wilde perspektiven

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Montag, 4. Februar 2019

Licht und Schatten – Impressionen aus der Natur Südfloridas

Reisezeit: 12. Januar 2019 - 01. Februar 2019

Donnerstag, 10. Januar 2019: Soeben habe ich erfahren, dass gleich an mehreren Flughäfen der Republik gestreikt wird.

Ich schwitze Wasser und Blut, weil ich eigentlich in zwei Tagen, nämlich am Samstag (12. Januar), durchstarten möchte. Doch leider wird auch an meinem "Heimatflughafen" in Düsseldorf lautstark protestiert.

Das Sicherheitspersonal möchte mehr Geld bekommen für seine verantwortungsvolle Arbeit. Ich verstehe das sehr gut, denn wenn es etwas gibt, an dem nicht gespart werden sollte, dann ist das eben die gute alte Sicherheit. 

Doch warum muss das ausgerechnet jetzt sein? Ich meine, das Jahr hat 365 Tage, da hätte man sicherlich einen geeigneteren Termin finden können.

Ich telefoniere mir die Finger wund, rufe sowohl beim Flughafen als auch bei Delta (Fluggesellschaft) an. Das Resultat: Ich solle mir keine Sorgen machen, der Flugbetrieb werde an den kommenden Tagen ganz normal über die Bühne gehen.

Und so war es dann auch!

Nach einem insgesamt elfstündigen Flug mit Zwischenlandung in Atlanta (inklusive US-Immigration) erreichte ich am Abend und bei absoluter Finsternis völlig erschöpft Fort Myers. Dort ging alles ganz schnell, und nachdem ich endlich meine Mietkarre in Empfang genommen hatte, machte ich mich auf der Stelle auf den Weg raus aus der hässlichen Stadt und rauf auf die State Road 82, die mich sicher nach Immokalee führte.

Ey, was guckst du?

"Huaaah, a snake in my yard and she is staring at me!"

Statistiken: Nur sechs Speicherkarten à vier Gigabyte habe ich verballert. Der Grund: Ich hatte nur sechs Speicherkarten á vier Gigabyte dabei. Insgesamt besitze ich bestimmt 15 dieser platten Biester, doch waren einige von ihnen vor der Abreise plötzlich unauffindbar. Weil ich aber vor Ort immer eine rigide Vorauswahl getroffen habe, bin ich am Ende mit dem vorhandenen Speichermaterial ausgekommen. 

So geht es eben auch.

Wie viele Kilometer ich im Süden Floridas gefahren bin, weiß ich nicht einmal annähernd, weil ich mir den Tachostand zu Beginn nicht notiert hatte. Ist aber auch nicht so wichtig. Verlässliche Angaben kann ich aber immerhin zur Anzahl der Bilder machen, die euch in diesem Bericht erwarten: es sind genau 175!

Insgesamt habe ich zehn Schlangenarten gefunden und davon neun auch fotografiert. Welche das sind, werdet ihr in den kommenden Minuten erfahren.

So, jetzt habt ihr die letzte Gelegenheit, noch schnell ein bis fünf Käsebrötchen zu schmieren und eine Pulle Alster aus dem Keller zu holen, um dann in aller Ruhe diesen wunderschönen, gleichzeitig aber auch sozialkritischen Beitrag zu lesen und die herausragenden Bilder zu bestaunen.

Und los geht's!


Kurz nach Sonnenuntergang in meinem Gebiet, dessen Namen ich hier nicht verraten werde:








right after sunset somewhere in the wilderness East of Fort Myers

Als ich also in Immokalee ankam, waren die Temperaturen mit etwa 25 Grad Celsius noch sehr angenehm.

Doch schon am nächsten Morgen fühlte sich das ganz anders an. Die Scheiben meines Nissan Sentra waren wegen der Kälte komplett beschlagen. Ich setzte im Wortsinn alle Knöpfe und Hebel in Bewegung, um den Heckscheibenwischer zu wecken. Doch der schien noch tief und fest zu schlafen. Es dauerte ein paar Tage, bis ich feststellen musste, dass der Wagen gar keinen Heckscheibenwischer besaß!

Ja, auch so kann es gehen.

Das kann doch jetzt nicht wahr nicht sein, dachte ich, ein neues Auto wird gebaut, und dann verzichtet man auf einen Heckscheibenwischer! Geht es jetzt etwa zurück in die Höhle? Tausend sinnfreie Knöpfe auf dem Lenkrad, die kein Mensch braucht, aber für einen Heckscheibenwischer reicht es nicht. Scheißasiaten, dachte ich spaßeshalber, ohne mich schon mit der Situation abgefunden zu haben.

Egal, ich fuhr also los und besuchte ein mir aus früheren Jahren bekanntes Gebiet.

Ich freute mich auf das Wiedersehen und war furchtbar aufgeregt. Und als ich schließlich ankam, stellte ich erleichtert fest, dass es wenigstens an diesem Ort kaum Veränderungen gegeben hatte. Man verlässt also die Hauptstraße und biegt ein in einen geschotterten Weg. Nach nur wenigen Metern stößt man auf eine wuchtige Informationstafel sowie auf einen auf Stelzen stehenden Kasten.

Vorsichtig hob ich den Deckel an:

I opened the lid of this box and expected any kind of information about this WMA. And I was right!

"Licht aus", erklang sogleich ein ganzer Chor:

a bunch of Cuban Tree Frogs was hiding inside and screaming: "Turn the lights off!"

Gleich sechs Kuba-Laubfrösche unterschiedlicher Größenklassen kuschelten ganz eng im Innern des Holzkastens. Sie waren empört darüber, dass ich sie so rücksichtslos behelligte. Nur der Kollege ganz unten rechts bekam überthaupt nichts mit und öffnete nicht einmal die Augen.

Er pennte einfach weiter.

Ich ließ gleich an Ort und Stelle meinen Wagen stehen und schulterte meinen Rucksack, um die erste ausgiebige Wanderung zu unternehmen. Nach einem langen Flug gibt es nichts Schöneres als viel Bewegung,

Am Rande eines Kiefernwaldes tauchte plötzlich wie aus dem Nichts ein Weißbauch-Phoebetyrann auf, der direkt neben meinen Füßen die von mir aufgescheuchten Insekten erbeutete. Es war sehr kalt an diesem Morgen mit nur 36 Grad.

Fahrenheit!

Machte nach Adam Riese also nur etwa zwei Grad Celsius!

Immerhin, die Sonne schien, und der Himmel war blau. Für die niedrigen Temperaturen war ein eisiger Nordwind verantwortlich, der einen langen Atem bewies und gleich die ganze erste Woche anhalten sollte. Der kleine Vogel konnte an diesem Morgen also noch nicht mit größerem Flugbetrieb unter den Insekten rechnen, weshalb er sich wie ein Kuhreiher verhielt und mich mit einem Rind verwechselte.

Er war sehr zutraulich, aber doch kerngesund:


Eastern Phoebe, who was very confiding. Likely a young bird (note the yellowish belly)

Und er war sehr aufmerksam!

Er fing Kleinsttiere, die ich mit bloßem Auge nicht einmal erkennen konnte.

Und wenn da mal nichts zu erbeuten war, dann guckte mich der Vogel aus großen dunklen Augen erwartungsfroh an:



this bird pretended to be a Cattle Egret, while I was the Cattle. After every step that I took the bird caught those insects around my feet, that I had accidently flushed

Aber ich hatte (zu diesem Zeitpunkt noch) keine Mehlwürmer dabei.

this Eastern Phoebe kept staying in this place for my entire trip. The species does not breed in South Florida, so this bird must have been of Northern origin and spent his winter in the South

Der Weißbauch-Phoebetyrann überwintert nur im Süden Floridas, brütet dort aber nicht.

Es handelt sich hier also um einen Wintergast aus dem Norden. Der Gelbstich auf dem Bauch spricht für ein Individuum im zweiten Kalenderjahr.

Interessant ist, dass der kleine Kerl auf den ersten Blick sehr ähnlich ausschaut wie unser Grauschnäpper. Doch ist er nicht einmal entfernt mit ihm verwandt. Der Weißbauch-Phoebetyrann ist nicht einmal ein Singvogel, sehr wohl aber ein Sperlingsvogel. Unabhängig voneinander haben sich also auf zwei verschiedenen Kontinenten zwei Vogelarten aufgrund ihrer ähnlichen Lebensweise nahezu identisch entwickelt. Die beiden genannten Arten sind also ein sehr gutes Beispiel für (biologische) Konvergenz.

Wie zutraulich dieser Weißbauch-Phoebetyrann (wer hat sich eigentlich einen solch bescheuerten Namen ausgedacht?) tatsächlich war, illustriert das nächste Bild:


this image I took with my compact camera. It proves the unbelievably confidingness of this bird, who didn't care about me at all

Bis auf etwa zwanzig Zentimeter konnte ich mich dem Vogel mit meiner Kompaktkamera nähern, erst dann wurde er etwas nervös.

Der Weißbauch-Phoebetyrann, um diesen lächerlichen Namen ein letztes Mal zu schreiben, ist mir auf meiner Reise sehr oft begegnet, doch nur dieser eine Vogel war so zahm. Immer dann, wenn ich sein Winterrevier aufsuchte, kam der kleine Piepmatz sofort auf mich zugeflogen, ohne dass ich ihn auch nur ein einziges Mal gefüttert hätte.

Dieses bedingungslose Vertrauen hat mich schon ein bisschen gerührt!

Hier der dazugehörige Lebensraum:

habitat of Eastern Phoebe at the edge of a pine wood

Es war also recht frisch in dieser ersten Woche.

Doch tagsüber konnte man es aushalten, wenn man windgeschützte Bereiche aufsuchte. Ohnehin war ich nicht dazu bereit, auf kurze Hosen zu verzichten. Und im Wald war es dann aufgrund der hart arbeitenden Sonne tatsächlich sehr angenehm.

Ich fand in meinem Gebiet auch endlich die erste Schlange dieser Reise:

one of only two Black Racers: this specimen was the first snake of the trip

Es war eine Schwarznatter, die mir in den kommenden drei Wochen nur noch ein einziges Mal begegnen sollte.

Das hier gezeigte Tier fand ich auf einer der durch mein Gebiet führenden Pisten. Weil der Untergrund so eben und fast glatt war an dieser Stelle, kam das Tier nicht so recht in die Puschen, als ich mich ihm näherte. Tatsächlich brauchte ich es nur aufzuheben. Die Schlange protestierte lediglich mit angezogener Handbremse und biss nur ein einziges Mal zu. Ich war enttäuscht, denn für eine Schwarznatter war das geradezu temperamentlos!

Ich freute mich aber natürlich auch und schoss ein paar Bilder, die einander sehr ähneln:





same

Ich kann die Schlange natürlich nicht gleichzeitig festhalten und fotografieren, weil mein Makroobjektiv über eine satte Brennweite verfügt.

Und so kam es, wie es kommen musste: Das flinke Tier schoss nach nur wenigen Minuten grußlos und wie eine Rakete davon.

Ein letztes Bild:


same

Ich war ohnehin schon zufrieden mit meiner Ausbeute und ging ganz beschwingt weiter.

Eine kleine Kröte hoppelte vor meinen Füßen herum:


this Oak Toad I found at daytime. This is the only reason why I became suspicious. At night I would probably have mistaken this specimen for a young Southern Toad –  a lifer!

Weil das am Tage geschah, keimte in mir ein Verdacht auf.

Und tatsächlich, das Tier war eine knuffige Eichenkröte, die ich zuvor noch nie bewusst gesehen hatte. Die Art ist sehr klein und wird kaum länger als zwei bis drei Zentimeter. Auf den ersten Blick ähnelt sie einer jungen Floridakröte, doch wenn man genau hinsieht, stellt man unweigerlich Unterschiede fest.

