wilde perspektiven

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Mittwoch, 19. August 2015

Postillon (Teil 1111)

Kennt ihr den Postillon?

Wikipedia sagt sinngemäß: "Der Postillon ist eine deutschsprachige Website, [...] die nahezu täglich satirische Beiträge im Stil von Zeitungsartikeln und Agenturmeldungen veröffentlicht."

Mir selbst sind diese Meldungen bekannt, weil sie zu bestimmten Tageszeiten auf N-Joy, einem Radiosender des alterhrwürdigen NDR, dem interessierten Publikum präsentiert werden. Wie echte Nachrichten halt, doch mit einem sofort erkennbaren ironischen Unterton.

Ich höre das nur im Auto. Und fast immer muss ich mich totlachen, weil der fiktive Sprecher Thieß Neubert die aberwitzigen Nachrichten so einzigartig trocken rüberbringt.

Eine Kotprobe: "Eine junge Mutter vergisst den Namen ihres Kindes bereits unmittelbar nach der Geburt, weil sie ihn sich zuvor nicht rechtzeitig auf den Unterarm hat tätowieren lassen."

Wirklich zu geil!


Heute soll es aber um diesen Postillon gehen (alle Bilder von den Gelblingen entstanden im August 2015 an der Knock):

male Dark Clouded Yellow at dawn and covered by morning dew – 2015 constitutes one more year with many records of this migratory butterly in and around Emden. First individual of the season showed up on July 24th at Rysumer Nacken. It has been followed by many specimens at the beginning of August, when weather suddenly became more summer-like. Where exactly do these guys come from?

Wie die Satire-Seite hat auch der hübsche Falter seinen Namen dem Postreiter oder Postknecht zu verdanken, den man nach dem Dreißigjährigen Krieg in Postillon umbenannte. Genauer: Es war im Falle des Schmetterlings wohl die mit der Postkutsche übereinstimmende Farbe, die ihm diesen Namen eingebracht hat, und zusätzlich vielleicht noch die Tatsache, dass er wie auch der Postreiter viel unterwegs ist und lange Strecken zurücklegt.

Der Wandergelbling, wie dieser Falter auch genannt wird, kommt nicht in den Garten. Da hilft auch keine üppig blühende Buddleja. Er ist eine Art des offenen Geländes, wo vor allem die auffälligen Männchen den ganzen Tag über ihr Revier abfliegen, um nach paarungsbereiten Weibchen zu suchen.

In Emden sind es vor allem die Emsdeiche, die ihm zu gefallen scheinen, aber auch die steppenartige Landschaft rund ums Gassco-Gelände mag er sehr. Hübsch hier die Bestände des Landreitgrases, die zwar für den Falter keine Rolle spielen, sehr wohl aber für die Wespenspinne (s. u.):










open habitat of Dark Clouded Yellow at Rysumer Nacken

Hier sind es wahrscheinlich die ausgedehnten Rasen des Hornklees, die den Postillon anlocken. Einerseits bieten die Blüten dieser Pflanze den erwachsenen Tieren Nektar, andererseits stellt der Hornklee eine der wichtigen Futterpflanzen der Raupen des Postillons dar.

Derselbe Falter wie oben, doch diesmal aus der entgegengesetzten Perspektive fotografiert und mit dem Licht der soeben aufgegangenen Sonne im Rücken:






Sieht aus wie Blattgold!

Nochmal derselbe Falter, der übrigens die Nacht zuvor am Blütenstand des Wasserhanfes verbracht hatte:

same

Der Wasserhanf oder Wasserdost wiederum ist eine Pflanze, die auf verschiedene Tagfalter eine vergleichbare Anziehungskraft ausübt wie der allbekannte, sehr beliebte und bereits oben erwähnte Schmetterlingsflieder.

Einen weiteren Postillon, diesmal vielleicht ein Weibchen, fand ich an Wilder Möhre



different individual, maybe a female

Ob dieses Tier wirklich ein Weibchen war, kann ich gar nicht sagen, weil man trotz des Gegenlichts nicht erkennen kann, ob sich gelbe Flecken in der schwarzen Randbinde der Vorderflügel-Oberseite befanden. Alle hier gezeigten Fotos entstanden am sehr frühen Morgen, da schliefen die Falter noch. Aber auch zu vorgerückter Stunde ist die Bestimmung der Colias-Arten nicht ganz einfach, weil einige von ihnen einander sehr ähneln, aber auch, weil sie als so genannte seitliche Absorptionssonner ihre Flügel in Ruhestellung grundsätzlich nicht auusbreiten und so dem Betrachter wertvolle Bestimmungsmerkmale vorenthalten.

