wilde perspektiven

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Donnerstag, 28. März 2013

Wer träumt von einem weißen Osterfest?

Oh grausig kalt ist es nach wie vor in Ostfriesland. Ein ganz, ganz fieser Ostwind lässt seit vielen Tagen erst gar keine Frühlingsgefühle aufkommen, Nachtfröste und Tagesmaximaltemperaturen so um die vier Grad Celsius geben der Natur den Rest. Okay, der Natur sind diese Unbilden des Wetters wohl schnuppe, sie hat Geduld, aber ich kann diese sibirische Kälte einfach nicht mehr ertragen. Es ist Ende März!

Vor zwei Jahren war alles anders. Es blühten bereits Krokus und Huflattich:

Blooming Crocus

Coltsfoot

Die Bilder entstanden in Aurich. 

Krokusse blühen auch jetzt an sonnenexponierten Stellen in den Vorgärten, aber viele dieser Pflanzen sehen noch sehr kümmerlich aus. Und der Huflattich hatte 2013 noch gar keine Chance, seine hübschen Blüten in den Himmel zu strecken, nicht einmal die Chance, den  gefrorenen Boden zu durchbrechen. Und so hinkt die Natur etwas hinterher. Ist aber nicht so schlimm, denn spätestens im Juni wird der Rückstand eingeholt und somit wieder alles beim Alten sein.

Ein Exot aus dem Süden, aufgenommen vor einigen Tagen auf dem Emder Wall und dort auf Höhe des Philosophenweges, zeigt sich wenig beeindruckt vom eisigen Atem des Winters:

Winter Aconite

Kein Wunder, ist es doch der WINTERling, der da der verfickten Kälte trotzt. Eigentlich stammt er aus einem Gebiet, das sich von Frankreich im Westen bis nach der Türkei im Osten erstreckt, doch im Herzen Europas liebt man ihn als einen ersten Frühlingsgruß in den heimischen Gärten.

Weil mein geiler Corsa es immer so eilig hat, hielt ich den gelben Blütenteppich im Vorbeifahren tagelang für Scharbockskraut:

Closer:

Alljährlich werden Anfang Dezember Prognosen veröffentlicht, ob es denn zu einem weißen Weihnachtsfest reichen wird. Nie aber denken die Menschen über weiße Ostern nach. Hat es das überhaupt schon einmal gegeben? Ist das sinnvoll, dass das vorkommen kann? Reiben sich Gerhard Schröder und Wladimir Putin jetzt die Hände, weil wir hier bis weit in den April hinein russisches Gas verheizen? Wird es hier bald Rentiere geben? Eisbären gar?

Puh, mir wird schlecht...

Hier ein Bild vom Knockster Tief, aufgenommen vor ein paar Tagen:

Es ist immer noch Ende März, aber da schwimmt renitentes Eis auf dem Wasser!  

Am 16.03. war es auch rattenkalt. Schneien sollte es an diesem denkwürdigen Sonntagmorgen, weshalb ich nach Leer fuhr, um Weißstörche im Schneetreiben zu fotografieren. Die Tage davor hatte ich sie immer wieder auf einer Weide gesehen, unmittelbar neben einem Fußweg, doch als ich mich ihnen vorsichtig mit Stativ näherte, flogen sie einfach auf. Und Schnee gab es auch erst, als ich mich bereits auf dem Rückweg nach Emden befand. 

Trotzdem ein Bild von einem der beiden Störche, der sich da oben auf dem Nest wahrscheinlich den Arsch abfriert. Hätte er auch nur erahnt, was ihn hier in Ostfriesland erwartet, er wäre wohl in Afrika geblieben:

White Stork

Die Tiere brüten wohl alljährlich an der Eicklenborg'schen Mühle in Logabirum und werden dort kameramäßig ausspioniert. Von einer Privat- oder gar Intimsphäre kann da wohl keine Rede mehr sein - Big Brother für Schreitvogel-TV!

Hier eine Übersicht:



Windmill in Leer-Logabirum

Bevor ich aber die Autobahn nach EMD erreichte, entdeckte ich noch schnell eine Graureiher-Kolonie direkt an der Bundesstraße, unweit Onkel Heinis Waldzoopark, die den Leeraner Vogelguckern wohl schon bekannt sein dürfte. Einige der großen Vögel standen auf ihren Nestern, sehen kann man sie auf diesem Bild aber nicht:

Grey Heron colony 

Ob die Reiher wohl Schreitvogel-TV gucken?

Apropos Leeraner Vogelgucker: Bereits am zweiten März entdeckte ich auf dem Rysumer Nacken ein Stück Papier im Gras. Ich hielt das aus der Entfernung für eine dieser Karten, die mit einem Luftballon auf eine weite Reise geschickt werden, doch aus der Nähe sah das völlig anders aus; es handelte sich um Eintrittskarten. Und der Name des Besitzers war mir doch tatsächlich bekannt! Dem Anschein nach hatte da ein Beobachter aus LEER in meinem Revier nach Vögeln gespäht:


Zwar hat man dessen Namen etwas falsch geschrieben, um einen Buchstaben erweitert, doch war für mich sofort klar, was es damit auf sich hatte. Eine Mail bestätigte meinen Verdacht. Der Kollege hatte die verlorene Eintrittskarte für eine kulturelle Veranstaltung in Leer durch eine neue ersetzen können, wusste aber bis zuletzt nicht, wo ihm das Original aus der Tasche gefallen war. Zufälle gibt's!

Hier noch zwei Bilder von Nonnengänsen über dem Rysumer Nacken von gestern:

Barnacle Goose

Bald werden sie sich auf den Weg machen und Ostfriesland verlassen. Spätestens dann dürfte auch der Winter sein Leben ausgehaucht haben, wenigstens für ein paar Monate.

Und zum Abschluss gibt es noch ein Bild vom ersten März. Es zeigt fünf Zwergsäger, drei Weibchen und zwei Kerle, auf einem "toten" Arm des Knockster Tiefs. Für mich ist das die allererste Begegnung mit dieser nordischen Entenart hier in Emden gewesen:

So, das war's für heute. Wenn sich auch in den kommenden Wochen am Wetter nichts ändern sollte, werde ich auswandern. Portugal wäre ganz hübsch ;-)

In diesem Augenblick beginnt es übrigens zu schneien.  Hier der Beleg:

Beginning of snowfall few seconds ago 

Am nächsten Morgen (Karfreitag):

Next early morning (Good Friday)

Zwei Bilder  zeigen dieselbe Szenerie. Doch was unterscheidet sie?

Bis zum Nachmittag war der Schnee weggetaut, doch am Samstagmorgen lag schon wieder neuer da:


Early Saturday morning

Die Kulisse hinterm Haus:



Vor Monaten hatte ich eigentlich geplant, an diesem langen Wochenende wenigstens ein paar Minuten auf dem Balkon zu verbringen. Fällt aber flach, weil der Räumdienst es wohl nicht bis nach ganz oben schaffen wird. Und eine wärmende Ferkellampe besitze ich leider auch nicht:

Das da auf dem Boden sind übrigens die Stühle. Hinstellen bringt hier im stürmischen Emden nichts.

Wird das Osterfest tatsächlich weiß werden? Diese Frage muss ich leider mit einem unmissverständlichen Ja beantworten, Bing Crosbys aus dem Jahr 1940 stammender Megahit muss für 2013 umgedichtet werden: "I'm dreamig of a white Easter." Und es kommt noch besser, denn bis zum Ende der nächsten Woche soll sich am Wetter rein gar nichts ändern.

Das macht mir wirklich Angst!