wilde perspektiven

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Sonntag, 17. Februar 2013

Graues Emden

Eigentlich ist Emden eine schöne Stadt, doch zurzeit ist es hier, wie auch in weiten Teilen der Republik, eher trist und grau. Wären nicht die überwinternden Gänse präsent, käme das Vogelleben hier wohl gänzlich zum Erliegen. Immerhin konnte ich heute eine adulte männliche Kornweihe in Wybelsum beobachten, doch leider blieb sie für meine Linse und mich unerreichbar.

Zum Trost gab es einen eher unbeeindruckten Graureiher ebenda:




Grey Heron

Vielleicht wartete er dort am Rand des Grabens auf den ersten Frosch der Saison, doch wahrscheinlich vergeblich.

Am Samstag suchte ich ich die zurzeit nahezu vogelfreien Salzwiesen auf. Ohne Gummistiefel wäre man dort momentan aufgeschmissen:

Salt meadow

Die zahllosen Wasserflächen waren immer noch vereist, und bis auf zwei Strandpieper gab es dort nur noch weit entfernt im Watt stehende Vögel, die der Nebel bis zur Unkenntlichkeit einhüllte.

Ein Priel zeigte an, dass das Wasser gerade ablief:


An der Wattkante sah es so aus:

Heute war wirklich alles grau: das Wetter, die Kornweihe, der Reiher, die Karnickel und jetzt auch noch der Boden!

Das folgende Bild zeigt einen in der Saison stark frequentierten Hochwasserrastplatz, doch gestern war er komplett verwaist:

Am Emsstrand flogen einige Austernfischer an mir vorüber (im Hintergrund die den Strand schützende Buhne):

European Oystercatcher

Ich fuhr zum Mahlbusen an der Knock:

Auch dort Eis so weit das Auge reicht:

Große Brachvögel ruhten sich etwa in der Mitte des Gewässers aus:


Eurasian Curlew

Und dann fand ich einen Ort, der bei mir einen schwammigen Eindruck hinterließ:


Die Verursacher lugten eher scheu aus ihren Bauen zu mir herüber. "Moin" rief ich ihnen zu:

European Rabbit

Bei den Wildkaninchen geht der Trend ganz klar in Richtung steriler Vorgarten, wie ja auch bei den meisten Menschen. Wollte man ihnen trotzdem Böses unterstellen, könnte man sagen, das sehe irgendwie unordentlich aus.

In Emden unterliegt der Fuchs einem hohen Jagddruck, doch ist der Fuchs eben auch einer der wenigen natürlichen Feinde des Wildkaninchens, neben der Myxomatose, anderen Erkrankungen und dem Habicht, der die Stadt zwar alljährlich, aber eben doch eher selten besucht. Und damit das Ganze nicht aus den Fugen gerät, muss derselbe Jäger, der den Fuchs beseitigt, natürlich auch dafür sorgen, dass das possierliche Karnickel nicht so häufig wird wie der Mensch. Emden hat etwa 50000 Einwohner! Der Waidmann wird argumentieren: "Wir müssen das leider machen, haben keine andere Wahl, fehlen doch die natürlichen Feinde des Kaninchens."

Während er das sagt, kullert ihm eine einsame Träne die Wange hinunter...

Auch im Wybelsumer Polder ist in diesen Tagen  nichts los:

Ein Blick auf die andere Seite des Weges:

Zurück zu den Gänsen:

White-fronted Goose

Meine zwei Lieblingsgänsearten sind hier zu Lande erfreulicherweise auch die häufigsten. Neben der oben gezeigten Blässgans ist das die besonders attraktive Nonnengans:

Barnacle Goose

Beide Arten kommen aus arktischen Gebieten zu uns, um hier den Winter zu verbringen. Die Nonnengans brütet auf Spitzbergen sowie auf Grönland und im Norden Russlands. Unsere Blässgänse stammen wohl ebenfalls überwiegend aus Sibirien. Viele tausend Kilometer legen diese interessanten Vögel alljährlich zurück, um bei uns liebevoll mit Bleischrot (oder anderer Munition) empfangen zu werden. Laut der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) besteht die Weltpopulation der Nonnengans aus etwa 440000 Individuen (aktuell?). Und man spricht davon, sie sei nicht gefährdet. Doch was ist das schon für eine lächerliche Zahl, wenn man bedenkt, dass es inzwischen sieben Milliarden Menschen gibt (ich meine, es waren nur vier zum Ende meiner Schulzeit). Vor diesem Hintergrund erscheint es geradezu bedenklich, dass manche Menschen sich das Recht herausnehmen, diese Tiere als "zu häufig" zu bezeichnen und ihnen das Existenzrecht abzusprechen.

Sollte der Gast nicht auch immer König sein?

Gott sei Dank lebt sie immer noch: Frau Love!

Beim Vortrag des zweiten Stücks - Skinny little Bitch vom letzten Album Nobody's Daughter - sieht sie richtig glücklich aus. Sie rockt!