Die Hinterbeine sind proportional kürzer, die Mundpartie ebenfalls. Das Tier wirkt deutlich gedrungener als die viel größere Verwandte und macht auch nur sehr kurze Sätze, wenn es sich fortbewegt. Doch dafür ist die Eichenkröte sehr flink! Weitere Unterschiede: Der Dorsalstreif reicht bis zur Oberlippe, und die für die Floridakröte so typischen Leisten auf dem Haupt fehlen bei der Eichenkröte komplett.

Wäre mir der kleine Hüpfer nachts begegnet, hätte ich ihn wahrscheinlich nicht so genau unter die Lupe genommen. Ihre Tagaktivität unterscheidet die Eichenkröte aber von der nur bei völliger Dunkelheit umherwandernden Floridakröte.

Da hatte ich wirklich mal gut aufgepasst!


Es gab Licht und Schatten während meines dreiwöchigen Ausfluges. Für wunderbares Licht sorgten all die geilen Tiere, die es zu entdecken galt, für den Schatten allein der Mensch. Wenn man einen Ort gut kennt, aber vielleicht jahrelang nicht besucht, dann fallen einem nach der Rückkehr Veränderungen auf der Stelle auf.

Doch dazu später mehr.

Wegen des andauernden fiesen Nordwindes musste ich auf das Roadcruising nach Sonnenuntergang verzichten. Natürlich habe ich es zu Beginn noch versucht, doch fielen die Temperaturen am Abend zu schnell ab, als dass sich da noch eine Schlange oder ein Frosch vom Asphalt auflesen ließe.

Weil in Nordamerika alle hohen Gebirge von Nord nach Süd und nicht etwa von Ost nach West verlaufen, können kalte Luftströmungen ungehindert nach Süden gelangen. Umgekehrt gilt das natürlich auch für heiße Luftmassen aus dem Süden, die sich beizeiten auf den Weg nach Norden machen und dort für ungewöhnlich hohe Temperaturen sorgen können.

Ich übte mich also in Geduld.

So schoss ich abends im allerletzten Licht auch schon mal das ein oder andere Landschaftsbild:

pretty Pines right before sunset

Oder ich versuchte mich an ruhenden Vögeln im Gegenlicht.

Das Foto zeigt mehrere Amerikanische Schlangenhalsvögel:

Anhinga

Hier wartet ein Gürtelfischer auf glitschige Beute:

Belted Kingfisher

Diese sehr auffällige Vogelart habe ich in Gedanken wegen ihres einmaligen Rufes immer Mr. Knatterton genannt. Der Gürtelfischer ist in Florida keine Seltenheit, aber auch in allen anderen Bundesstaaten, die ich besucht habe in den letzten 20 Jahren, hat es wohl kein einziges Gewässer gegeben, an dem ich dem Gürtelfischer nicht begegnet bin.

Solche Bilder kann man übrigens eigentlich immer machen entlang der Hauptstraße, die durch mein Gebiet führt.

Es sei denn, es ist mal bedeckt oder so. Viele Gräben, die sehr fischreich sein müssen, locken unzählige Vögel an. Es ist ohnehin unglaublich, dass all diese Vogelmassen jeden Tag satt werden können, doch scheint ihnen das mühelos zu gelingen.

Hier sind es zwei Waldstörche (Amerikanische Nimmersatte), die sich am Straßenrand ausruhten:

Wood Stork

Ja, trotz ihres Namens hatten sie zum Zeitpunkt der Aufnahme mal keinen Appetit. Sie standen einfach nur da und warteten darauf, dass der große Hunger zurückkehren möge.


Ganz viel Zeit habe ich am Lake Trafford in Immokalee verbracht.

Das lag an den Vögeln dort, aber auch daran, dass auch ich nur ein Mensch bin und mir Nahrungsmittel kaufen muss. Und da war Winn Dixie in Immokalee fast immer meine erste Anlaufstelle:







my grocery store on a rainy morning

Das Bild entstand an einem warmen und verregneten Morgen, an dem ich ohnehin nichts anderes hätte unternehmen können.

Ich saß also im Auto und wartete auf die Ladenöffnung, um alles, was man so benötigt, einzukaufen und in meinen Kofferrraum zu packen.

Am Lake Trafford war vogelmäßig eigentlich immer was los. Der ganz frühe Morgen war die richtige Zeit, um dort aufzukreuzen, weil es nur wenig später schlechtes Licht gab und viele Menschen, vor allem Angler, wie aus dem Nichts auftauchten, um ihre Boote zu Wasser zu lassen. Doch wer kein Geld für ein eigenes Boot hatte, der musste sich mit einem Platz am Kanal zufriedengeben. Am Ufer jenes Kanals, an dem ich mit meiner Kamera auf Vögel lauerte.

Ich hätte urdeutsche Tugenden an den Tag und am Vorabend Handtücher an der Wasserkante auslegen können, doch war mir das zu blöd. Und eigentlich hatte ich an einigen Tagen auch das nötige Quäntchen Glück und war fast allein am Kanal unterwegs.

Dort fotografierte ich zum Beispiel diesen Dreifarbenreiher:

Tricolored Heron

Um ihn so ablichten zu können, musste ich mich ins Wasser legen. Und weil ich nicht so auf nasse Klamotten stehe, zog ich alles aus, eben bis auf meine Shorts.

Die anwesenden Alligatoren hielten sich die Augen zu und kicherten, aber diese hirnlosen Steinzeitechsen ignorierte ich einfach. Vielleicht hofften sie auch auf das Mahl ihres Lebens. Jedenfalls war auch der Vogel ein Arschloch, denn er hatte ja gesehen, wie mühselig ich mich auf dem steinigen Untergrund an ihn herangerobbt hatte, um ihn vernünftig knipsen zu können.

Hier seine Gedanken: Dieser nervige Deutsche gibt sich wirklich Mühe, aber ich werde ihm jetzt einen Strich durch die Rechnung machen.

Kaum hatte er seinen Gedanken ausgedacht, da geschah das hier:

same

Er fuhr seinen langen Hals aus!

Und jetzt passte der Vogel natürlich nicht mehr komplett ins Bild. Ich musste also den Rückwärtsgang einlegen, wenn ich weitere Aufnahmen von ihm machen wollte. Ich kann euch sagen, das war verdammt anstrengend für einen Mann, der keine zwanzig mehr ist.

Der Vogel: "Lass mal gut sein, Frank, ich wollte doch nur noch schnell diese eine Feder richten, damit ich auch wirklich gut rüberkomme."
















































preening

Puh, ich war ganz schön fertig.

Mit letzter Kraft schleppte ich mich an Land. Und kaum hatte ich das geschafft, da tauchte doch plötzlich ein Keilschwanz-Regenpfeifer vor mir auf:

Killdeer

Cool, so dachte ich, das ist ja mal eine Abwechslung!

Der Vogel ließ sich kaum beeindrucken von meiner Killerplautze und kam immer näher heran:

same

Ich schoss schnell ein paar Bilder und streifte mir dann rasch ein T-Shirt über.

Ich meine, ich wollte verhindern, dass da jemand die Cops ruft und ich in Fußfesseln abgeführt werde. In den USA ist das Zeigen von Brustwarzen nämlich untersagt. Ich erinnere mich da an einen aufgebauschten Fall beim Superbowl vor vielen Jahren. So etwas wollte ich jedenfalls nicht erleben.

Und dem Keilschwanz-Regenpfeifer war alles egal, er trippelte schließlich einfach an mir vorbei:


same

Diese Art ist eine der wenigen Limikolen auf diesem Planeten, um die man sich auch künftig wohl keine Sorgen zu machen braucht. Sie ist anspruchslos und kann eigentlich überall leben, wo die Landschaft halbwegs offen ist. Selbst in Hausgärten und Blumenbeeten habe ich diesen Vogel herumlaufen sehen!

Mein Auto neben dem Kanal, an dem die meisten Vogelbilder entstanden:

my rental car (Nissan Sentra) at that location, where I've shot so many birds (with my camera)

Ein Drosseluferläufer landete unmittelbar vor mir:

Spotted Sandpiper

Auch er ließ sich absolut nichts anmerken und wackelte nur wenige Meter von mir entfernt am Ufer entlang. Doch so ganz traute auch er dem blassen Menschen dort auf dem Boden nicht.

Immer wieder blickte er über die Schulter, um mich sicherheitshalber im Auge zu behalten:

same

Und immer wieder erstaunt es mich, wie wenig scheu viele Vögel in den USA sind!

Ich meine, ein europäischer Flussuferläufer würde sich niemals so verhalten, es sei denn, er legt auf dem Zug einen Halt auf Helgoland ein, doch auch auf dem Fuselfelsen sind zahme Flussuferläufer sehr selten und ganz bestimmt die Ausnahme. Dieser Drosseluferläufer aber verhielt sich kaum anders als die meisten seiner Artgenossen.

Dasselbe gilt auch für so viele andere Arten, wie zum Beispiel die beiden Gelbschenkel, den Einsamen Wasserläufer und den auch bei uns vorkommenden Kiebitzregenpfeifer, wie ich in der Vergangenheit herausfinden durfte.

Dem hier gezeigten Vogel ließ sich in drei Wochen nur ein einziges Mal ein Ruf entlocken. Wurde er doch mal aufgescheucht, flog er fast immer stumm ab und nur ein paar Meter weiter. Vor allem in solchen Situationen wirkte er im Vergleich mit dem eruropäischen "Gegenstück" hinten wie abgehackt, weil sein Schwanz einfach kürzer ist als der des nahe verwandten Flussuferläufers.

Ja, ich mag Vögel sehr!

Und wenn es zu kalt ist für Schlangen, dann ist es doch sehr praktisch, dass man nicht allzu festgefahren ist in seinen Vorlieben. Langeweile kam jedenfalls nicht eine Minute auf. Und das ist nicht selbstverständlich, denn im Radio (Bob FM) ließ man mich wissen, dass etwa 50 Prozent aller Amerikaner an etwa 150 Tagen im Jahr gelangweilt seien und nichts mit sich anzufangen wüssten.

Ich glaube ja, dass die Realität noch viel schlimmer ist. Und das Resultat ließe sich ganz zwanglos auf unsere Republik übertragen. Eine wissenschaftliche Untersuchung hätte ich auch nicht gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Interessiert man sich aber für die Natur, bleibt jeder Tag ein spannender, weshalb Vogelgucker und Entomologen und andere Naturkundler zumindest günstige Voraussetzungen haben, ein zufriedenes und ausgeglichenes Leben zu führen. Das gilt natürlich auch für andere Menschen mit einer Passion, ob Musiker oder was weiß ich...

Ob sie aber am Ende etwas daraus machen, bleibt ihnen selbst überlassen.

Guten Morgen, wer bist denn du?

Least Sandpiper

Die kleinste Limikole der Welt stand da vor mir.

Der nur etwa blaumeisengroße Wiesenstrandläufer ist ein Wintergast aus der Arktis. Während meines Aufenthaltes in Florida hielten sich zunächst fünf, später dann nur noch drei Individuen am Lake Trafford auf.

Und ängstlich waren auch sie natürlich nicht. Jedenfalls nicht, wenn es um mich ging:

Least Sandpiper

Doch plötzlich erschien da ein Rotschulterbussard am Himmel! Schnell ducken, dachte da der Wiesenstrandläufer, sonst fängt der mich und isst mich auf:

a Red-shouldered Hawk was passing by

Na, ist die Luft wieder rein?