Ein normal gefärbter Postillon, egal ob Männchen oder Weibchen, kann eigentlich nur mit dem Orangeroten Heufalter verwechselt werden, der aber noch etwas dunkler gefärbt und noch nie in Ostfriesland festgestellt worden ist. Beide Arten fallen durch den dunkelgelben Grundton der Oberseite ihrer Flügel auf.

Leider gibt es aber auch Postillon-Frauen, die hellgelbe, ja fast weißliche Flügel zeigen (forma helice)!

Sie sollen gar nicht so selten auftreten und können dann wiederum mit der Goldenen Acht oder dem Hufeisenklee-Gelbling und weiteren blass gefärbten Arten dieser artenreichen Gattung verwechselt werden. Und in solchen Fällen ist ein Blick auf die Flügeloberseite unabdingbar, jedenfalls für einen Colias-Laien wie mich.

Der folgende Falter hatte eine blassgelbe Flügeloberseite, wie ich später beim Abflug beobachten konnte. Wirklich bestimmen kann ich ihn anhand der Bilder aus den genannten Gründen aber nicht:

either Dark Clouded Yellow or Pale Clouded Yellow

Derselbe Falter kurz nach Sonnenaufgang und immer noch an Rotklee:




Ich mag es nicht, wenn ich trotz guter Bilder keine Lösung finden kann, aber manchmal ist das halt so.

Ein dritter Postillon mit einer Träne im Auge kurz nach Sonnenaufgang im Portrait:


Dark Clouded Yellow

Weinrote Beinchen, dazu passend weinrote Fühlerchen und grünlich-gelbe Äuglein. So schön kann die Natur sein!

Hier jetzt mal ein paar Bilder zweier Postillon-Männchen vom Nachmittag (9. 8. 2015), die ich wiederum an der Knock machen konnte:

another

Derselbe Falter auf einer anderen Warte:

same on different perch

Wenn ich im vorletzten Beitrag und nach meiner ersten Sichtung eines Postillon in diesem Jahr geschrieben habe, dass das Postillon-Jahr 2015 zahlenmäßig wohl nicht mehr an 2013 heranreichen wird, dann muss ich das jetzt revidieren, denn von Anfang bis Mitte August begegnete ich diesem hübschen Falter nahezu überall entlang der Ems.

Allein am 9. 8. sah ich an der Knock etwa 20 Individuen gleichzeitig den Deich entlangflattern!

Darunter auch dieses Männchen, das am späten Nachmittag unter einem Kleeblatt Schutz vor dem plötzlich einsetzenden Regen suchte:

while it was raining for few minutes another individual found shelter underneath a Red Clover leaf

Zuvor hatte ich noch diese sich kurzzeitig vom Arbeitsstress erholende Biene abgelichtet, die "ganz vielleicht" eine Hosenbiene ist:
 

maybe Dasypoda spec., maybe not

Wenn man Gelblinge am frühen Morgen mit Tauperlen auf Körper und Flügeln fotografieren möchte, dann muss man am Abend zuvor etwas Zeit investieren und herausfinden, wo sie schlafen. Alle Colias-Arten sind recht schnelle Flieger, die aber sehr wärmebedürftig sind. Kühlt es trotz Sonnenscheins am Nachmittag ab, suchen diese Tiere im Gegensatz zu weniger kälteempfindlichen Arten wie Distelfalter und Kleiner Fuchs sofort ihren Schlafplatz auf.

Um ganz sicher zu gehen, dass sie sich nicht doch noch einmal in die Luft schwingen, wartet man einfach ein paar Minuten. Bleiben sie aber tatsächlich vor Ort, kann man die Stellen markieren. Dafür habe ich extra so kleine bunte Fähnchen, die am Ende eines Drahtes befestigt sind.

