur badende Kiebitze sind immer wieder ein herrlicher Genuss:

Und die große Sintflut zog am Ende doch an Larrelt vorbei. Als ob es der Kiebitz geahnt hatte.

Einmal schüttelte er sich noch kräftig, dann verschwand er so überraschend, wie er zuvor aufgetaucht war:

Dann noch ein Waldwasserläufer, der sich bereits auf dem Wegzug befand:


Am sehr frühen Samstagmorgen wollte ich in Larrelt eigentlich hübsche Bilder im Gegenlicht der aufgehenden Sonne machen, und zunächst war es auch wolkenlos. Ein Waldwasserläufer stand vor meinem Tarnzelt, dazu zwei Schnatterenten. Doch bevor die Sonne sich zeigte, zog es blitzartig zu. So eine richtig fette Wolkendecke ließ es wieder Nacht werden. Mist!

Ich fuhr zum Wybelsumer Polder, um "wenigstens mal wieder" einen Seeadler zu sehen, und tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht:

Die Weidenbüsche im Hintergrund deuten es an: Es blies ein frischer, in Böen stürmischer Südwind (bis acht Beaufort)! Eigentlich war es nur eine Böe, die ausreichend Sitzfleisch besaß und von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang durchhielt. Zu allem Überfluss gingen die Temperaturen wieder in den Keller, und so verwundert es nicht, dass viele Menschen erneut ihre Wintergarderobe aus dem Schrank geholt haben. Und zum Wochenstart soll es doch tatsächlich noch kälter werden.

Am Mahlbusen des Knockster Tiefs gab es dann immerhin noch einen Starenschwarm:



Einen Eichelhäher, der leider dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen ist, fand ich in Wybelsum:

Für mich ist er übrigens eine der attraktivsten Vogelarten überhaupt!

Und in Larrelt fotografierte ich schließlich noch eine Bachstelze:

Hiermit eröffne ich die Fußball-Europameisterschaft 2012 ;-)