Hmmmh, der Scheißgreif ist nicht mehr zu sehen:

Und ein erst einmal letztes Bild von dieser possierlichen Art:

Least Sandpiper as well

Nach etwa einer Woche gab der verfickte Nordwind endlich auf und machte Platz für typisches Floridawetter.

Angenehm warm wurde es jetzt, und abends stürzten die Temperaturen auch nicht mehr in den Keller. Ich freute mich, denn nun sollte es tatsächlich losgehen mit der Suche nach beinlosen Tieren auf meiner wenig befahrenen Straße direkt nach Sonnenuntergang.

Es kribbelte in meinen Fingern, als ich das erste Mal losfuhr. Und ich wurde nicht enttäuscht! An diesem ersten Abend fing ich immerhin gleich zwei verschiedene Arten, die ich einsackte und am kommenden Morgen weit entfernt von jeglicher Gefahr durch Straßenverkehr wieder in die Freiheit entließ.

Eine Gebänderte Wassernatter war zum Beispiel dabei:

Banded Watersnake

Und gleich noch eine:

same species, different specimen

Und ich fand eine erste Grüne Wassernatter, die mir ohne zu zögern in den Daumen biss, als ich sie aufhob:


Green Watersnake

Sie biss mir nicht einfach nur in den Daumen, sie kaute regelrecht darauf herum.

Und weil sie ausgerechnet den Knochen getroffen hatte, war der Schmerz beträchtlich. Ich biss nicht etwa zurück, sondern die Zähne zusammen und hoffte darauf, die Schlange möge endlich von mir ablassen. Ich sagte ihr das auch, doch sie zeigte sich uneinsichtig.

"Ich habe dir das Leben gerettet, du undankbares Miststück", versuchte ich es mit einem echten Argument, doch das Tier ließ einfach nicht los. Ich stieg wieder aus dem Wagen aus und ging in die Knie, um der Grünen Wassernatter Bodenkontakt anzubieten. Sie fiel auf meinen Trick herein und gab meinen geschundenen und heftig blutenden Daumen endlich wieder frei. Abermals hob ich sie auf und packte sie in einen Beutel. Widerstand leistete die Schlange jetzt nicht mehr.

Nach einer Stunde auf der Straße war der Spuk vorbei.

Ich fand keine weiteren Tiere mehr. Deshalb besuchte ich ganz spontan eine Hütte im Wald, die ich hier auch schon mal vorgestellt hatte:

abandoned cabin in the wood for hunters to check in and out – really abandoned?

Dort wollte ich mal nach nachtaktivem Gesindel suchen. Neben einigen halbwüchsigen Eichhörnchen-Laubfröschen fand ich auch zwei Geckos, die an den hölzernen Wänden hafteten wie zurzeit das Glück am Stiefel der Spieler des VfL Osnabrück.

So sah einer von ihnen aus:


Hemidactylus spec. 

Und so der andere:

second specimen

Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, um welche Art genau es sich hier handelt.

Definitiv ist das ein Vertreter aus der Gattung Hemidactylus, doch welcher genau, ist mir leider nicht bekannt. Den hübschen Halbfinger aus Europa und Nahost kann ich schon allein wegen der vergleichsweise beträchtlichen Größe der Tiere sicher ausschließen. Bleiben zwei Arten aus Asien übrig, doch will und kann ich mich da nicht festlegen.

Ein Eichhörnchen-Laubfrosch:


likely a juvenile Squirrel Tree Frog

Diese Art fand ich nur an dieser Hütte.

Überhaupt war ich bezüglich der vielen Laubfrosch-Arten etwas enttäuscht, fand ich doch nicht einen einzigen Karolina-Laubfrosch in sage und schreibe drei Wochen, obwohl diese Spezies doch so häufig und mir auf früheren Reisen nach Südflorida tonnenweise begegnet ist.

Erklären kann ich das nicht. Auch fand ich nur einen Rotkehlanolis sowie nur wenige Bahamaanolise (wird das so geschrieben?).

Ein paar Landschaftsbilder zur Auflockerung:

beautiful landscape

Auf dem Weg durch mein Gebiet:

patrolling for snakes

Eine Virginiaeiche, reich behangen mit Louisianamoos:

Live Oak with Spanish Moss

Louisianamoos ist gar kein Moos, sondern eine Tillandsie aus der Familie der Bromeliengewächse!

In diese Pflanzenfamilie gehört zum Beispiel auch die leckere Ananas. Und wenn man dieses Bild so betrachtet, dann kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass die Tillandsie das Vorbild gewesen sein muss für einen reich mit Lametta behangenen Tannenbaum. Diese Geschmacklosigkeit ersten Grades ist in den letzten Jahren glücklicherweise auf der Strecke geblieben. Ob das dem genauso sinnfreien Tannenbaum eines Tages auch so ergehen wird, bleibt zu hoffen.

Offenland:



















open habitat of cute Meadow Lark

In solchen Lebensräumen kommt der süße Wiesenstärling noch vor:

pretty Meadow Lark is declining due to habitat loss

Singend:

singing

Diese Art mit dem weittragenden melancholischen Gesang ist in den USA auf dem Rückzug.

Wie so viele andere Pflanzen und Tiere mag sie kein intensiv kultiviertes Land. Und wie in Europa und überall auf der Welt weichen so genannte Ödlandbewohner vor den sich immer weiter ausbreitenden Menschen zurück.

Das gilt in gleichem Maße für den Louisianawürger:

Loggerhead Shrike is also declining for the same reason

same

Und für nahezu alle Amphibien- und Reptilienarten auf dieser Welt!


Nach etwa zehn Tagen musste ich die Akkus meiner Kamera aufladen. Ich war entsetzt, als ich feststellte, dass ich das Ladegerät in Deutschland vergessen hatte. Zwar hatte ich es zunächst in meinen Koffer gepackt und auf meiner Liste abgehakt, doch dann noch einmal eingesetzt und nicht in den Koffer zurückgelegt.

Dummheit darf niemals ungeschoren davonkommen!

Ich hasste es, aber ein Ausflug nach Fort Myers ließ sich jetzt nicht mehr umschiffen.

Ich steuerte also ein Walmart-Supercenter an, weil Walmart doch immer damit wirbt, alles im Angebot zu haben. Die Enttäuschung war groß, als man mir dort mitteilte, überhaupt keine Ladegeräte zu verkaufen. Immerhin gab mir der durchaus sympathische Verkäufer noch einen Tipp mit auf den Weg. Ich solle doch mal zu Best Buy fahren: Best Buy ist so ein Elektronikladen, in etwa vergleichbar mir Mediamarkt in Deutschland oder Expert Bening in Ostfriesland.

Ich düste kreuz und quer durch die Stadt und musste etwa fünftausendmal nachfragen, weil ich mich im Straßengeflecht Fort Myers' nicht zurechtfand. Ich hatte den Eindruck, dass mich die einen in die eine und die anderen in die entgegengesetzte Richtung geschickt hatten, als ich schließlich doch fündig wurde.

Doch auch hier sollte ich nicht glücklich werden. Man hatte zwar einige Ladegeräte im Sortiment, doch leider keines für meine Batterien. Das Problem war einfach das Alter meiner Kamera und die Tatsache, dass Canon bei den Nachfolgemodellen neue Akkus eingesetzt hat. Künftig wird es noch schwieriger werden, ein passendes Ladegerät zu finden, aber eigentlich benötige ich ja gar keins, weil ich doch bereits mehrere besitze.

Der freundliche Mitarbeiter schickte mich zu Batteries plus Bulbs. "Wenn jemand so ein Gerät anbietet", so meinte er, "dann die."

Und wieder rauf auf den Parkway. Diesmal fand ich mein Ziel aber schnell und so ganz ohne fremde Hilfe. Und ich freute mich wie ein kleiner Junge, als ich am Ende tatsächlich ein passendes Ladegerät in meinen Händen hielt!

Ich kehrte zu der Mall, in der sich Best Buy befand, zurück. Denn aus dem Augenwinkel und im Unterbewusstsein hatte ich dort einen Zooladen gesehen. Mehlwürmer, so dachte ich, vielleicht haben diese Idioten ja welche.

Ich fragte nach, und ich wurde nicht enttäuscht. Zumindest nicht in Bezug darauf, dass ich hier tatsächlich Mehlwürmer bekommen würde. Die Frau ging in ein Hinterzimmer und kehrte nach kurzer Zeit zurück.

In der Hand hielt sie nun ein Kunststoffgefäß:

100 Mealworms for almost 5 Dollars, that is expensive!

100 Mehlwürmer für sage und schreibe fast fünf Dollar!

Erst wollte ich gar keine kaufen, weil mir die Menge zu gering erschien, um mit ihr etwas ausrichten zu können. Ich meine, in Deutschland gehe ich sehr spendabel mit diesen freiwilligen Mitarbeitern um. Und hier bekomme ich für dieses Geld eine vielfache Menge! Und überhaupt, abgezählte Mehlwürmer, die konnte es doch gar nicht geben. Ich habe die Angaben auf der Packung nicht überprüft. Gekauft habe ich letzten Endes zwei davon. Und ich kam damit viel weiter, als ich zuvor erwartet hatte.

Jetzt verstehe ich auch, warum man keine lebenden Tiere ins Land einführen darf. Also zumindest keine Mehlwürmer. Die haben Angst vor Schwarzhandel und dass man die gepfefferten Preise kaputtmacht.


Auf dem Rückweg legte ich einen Halt ein in Lehigh Acres, wo es ein sandiges und trockenwarmes Gebiet gibt, das ich schon in früheren Jahren ein ums andere Mal besucht hatte. Ich blieb dort bis Sonnenuntergang und stieß am Wegesrand auf diese illegal entsorgten Betonbrocken.

Ich begann mit der Arbeit:





illegally dumped debris, where I flipped a single Redneck Snake

Und schon unter dem ersten Brocken fand ich eine Halsringnatter!


the only alive Ringneck Snake of my trip

Mehr sollte ich dort aber nicht entdecken.

same

Von dieser unauffälligen und kleinen Art, die man fast ausschließlich beim Wenden von Brettern und Steinen findet, gelang mir nur noch ein weiterer Nachweis von gleich zwei überfahrenen Individuen in meinem Gebiet.

Nachdem ich die Schlange fotografiert und wieder in die Freiheit entlassen hatte, absolvierte ich noch einen beachtlichen Fußmarsch. Mir fiel, wie schon zuvor in meinem Gebiet, der niedrige Wasserstand auf.

Auf dem folgenden Bild kann man anhand der Vegetation im Hintergrund sehr gut erkennen, dass der Pegel mal höher gestanden haben musste:

low water level at the beginning of my trip

Doch damit nicht genug!

Die Bäume im Hintergrund erschreckten mich noch viel mehr.

Aus der Nähe sahen sie so aus:


Eucalyptus may constitute a threat to native plants

Oder so:

same species

Oder wie hier, in einem ausgedehnten Bestand:

same

Es handelt sich hier um eine Eukalyptus-Art, die ich aber nicht näher bestimmen kann.

Aus Wikipedia: "Der Anbau von Eukalyptus führt häufig zu Problemen, weil er den Boden bis in die Tiefe austrocknet, den heimischen Tieren keinen Lebensraum bietet, andere Pflanzenarten aggressiv verdrängt und eine Waldbrandgefahr verstärkt."

Außerhalb Australiens und Indonesiens sollte es eigentlich keine Eukalypten geben, doch ist bekannt, dass zum Beispiel in Portugal schon vor Jahrzehnten riesige Flächen mit Bäumen dieser Gattung aufgeforstet worden sind. Vergleichbares geschah in einer ganzen Reihe von subtropischen und tropischen Ländern. Der Grund: Profitgier! Die Qualität des Holzes soll gut sein, und kaum ein anderer Baum wächst so schnell in die Höhe wie eben die Eukalyptus-Arten.