Früher habe ich es ohne Markierungen versucht. Und mich ein ums andere Mal geärgert, weil ich die abends aufgesuchten Stellen am frühen Morgen einfach nicht wiederfinden konnte, obwohl ich mir hundertprozentig sicher war, dass ich sie wiederfinden würde. Der Grund dafür ist, dass dieselbe Landschaft, ja sogar derselbe Ort am Morgen eben ganz anders aussieht als abends. Und das liegt nicht nur daran, dass das Licht dann aus der entgegengesetzten Richtung kommt.

Dieser Turmfalke schaute mir bei meinen abendlichen Vorbereitungen aufmerksam zu:


Common Kestrel

Wie in jedem Jahr brütete auch 2015 ein Paar genau dort, wo der Vogel auf dem obigen Bild steht.

Im Moment sind dort vier Turmfalken anwesend, die Eltern und zwei fast erwachsene Jungvögel. Ich warte ja darauf, dass eines Tages ein Wanderfalken-Paar diesen exklusiven Nistplatz oben auf dem Radarturm der Verkehrszentrale Ems des Wasser- und Schifffahrtsamtes Emden mit Blick auf die Emsmündung okkupiert und die Turmfalken verdrängt.

Die nächsten Brutplätze des Wanderfalken befinden sich im Emder Hafen und in der Nähe von Greetsiel. Im Emder Hafen konnte ich Anfang Juli mindestens zwei flügge Junge beobachten, die sich hoch oben auf einem Hochspannungsmast gegenseitig auf den Keks gingen und immer wieder lautstark riefen.

Der Brutplatz der Turmfalken im Radarturm noch ein paar Minuten später und somit unmittelbar vor Sonnenuntergang:



Der Vogel stand noch immer am selben Ort wie auf dem vorletzten Foto. Wahrscheinlich schlief er dort.


Wenn das folgende Tier plötzlich auf der Bildfläche erscheint, dann wird es brandgefährlich. Dann geht es um Leben und Tod!



male Philonicus albiceps waiting on a dirt road for prey

Habt ihr jetzt Angst?

Braucht ihr nicht zu haben, es sei denn, ihr seid ein kleiner Gliederfüßer.

Diese männliche Sandraubfliege stand in der vergangenen Woche irgendwo auf dem Deichweg zwischen Emsstrand und Rysum herum und wartete auf vorbeifliegende oder -laufende Beute. Raubfliegen stehen grundsätzlich einfach da und warten. Überfallartig wird dann alles angegriffen, was von der Größe her annähernd passt. Raubfliegen sind mit einem echten Kämpferherz ausgestattet und quasi die Wiesel unter den Zweiflüglern, weil sie es auch schon mal mit wehrhaften Gegnern aufnehmen, die darüber hinaus deutlich größer sein können als sie selbst. 

Kann die Beute schließlich fest ergriffen und überwältigt werden, wird sie einfach mal ausgesaugt und am Ende als leere Hülle zurückgelassen!

Auf meine Anfrage bestimmte Danny Wolff (Ebstorf) das Tier bis auf Art- und sogar auf Geschlechtsniveau.

Danke dafür!


Auf dem Weg zwischen Knock und Emstrand wiederum fand ich diesen taufrischen Distelfalter, der sich abends auf dem noch warmen Beton sonnte:




Painted Lady

Wenig später verschwand die Sonne hinter dichten Wolken. Da faltete der Falter seine bunten Flügel zusammen und ließ sich von mir auch noch im Profil ablichten:

Und was für eine Überraschung: Von unten sehen die Schwingen zwar anders, aber genauso schön aus!

Für diese wandernde Art war 2015 bislang ein eher durchschnittliches Jahr. Vergleichsweise wenige Individuen konnte ich im Frühjahr in Ostfriesland feststellen. Und die bunten Distelfalter, die man in diesen Tagen hier beobachten kann, dürften ihre Nachkommen sein. Sie haben also das Licht dieser Welt sehr wahrscheinlich im ostfriesischen Outback erblickt. Im Gegensatz zu ihren Eltern, die sich im zeitigen Frühjahr im Mittelmeerraum auf den Weg gemacht haben, um mal frische Nordseeluft zu schnüffeln und den Pilsumer Leuchtturm in Augenschein zu nehmen. Das machen nämlich alle Touristen.


In Logumer Vorwerk knipste ich ein Reh, das sich meiner Meinung nach am falschen Ort befand.

Na ja, man sieht ja, wieso:

for a Roe Deer not the best place to be...
 
Das nächste Bild zeigt definitiv den hübschen Blütenstand der Filzklette, die in Ostfriesland keine Seltenheit ist.

