wilde perspektiven

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Sonntag, 28. September 2014

Frühherbst im Moor

Oder etwa noch Spätsommer?

So richtig gelb sind die Blätter der Bäume zwar noch nicht, doch herbstlich ist es allemal. 

Wenn ihr Bäume mit leuchtend roten Blättern seht – das wird eher erst im Oktober der Fall sein –, dann könnt ihr eure Schwiegermutter oder sonstwen darauf verwetten, dass es sich um welche handelt, die ursprünglich aus der Neuen Welt stammen. Diverse Eichen oder Ahorne, aber auch der viel gepflanzte Essigbaum sind Beispiele dafür.

Nur in Amerika gibt es den echten Indian Summer mit diesen geradezu unglaublichen Farbkompositionen. Bei uns in Europa geizt Mutter Natur ein wenig mit Vielfalt. Es dominiert ganz klar die Farbe Gelb, doch selbst von ihr ist noch nicht so viel zu sehen:

dirt road leading to the Common Adder and Moor Frog habitat in a bog near Aurich

In der letzten Woche war ich gleich dreimal im Moor:

An einem trüben Tag ohne Licht fand ich etliche Moorfrösche aller Altersklassen.

Einen adulten hielt ich in Bildern fest:

Moor Frog

Das Tier gefiel mir so gut, dass ich es sogleich als neuen Titelhelden dieser Seite auserkoren habe.

Denn nur ich habe die Macht dazu:

Die beiden Grashalme links fom Vrosch kann man auch im nächsten Bild erkennen. Der Kollege hatte sich kein bisschen bewegt. Stattdessen habe ich einen Rechtsruck (unpolitisch) vollzogen, und schon entstand ein völlig anderes Bild, ein komplett neuer Eindruck:

Im Moor selbst sah es am frühen Samstagmorgen so aus:

Ich lief einen dieser Sandwege entlang, als ich plötzlich eine zarte Stimme hörte:

"Wer schlendert so elegant durch Tag und Moor", flüsterte sie glockenhell, "es ist der Frank mit seiner geilen Kamera. **"

Ein kurzes Lachen, dann kam wie erwartet der Rest: "Er hat das Teil wohl in dem Arm, er fasst es sicher, er hält es warm."

Wieder ein Lachen.

Erschrocken drehte ich mich um, schaute nach oben, nach allen Seiten, konnte aber niemanden entdecken.

"Ich bin echt enttäuscht von dir! Du bist einfach an mir vorbeigegangen, ohne mich zu grüßen. Frank!"

Ich blickte nach unten, an den Wegesrand:

"Aaah, du bist das!"

Ich werde wohl alt, denn wie sonst ist es zu erklären, dass ich diese echte Persönlichkeit des Moores für einen Augenblick übersehen hatte.

Ich entschuldigte mich sofort bei ihr, weil ich mich wirklich schlecht fühlte. Die Schlange aber wollte sich nicht so einfach abspeisen lassen und forderte mich auf, ein paar wirklich schöne Bilder von ihr zu machen.

So als Ausgleich und so weiter:

sexiest beast of the bog: the Common Adder (female)

Seht selbst, was dabei herausgekommen ist:

Ist sie nicht einfach nur attraktiv?

Wie kann man Schlangen eigentlich nicht mögen? Und wie kann man sich vor Schlangen sogar fürchten?

Ich erinere mich an ein kleines Bilderbuch, das meiner damals noch ebenso kleinen Nichte gehörte. Jemand ohne Verantwortungsgefühl hatte es ihr geschenkt und sehr wahrscheinlich sogar daraus vorgelesen. Ich hoffe nicht, dass das meine Schwester war ;-)

Jedenfalls war darin auch eine Schlange abgebildet, versehen mit folgendem Textfragment:

"...und die fiese und miese Riesenschlange..."

Ich hätte die Zeile einfach schwärzen oder ändern können, doch erschien es mir seinerzeit sinnvoller, gleich das  ganze "Werk" in die berühmte Tonne zu werfen. Sorry...

Es ist erwiesen, dass Kleinkinder jede Schlange ganz unbefangen ergreifen, wenn sie noch nie jemand vor diesen Tieren gewarnt hat. Angeborene Ängste vor Spinnen oder eben Schlangen gibt es nicht. Meist sind es die Reaktionen Erwachsener, die die Kleinen dazu bringen, bestimmte Tiere zu mögen oder strikt abzulehnen. Wenn die Eltern hysterisch auf eine Spinne an der Wand reagieren, werden es die Kinder früher oder später in ihr Verhaltensmuster aufnehmen.

Leider.

Aber dass wir uns hier jetzt nicht missverstehen: Natürlich gibt es auch Giftschlangen wie diese Kreuzotter. Doch man kann Kindern ganz sachlich aufzeigen, wann und unter welchen Umständen sie auch zu einer Gefahr werden können.


Wenn ihr also Kinderbücher mit Anspruch kaufen wollt, schaut bitte vorher rein.

Moin!

Jetzt im Herbst nutzen Kreuzottern jede sich íhnen bietende Gelegenheit für ein ausgiebiges Sonnenbad. Die Zeit, die sie in einem dunklen und kühlen Versteck ausharren müssen, kommt noch früh genug. Ein kleiner, aber dauerhafter Wetterumschwung kann das Kreuzotter-Jahr jäh beenden. 

Dann gibt es das nächste Sonnenbad nämlich erst wieder im Frühjahr 2015:

Ich hoffe aber, dass die Tiere auch noch im Oktober etwas Wärme tanken dürfen. Je kürzer die verfickte Winterpause, desto besser – äh, für mich, denn den Schlangen macht es nichts aus, dass sie den Winter regungslos in einem Erdloch verbringen müssen.

a real beauty

Ein anderer Weg durchs Moor:

Und ein weiterer, der auch immer wieder für die eine oder andere Kreuzotter gut ist:

Common Adder prefers the edges of dirt roads for sun bathing. Most hiking people do not even notice the coiled snakes

Achtung, jetzt kommt ein Kerl:

male

Skeptisch behielt er meine Linse und auch mich im Auge:

Nach meinen eigenen Erfahrungen, die fast ausschließlich auf Kreuzottern vom Ewigen Meer basieren, haben Weibchen niemals eine so kontrastreich gezeichnete Kehl- und Kinnregion, und auch die Oberlippenschilde sind nur bei den Männchen so schön "bunt".

on the run

Ein echter Kreuzotter-Clooney, nur ohne Trauschein:

Und zwei letzte Bilder:


Zwei Kolkraben, die immer wieder laut riefen und einmal über mich hinwegflogen, stellten einen weiteren Höhepunkt meines Ausfluges ins Moor dar. Zu meiner Auricher Zeit konnte ich sie immer mal wieder in diesem Bereich sowie im nicht weit entfernten Meerhusener Wald (oder so ähnlich) feststellen. 

Und im Zusammenhang mit der zuerst gezeigten Kreuzotter, das ist die vom Samstag, schicke ich noch einen schönen Gruß nach Aurich!

** Für einen Reim hat es nicht gereicht.