Ein Bild von meinen Füßen, die sehr freiheitsliebend sind:

to avoid too much sand in the inside of my vehicle I covered the floor with a towel, which is even older than me!

Doch eigentlich geht es ums Handtuch, das ich extra mit auf die Reise genommen hatte, um den Fußraum auf der Fahrerseite abzudecken. Vor allem morgens, wenn der Tau noch sein Unwesen treibt, schleppt man mit jedem Einsteigen gleich eine halbe Tonne Sand ins Auto. In der Vergangenheit hat mich das immer geärgert, weil es sich hier doch nie um meine eigenen Autos gehandelt hat.

Und ein bisschen geschämt habe ich mich dann auch immer bei der Rückgabe am Flughafen. Auf der anderen Seite ist es mir aber zu blöd, ein Auto zu putzen oder zu waschen. Für solch sinnfreie Dinge, die anderen Menschen so viel Freuide zu bereiten scheinen, reicht meine Lebenszeit einfach nicht aus.

Das Handtuch ist voll oldschoolmäßig und tatsächlich älter als ich!

Mama, wenn du es all die Jahre vermisst haben solltest, jetzt weißt du, wo es ist.

Ein Blick auf den Beifahrersitz:

my equipment

Zu sehen sind mein Fernglas, meine geile Taschenlampe, Knipsilein in seiner Verpackung, eine Wasserpulle sowie leckeres amerikanisches "Brot". Also so nennen die das da jedenfalls.

Und man sieht auch ein Buch!

Irgendwann vor meiner Abreise empfahl mir Youtube ein Interview mit Kate Bush. Es ging um den außerordentlichen Erfolg ihrer Debütsingle Wuthering Hights und um den Inhalt des Songs. Wohl jeder Mensch meines Alters kennt ihn. Und ich bin da keine Ausnahme. Worum es im Stück geht, war mir nie bewusst, weil Songtexte mir eigentlich egal sind. Oft ist es sogar besser, wenn man nichts versteht.

Doch plötzlich war mein Interesse geweckt!

Ich mag das Lied, und die Art und Weise, wie Frau Bush den Moderator über die Hintergründe aufklärte, kam irgendwie sympathisch rüber. Dass es sich hier quasi um die Vertonung einer Romanszene handelte, darauf wäre ich nie gekommen. Und von diesem Roman hatte ich zuvor auch noch nie etwas gehört. Ich bin ein spontaner Mensch und kaufte ihn mir einfach. Die deutsche Übersetzung heißt Sturmhöhe, was ein bisschen nach Groschenheft klingt. Die Geschichte wurde im 19. Jahrhundert von Emily Brontë geschrieben und sorgte seinerzeit für viel Empörung in der viktorianischen Bevölkerung.

Aber das könnt ihr in Wikipedia nachlesen.

Nur etwa die Hälfte habe ich im Urlaub geschafft.  Am Inhalt hat es nicht gelegen, eher daran, dass ich abends einfach nur fertig war nach meist zwölf Stunden am Stück im Outback. Im Gegenteil, die Geschichte ist toll und spannend erzählt, weshalb ich definitiv am Ball bleiben werde.

Es folgt eine Bewegungsstudie, aufgenommen am Lake Trafford, der übrigens eine Fläche von etwa 600 Hektar hat:

Tricolored Heron at Lake Trafford

Sie zeigt den Dreifarbenreiher, den ich bereits oben vorgestellt hatte.


same

this Heron was always hunting in a certain way. He pretended to be a Brown Pelican or a Gannet, when plunge-diving for small fish

when he did not succeed he gave some grunting calls as if he was angry about the situation. That was really funny to see and listen to

Das war immer ein echtes Highlight des Tages.

Der Vogel lief oft nervös am Ufer entlang und spähte aufs Wasser hinaus. Es dauerte nicht lange, dann  startete er durch, um wenig später in Tölpelmanier nahezu stoßtauchend einen kleinen Fisch zu erbeuten.

Der Ertrag schien in einem ungünstigen Verhältnis zum Aufwand zu stehen. 

Und wenn das gar nicht klappte mit dem Fisch, und das war oft der Fall, dann gab der verärgerte Reiher immer wütend klingende Rufe von sich! Das sah lustig aus und klang auch so. Und ich musste ein ums andere Mal laut lachen, sodass die mich umgebenden Menschen zu mir rüberschauten und sich fragten, was denn mit dem Deutschen los sei.

Meine Antwort war immer die gleiche: "Kinners, ich habe mir gerade einen alten Witz erzählt. Die Pointe überrascht mich immer wieder!"

Jedenfalls konnte ich dieses eindrucksvolle Schauspiel bei jedem See-Besuch beobachten. Es war immer ein großer Spaß für mich, aber wohl weniger für den Vogel.

Ein Rabengeier schaute auch zu und war vielleicht auch etwas neidisch, weil er selbst kaum solche Kunststücke vollführen konnte:




Black Vulture

Weil sich der Vogel nie das Gesicht eingecremt hat, muss er jetzt mit seiner faltigen Haut leben.

Halt, stop, das war natürlich nur ein Scherz!

Tatsächlich halte ich selbst gar nichts von irgendwelchen Cremes. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie absolut nichts bringen und sich die Menschen etwas vormachen.

Ein Rallenkranich konzentrierte sich auf die eigene Nahrungssuche:

Limpkin – it has been the first time that I've heard the haunting calls of this beautiful bird

Zum ersten Mal habe ich die eigenartigen und lauten Rufe dieses Vogels gehört.

Das lag wohl auch daran, dass in diesem Jahr gleich zwei Individuen am Kanal unterwegs waren, während ich dort auf früheren Reisen immer nur eines gesehen hatte. Und wenn die Art vielleicht vom Aussehen her ein Verbindungsglied zwischen Ralle und Kranich darstellt, so trifft das definitiv auch auf die Rufe zu. Sie hörten sich wirklich beeindruckend und gleichzeitig seltsam an.

Der Rallenkranich ernährt sich hauptsächlich von Mollusken. Ich konnte ihn beim Essen von Muscheln und Apfelschnecken beobachten – aus kürzester Distanz! Die Muscheln wurden nach Austernfischerart geöffnet, während die Schnecken ganz anders behandelt wurden. Der Vogel nahm sie in den Schnabel und schüttelte sie kräftig. Eigentlich war das eher ein Vibrieren, denn das ging so schnell, dass meine Augen kaum mitkamen.

Und schließlich entnahm der Rallenkranich dem Gehäuse, das immer völlig unversehrt blieb, die Schnecke. Was sich genau abgespielt hat, also so aus physikalischer Sicht, ist mir aber bis heute ein Rätsel.

Kein Rätsel für mich waren die vielen Bootschwanzgrackeln am See und auf allen Supermarktparkplätzen in Fort Myers:

female Boat-tailed Grackle

Diese etwas nervigen Biester essen fast alles und sind sofort zur Stelle, wenn es etwas umsonst gibt.

Da kamen schon fast menschliche Züge zum Vorschein, auch was die Feigheit betraf, wenn es endlich mal um etwas ging:


cowards

Los, Kinners, kommt schön zu Onkel Frank!

Das Brot lag direkt vor mir. Und das war den Vögeln am Ende doch zu riskant. Wenn man auf einem Parkplatz sein Auto auflässt, dann kann es schon mal vorkommen, dass einer dieser Vögel im Innern nach Nahrung sucht. Macht man eine werfende Handbewegung, dann kommen gleich ganze Scharen angeflogen, weil sie sich etwas erhoffen.

Nachdem ich das an diesem Tag so weiche Morgenlicht gut, wie ich fand, für meine Fotografie genutzt hatte, ging ich zu meinem Wagen, um meine Jacke auszuziehen. Den Autoschlüssel trug ich immer in einem Leinenbeutel mit mir herum, um ihn im Falle eines möglichen Verlustes leichter wiederfinden zu können. Ich legte ihn auf den Beifahrersitz und warf dann meine Jacke auf die Rückbank. Dann ergriff ich den Beutel und schloss die Tür.

Was soll ich sagen, zum zweiten Mal in meinem Leben war es mir an diesem Tag gelungen, den Schlüssel sicher vor feindseligen Kräften im Auto einzuschließen. Ich hatte nämlich den Leinenbeutel mit den Akkus in der Hand. Oh nein, so dachte ich, das gibt es doch gar nicht. Ich hatte immer so gut augepasst, weil ich eben verhindern wollte, dass mir diese Kacke ein weiteres Mal passiert.

Und jetzt ging nichts mehr.

Wozu ist diese ganze neumodische und verfickte Technik eigentlich gut? Ich meine, wem bringt es was, dass sich das Auto automatisch verriegelt, sobald man den Schlüsel im Innern vergisst und dann die Tür zuknallt? Das sind Fragen, die mir wahrscheinlich keiner beantworten kann. Hielt ich den Schlüssel in der Hand und befand mich neben dem Wagen, dann passierte das nämlich nicht. Und warum passierte das eigentlich nie, wenn ich mich im Auto befand und dann die Tür schloss?

Ich dachte nach über die nächsten Schritte.

Kurz zuvor hatte ich mich noch mit drei älteren Damen unterhalten. Die, da war ich mir sicher, würden mir bestimmt helfen. Ich besitze kein Telefon, und die Nummer von der Autovermietung wusste ich natürlich auch nicht so aus dem Hirn. Alle Unterlagen waren sicher im Wagen verstaut. Sicherer, als es mir in diesem Augenblick lieb war.

Die Frauen hatten bereits bemerkt, was geschehen war. Vielleicht hatte ich einfach zu laut geflucht. Eine kam jedenfalls mit einem Telefon in der Hand auf mich zu. Ich erklärte ihr die Situation, und sie fackelte nicht lang. Nach kurzer Internet-Recherche hatte sie die richtige Nummer gefunden. Doch bis sie zu einem echten Mitarbeiter der Verleihfirma vordringen sollte, musste sie noch einen anstrengenden Parcours aus Menüs und blöden Fragen überstehen. Dass sich eine dieser Fragen explizit auf im Auto eingeschlossene Schlüssel bezog, ließ erahnen, dass das, was mir an diesem Vormittag passiert war, keinen außergewöhnlichen Stunt darstellte.

Ich war also enttäuscht, als ich das hörte, war ich doch davon ausgegangen, etwas Großes geleistet zu haben.

Es dauerte nicht lang, da tauchte der Mitarbeiter auch schon auf. Ohne ein Wort zu sagen, ging er seiner Profession nach und öffnete das Auto. Wie das funktioniert, hatte ich ja mal in einem anderen Reisebericht ausführlich beschrieben. Ich überlegte kurz, ob ich mir auch mal so ein ganz besonderes Erste-Hilfe-Set zulegen sollte, doch dann fiel mir ein, dass es in so einem Fall sehr wahrscheinlich auch im Wagen eingeschlossen wäre.

Ich habe eine gute Erziehung genießen dürfen, und so bedankte ich mich artig bei den Mädels, wie ich die Frauen in Gedanken nannte. Dann verabschiedete ich mich und fuhr zum Supermarkt. Dort kaufte ich leckeren Zimtkuchen. Den überreichte ich den Damen, nachdem ich zum See zurückgeklehrt war. Einmal zum Supermarkt und zurück in nur fünf oder sieben Minuten.

Ich sagte, ohne die Miene zu verziehen: "Mädels, den habe ich gerade selbst gebacken!"

Alle lachten, weil sich der Kuchen noch in seiner Originalverpackung befand, Barcode inklusive.

Ich aß auch schnell ein kleines Stück, doch dann verabschiedete ich mich endgültig.