Ich fand das in voller Blüte stehende Exemplar ebenfalls in Logumer Vorwerk:







































Downy Burdock

Die Widerhaken sind schon zur Blütezeit komplett entwickelt und auf dem Foto erkennbar. Später, nach dem Heranreifen der Samen, sorgen sie für eine Verbreitung der Pflanze durch Tiere, in deren Fell die Fruchtstände hängenbleiben.

Diese Form der Verbreitung von Pflanzensamen und -früchten nennt man Epizoochorie.

Eine Fleischfliege ruhte in der Ufervegetation einer Kleientnahmestelle, ebenfalls in Logumer Vorwerk:





































Flesh Fly spec. 

Die Weibchen der Grauen Fleischfliege, um die es sich hier handeln könnte, legen ihre Eier an den Eingängen von Regenwurmlöchern ab. Die bald schlüpfenden Larven wandern in die Gänge und suchen den Häuslebesitzer auf, um in ihn einzudringen und ihn von innen her aufzuessen. Ob am Ende etwas vom Regenwurm übrig bleibt, spielt für ihn eigentlich keine Rolle mehr, denn zugrunde gehen wird er allemal.

Wenn ihr also das nächste Mal den Rasen vor eurem Haus betreten solltet, dann vergesst bitte nicht, welche Dramen sich unter euren Füßen abspielen könnten.


Eine männliche Gemeine Binsenjungfer wartete am selben Ort im Halmgewirr geduldig auf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages:




male Emerald Damselfly

Noch eine im Gegenlicht:

another

Einer ebenfalls männlichen Großen Pechlibelle fiel auch nichts Besseres ein:

male Blue-tailed Damselfly 

Sehr schön kann auf diesem Bild das diagnostische schwarz-weiße Flügelmal erkennen!

Ein Kleines Granatauge mit großen granatfarbigen Augen ließ sich von mir fotografieren:

male Small Red-eyed Damselfly

Wann genau diese ursprünglich mediterrane Art Norddeutschland erobert hat, ist mir nicht bekannt. Im Landkreis Osnabrück war sie aber schon vor etwa fünfzehn Jahren eine geläufige Erscheinung. Das trifft längst auch auf Ostfriesland und natürlich auch Emden zu, wo man dieser hübschen Libelle vor allem an den zahllosen Kleientnahmestellen begegnen kann.

In Großbritannien ist das Kleine Granatauge erstmalig am 17. Juli 1999 in der südöstlichen Grafschaft Essex beobachtet worden. Seitdem hat sich diese Art in den südlichen Teilen des Landes ausgebreitet und gilt im Königreich heute als fest etabliert (Quelle: Wikipedia).


Ich fand eine männliche Blutrote Heidelibelle:



male Ruddy Darter 

Fotografiert man Libellen am frühen Morgen, muss man in einer Hinsicht auch Abstriche machen, weil die Farben dieser Tiere erst mit zunehmender Temperatur an Intensität gewinnen. Viele in der Mittagszeit so leuchtende Arten wie eben die oben gezeigte Blutrote Heidelibelle wirken zu Tagesanbruch noch matt und farblos. Trotzdem finde ich diese Bilder viel schöner als welche, die bei hochstehender Sonne aufgenommen worden sind.

Alle Bläulinge schlafen grundsätzlich mit dem Kopf nach unten.

So auch dieser männliche Hauhechelbläuling:

male Common Blue

Die Art wird auch Gemeiner Bläuling genannt. Und nach wie vor trifft dieser Name zu, denn sie ist in unseren Breiten der mit Abstand häufigste Vertreter dieser Schmetterlings-Familie.

In unmittelbarer Nachbarschaft stand ein Schwarzkolbiger Braun-Dickkopffalter auf einem Halm:

Essex Skipper

Klaus Rettig (Emden) hat in der Vergangenheit immer wieder völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass nur diese Art in Emden fliegt, nicht aber der sehr ähnliche Braunkolbige Braun-Dickkopffalter. Letzterer ist mir sehr gut aus dem Landkreis Osnabrück bekannt, vor allem vom Truppenübungsplatz in Bramsche-Achmer. Dort fehlt dafür die etwas kleinere und farblosere Schwesterart.

Ein zweites Individuum kam etwas rußig daher:

second specimen

Und was haben all diese tollen Libellen und Falter gemeinsam?

