wilde perspektiven

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Donnerstag, 6. September 2012

Braunkehlchen und Steinschmätzer

Es ist doch tatsächlich wieder Herbst!

Für Vogelbeobachter ist er neben dem Frühjahr die Jahreszeit überhaupt, weil sich viele gefiederte Gesellen dann auf dem Weg in ihre Winterquartiere befinden und man mit reichlich Glück Arten entdecken kann, die man nicht jeden Tag, noch nicht einmal in jedem Jahr und vielleicht sogar nur ein einziges Mal in seinem ganzen Leben zu Gesicht bekommt. In offenem Gelände, in Grün-, Brach- und Ackerland, kann man zurzeit zum Beispiel mit Braunkehlchen und Steinschmätzer zwei häufigere Durchzügler in größerer Zahl beobachten. Letzterer ist kein Brutvogel in Emden, doch auf den nahe gelegenen Inseln ziehen alljährlich einige Paare ihre Jungen groß. 

Vom Braunkehlchen aber gibt es in Emden noch wenige Paare, unter zehn auf jeden Fall (die Art hat wenigstens im Nordwesten der Republik in den vergangenen Jahrzehnten stark im Bestand abgenommen, ist hinsichtlich des Lebensraumes einfach zu anspruchsvoll), und zwar auf dem Rysumer Nacken, wo ich auch das folgende diesjährige Tier fotografieren konnte:


































Whinchat

Bei den Individuen beider Arten, die gerade in Emden Station machen, handelt es sich wohl eher um skandinavische Vögel, wenigstens aber um welche, die aus dem Nordosten kommen,  haben doch die hiesigen Braunkehlchen ihr Brutgebiet schon vor Wochen geräumt:       

Beide Arten stehen gerne auf einer Warte, von wo aus sie mögliche Beutetiere am Boden, aber auch in der Luft ausfindig machen.

Hier war es der Stacheldraht eines Weidenzaunes:


In keinem Kleid zeigt das Braunkehlchen eine braune Kehle, und weil man eine entsprechende politische Gesinnung des Vogels Gott sei Dank ausschließen kann, müsste man ihn eigentlich umbenennen. Ein passender Name für diesen kleinen Kerl will allerdings auch mir so ganz spontan nicht einfallen.

Die Blässralle heißt ja schließlich auch Blässralle und nicht Blässhuhn, weil sie eben eine Ralle ist und kein Huhn. Und das Wort Raubvogel findet heute auch kaum noch Verwendung (wenn man mal von wenigen, vernachlässigbaren ewig Gestrigen absieht) - man spricht von Greifvögeln -, weil Vögel eben nicht rauben, dieses Verb aber etwas Bösartiges impliziert, was jedoch so in der heilen Vogelwelt gar nicht existiert und nur dem Menschen vorbehalten ist.

In letzterer Hinsicht sollte man nichtsdestotrotz auch Konsequenz an den Tag legen, aber nur die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Schleswig Holstein nennt den Raubwürger folgerichtig Grauwürger, was ja auch angesichts eines hohen Anteils grauer Partien im Gefieder dieses geilen Vogels passt wie die bekannte Faust aufs Auge. Doch bei der Raubseeschwalbe fiel dem Anschein nach keinem Schwein mehr etwas ein ;-) 

Diesem Braunkehlchen waren solch wirre Gedanken völlig fremd:


























Es stand entspannt auf dem Stacheldraht und wartete geduldig auf Beutetiere:

Und schließlich flog es doch noch die von mir spendierte Warte an, weil es wohl ahnte, wie viel Mühe ich mir gegeben hatte:

In der Naturfotografie kann man einige Dinge im Vorfeld beeinflussen, doch so ganz ohne Glück geht es leider nicht:

Sieht ein wenig wie ein Mornell aus, der Vogel.

Zwischendurch noch eine kleine Korrektur bezüglich der hier bereits mehrfach erwähnten Rebhühner: Zwölf sind es insgesamt, nicht elf, was bedeutet, dass das Paar zehn Junge erfolgreich großgezogen hat. Weil sie nach dem Auffliegen immer so schnell wieder landen, habe ich mich da wohl leider immer verzählt. Bin halt auch nicht mehr der Jüngste!

An gleicher Örtlichkeit, aber an einem anderen Tag, rollte mir auch ein ebenfalls diesjähriger Steinschmätzer vor die Linse:

Northern Wheatear

Bei ihm gibt es am Namen nichts auszusetzen!

Hier machte er einen seeeehr langen Hals! Hatte er etwa mein billiges Spiel durchschaut?


Stehen blieb er trotzdem, zeigte mir sogar seine hübsche Seite:

Okay, noch nicht so ganz. Aber hier:

Gesehen und fotografiert in dieser Woche auf dem Rysumer Nacken, im äußersten Westen der Stadt Emden, wo sich am 05.09. auch noch ein junger Kuckuck stolz dem interessierten Beobachter präsentierte.