Ich kehrte in mein Gebiet zurück.

Dort entdeckte ich diesen Schmetterling:

Long-tailed Skipper

Der Langschwanz-Dickkopffalter (es gibt keinen deutschen Namen, die Übersetzung stammt von mir und klingt genauso bescheuert wie die des kleinen Vogels da oben) ist in meinem Gebiet keine Seltenheit.

Doch selten sieht man ihn mit ausgebreiteten Flügeln auf einer Blüte stehen. Im Regelfall fliegt er vor einem auf, um nach ein paar Metern wieder in der dichten Bodenvegetation zu verschwinden. Er wirkt dann eigentlich immer einfach dunkel bis nahezu schwarz. Dass das Tier einen so hübschen Blaugrünschiller zeigt, bemerkte ich erst, als ich dieses an einer Blüte saugende Individuum fand.

Glücklicherweise hatte ich gerade meine Kamera mit anmontiertem Makroobjektiv in der Hand, sodass ich ein paar Belegbilder schießen konnte.

Der Grund dafür, dass ich meine Kamera bereits in der Hand hielt, war ein anderer Falter, den ich nur wenige Meter zuvor abgelichtet hatte:

Zebra Longwing

Insgsamt begegnete mir diese Art, der Zebrafalter, nur dreimal!

Das war erstaunlich, denn eigentlich fliegt sie das ganze Jahr und bringt kontinuierlich eine Generation nach der anderen hervor. Warum der Zebrafalter also so selten war, ist mir bis heute nicht klar. Im Dezember 2012 sah ich ihn recht häufig durch die Gegend flattern. Vielleicht hatten die niedrigen Temperaturen da ihre Finger im Spiel.

Mit ausgebreiteten Flügeln:




same 

Morgenstimmung im Kiefernwald:

a misty morning 

Ein Kanadareiher:

Great Blue Heron 

Ein einsamer Silberreiher:

Great White Egret

Ein Rabengeier ruhte sich auf einem dicken Ast aus:

Black Vulture

Ein weiblicher Gürtelfischer tat es ihm gleich:

Belted Kingfisher

Ich wollte mal etwas anderes sehen und machte mich auf den Weg nach Süden.

Noch am selben Abend entdeckte ich eine neue Schlangenart, die ich aber leider nicht fotografieren konnte: Es war die Braune Wassernatter.

Nur wenige Minuten später folgte eine weitere neue Art für diese Reise:

the only Cottonmouth of this trip was a young specimen

Es war die erste giftige Schlange: eine junge Wassermokassinotter:

Immer wieder wird (von Laien) behauptet, diese Art sei nahezu allgegenwärtig und komme in jedem Gewässer in großer Zahl vor. Das ist falsch! Es ist eher das Gegenteil der Fall, die Wassermokassinotter, wie ja auch die meisten anderen Schlangenarten, fehlt über weite Strecken. In meinem Gebiet zum Beispiel, das sich nur etwa achtzig Kilometer vom Fundort dieser Schlange befindet, habe ich sie noch nie gesehen. Ich gehe davon aus, dass sie dort nicht vorkommt, obwohl der Lebensraum zu passen scheint.

Dasselbe gilt übrigens für die Braune Wassernatter. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass sie in meinem Gebiet fehlt. Doch auch hier kann ich keine Gründe nennen. Tatsächlich bin ich nur nach Süden gefahren, um endlich auch mal wieder diese beiden Arten zu sehen, hatte ich sie dort doch bereits vor einigen Jahren entdecken und fotografieren können.

Die Wassermokassinotter im Portrait:

same individual

Man sieht ganz deutlich, dass diese Tiere den Kopf immer schräg nach oben halten müssen – denn sonst hätten sie keine senkrechte Pupille.

Dasselbe Tier mit etwas mehr Abstand fotografiert:

same

Nachdem ich meine Bilder im Kasten hatte, befuhr ich die auf dem ersten Bild von der Wassermokassinotter gezeigte unbefestigte Straße bis zu ihrem Ende. Es handelt sich hier um eine etwa 30 Kilometer lange und schnurgerade verlaufende Sackgasse!

Dort, im tiefsten Outback, befindet sich ein Campingplatz, auf dem ich die Nacht verbrachte.

Als ich morgens aufwachte, war ich erstaunt, denn es schüttete wie aus Eimern. Ein Nachbar meinte ganz beiläufig, es habe bereits am späten Abend zu regnen begonnen. Und, das kann ich vorwegnehmen, es sollte tatsächlich 48 Stunden so weitergehen! An diesen beiden Tagen wurde es nicht auch nur ein bisschen hell. Und das Geräusch, das entsteht, wenn Millionen Regentropfen auf ein blechernes Autodach herniederprasseln, klingt mir selbst heute noch in den Ohren.

Auf Bilder und Beobachtungen wollte ich aber natürlich trotzdem nicht verzichten.

Ich knipste einen Alligator und wurde in den wenigen Minuten, die ich dafür benötigte, nass bis auf die Haut!

Trotzdem hat es Spaß gemacht, war der Regen doch angenehm temperiert:

Alligator on a rainy day

Das Tier fühlte sich von mir beobachtet und ließ etwas Luft ab, um den hinteren Teil des Körpers im Wasser verschwinden zu lassen.

Das hatte was von einem U-Boot und sah ein bisschen spooky aus:

same 

Und wieder etwas auftauchend:

same

Mit diesen Biestern war das so eine Sache.

An sonnigen Tagen lagen sie überall herum, oder sie schwammen durch die Kanäle, um vielleicht ein von seinen Eltern vernachlässigtes und unachtsames Kleinkind zu erbeuten. An den beiden verregneten Tagen aber waren sie kaum aufzufinden. Und das erstaunte mich. Ich meine, sie befinden sich doch ohnehin oft im Wasser. Und dann sind sie schon nass. Wasser von oben aber scheint ihnen nicht so gut zu gefallen, und sie machen sich aus dem Staub.

Wie und wo die vielen Alligatoren diese Zeit verbrachten, werde ich wohl niemals herausfinden.

Ich kletterte wieder in meinen Wagen und wechselte erst einmal die Kleidung. Vorsorglich hatte ich einen zweiten Satz für diesen Ausflug mitgenommen. Dann fuhr ich nach Everglades City, wo ich etwas aß.

Auf dem Weg zum Restaurant fielen mir diese Augen auf:




beautiful eyes

Man sieht, es muss sehr dunkel gewesen sein an diesem Tag.

Denn nicht einmal der schwächste Lichtreflex ist auf dem Auge zu erkennen. Und der Vogel dazu sah auch nicht so glücklich aus:


Brown Pelican at the marina of Eveerglades City

Es war ein Brauner Pelikan.

Zusammen mit dreizehn Kollegen bildete der mächtige Vogel das Empfangskomitee für alle Angler, die mit ihren Booten nach einer Tour in den Hafen zurückkehrten. Lange bevor ich sie sah, hatten die aufmerksamen Vögel sie längst entdeckt. Einer nach dem anderen flog auf und auf die Lagune hinaus, um direkt neben dem Boot runterzugehen.

Wurden die Pelikane nicht umgehend mit Fischresten versorgt, kehrten sie beleidigt zu ihrem Steg im Hafen zurück, um geduldig auf das nächste Fischerboot zu warten. Die Zeit bis dahin nutzten die Vögel für die Gefiederpflege oder ein kleines Nickerchen. Der andauernde Regen machte den Pelikanen nichts aus. Und als solcher kann man es sich ohnehin nicht leisten, wasserscheu zu sein.

Hier sind gleich neun Vögel auf nur einem Bild zu sehen:

nine of at least 14 specimen were present that day and patiently waiting for home coming fishermen

Ein Waldstorch wartete auch auf bessere Zeiten:

Wood Stork

Er machte aber einen auf cool und ließ sich absolut nichts anmerken.

Schleusen auf:



rain, rain, rain

Mein Wagen dagegen zeigte sich weniger gelassen:

tire pressure low – that was fake news ;-) This message instantly popped up when I began to drive a dirt road after it had rained cats and dogs for hours. It was likely the muddy ground that led to this message   

Kaum hatte ich begonnen, eine unbefestigte Straße zu befahren, erschien auf dem Display die oben gezeigte Botschaft: zu wenig Druck auf den Reifen!

Ich hielt an, stieg aus und überprüfte alles, doch konnte ich keine Veränderung feststellen. Zugegeben, meine Prüfung bestand lediglich darin, einmal volle Kanne gegen jeden Reifen zu treten. Ein Fachmann würde das wahrscheinlich anders machen. Aber letztendlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die verfickte Elektronik noch Potenzial nach oben haben dürfte. Ich gehe davon aus, auch jetzt noch, dass es der matschige Untergrund war, der zu dieser Meldung geführt hat.

Das vielleicht vom vielen Regen aufgeweichte Hirn des Autos konnte nicht unterscheiden zwischen einem weichen Reifen und einem weichen Untergrund. Ja, meine Fresse, wofür braucht man so einen Quatsch überhaupt. Nippes, Firlefanz, nennt es, wie ihr wollt, ich würde einem Heckscheibenwischer definitiv mehr Bedeutung beimessen als all diesem Unsinn, der die heutigen Autos so ausmacht.

Die Meldung blieb mir übrigens bis zur Abgabe des Wagens am Flughafen erhalten!

Regentropfen auf dem Blatt einer Sägepalme:


Saw Palmetto leaf covered by rain drops

Nach den bereits oben erwähnten 48 Stunden hörte der Regen endlich auf.

Morgens dampfte es jetzt in den Kieferwäldern noch viel mehr als jemals zuvor:

Und noch vorhandene Gewässer waren glücklicherweise wieder aufgefüllt worden:


water bodies were refilled 

Neue Gewässer entstanden überall:

new puddles and temporary waterbodies arised

Und wenn es neue Gewässer gibt und darüber hinaus auch noch die Temperaturen stimmen, dann machen sich unzählige Froschlurche auf den Weg. In den folgenden Tagen war auf den Straßen richtig was los.

Eine von ganz vielen Floridakröten:


Southern Toad

Und ein Leopardfrosch:

of all true frogs of the US Southeast this species resembles our European Green Frogs by far the most in both appearence and voice

Ein sehr schönes Tier, wie ich finde. Es sah aus wie gemalt.

Im Detail:

same 

Und noch ein Bild:

same

Und von oben habe ich den Leopardfrosch natürlich auch geknipst, damit ihr mal mal seine hübsche Zeichnung erkennen könnt:

same

Ein zweites, deutlich grüneres Tier soll die Variabilität illustrieren:


second specimen

Und auch von diesem Tier gibt es eine Dorsalaufnahme:


same

Von allen mir bekannten amerikanischen Mitgliedern aus der Familie der Echten Frösche ähnelt diese Art unseren Grünfröschen am meisten, sowohl hinsichtlich ihres Aussehens als auch der Rufe.

Wenn man Leopardfröschen bei ihrer Balz zuhört, dann fühlt man sich unweigerlich erinnert an den heimischen Seefrosch. Die gesamte Palette an verschiedenen Rufen stimmt jedenfalls größtenteils überein.

Es folgt ein wahrscheinlicher weiblicher Schweinsfrosch:

likely a female Pig Frog

Passend dazu gibt's jetzt ein Männchen:

male Pig Frog with eye injury

Okay, das Foto reicht für eine Bestimmung wohl nicht aus:

male Pig Frog

Mit den so plötzlich aufgetretenen Wassermassen und den vielen neu entstandenen flachen Gewässern kam eine Stimme hinzu, die mir völlig unbekannt war. Ich suchte die Urheber sowohl am Tage als auch mit einer Taschenlampe in der Nacht. Doch finden konnte ich sie nicht.