Sie sind offensichtlich sehr lecker und stehen auf dem Speisezettel der attraktiven Wespenspinne (Archivbilder vom Rysumer Nacken aus dem letzten Jahr):

beautiful Wasp Spider loves to eat all these butterflies, damselflies and dragonflies (pictures taken from the archives)

Die längst auch in Ostfriesland sehr häufige Art, die einst nur im Mittelmeerraum vorkam, errichtet ihre stabilen Netze stets in Bodennähe, weshalb ihr vor allem Heuschrecken zum Opfer fallen.

Hier hat sich ein Männchen (von unten) zwecks Paarung in das Netz eines recht kleinen, aber immer noch viel größeren Weibchens (von oben) getraut:



male and female

Dieses Abenteuer endet für den Kerl nicht selten mit dem Tod, wenigstens aber mit dem Verlust eines Beins, weil die Frau nach der Paarung gerne mal hungrig ist. 


Zwei sexy Schneggen, die von ihrer Zeichnung her wie eineiige Zwillinge aussehen:







likely Monacha cartusiana

Es handelt sich dabei um Tiere der Gattung Monacha, wahrscheinlich um M. cartusiana, die Kartäuserschnecke. Auf einer Brache an der Wolfsburger Straße wimmelt es zurzeit von diesen Tieren, die auch niedrige Vegetation erklimmen und dort dann nicht selten zu Klumpen vereint den Tag verbringen.

Bei jedem meiner Schritte knackte und knirschte es unter meinen Stiefeln, was auch daran lag, dass die Gehäuse sehr dünnwandig und im Gegenlicht sogar halbtransparent sind. Ich kam mir für einen kurzen Augenblick wie ein Massenmörder vor. Die Kartäuserschnecke war ursprünglich auf West- und Südeuropa beschränkt, hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten stark nach östlichen und nördlichen Richtungen ausgebreitet.


Dieses riesige Werbeplakat für norddeutsche, nicht aber ostfriesische Tradition hängt an der Wand eines alten Hauses in Emden-Larrelt:




Und die Häuser hier sind wirklich so schief.

Denkt nicht, ich hätte die Kamera nicht gerade gehalten oder die Linse hätte alles verzerrt wiedergegeben. Es ist der nachgebende Kleiboden, der die Hütten in der ostfriesischen Marsch gerne hinunterschlingen möchte und das auch immer wieder versucht und sie so mit der Zeit in Schieflage versetzt.

Umgekippt ist aber bislang noch kein einziges Haus.

Wer das Plakat findet, darf es abmontieren und mit nach Hause nehmen.


Sonstiges: Im vorletzten Jahr hat Gründungsmitglied Kim Deal die Pixies verlassen. Wenig später wurde sie durch Kim Shattuck ersetzt, die dann wiederum der attraktiven Paz Lenchantin weichen musste. Frau Lenchantin spielt neben Bass auch noch Gitarre, Klavier und Geige und hat meiner Lieblingsband auf diese Weise weitere musikalische Facetten hinzugefügt.

Trotzdem ist es immer noch komisch für mich, einen Auftritt der Pixies zu sehen, in dem Kim Deal nicht mitmischt. Nicht nur ihr ewiges blaues Italien-Trikot fehlt da ein bisschen, aber wenn man ihren Ex-Kollegen glauben darf, soll sie sehr schwierig gewesen sein und immer wieder einen Keil ins Getriebe der Band gesteckt haben.

Dieses sehr intime und großartige Kleinkonzert fand ich am Sonntag im Netz: klick!

Mein kleines Herz schlägt nicht nur für Vogelgesang, Froschgequake und Grillengezirpe, sondern auch für schöne Musik. Ja, ich bewundere Menschen, die singen und tolle Instrumente spielen können, ein bisschen. Helene Fischer ist damit jetzt aber nicht gemeint. Und wenn die neuen Stücke der Pixies wie "Greens and Blues" nicht mehr so rotzig und wütend klingen wie die alten, dann muss man das einfach akzeptieren. Jede Band entwickelt sich weiter und verändert sich im Laufe der Zeit. Es wird immer Menschen geben, die diese Entwicklung nicht mitgehen wollen. Es zwingt sie aber auch niemand dazu.

Und was war eigentlich noch mal Stadionrock?