Die recht lauten Rufe, die mich spontan und aus der Distanz ein wenig an die des Mauerseglers erinnerten, kamen aus dichtester Bodenvegetation am Rande eben dieser flachen Gewässer. Trotz ihrer Lautstärke vermutete ich eine kleine Art, weil ich bei meiner Suche einfach nicht fündig wurde, obwohl diese Phantome sehr häufig sein mussten und sie mich nahe herankommen ließen.

Zu Hause dann hörte ich mir auf Youtube die Balzrufe aller mir unbekannten Froschlurche Südfloridas an. Und ich wurde schnell fündig: Es musste sich bei den Tieren um den, frei aus dem Englischen übersetzt, Kleinen Grasfrosch (Little Grass Frog) gehandelt haben, der ein Vertreter aus der Familie der Laubfrösche ist. Gleichzeitig handelt es sich bei dieser Art um den kleinsten Froschlurch Nordamerikas, der gerade mal eine Kopf-Rumpf-Länge von zwei Zentimetern erreicht. Im niederländischen Wiki-Artikel steht darüber hinaus, dass sich diese Art im Laufe der Evolution an das Mikroklima zwischen den Halmen diverser Gräser im Randbereich von Gewässern angepasst hat.

Wunderbar!

Des einen Freud' ist des anderen Leid:

Fire Ant mound

Die aus Brasilien eingeschleppte und in den USA invasive Feuerameise baut ihre Nester oft und gerne in der Nähe von Gewässern. Nach den sintflutartigen Regenfällen waren viele der Ameisenhügel geflutet worden, was das kleine Tierchen aber auch nicht aus der Ruhe bringen konnte.

Immer wieder stieß ich auf von sehr vielen Ameisen gebildete Flöße, die auf dem Wasser trieben und auf der Suche nach festem Untergrund waren. Wenn ich diese Tiere auch tatsächlich nicht leiden kann, so war es doch faszinierend zu sehen, wie sie zusammenarbeiteten, um ein gemeinsames Ziel zu verwirklichen.

Eines dieser Flöße habe ich aus geringster Nähe fotografiert:

Fire Ants tried to escape the water after the long lasting rain by building a raft, where all induviduals had to colaborate. Though I really don't like these tiny beasts from Brazil I was faszinated by their will to survive

Nachts war ich auch mal wieder unterwegs, also so unmittelbar nach Sonnenuntergang:

another Banded Watersnake

Es gab mal wieder Gebänderte Wassernattern.

Hier ein Jungtier:








juvenile specimen

Die ganze Schlange in ihrer ganzen Pracht:

same

Und wieder ein Alttier:

another adult specimen

Und dann gab es mal eine faustdicke Überraschung:

first Corn Snake of the trip

Endlich mal wieder eine Kornnatter!

Eine echte Kornnatter und nicht so ein armes Tier aus der Gefangenschaft.

Egal, die Kornnatter ist ganz bestimmt eine Schönheit. Doch so auffällig ihre Zeichnung und ihre Farbenpracht auch sein mögen, wenn man sie aus der Nähe betrachtet, so unscheinbar kommt die Schlange in ihrem Lebensraum rüber, wenn sie sich auf dem Waldboden befindet, wo bunte Blätter rumliegen und anderer natürlicher Krimskrams:

same specimen after release 

Das Tier wäre definitiv überfahren worden.

Es befand sich gerade mal auf dem Seitenstreifen und hatte noch die ganze Fahrbahn vor sich. Hinter mir aber folgte geradezu eine richtige Wagenkolonne. Und man kann davon ausgehen, dass die Fahrer dieser Autos nicht so aufmerksam gewesen wären wie ich.

Überhaupt ist das Überqueren einer Straße für viele Tiere kaum möglich. Meine Straße war und ist und wird nur wenig befahren, und trotzdem, so meine Schätzung, schafft es nur ein kleiner Teil der Schlangen bis zur anderen Seite. Ich habe ja all die toten Tiere gesehen in den ganzen Nächten und gehe davon aus, dass ich selbst etwa 40 Prozent der Schlangen lebend antraf (und einsackte), 40 Prozent kamen auf dem Asphalt um und gerade mal 20 Prozent überlebten den riskanten Seitenwechsel.

Im Falle einer stark befahrenen Straße wie der oben bereits erwähnten State Road 82 dürfte die Mortalitätsrate viel höher liegen. Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass es überhaupt eine Schlange schaffen könnte, so eine Straße heil zu überqueren. Und wie sieht das dann erst bei einem Highway aus oder einer deutschen Autobahn?

Es betrifft ja nicht nur Schlangen. Langsame Tiere sind ganz allgemein betroffen: Otter, Waschbären oder Opossums habe ich häufig tot auf der Straße gefunden, auch Weißwedelhirsche fielen dem Straßenverkehr immer wieder zum Opfer.

Raben- und Truthahngeier (das Bild zeigt die erstgenannte Art) freuen sich über den allmorgendlich reich gedeckten Tisch:


without road traffic Black and Turkey Vultures would probably not reach these high numbers 

Ohne den Straßenverkehr würden die Bestände der beiden Arten wahrscheinlich einbrechen.

Und auch der Karibikkarakara patrouilliert jeden Morgen die Straße entlang auf der Suche nach Leckereien:


Crested Caracara with a Banded Watersnake which was killed on the road the previous night

Hier hat er sich eine am Abend zuvor geplättete Gebänderte Wassernatter vom Asphalt gefischt.

Es war sehr klug von ihm, mit der Beute an den Straßenrand zu fliegen. Andere Vögel hatten da deutlich mehr Pech:

didn't pay enough attention and died on the road, a Red-shouldered Hawk 

Hier hatte es einen Rotschulterbussard erwischt.

Das wir uns nicht missverstehen, es ist natürlich kein amerikanisches Problem, es ist ein globales. Dass Straßen Lebensräume zerschneiden und für viele Tierarten kaum überwindbar sind, ist ja auch nicht neu.

Egal, eine Bändernatter kroch mir an diesem Abend auch noch vor die Reifen:

Ribbon Snake 

roadcruising for snakes in the late afternoon 

Bevor die Sonne unterging, düste ich an vielen Abenden noch einmal eine letzte Runde durch mein Gebiet. 

Der Weg ist ein Rundwanderweg, den aber niemand geht. Ich selbst bin ihn nur abschnittweise abgegangen, für meine Wandereungen zu Fuß bevorzugte ich jene Pisten, die man eben nicht mit dem PKW erkunden konnte, weil sie zu sandig und zu bucklig waren.

An einem Tag mit klarem Sonnenlicht schoss ich ein paar ganz nette Bilder vom hübschen Weißwedelhirsch:

White-tailed Deer

Es handelt sich hier quasi um das Vorbild für Disneys Bambi!

Doch tatsächlich war Bambi ein Europäisches Reh, spielt die Geschichte des Schriftstellers Felix Salten doch in Österreich und eben nicht in den Staaten. 

Rehe sind süß, aber ein Weißwedelhirsch ist unglaublich schön:


same with friends 

Und drei zusammen sind kaum mehr zu toppen.

Es war das einzige Mal, dass mir diese Art völlig ohne Scheu vor die Kamera lief. Zuvor hatte ich oft nur das Hinterteil gesehen und den sich hin und her bewegenden Schwanz, dessen Unterseite leuchtend weiß ist. Es sah immer so aus, als winkten mir die Tiere verhöhnend zu, so nach dem Motto: gucken ja, Foto nein.

Das hatte dann immer so ausgesehen:

Tja, und jetzt hatte ich diese hübschen Tiere eben doch im Kasten.

Ohne Worte:

Ja, und schließlich war die Sonne bereits hinter einer Hecke verschwunden:




sunset

in front light

Ich fuhr weiter und fand doch tatsächlich noch eine Schlange auf dem Weg:

Garter Snake 

Es war eine Strumpfbandnatter, die ich noch schnell in Bildern festhielt. 

Erst machte ich welche direkt auf dem Weg, und dann, weil sich ein PKW von hinten näherte, noch einige am Straßenrand:

same

Zu guter Letzt entdeckte ich noch einen jungen Alligator, der sich etwas unbeholfen zwischen ins Wasser hineinragenden Zweigen zu verstecken suchte:

young Alligator 

"Du bist enttarnt, du Bengel!" rief ich ihm zu, während ich ihn ablichtete.

Es folgen wieder ein paar Landschaftsbilder:

bushfire was here

Oh, es hat mal wieder gebrannt.

Die immer wieder auftretenden Feuer sind typisch für den Südosten der USA. Sie entfachen sich von allein oder sie werden ganz bewusst gelegt. Man macht das, um optimale Bedingungen zu schaffen für die Sumpfkiefer und all die Pflanzen und Tiere, die im selben Lebensraum vorkommen.

Ein Brand sorgt dafür, das die Vegetation nicht zu dicht wird und die Landschaft ihren offenen bis halboffenen Charakter nicht verliert. Nach so einem Brand geht alles ganz schnell. Nicht zuletzt bedingt durch ausdauernde Regenfälle beginnen die Pflanzen innerhalb kürzester Zeit wieder zu sprießen, sodass es rasch wieder grün wird.

Herrliche Aussicht:

Die machte ich im Prinzip immer nebenbei:

Wer ist da eigentlich der Hauptdarsteller?

Sind es die Wolken, der Himmel oder die Kiefern im Vordergrund? Es gibt keinen, denn nur im Zusammenspiel dieser Komponenten kann eine bestimmte Wirkung entstehen.

Ups, da war auch plötzlich der Mond am rosafarbenen Himmel zu sehen:

Und schließlich war es zappenduster:

the mooooon

Ich weiß nicht, wann genau das war, aber ich unternahm ein einziges Mal auch wieder einen Ausflug zum fast kreisrunden Lake Okeechobee, der mit einem Durchmesser von etwa 50 Kilometern eine beachtliche Fläche besitzt.

Dort traf ich unter vielen anderen Vogelarten auch wieder auf den Rallenkranich:

Limpkin

Ein weiterer hatte fette Beute gemacht und wohl eine Apfelschnecke aus dem Wasser gefischt.

Stolz präsentierte er sie mir:

another one with snail

Auf einer Leitung stand ein einzelner Scherenschwanz-Königstyrann:


Scissor-tailed Flycatcher is a regular winter visitor from the central states of the US, although most birds prefer overwintering in Central America

Ein junger Kanadareiher stand auf einem Zaunpfosten herum und behielt sein Umfeld im Auge:

young Great Blue Heron

Dann begann er sich zu putzen:

same

Ein Schlangenhalsvogel fischte in einem Kanal:

fishing Anhinga

Anders als z. B. ein Kormoran taucht ein Schlangenhalsvogel niemals ganz auf, wenn er Luft holen muss. Der Körper bleibt unter Wasser und nur der Kopf samt Hals erscheint mal hier, mal dort für einen kurzen Augenblick. Dann geht es weiter mit dem nächsten Tauchgang.

An einem Kanal im Big Cypress National Preserve konnte ich diese interessanten Vögel ausgiebig bei ihrer Unterwasserjagd bestaunen, weil das Wasser dort so klar war. Unglaublich elegant und spielerisch gehen Schlangenhasvögel beim Fischen vor, und wenn sie schließlich einen Wels oder Barsch aufgespießt haben mit ihrem Schnabel, dann fängt die eigentliche Show erst richtig an! Die Vögel steigen aus dem Wasser und werfen den Fisch so unglaublich geschickt x-mal durch die Luft, bis sie ihn schließlich passend im Schnabel haben und mit dem Kopf voran verschlingen können.

Ich habe das oft gesehen, und es war das ganz große Kino!

Oh, eine Grüne Wassernatter:

another Green Watersnake

Alligatoren sind in Florida allgegenwärtig:


another Alligator 

Das war am Lake Ocheechobee auch der Fall.

Gleiches gilt für die Spottdrossel, die an der Promenade von Ocheechobee (Stadt) durchs Geäst hüpfte:

Mockingbird 

Es folgt eine verwilderte Moschusente, die normalerweise in Mittel- und Südamerika zu Hause ist:

non-native Muscovy Duck

Sollte euch das Tier trotzdem bekannt vorkommen, dann gibt es auch einen Grund dafür, denn die domestiezierte Variante dieser Art, die so genannte Warzenente, wird auch in Europa sehr häufig gehalten. Meist sind die Tiere dann schneeweiß.

Ein Truthahngeier ruhte sich auf einem Steg aus:


Turkey Vulture

Warum diese Art so heißt, wie sie heißt, kann man sich gut vorstellen.

Der Lake Okeechobee ist nach wie vor wichtig für den Wasserhaushalt der Everglades. Vor seiner Eindeichung trat er nach andauernden Regenfällen immer wieder über die Ufer. Um den See herum befanden und befinden sich auch heute noch ausgedehnte Anbauflächen (z. B. Zuckerrohr). Der Schlamm des Okeechobee gilt nach Einleitungen aus der Landwirtschaft als schwer belastet mit Phosphor und Arsen.

In einem Zeitungsartikel las ich, dass sich die menschliche Bevölkerung Floridas in den kommenden 50 Jahren verdoppeln soll. Das klingt zunächst unglaublich, doch seit 1970 ist sie von 6,8 Millionen Menschen auf über 20 Millionen angestiegen und hat sich somit innerhalb dieses Zeitraumes verdreifacht! Florida boomt, und das sollte eher Angst und Schrecken verbreiten als Freude und Hoffnung! Sowohl Golf- als auch Atlantikküste sind bereits komplett zugebaut, weshalb sich die Siedlungen nur noch ins Landesinnere ausbreiten können. Und das tun sie auch fleißig. Es wird überall gebaut, gerade so, als gäbe es kein Morgen mehr.

Wie ein Krebsgeschwür bilden diese Siedlungen auch Metastasen. Und früher oder später werden sich diese Vorposten mit den von der Küste her auf sie zuwandernden Siedlungen vereinen. Eine dieser Metastasen ist Ave Maria. Der Name allein ist schon grausig genug. Ein Pizza-Mogul hatte den Traum, die erste "wichtige" katholische Universität in den USA seit über 40 Jahren zu gründen. Für ihren Standort wurde seinerzeit ausgerechnet ein weites und ursprüngliches Sumpfgebiet in der Nähe von Immokalee ausgewählt, das man auf der Stelle trockenzulegen begann. Die der Universität angegliederte Stadt gleichen Namens war zunächst auf etwa 8000 Einwohner ausgelegt worden, doch inzwischen hat man auch da "nachgebessert": Längst geht man von 20.000 Einwohnern aus!

Weil das mit dem Trockenlegen des Sumpfes nicht hundertprozentig klappen will, muss im Gebiet immer wieder vom Flugzeug aus mit der Chemiekeule gegen die "Mückenplage" vorgegangen werden. Es darf ja nicht sein, dass die Menschen vom Studium abgelenkt werden und sich dort auch noch mit diesen lästigen Biestern herumschlagen müssen. Resultat: Ave Maria ist das am meisten mit Pestiziden (gegen Moskitos) besprühte Gebiet im Süden Floridas! Die Auswirkungen auf das Ökosystem dürften groß sein.

Ich frage mich, warum Menschen mit viel Geld immer so seltsame Träume haben. Waum sind sie nicht einfach mal von dem Wunsch beseelt, mit ihren herausragenden finanziellen Möglichkeiten etwas für den Erhalt der wunderbaren Natur zu tun? Flächen kaufen z. B., und diese vor der gierigen Menschenlawine schützen. Aber vielleicht hat der Mann nicht nur von einer katholischen Uni geträumt, sondern auch von den so oft zitierten 72 Jungfrauen, die ihn im Jenseits als Dankeschön für seinen grenzenlosen Großmut bis in alle Ewigkeit befriedigen würden.

Ach nee, da bringe ich jetzt was durcheinander, das war ja eine ganz andere bescheuerte Kiste.

Ich bin fünf Jahre nicht im Süden Floridas gewesen. Die Veränderungen sind mir auf der Stelle aufgefallen. Man kann sie auch nur schlecht übersehen! Zwei Gebiete, die ich damals noch regelmäßig aufgesucht hatte, sind inzwischen platt gemacht und in Agrarsteppe bzw. Siedlungsgebiet umgewandelt worden. Ich war wirklich entsetzt, als ich dort stand und meinen Blick schweifen ließ! Mir fiel wirklich die Kinnlade runter. Es wird überall gebaut und gebaut und gebaut. Straßen passen sich dem Mehraufkommen des Verkehrs an und werden verbreitert. Doch das wird nicht reichen, wenn die Zuwachsprognosen auch nur halbwegs stimmen sollten.

Hören die Menschen denn wirklich erst dann mit ihrem Krieg gegen die Natur auf, wenn alles komplett versiegelt ist?

Und woher soll das ganze Wasser kommen? Für die vielen Menschen und für die aggressive Landwirtschaft? Wenn die Everglades erst einmal einen auf Aralsee gemacht haben, wird es zu spät sein! Die hier in Wort und Bild vorgestellten Bewohner Floridas sind nur die Spitze des Eisberges, ein klitzekleiner Teil des überwältigenden Artenspektrums dieser Halbinsel. Doch was wird davon übrig bleiben? Wird davon überhaupt etwas übrig bleiben?

Ich möchte nicht missverstanden werden: Das Problem mit dem Bevölkerungszuwachs und dem daraus resultierenden Bauwahn ist ein weltweites! Doch warum lernen die Menschen nicht aus der Vergangenheit und aus den bereits gemachten Fehlern?

Ein Stück Styropor trieb auf dem Wasser des Sees herum:

this piece of polystyrene conquered by pennywort floated on the water of Lake Ocheechobee. It symbolizes that in the end nature will be the winner

Wassernabel hatte es sich auf dem Floß gemütlich gemacht.

Es ist ein Symbolbild, das zeigen soll, dass die Natur am Ende immer obsiegt. Doch was sich auf den ersten Blick gut liest, ist tatsächlich eher eine Täuschung, denn die vielen Tier- und Pflanzenarten, die in der Zwischenzeit wegen unserer Maßlosigkeit auf der Strecke bleiben und niemals zurückkehren werden, sprechen eine andere Sprache. Die Natur gewinnt am Ende, das steht fest, doch es wird eine Natur sein mit einer deutlich geringeren Artenvielfalt.

Nach nur einem Tag verließ ich den mächtigen und geschundenen See und kehrte zurück in mein Gebiet.

Dort fotografierte ich einen hübschen Kuba-Laubfrosch

Cuban Tree Frog 

Und einen Kanadakranich:


Sandhill Crane

Als ich am frühen Nachmittag im Auto saß und ein paar "Brote" in mich hineinstopfte, tauchte plötzlich wie aus dem Nichts ein riesiger Schwarm der Sumpfschwalbe auf. Diese Vögel überwintern u. a. im Süden Floridas und vagabundieren dort herum. Nie kann man sagen, wo man ihnen am nächsten Tag begegnen wird. Sie sind unstete Nomaden, die es mal hier-, mal dorthin zieht.

Ein kleiner Teil der an mir vorüberziehenden Vögel nutzte die Gelegenheit, im Flug ein bisschen zu trinken, wie es Schwalben halt so zu tun pflegen:


tons of Tree Swallows were migrating through

Das für die Sumpfschwalbe Geschriebene gilt auch für die "Amsel Nordamerikas", die Wanderdrossel:


American Robin

Eine kleine Pfütze am Wegesrand lud die bunten Vögel gleich in Gruppen zum Badespaß ein.

Ein Blaumückenfänger hatte keine Lust darauf, den Freischwimmer zu machen:


Blue-gray Gnatcatcher

Der kleine Vogel, dessen gedehnte und etwas wehleidig klingende Rufe überall ertönen, war mit der Nahrungssuche beschäftigt.

Lustig fand ich immer das Sperlingstäubchen:

Common Ground Dove

Diese winzigen und kurzschwänzigen Tauben liefen in meinem Gebiet oft am Wegesrand herum, um dort zu essen.

Weil sie recht scheu, wenigstens aber sehr schreckhaft sind, ist es eine echte Herausforderung, ein passables Bild von ihnen hinzubekommen. Ich begegnete dieser hübschen Art sehr of, und schließlich hat es immerhin für dieses Foto gereicht.

Das Sperlingstäubchen hat, wenn es auffliegt, eine unglaubliche Beschleunigung. Der kleine Vogel explodiert geradezu! Und im Gegensatz zu Ben Johnson und vielen anderen Sprintstars der Menschheitsgeschichte benötigt es dazu keine verbotenen Substanzen.

Die gesamten drei Wochen war ich also im Reich des Schwarzbären unterwegs:

unfortunately I havn't seen either a Black Bear or a so called "Florida Panther"

Manchmal kommen Schwarzbären nach Immokalee, um dort in den Mülltonnen nach Essbarem zu suchen.

Doch leider tun sie das nie mit Ansage. Denn dann hätte ich mich mit meiner Kamera auf die Lauer legen können. Immerhin konnte mir eine Frau am Lake Trafford ein Video zeigen, das sie mit ihrem Telefon in ihrem Garten aufgenommen hatte. Das sei schon eine spektakuläre Sache gewesen, so meinte sie mit einem breiten Grinsen.

Der Puma ist noch heimlicher als der Bär. Aus wohl werbestrategischen Gründen wird diese große Kleinkatze in Florida als "Florida Panther" bezeichnet, womit man aus dem Tier wohl etwas Einzigartiges machen und auf diese Weise Touristen ins Land locken möchte. So steht es auch auf vielen Schildern, denen man überall begegnet. Doch tatsächlich handelt es sich bei den Pumas Floridas nicht einmal um eine eigenständige Unterart.

Und zu guter Letzt gestehe ich, dass es diesmal auch nicht für einen hübschen Rotluchs gereicht hat.

Der hier schlief tief und fest, als ich ihn im Lichtkegel meiner Taschenlampe entdecke:

this assumed White-eyed Video was sleeping deeply, when I found him while searching for the Rough Green Snake at night with my flashlight

Ich war wirklich erstaunt, da eine Federkugel im Gezweig zu finden, als ich mit meiner Taschenlampe nach der Rauen Grasnatter suchte. Färbung und (fehlende) Zeichnung des Gefieders, aber auch der proportional kurze Schwanz, sprechen für einen Weißaugenvireo. Diese Art habe ich während meiner ganzen Reise immer wieder beobachten können.

Die grüne Schlange, die gerne auf Bäumen und in Büschen lebt, habe ich natürlich auch diesmal nicht finden können, trotz intensiver Suche sowohl am Tage als auch in der Nacht.

Am vorletzten Tag, das war ein Mittwoch, spazierte ich mal wieder eine Sandpiste inmitten eines Kiefernwaldes entlang, als ich plötzlich schon aus der Distanz jemanden auf dem Weg liegen sah.

Jau, so dachte ich mit einem Lächeln auf den Lippen, wenigstens du versteckst dich nicht vor mir:

there is someone laying on the ground

Zugegeben, viel kann man auf diesem Bild noch nicht erkennen. Eigentlich sieht man nur einen dunklen Fleck auf der rechten Hälfte des Weges, etwa dort, wo die Palme ins Bild hineinragt.

Hier aber erkennt man schon deutlich mehr:

Eastern Diamondback – the only specimen of my trip, but a pretty large one (app. five feet long and as strong es my forearms)

Leider nahm diese Diamantklapperschlange sofort die bescheuerte Verteidungsstellung ein, was ich eigentlich nicht so mag.

Und sie rasselte sich einen Wolf, als ich mich ihr behutsam näherte. Das hatte ich in dieser Intensität noch nie erlebt. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Schlange beruhigte. Groß war sie! Und lang! Mit etwa anderthalb Metern war sie die mit Abstand längste Schlange dieser Reise. Ihr Körper war in seiner Mitte etwa so stark wie mein Unterarm. Nur ein einziges Mal hatte ich eine größere Diamantklapperschlange gesehen. Das war vor Jahren im selben Gebiet.

Ich packte mein Teleobjektiv aus und legte mich auf den Boden:


beautiful!

Irgendwann erstarb das anhaltende Geräusch, das die Schlange da zum Besten gab. Sie entspannte sich, weil ich freundlich zu ihr war.

Das ist nicht selbstverständlich!

Auch heute noch werden viele dieser Tiere gezielt gesucht und getötet. Menschen, die nur ein aufgeweichtes Milchbrötchen im Schädel haben, wissen vielleicht auch sonst nichts mit ihrer Zeit anzufangen. Die Diamantklapperschlange hat ohnehin nur ein relativ kleines Verbreitungsgebiet, das sich auf den Südosten der USA beschränkt. Und dort kommt sie auch nur noch punktuell vor, weil, ich hatte das ja ausführlich geschrieben, der Mensch meint, alles zubauen oder in Agrarland umwandeln zu müssen.

Ich besitze ein schönes Buch über die Amphibien und Reptilien des US-Bundesstaates Georgia. Dort kann man nachlesen, dass in diesem Bundesstaat alle Schlangenarten streng geschützt sind – nur die sechs giftigen nicht! Das ist so eine Mentalität, die ich nicht verstehen kann. Alle Schlangenarten im Südosten der USA und wohl auf der ganzen Welt benötigen unseren Schutz in jenen Gebieten, in denen sie natürlicherweise vorkommen.

Aus der Nähe:


Ein ausgewachsenes Indivduum wie dieses dürfte sich vor allem von Östlichen Baumwollschwanzkaninchen ernähren.

Diese Tiere, die fast genauso aussehen wie unser Europäisches Wildkaninchen, kommen in meinem Gebiet in Massen vor. Hungern muss man dort als Klapperschlange also nicht.

Etwas mehr Schlange auf genauso viel Bild:

Was für ein prächtiges Tier!

Ach, was wäre es doch schön, wenn alle Menschen alle wild lebenden Tiere respektieren könnten. Und zwar so, wie sie sind.

Der Lebensraum der Diamantklapperschlange:

habitat of Eastern Diamondback 

Lockere Kiefernwälder mit einem dichten Unterwuchs aus Sägepalmen bieten der großen Schlange optimale Bedingungen.

Im undurchdringlichen Palmendschungel kann sie sich gut verstecken und ist vor bösartigen Menschen sicher. Eine ausgewachsene Diamantklapperschlange sollte als Endglied der Nahrungskette eigentlich keine natürlichen Feinde mehr haben. Bei den Jungtieren sieht das natürlich ganz anders aus. Doch wenn sie diese Phase ihres Lebens erfolgreich abschließen können, droht auch ihnen kaum mehr Gefahr durch andere Tiere. 

Ein weiteres Bild vom Lebensraum:



same

Wäre ich eine Klapperschlange, würde ich Wege meiden.

Jede Begegnung mit einem (dummen) Menschen kann die letzte sein. Und dumme Menschen sind gar nicht so selten.

Ein abschließendes Portrait:

a portrait

Irgendwann machte sich die Klapperschlange auf den Weg.

Ganz gemächlich, eben so, wie es ihrer Natur entspricht, überquerte sie den Weg und verschwand schließlich in der dichten Vegetation. Ich wünschte ihr alles Glück dieser Erde, weil ich weiß, dass sie es brauchen wird.

Kinners, wir nähern uns unaufhaltsam dem Ende. Das ist jetzt nur auf diesen Beitrag bezogen. Die allerletzte Nacht fuhr ich bei sehr angenehmen Temperaturen ein letztes Mal meine Straße ab. Ich fand einige Schlangen, die ich natürlich wieder einbeutelte.

Eine letzte Grüne Wassernatter war dabei:


a last Green Watersnake

Und natürlich auch gleich mehrere Gebänderte Wassernattern, von denen ich aber nur noch eine in Bildern festhielt:





the last Banded Watersnake

Star des späten Abends war die zweite Kornnatter der Reise, hier fotografiert am Ort der Freilassung:

 a second and last Corn Snake

Aus der Nähe sah sie so aus:

same

Am Morgen der Abreise besuchte ich noch ein letztes Mal den Weißbauch-Phoebetyrann, um mich von ihm zu verabschieden und ihm die letzten Mehlwürmer zu geben:

on the morning of departure I visited a last time my friend, the Eastern Phoebe

Danach fuhr ich noch einmal zum Lake Trafford:

a last time I visited the canal at Lake Trafford

 Ich fotografierte noch einmal einen Wiesenstrandläufer:

good bye Least Sandpiper

Und auch einen Fischadler:













































good bye Osprey

Diese in Europa nach wie vor eher seltene Vogelart ist in den USA einfach nur gewöhnlich.

Das war mir bereits vor vielen Jahren am so genannten Watchaug Pond in Rhode Island aufgefallen. In Florida sieht man diesen Greif wirklich überall, und weil er hier nicht scheu ist, könnte man rein theoretisch auch großartige Aufnahmen von ihm machen.

Doch obwohl am Lake Trafford auf engstem Raum bis zu acht Individuen anwesend waren, war an gute Bilder nicht zu denken, denn die Vögel standen ausnahmslos auf viel zu hohen Warten herum, mit oder ohne Fisch. Eine solche Perspektive wäre mir aber nicht wild genug, weshalb ich mich eher mit angezogener Handbremse um den Fischadler gekümmert habe.

Dafür machte ich ein paar mehr Bilder vom Rallenkranich:

good bye Limpkin

Hier stand einer der beiden mehr oder weniger ständig anwesenden Vögel am ganz frühen Morgen auf einem im Wasser liegenden Ast, um sich der Morgentoilette zu widmen.

Und ja, auch die gute alte Teichralle kommt am Lake Trafford vor:




good bye Common Gallinule

Je nach Autor werden die amerikanischen Vögel als eigene Art oder eben als Unterart unserer Teichralle angesehen. Der einzige Unterschied, der mir im Feld auffiel, waren die andersartigen Rufe, die mich an jene des Schimpansen erinnerten.

Eine Carolinataube stand auf einem Zaun herum:

good bye Mourning Dove

Am Lake Trafford kann man ihr bei der Nahrungssuche zusehen.

Ist nichts Besonderes, könnte man meinen, doch sie tut das dort in Gesellschaft eines europäischen Einwanderers, der Türkentaube.

Ein Blaureiher stolzierte auf mich zu und wollte sich von mir verabschieden:

good bye Little Blue Heron

Dieser Vogel war wirklich sehr zutraulich.

Oft lungerte er im Dunstkreis der Angler herum, weil er wohl auch manchmal gefüttert wurde.

same 

Ja, und dann war es leider schon wieder so weit: Ich musste mich auf den Weg zum Flughafen machen.

Nachdem ich das Auto aufgeräumt hatte, fuhr ich los. Auf halber Strecke entdeckte ich noch einen Schneckenweih, der auf einer Leitung neben der Straße stand:

this Snail Kite was the last bird that I took pictures of, good bye!

Der Vogel war nicht scheu, doch die Perspektive war, wie im Falle der Fischadler am Lake Trafford, scheußlich.

Der Schneckenweih kommt vor allem in Südamerika vor. In Florida ist er selten. Wie der Rallenkranich ernährt sich auch dieser Greifvogel in erster Linie von der Apfelschnecke. Während meines dreiwöchigen Aufenthaltes bin ich dieser Vogelart tatsächlich nur zweimal begegnet.

So ist das.

a last Racer

Der Flieger wartete auf mich.

Und ich war auch etwas spät dran. Den Flughafen erreichte ich nur wenige Minuten später. Am Auto gab es nichts zu beanstanden, und so wurde ich schnell durchgewunken. Nur wenig später hatte ich bereits meinen Koffer aufgegeben und die Sicherheitsschleuse passiert. Und dann saß ich bereits auf einem Sessel am Gate.

Noch einmal ein Gürtelfischer:





































Belted Kingfisher

Nach einem eher kurzen Flug erreichte ich Atlanta, wo ich vier Stunden auf meinen Anschlussflug warten musste.

Ich war so hungrig, dass mir fast schlecht wurde, und kaufte mir eine Pizza, die natürlich nur ein Stück war:

this piece of lecker Piiiza I bought at the airport of Atlanta while waiting for my connecting flight

Sie war lecker, doch satt wurde ich nicht.

Also stand ich wieder auf und legte abermals einen langen Fußmarsch zurück, um mir eine zweite Pizza zu holen. Ich meine, die Stücke waren recht groß und für einen Laden in einem Flughafen nicht zu teuer.

So sah die Pizza aus:

mmmh – I was so hungry that I ate a second piece. And then even a third!

Diesmal aß ich sie gleich vor Ort, denn meine Befürchtung war, dass auch dieses zweite Stück noch nicht ausreichen würde.

Ich meine, ich hatte noch vier langweilige Stunden vor mir. Und so, als kleinen Trost, wenn man so will, leistete ich mir doch tatsächlich auch noch ein drittes Stück, das ich auf dem Weg zurück zum Gate verschlang wie ein Kormoran seinen Fisch.

Irgendwann war es dann aber so weit und mein Flieger hob ab. Nach weiteren etwa achteinhalb Stunden empfing mich Düsseldort mit Regen und Kälte. Das war genau das, was ich erwartet und worauf ich mich die ganze Zeit schon gefreut hatte.

Zu guter Letzt gab es da aber tatsächlich etwas, auf das ich mich die ganze Zeit gefreut hatte:



what I was really looking forward to when sitting in the aircraft: lecker Käsebrötchen ;-)

Ja, Kinners, das war's schon wieder!

Sollte ich jemals wieder nach Südflorida fliegen, dann werde ich auch mal andere Gebiete ausprobieren. Zwar habe ich auch diesmal wieder zehn verschiedene Schlangenarten entdecken können, aber eine für mich neue war leider nicht darunter. Ich hätte so furchtbar gerne die Raue Grasnatter gefunden, doch obwohl ich alles gegeben habe, sowohl tagsüber als auch nach Einbruch der Dunkelheit, ist es mir nicht vergönnt gewesen, diese so hübsche Schlange in meinen Händen zu halten. Baffzig Meilen habe ich in den drei Wochen zu Fuß zurückgelegt, noch viel mehr mit dem PKW, immer in der Hoffnung, mal eines dieser Tiere auf einem Weg anzutreffen, doch gefruchtet haben all diese Bemühungen leider nicht.

Nichtsdestotrotz war es wieder einmal eine wunderbare Zeit, die ich im Süden Floridas verbringen durfte. Sie kam mir wie ein Rausch vor. Und natürlich war dieser Rausch wieder einmal viel zu schnell vorbei.

Egal.

Mal schauen, was die Zukunft noch so bringen wird...


Abschließend geht mein Dank für lustige und interessante Gespräche und besonders für die herzliche Gastfreundschaft, die ich insgesamt an der Hälfte der Tage in Anspruch genommen habe, an Laura und Tim sowie an Steve.

Danke!